Psoriasis: Die Behandlung von Problemzonen

Die Therapie der Psoriasis hat in den letzten Jahren entscheidende Fortschritte gemacht. Heute ist in den meisten Fällen eine nebenwirkungsarme Therapie möglich, die gute Erfolge zeigt. Allerdings gibt es Problemzonen, vor denen oft auch erfahrene Dermatologen kapitulieren müssen.

So ist zum Beispiel die Kopfhautpsoriasis, an der etwa zwei Drittel aller Psoriatiker leiden, nur sehr schwer zu behandeln. Fast zum Verzweifeln langwierig kann die Behandlung einer Nagelpsoriasis sein. Und ebenfalls sehr heikel ist die Behandlung einer Psoriasis auf Hautfalten, also zum Beispiel in der Achselhöhle, im Genitalbereich, in der Analfalte, den Handinnenflächen und Fussssohlen, der Innenseite der Ellbogen oder Kniekehlen, unter den Brüsten oder im Gehörgang. An all diesen Stellen ist die Behandlung zwar sehr schwierig, aber möglich. Wichtig ist eine konsequente und langfristige Therapie.

Die Kopfhaut gehört zu den am häufigsten befallenen Stellen der Psoriasis vulgaris. „Gemäss Angaben aus der Literatur ist bei 60% aller Psoriasispatienten auch die behaarte Kopfhaut betroffen,“ sagt PD Dr. Frank O. Nestle von der Dermatologischen Klinik des Zürcher Universitätsspitals. „Nach meiner Erfahrung liegt diese Zahl sogar noch höher. Eine Kopfhautpsoriasis ist ein typisches Problem, das man täglich in der Praxis sieht. Leider geht es oft vergessen, obwohl es die Patienten wirklich stört.“

Bei vielen Psoriatikern sind die Schuppen unter dem Haar kaum sichtbar. Lästig sind sie trotzdem, weil sie immer wieder auf die Schultern fallen. Dunkle Hemden oder Blusen sind dann tabu. Wenn die Herde ausgedehnt sind, kann der behaarte Kopf mit dichten Krusten bedeckt sein, die bisweilen an einen Panzer erinnern. Typisch sind auch Schuppenflechteherde an Stirn- und Nackenhaargrenzen und an den Schläfenpartien.

Die Kopfhautpsoriasis ist aber nicht nur ein grosses ästhetisches Problem. „Ist der behaarte Kopf mit dicken Schuppen bedeckt, kann es zu Haarausfall kommen, weil die Schuppen das Haarwachstum behindern“, sagt Dr. Peter Schmid vom Haut + Licht Ärzte- und Therapiezentrum (dem früheren Mavena Derma Center) in Zürich. „In der Regel wachsen die Haare aber wieder nach.“

Kopfhaut nicht reizen

Es lohnt sich deshalb, eine Kopfhautpsoriasis frühzeitig zu behandeln oder sie wenn möglich zu verhindern. „An erster Stelle steht die Vermeidung von Provokationsfaktoren. Patienten sollten den Kamm vorsichtig verwenden. Besser ist eine weiche Bürste, und auch der Fön sollte auf keinen Fall zu heiss eingestellt sein“, empfiehlt PD Dr. Frank O. Nestle.

Psoriasis ist eine reizbare Hautkrankheit und lässt sich provozieren. Wenn man versucht, die Schuppung herauszukämmen oder herauszukratzen, kann man die Krankheit erst recht verschlimmern. Weil eine Psoriasis auf der Kopfhaut stark jucken kann, ist bisweilen sogar ein Antihistaminikum gegen den Juckreiz angezeigt.

Allerdings müssen Schuppen auf dem Haarboden nicht unbedingt eine Psoriasis bedeuten, manchmal kann auch ein Pilz das Problem sein. Deshalb sollte man diese Diagnose zuerst ausschliessen.

Zuerst entschuppen

Wenn man sicher ist, dass es sich um eine Psoriasis handelt, muss die Kopfhaut zuerst entschuppt werden. „Die Schuppen können mit Salizylsäure oder Ölkappen aus den Haaren gelöst werden“, sagt PD Dr. Frank O. Nestle. Dazu geeignet sind salizylsäurehaltige Präparate in Form von Salizylöl oder Salizylcarbowachs, das besser abwaschbar ist. Bei einer starken Schuppung ist eine 5 – 10 prozentige Salizylzubereitung angezeigt. Gute Erfahrung werden auch mit der Lotio Decapans von Widmer gemacht. Ideal ist, diese Mittel über Nacht anzuwenden. Dabei wird ihre Wirkung verstärkt, wenn man sie unter einer Badekappe oder Baumwollmütze einwirken lässt. So kann man auch ein Verschmutzen des Kissens vermeiden.

Am nächsten Morgen wird dann intensiv gebadet oder geduscht und die Schuppen so aus den Haaren gelöst. Wichtig ist dabei die Wahl des richtigen Shampoos. „Am besten helfen Präparate mit Teer, Ketaconazol, Schwefel oder Zinkpyrithion“, sagt PD Dr. Frank O. Nestle.

Manchmal nützt auch eine Therapie gegen Hefepilze, die ein Provokationsfaktor der Kopfhautpsoriasis sein können. „Viele Psoriasispatienten machen gute Erfahrungen mit einem antimykotischen Shampoo wie zum Beispiel Ketaconazol abwechselnd mit einem schuppenlösenden Shampoo“, sagt Dr. Peter Schmid.

Kopfpackungen mit Öl und Salz

Erst nach dem Entschuppen erfolgt die eigentliche Therapie. Bei einer milden Kopfhautpsoriasis können allenfalls Ölpackungen mit Distelöl, Avocadoöl oder Olivenöl ausreichen. Ebenfalls mild und sehr bewährt sind Teerpräparate, die leider allerdings fast alle vom Markt genommen wurden. Eine milde Wirkung haben auch Lotionen mit Hamamelis, ein pflanzliches Präparat, das entzündungshemmend wirkt. Ebenfalls bewährt sind Kopfpackungen wie diejenige der Mavena, die Salz aus dem Toten Meer, Urea und mineralhaltigen Meerschlamm enthält. Dank dieser Kombination wirkt das Präparat schuppenlösend und feuchtigkeitspendend. „Diese Kopfpackung ist sehr beliebt bei den Patienten“, bestätigt Dr. Peter Schmid.

Gut geeignet: Vitamin-D-Präparate

Gut geeignet zur Behandlung der Kopfhaut sind Vitamin-D-Derivate wie Daivonex, Curatoderm oder Silkis. Dabei muss bedacht werden, dass Salizylsäure Vitamin-D-Präparate rasch inaktiviert. Deshalb ist eine Auswaschphase von einigen Tagen bis zu einer Woche sinnvoll nach dem Entschuppen der Kopfhaut mit salizylhaltigen Mitteln.

Die Daivonex Scalp Solution wurde speziell zur Behandlung einer Kopfhautpsoriasis entwickelt. Das Präparat muss zweimal täglich aufgetragen werden. Die alkoholhaltige Lösung kann zudem brennen. „Durch Alkohol kann das Jucken noch verstärkt werden“, bestätigt PD Dr. Frank O. Nestle. „Wichtig ist deshalb die Wahl der richtigen Grundlage. Dabei scheint eine Lotion für die Behandlung der Kopfhaut am besten geeignet. Ebenfalls zweckmässig sind Cremen. Salben hingegen lassen sich nur schwer auswaschen.“

Ganz neu ist auch eine Curatoderm Lotion zur Behandlung der Kopfhautpsoriasis erhältlich, die keinen Alkohol enthält. Hier reicht eine Anwendung pro Tag. PD Dr. Frank O. Nestle hat gute Erfahrungen mit dieser Lotion gemacht: „Wir haben an der Dermatologischen Klinik des Zürcher Universitätsspitals bereits vor Jahren Studien mit diesem Produkt durchgeführt. Dabei erwies sich diese Lotion als sehr effektiv. Ein grosser Vorteil ist die nicht austrocknende, alkoholfreie Grundlage. Diese Öl-in-Wasser Emulsion hat einen pH-Wert von 6,5 und brennt nicht auf der Kopfhaut.“ Die Curatoderm Lotion ist seit Anfang Februar kassenzulässig in der Schweiz.

In schweren Fällen: Kortisonpräparate

Bei einer hartnäckigen Kopfhautpsoriasis bleibt nur die Anwendung von kortisonhaltigen Präparaten am Haarboden. Auch hier stehen alkoholische und nichtalkoholische Lösungen und Cremen in verschiedenen Wirkklassen zur Verfügung. Sinnvoll ist eine Lösung mit einem Salizylzusatz, der die Penetration des Kortisons verstärkt.

Kortison kann auf der Kopfhaut über längere Zeit angewendet werden, weil hier kaum je eine Verdünnung der Haut auftritt, wie sie etwa im Gesicht beobachtet werden kann. Ganz harmlos sind allerdings kortisonhaltige Präparate auch auf der Kopfhaut nicht. Deshalb sollten solche Mittel nicht länger als drei bis vier Tage pro Woche eingesetzt werden. An den übrigen Tagen ist es sinnvoll, ein Vitamin-D-Präparat anzuwenden. „Die gute Wirkung der Vitamin-D-Derivate wird eher unterschätzt“, meint PD Dr. Frank O. Nestle. „Vor allem in Kombination mit Kortison wirken sie sehr gut.“

Die richtige Anwendung

Eminent wichtig ist es, wie ein Präparat angewendet wird. Am besten macht man mit dem Kamm einen Scheitel, nimmt ein bisschen Lotion oder Creme auf den Finger und reibt sie entlang dem Scheitel ein. Dann kommt etwa eineinhalb Zentimeter daneben der nächste Scheitel, wo wieder mit dem Finger eingerieben wird.

Einfacher ist die Anwendung all dieser Mittel natürlich mit kurzen Haaren. Ein Grund, sich die Haare zu schneiden, muss jedoch eine Kopfhautpsoriasis nicht sein. Gerade Umschläge und Kopfpackungen kann man auch bei langen Haaren machen, und Lotionen lassen sich bei langen Haaren ebenfalls bestens anwenden.

Lichtkamm: Gute Erfolge

„Die meisten Patienten mit einer stärkeren Kopfhautpsoriasis verwenden bei uns den Lichtkamm“, sagt Dr. Peter Schmid. „Einige kauften sich sogar einen Lichtkamm für die Weiterbehandlung zu Hause; ich empfehle das, wenn sie eine hartnäckige Psoriasis haben.“

Auch PD Dr. Frank O. Nestle hat mit einem Lichtkamm gute Erfahrungen gemacht: „Der Lichtkamm kann eine Option sein. Man beginnt jeweils mit wenigen Sekunden und steigert um jeweils 20 – 30%. Heute sind sogar Lampen mit Schmalspektrum-UVB erhältlich.“

Die Drei-Schlag-Therapie

Wenn selbst Kortison die Entzündung nicht lindert, kann die sogenannte Drei-Schlag-Therapie helfen. Dabei wird der Haarboden zuerst ausgewaschen. Auf den noch leicht feuchten Haarboden wird eine Kortisontinktur wie zum Beispiel Diprosalic Lösung aufgetragen. Darauf folgt die eine kortisonhaltige Creme. Diese Kombination wird okklusiv unter einer Badekappe über Nacht angewendet und am Morgen ausgewaschen. Diese Behandlung sollte innerhalb von maximal zwei Wochen zum Ziel führen.

Noch wirksamer sind Röntgenstrahlen. Dazu muss man allerdings die Haare kurz schneiden. Zudem wirkt auch diese Therapie zeitlich befristet und es muss eine maximale Strahlendosis beachtet werden. Wird diese erreicht, darf die Therapie nicht wiederholt werden, so dass es sinnvoll ist, Röntgenstrahlen nur im Notfall einzusetzen.

Nagelpsoriasis

Bei etwa 30% aller Patienten mit Schuppenflechte sind auch die Finger- oder Zehennägel betroffen. „Dabei sind die Fingernägel häufiger befallen als die Fussnägel“, sagt PD Dr. Frank O. Nestle. „Wenn jemand von einer Psoriasis-Arthritis betroffen ist, beträgt das Risiko 70%, dass auch eine Nagelpsoriasis auftritt. Deshalb sollten Dermatologen Patienten mit einer Nagelpsoriasis immer auch nach Gelenkbeschwerden fragen.“ Eine Nagelpsoriasis kann ganz selten auch isoliert ohne weiteren Befall des Körpers auftreten.

Ein typische Veränderung am Finger ist der sogenannte Tüpfelnagel. Kleine Dellen von zum Teil weniger als einem Millimeter Durchmesser bedecken die Nagelplatte. Die Ursache liegt in einem Befall der Nagelbildungsstelle am hinteren Nagelfalz.

Sehr häufig ist auch der sogenannte Ölfleck. Wenn kleine Psoriasisherde unter dem Nagel auftreten, die erst entzündlich sind, aber noch keine Schuppenbildung zeigen, zeigt sich das auf dem Nagel als lachsfarbener Fleck.

Wenn sich ein unter dem Nagel liegender Herd vergrössert, kommt es zu einer langsamen Abhebung der Nagelplatte, der sogenannten Onycholyse. Bei starker Verhornung und Mitbeteiligung der Nagelbildungsstelle zerbröselt der Nagel oder fällt ganz ab. Die sogenannten Krümelnägel schmerzen zwar im allgemeinen nicht, aber wenn Nägel hochgradig verdickt sind, müssen sie abgetragen werden. Wer Nagelveränderungen feststellt, sollte deshalb nicht zuwarten.

Vermeidung von Provokationsfaktoren

Besonders wichtig ist auch bei einer Nagelpsoriasis das Meiden von Provokationsfaktoren. „Dazu sollte die Nägel kurz geschnitten werden“, sagt PD Dr. Frank O. Nestle. Vor allem Personen, die manuell tätig sind, sollten die Nägel kurz halten. So werden sie weniger angeschlagen und es kommt seltener zu einem Abheben des Nagels, aber auch zu Öflecken oder einer Anhäufung von Hornmasse unter dem Nagel.

Vor allem brüchige Nägel sollten erst nach einem lauwarmen Ölbad, Teerbad oder am besten sogar einem Teerölbad geschnitten werden. So wird die Nagelmasse weicher und es gibt weniger mechanische Kräfte, die den Nagel aufsplittern könnten. „Vor dem Schneiden sollte man die Nägel waschen und fetten, damit sie weniger splittern“, meint PD Dr. Frank O. Nestle. „Meiden sollte man eine aggressive Maniküre oder Pediküre sowie Manipulationen am Nagelhäutchen. Sinnvoll ist hingegen eine rückfettende Pflegecreme.“

„Psoriasispatienten sollte ihre Nägel immer gut zurückschneiden oder zurückfeilen“, meint auch Dr. Peter Schmid. „Gut geeignet dafür sind batteriebetriebene kleine Nagelfräsen.“

Diagnose sichern

Oft ist es nicht einfach, eine Nagelpsoriasis von einer Pilzinfektion zu unterscheiden. Manchmal kommt es zu einer Superinfektion, also zu einer Pilzinfektion auf einer bestehenden Psoriasis. „Bei einem starken Nagelbefall sollte man überprüfen, ob nicht auch ein Pilzbefall vorliegt. Wenn ein Nagel auch von einem Pilz befallen ist, sollte immer beides behandelt werden. Aber auf keinen Fall sollte man ohne Pilznachweis eine Pilztherapie durchführen“, sagt Dr. Peter Schmid. Wichtig ist zudem, dass abgeklärt wird, um was für einen Pilz es sich handelt.

Langwierige Therapie

„Die Behandlung der Nagelpsoriasis gehört zu den undankbarsten Aufgaben“, seufzt Dr. Peter Schmid. Tatsächlich dauert eine Therapie vier bis sechs Monate, weil die Nägel relativ langsam nachwachsen.

Sehr wichtig ist auch, dass man am richtigen Ort behandelt. „Medikamente sollte man nicht auf die Nagelplatte streichen; dort dringt überhaupt nichts hindurch. Behandelt werden sollte der Nagelwall zwischen dem Nagelhäutchen und der Nagelplatte und die Haut unter dem Nagel“, sagt Dr. Peter Schmid.

Vitamin-D-Derivate und Kortison

„Zur Behandlung einer Nagelpsoriasis können Vitamin-D-Derivate oder Steroide verwendet werden“, sagt PD Dr. Frank O. Nestle.

Tatsächlich konnte die gute Wirkung von Daivonex bei einer Nagelpsoriasis in zahlreichen Studien aufgezeigt werden. In schwereren Fällen kann die Kombination mit einem Kortisonpräparat sinnvoll sein.

Wichtig ist auch hier die Wahl der Grundlage. „Lösungen stören weniger, aber Salben oder Cremen dringen vermutlich besser ein“, sagt Dr. Peter Schmid. So kann man zum Beispiel die Daivonex Scalp Solution oder eine Kortison Lösung unter den Nagel träufeln. Wichtig ist vor allem, dass man auch eine Creme oder Salbe im Bereich der Nagelwurzel und am Nagelwall einmassiert, denn dort wird ja der Nagel produziert.

Okklusiv behandeln

Noch besser als ein einfaches Auftragen wirkt eine Okklusivbehandlung. „Die okklusive Anwendung von Vitamin-D-Derivaten oder Steroiden wirkt sehr gut“, sagt Dr. Peter Schmid. „Fingerlinge sind dazu gut geeignet, aber relativ unangenehm. Ich empfehle deshalb, Handschuhe aus Polyäthylen zu verwenden. Da kann man auch ein Loch in die Handfläche schneiden, damit sie angenehmer zu tragen sind. Wenn das Rascheln beim Einschlafen stört, sollte man Baumwollhandschuhe darüber anziehen. Wenn man dann nach zwei oder drei Stunden erwacht wegen der Handschuhe, kann man sie problemlos ausziehen, denn innerhalb dieser Zeit ist der Wirkstoff eingedrungen. Gut geeignet ist für eine okklusive Behandlung auch das Pflaster Varihesive extradünn.“

Gezielt bestrahlen

Auch eine Nagelpsoriasis kann mit Licht behandelt werden. Dazu wurden spezielle Punktstrahler entwickelt. Dr. Peter Schmid wendet den sogenannten Bluepoint oft an: „Bei einigen Patienten funktioniert das sehr gut. Wer einen Lichtkamm besitzt, kann diesen auch zur Behandlung der Fingernägel einsetzen. So können gleichzeitig mehrere Fingernägel bestrahlt werden. Manchmal kommt es allerdings vor, dass beim selben Patienten ein Nagel anspricht und andere nicht.“ Auch hier gilt zudem, dass die Therapie konsequent über mehrere Wochen oder Monate durchgeführt werden muss. Kortisonspritzen und Röntgenstrahlen

In hartnäckigen Fällen kann eine Kortisonspritze angezeigt sein. Mit der Nadel kann das allerdings sehr schmerzhaft sein. „Besser verträglich ist der Dermojet, den wir an der Dermatologischen Klinik oft verwenden“, meint PD Dr. Frank O. Nestle. Dabei wird mit Überdruck eine Kortisonkristallsuspension in die Haut hinein gesprengt.

„Eine Option ist auch die Anwendung von Röntgenstrahlen, besonders dann, wenn Nägel ausgefallen sind. Das funktioniert allerdings nicht bei jedem Nagel“, ergänzt PD Dr. Frank O. Nestle. Wie bei der Kopfhaut lässt sich diese Behandlung auch beim Nagel nur wenige Male durchführen, weil eine Maximaldosis an Röntgenstrahlen nicht überschritten werden sollte.

Krümelnägel: Einweichen oder abschleifen

Wenn man zu spät handelt oder die Psoriasis sehr aggressiv ist, verdickt sich der Nagel oder es kommt sogar zum sogenannten psoriatischen Krümelnagel, bei dem nur noch kleine Nagelreste da sind. Ein solcher Nagel sollte unbedingt verdünnt werden, weil sonst Mikroorganismen eindringen können. „Die Nägel darf man aber auf keinen Fall ausreissen“, warnt Dr. Peter Schmid. „Wenn sie entfernt werden müssen, sollte man sie okklusiv mit einer Salbe mit 40% Harnstoff ablösen. Das dauert etwa zehn Tage. Danach kann man die Nagelplatte über längere Zeit mit Daivonex behandeln.“

Wenn die Nägel sehr stark verdickt sind, kann man sie auch abfeilen oder fräsen. Dabei kann es sinnvoll sein, den Nagel einer Podologin anzuvertrauen, die auch die entsprechenden Geräte hat.

Psoriasis in Hautfalten

Körperregionen, in denen Haut auf Haut zu liegen kommt, sind wegen der Scheuerwirkung, der Feuchtigkeit und der Wärme besonders anfällig für die Bildung von Psoriasisherden. Wenn eine Schuppenflechte ausschliesslich in Körperfalten auftritt, also unter den Achseln, in Ellbogen, Kniekehlen, Leistenbeugen, in der Gesässfalte oder unter den Brüsten, wird sie als Psoriasis inversa bezeichnet. Sie ist dann schwer zu erkennen und wird oft mit einem Ekzem oder einem Hefepilzbefall verwechselt.

Doch auch bei Personen mit einer Psoriasis vulgaris, ganz besonders bei Übergewichtigen und oft bei Patienten im mittleren Alter, tritt die Psoriasis ab und zu in Hautfalten auf. Die Erscheinungsform in den Körperbeugen ist eher nässend als schuppend, die betroffenen Stellen können sogar wund werden. „Eine Psoriasis inversa ist vor allem unangenehm in zwischenmenschlichen Beziehungen, dies ganz besonders, wenn auch der Genitalbereich betroffen ist“, meint PD Dr. Frank O. Nestle.

Enge Kleider meiden

Die Reibung von Haut auf Haut und vor allem Infektionen müssen bei Ansätzen einer Psoriasis in Hautfalten unbedingt vermieden werden. Deshalb sollte man darauf achten, dass man die Reibung möglichst gering hält. Empfehlenswert sind weite, bequeme Kleider aus Baumwolle, Leinen oder Seide. Männer können statt Unterhosen Boxershorts tragen. Enge Jeans oder Kragen an Hemden, die unnötig scheuern, sollten Psoriatiker möglichst selten anziehen.

Schwierige Behandlung

Die Behandlung der Psoriasis in Körperfalten ist besonders schwierig. Salben sollten nicht angewendet werden. Weil an diesen Stellen Haut auf Haut liegt, herrscht bereits ein feuchtes, okklusives Milieu. Besser geeignet sind deshalb Cremen oder Lotionen, die weniger stark fetten.

In entzündlichen Phasen sollte eine Psoriasis in Hautfalten zuerst trockengelegt werden. Dazu geeignet sind Farben, zum Beispiel Gentiana-Violett, Eosin-Lösung oder Color Castellani. Allerdings können diese Präparate brennen, sind schwierig anzuwenden, kaum mehr zu entfernen, wenn sie auf den Boden tropfen und deshalb bei den Patienten nicht beliebt.

Angenehmer in der Anwendung sind Pasten. „Eine weiche Zinkpaste eignet sich gut für die Dauerbehandlung oder sogar als Prophylaxe“, sagt zum Beispiel Dr. Peter Schmid.

Gut wirken in Hautfalten entzündungshemmende Bäder – zum Beispiel mit Kamille oder Ringelblume – oder Salzbäder. Auch kalte Schwarzteeumschläge können Wunder wirken, denn Schwarztee wirkt antientzündlich und gerbt leicht. Dazu macht man einen Topf Schwarztee mit zwei, drei Beuteln, lässt den Tee ziehen und erkalten. In den kalten Tee wird ein Waschlappen oder Gaze getaucht und der Umschlag dann 20 bis 30 Minuten auf die psoriatische Stelle gelegt.

Kortisonpräparate höchstens kurzzeitig

Wegen der an sich schon dünnen Haut ist die Anwendung von Steroiden problematisch. So sagt PD Dr. Frank O. Nestle: „Kortisonpräparate dürfen an diesen Stellen nur kurzfristig angewendet werden. Vitamin-D-Präparate sind ebenfalls geeignet, wenn keine Hautreizung auftritt.“ Tatsächlich vertragen viele Patienten die Daivonex Creme, Curatoderm oder Silkis auch in Hautfalten, wenn die Präparate nur dünn aufgetragen werden. Sollte dabei eine Reizung auftreten, kann man einfach weniger auftragen oder eine Pause einlegen.

Dr. Peter Schmid empfiehlt ebenfalls, in Hautfalten nur schwache Kortisonpräparate anzuwenden: „Daktacort oder Imacort sind milde Kortisonpräparate, die auch etwas längere Zeit in Hautfalten angewendet werden können. Das gilt zum Beispiel auch für Risse hinter den Ohren, wo die Haut eigentlich sehr dünn ist.“

Eine Alternative können Mittel gegen Pilze wie zum Beispiel die Nizoral Creme sein, denn gerade im feuchtwarmen Milieu kann sich sehr leicht eine Hefepilzinfektion entwickeln.

Topische Immunmodulatoren

Erst seit kurzer Zeit in der Schweiz registriert sind Immunmodulatoren, die äusserlich angewendet werden können wie Protopic oder Elidel. Beide Präparate könnten auch bei einer Psoriasis in Hautfalten helfen. „Diese Präparate werden zwar vorwiegend bei der Neurodermitis angewendet und können normalerweise wegen des hohen Molekulargewichts gar nicht durch die psoriatische Haut dringen,“ sagt PD Dr. Frank O. Nestle. „Im intertriginösen Bereich hingegen funktioniert es, weil die epidermale Barriere herabgesetzt ist, und wir hatten damit schon einige Erfolge zu verzeichnen. Protopic kann übrigens okklusiv auch auf ausgedünnter Haut angewendet werden, zum Beispiel wenn über zu lange Zeit Steroide gebraucht wurden.“

Psoriasis im Gehörgang

Oft sind bei Psoriasispatienten auch die Ohren und Gehörgänge betroffen; Entzündungen sind entsprechend häufig. „Wenn sich im Gehörgang Schuppen bilden, kann aus einer Mischung von Schuppen und Ohrenschmalz ein Ceruminalpfropfen entstehen. In diesem Fall sollte man eine Ohrspülung durchführen lassen, sagt Dr. Peter Schmid.

Auch die Behandlung ist nicht einfach. „Bei einer leichten Psoriasis reicht oft die Daivonex Scalp Solution aus. Ebenfalls gut wirksam ist die Kenacort Lösung, die allerdings viel Alkohol enthält. Weniger Alkohol enthält die Elocom Lösung. Wenn die Psoriasis sehr stark ist, kann man ganz kurzfristig Betnovate Lotio anwenden. All diese Lösungen lassen sich gut mit einem Wattestäbchen auftragen. Allerdings sollte nichts auf das Trommelfell gelangen.“

Wenn eine Psoriasis im Gehörgang stark juckt, sollte man gemäss Dr. Peter Schmid zudem überprüfen, ob eine Superinfektion mit einem Hefepilz (Candida albicans) oder einem Schimmelpilz vorliegt.

Erfolge mit Lichtbehandlungen

Gut geeignet für eine Psoriasis in Hautfalten ist auch ein UV-Therapie. So sagt PD Dr. Nestle: „Manchmal kann eine lokale UVB-Therapie helfen, die zum Beispiel mit einem Lichtkamm gut durchgeführt werden kann.“ Auch Dr. Peter Schmid hat damit gute Erfahrungen gemacht: „Der Lichtkamm kann auch für andere Körperstellen verwendet werden, wenn sie gut entschuppt sind. Das Risiko besteht allerdings, dass man sich verbrennt, wenn man die Zeiten zu rasch steigert.“

Ebenfalls wirksam: Innerliche Therapien

Für alle Problemzonen gilt, dass auch eine innerliche Therapie hilft. So sollte selbstverständlich vermieden werden, dass eine Kopfhautpsoriasis zu einem bleibenden Haarausfall führt. Auch wenn mehr als zehn Nägel betroffen sind, sollte an eine systemische Therapie gedacht werden.

In Frage kommen dann zum Beispiel Retinoide. In ganz schweren Fällen können sogar Methotrexat oder Immunsuppressiva wie Neoral angezeigt sein. Selbstverständlich besteht auch hier Hoffnung, dass in nächster Zeit neue Medikamente auf den Markt kommen werden, welche die Entzündung der Psoriasis ganz gezielt blockieren, indem sie in das Immunsystem eingreifen und die überschiessende Aktivität der körpereigenen T-Abwehrzellen hemmen.

Martin Stürzinger

Aus: Journal der Schweizerischen Psoriasis- und Vitiligo-Gesellschaft, Heft 02/2003; mit freundlicher Genehmigung des Autors

Anschrift der Vereinigung: SPVG, Postfach, 8048 Zürich; E-Mail: mailto:spvg@bluewin.ch

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2 Kommentare

  1. Informationen sehr sehr hilfreich und bereichernd,
    leide seit 4Monaten unter dieser aggressiven Nagelpsoriasis wobei die Finger sowohl auch der ganze Handballen jetzt angegriffen ist werde vom Dermatologen mit 30gKortisonssalbe behandelt, was allerdings nur kurze Zeit hilft und dann immer wieder und noch stärker wiederkommt,sehr verzeifelt schon bin. mfg Kerstin Gabriel

  2. Hallo Mitleidende, also ich habe schon keine Ahnung wie viele Salben ausprobiert und mein neuer Hausarzt hatte mir auch die Daivonex empfohlen. Das ist die erste Creme ohne Steroide die bei mir geholfen hat. Klar gibt es immer wieder Rückfälle, aber nach zwei Tagen Anwendung sieht man sofort wieder eine Besserung. Kann ich nur empfehlen!!! Nur bei meinen Nägeln konnte mir bis jetzt noch keiner helfen.

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