Skelett-Szintigraphie ist eine wichtige Untersuchung, wenn bei Psoriasis zusätzlich Arthritis vermutet wird
Von Nicola Siegmund-Schultze
Etwa 80.000 Menschen in Deutschland leiden an Arthritis psoriatica, der zweithäufigsten chronischen Gelenkentzündung nach rheumatoider Arthritis. Die manifeste Psoriasis-Arthritis von Psoriasis ohne Gelenkbeteiligung, aber mit Gelenkschmerzen, und der chronischen Polyarthritis abzugrenzen, ist wichtig, denn die Prognosen der Erkrankten unterscheiden sich und teilweise auch die medikamentöse Therapie.
Diese Differentialdiagnostik kann schwierig sein, wie Experten auf einer Fortbildungsveranstaltung des Rheumazentrums Rhein-Main in Frankurt / Main deutlich gemacht haben. Wenn nach klinischer Diagnostik und Laboruntersuchungen noch Fragen beantwortet werden müssen, zum Beispiel nach der Aktivität der Erkrankung, ist die Szintigraphie ein wichtiges diagnostisches Instrument.
Gelenkschmerzen kommen auch ohne Arthritis vor
Patienten mit Arthritis psoriatica haben Polyarthritis ohne Rheumafaktoren und Schuppenflechte an Haut oder Nägeln. Es gibt allerdings auch Psoriasis-Arthritis-Patienten mit positivem Rheumafaktor oder solche, bei denen die Krankheit von einer rheumatoiden Arthritis in die Psoriasis-Arthritis übergeht. Etwa jeder zehnte Psoriasis-Patient hat Gelenkschmerzen ohne Arthritis.
"Wenn es differentialdiagnostische Schwierigkeiten gibt, zum Beispiel in der Beurteilung des Befallsmusters, oder wenn es Beschwerden, die der Patient schildert, zu objektivieren gilt, kann eine Drei-Phasen-Skelett-Szintigraphie außerordentlich hilfreich sein", sagte Privatdozent Christian Menzel, Nuklearmediziner an der Universitätsklinik Frankfurt /Main.
Bei vielen Patienten, die dauerhaft Schmerzen hätten, entwickele sich bei der Schmerzempfindung eine Eigendynamik, so Menzel zur "Ärzte Zeitung". Bei der Methode erhalten die Kranken intravenös ein Radiopharmakon, zum Beispiel 99Technetium-Diphosphonat. In den drei Phasen, der Tracer-Einstrom-, der Mehranreicherungs- und der statischen Phase werden die klinisch auffälligen Gelenke, die regional hyperämischen Bezirke und die Knochen untersucht. Qualitativ hochwertige Einzelaufnahmen der Extremitäten ergänzen dabei die Ganzkörperaufnahmen.
"Bei der Erst- oder Frühdiagnostik einer Arthritis ist diese Methode in Bezug auf die Sensitivität und die Zahl der evaluierbaren Parameter allen anderen bildgebenden Verfahren überlegen", sagte Menzel. Die Strahlenbelastung betrage 3,2 Milli-Sievert, weniger als bei Mammographie (fünf Milli-Sievert) oder Computer-Tomographie des Abdomens (acht Milli-Sievert). Allerdings sei konventionelles Röntgen nicht überflüssig.
Nicht alle Medikamente, die gegen eine rheumatoide Arthritis helfen, wirkten auch bei Psoriasis-Arthritis, so Dr. Frank Behrens von der Universitätsklinik Frankfurt /Main. Goldpräparate hätten bei Arthritis psoriatica keine Bedeutung. Sulfasalazin scheine zu wirken, überzeugende Studiendaten gebe es aber nicht.
Methotrexat steht nach den Worten von Behrens im Vordergrund der Therapie, auch Ciclosporin beeinflusse sowohl die Gelenk- als auch die Hautmanifestationen günstig. Allerdings setze die Wirkung von Methotrexat im Durchschnitt erst nach drei Monaten ein.
Tumornekrose-Faktor-Hemmer wirken oft schon nach 14 Tagen
Einer Patientin, die auf Methotrexat nicht mehr ansprach und nach langjähriger Psoriasis wieder Gelenkentzündungen bekam, half Leflunomid. "Diese Substanz wirkt rasch, meist innerhalb von 28 Tagen", erläuterte Behrens. Aber für die Anwendung in der Praxis fehlten noch Studiendaten. Eine Untersuchung mit 136 Kranken sei geplant. Ebenfalls rascher als der "Klassiker" milderten Tumornekrose-Faktor -Hemmer wie Etanercept oder Infliximab die Erkrankung, meist schon nach zwölf bis 14 Tagen. Aber auch für diese Pharmaka stünden größere Studien noch aus. Wichtig sei, spezifischere Therapien als bisher zu etablieren, die sowohl Gelenk- als auch Hautveränderungen entgegenwirkten.
STICHWORT
Psoriasis-Arthritis kann Finger verstümmeln
Bei Schuppenflechte manifestieren sich meist Hautveränderungen vor einer Arthritis, seltener entwickeln sie sich zeitgleich mit Gelenkentzündungen. Beide Geschlechter erkranken etwa gleich häufig, meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Bei Befall mehrere Gelenke sind oft Endgelenke der Finger und Mittel- oder Endgelenke der Zehen betroffen. Häufig sind auch Iliosakralarthritis und Spondylarthritis. Bei jedem fünften Patienten verläuft die Krankheit erosiv-destruierend, und bei etwa fünf Prozent werden Finger oder Zehen verstümmelt (Arthritis mutilans).
Quelle: Ärzte Zeitung vom 17.01.2002








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