Impfung gegen Schweinegrippe – wer und wann?

Die Impfung gegen Schweinegrippe kann man für ein Konjunkturprogramm für die Pharmaindustrie halten. Wer jedoch innerliche Medikamente gegen seine Schuppenflechte oder die Psoriasis arthritis nimmt, sollte sich die Antwort nicht ganz so einfach machen.

Alle innerlich eingenommenen Medikamente gegen Psoriasis unterdrücken das Immunsystem oder Teile davon – ausgenommen Fumaderm. Dann ist man durchaus anfälliger für Infektionen – eben auch mit dem Schweinegrippe-Virus. Experten der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) empfehlen die Impfung allen Patienten mit einer schweren entzündlich-rheumatischen Erkrankung (also auch einer Psoriasis arthritis) und denen, die eine immunsuppressive Therapie anwenden. Allerdings fehlen Verträglichkeitsstudien für Patienten mit Rheuma. Deshalb muss jeder Betroffene Nutzen und Risiko für sich ausmachen und ausführlich mit seinem Arzt sprechen.

Die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und des Robert-Koch-Instituts sind nicht eindeutig, was Rheumatiker betrifft. Genannt sind nur Menschen mit „erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens“. „Patienten mit schweren Krankheitsverläufen oder mit immunsuppressiver Therapie gehören aber generell zur Hochrisikogruppe“, sagt der Sprecher der DGRh-Kommission, Professor Klaus Krüger.

Die Impfstoffe gegen H1N1 sind alle sogenannte Tot-Impfstoffe. Deshalb ist ihr Einsatz möglich.

Die Rheuma-Experten wissen aber auch: „Die Impfung kann genau so wie die Infektion an sich einen Schub auslösen“, schreiben sie. Ungewiss ist für sie auch, ob die starken Medikamente den Impfschutz beeinträchtigen. Der Rheumatologe Professor Markus Gaubitz, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie aus Münster meint aber: „Die Impfung lohnt sich in jedem Fall, auch wenn die Impfantwort bei immunsupprimierten Patienten schwächer ausfallen kann.“ Eine Studie mit 112 Patienten mit rheumatoider Arthritis und 18 Kontrollen zeigte im Jahr 2008, dass der Impfschutz unter TNF-α-Inhibitor-Therapie fast genauso stark wie bei anderen Patienten war. (1)

Wer sich zusätzlich gegen die „normale“ saisonale Grippe impfen lassen will, sollte das laut DGRh zusätzlich und nicht zum gleichen Termin wie die H1N1-Impfung durchführen lassen.

Die US-Patientenorganisation National Psoriasis Foundation empfiehlt allen Psoriatikern mit innerlichen Medikamenten die Impfung (2).

Wann sollte geimpft werden?

Das Psoriasis-Netz hörte sich bei den Herstellern der Biologics um und dokumentiert hier die bislang vorliegenden Antworten. Demnach gibt es keine konkreten Empfehlungen für den günstigsten Zeitpunkt zur Impfung, wohl aber Tipps:

Humira (Wirkstoff Adamlimumab): „Es erscheint sinnvoll, die Adalimumab-Injektion und die Grippeimpfung nicht am gleichen Tag und an die gleiche Stelle des Körpers zu injizieren, da Lokalreaktionen auftreten könnten.“

Enbrel (Wirkstoff Etanercept): „Aufgrund der relativ kurzen Halbwertszeit von Enbrel von durchschnittlich drei Tagen, könnte eine Impfung zeitlich genau zwischen zwei Enbrel-Applikationen günstig sein. Zahlen gibt es hierzu allerdings nicht, da spezielle Untersuchungen zur Impfantwort sowie zum Impfrisiko für diese Patientengruppe bislang nicht vorliegen.“ Außerdem gibt es für den Ernstfall eine Empfehlung: „Hat eine Infektion mit Grippeviren bereits stattgefunden, sollte die immunsuppressive Therapie mit TNF-alpha-Blockern abgesetzt werden.“

Stelara (Wirkstoff Ustekinumab): Eine Impfung ist entweder in der Mitte zwischen zwei Injektionen – also nach sechs Wochen – sinnvoll oder spätestens zwei Wochen vor der nächsten Injektion.“ (Auskunft beim Kongress der European Academy of Dermatology and Venereology)

Quellen:

Über Claudia Liebram 279 Artikel
Claudia Liebram ist Berlinerin mit Leib und Seele. Dort arbeitet sie als Redakteurin. Ihre Psoriasis begann, als sie 3 Jahre alt war – viel Erfahrung also, die sie weitergeben kann.

3 Kommentare

  1. Schuppenfrei durch Schweinegrippenimpfung?
    Habe mich Mitte Dezember gegen die Schweinegrippe impfen lassen und 14 Tage später festgestellt, dass [b] alle [/b] ehemals mit Psoriasis befallenen Hautstellen schuppenfrei sind. Gibt es geimpfte Personen, die eine ähnliche Erfahrung gemacht haben?

  2. Bei mir ist echt extrem schlimmer danach geworden!
    Ich habe seither viel mehr befallene Stellen als vorher. Im Sommer war ich fast beschwerdefrei. im November erfolgte die Impfung und anschließend habe ich auch an Stellen Schuppenflecht, dies bislang noch nie befallen waren. Ich würde mich heute nicht mehr impfen lassen!

  3. Bei mir genauso : Extrem schlimmer
    Ich habe mich Im November mit PANDEMIX impfen lassen. Danach war ein Aufblühen an Stellen, die noch nie betroffen waren. Und immer noch blühen neue Stellen auf. Hätte ich das gewußt dann wäre ich nie zur Impfung gegangen!

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