Vereinsmeierei auf Kosten der Patienten

Professor Mrowietz (Kiel) in der Kritik

Professor Ulrich Mrowietz ist einer der renommiertesten Hautärzte Deutschlands. Im Februar 2006 hielt er in Berlin vor Ärzten einen Vortrag über "Psoriasis im Alter". Ein anderer Hautarzt sagte uns, dass der Vortrag sehr interessant und informativ gewesen sei. Deshalb hätten wir gerne die wichtigsten Informationen daraus an alle Psoriatiker weitergegeben. Ein Drittel aller Menschen mit Schuppenflechte bekommen die Krankheit erst im Alter. Außerdem werden auch junge Betroffene irgendwann einmal alt. Sie müssen dann mit ihrer Psoriasis leben. Doch der Uni-Professor lehnte es ab, uns eine Kopie seiner Powerpoint-Präsentation zu überlassen.

Wir hätten verstanden, dass er uns den Vortrag nicht zur Verfügung stellen will, wenn er vorgehabt hätte, seine Erkenntnisse später zu veröffentlichen. Professor Mrowietz begründete seine Ablehnung aber anders: Er arbeite seit Jahren eng mit dem Deutschen Psoriasis Bund (DPB) zusammen und wolle keine "Splittergruppen" unterstützen. Damit meint er das Psoriasis Forum Berlin, die Psoriasis Selbsthilfegruppe München, das Psoriasis-Netz und die anderen PSOAG-Gruppen. Unsere Initiativen würden einen "unguten Wettbewerb" hervorrufen und eine starke Lobby der Psoriatiker verhindern. Er riet uns allen Ernstes, wir sollten doch Mitglied im DPB werden.

Professor Mrowietz lehrt und forscht an der Universität in Kiel. Wir vermuten, dass er und sein Institut überwiegend aus Steuermitteln finanziert werden. Deshalb haben wir ihm einen Protestbrief gegen diese einseitige Bevorzugung des DPB geschrieben. Viele Ärzte, die wir ansprechen, helfen uns mit fachlichem Rat. Nicht ist jeder bereit, mit "Patienten" fachlich zu diskutieren. Nicht jeder kann sich die Zeit dafür nehmen. Aber niemand hat uns Informationen zur Schuppenflechte nur deshalb verweigert, weil wir nicht im "richtigen" Psoriasis-Lobby-Verband sind.

Wir erwarten von einem Dermatologen, dem das Wohl der Patienten wichtig ist, dass er im Rahmen seiner Möglichkeiten mit allen Betroffenen zusammen arbeitet – unabhängig davon ob und wie sie in der Selbsthilfe organisiert sind. Wir meinen, ein Professor im Öffentlichen Dienst darf nicht einzelne Verbände bevorzugen und alle anderen ausschließen.

In seiner Antwort auf die Kritik hat Prof. Mrowietz zurückgerudert. Jetzt beruft er sich auf sein "geistiges Eigentum", das er nicht jedem zur Verfügung stellen müsse. Da hat er wohl Recht. Weshalb hat er bloß anfangs eine andere Begründung genannt?

Wer sich für die Hintergründe interessiert, kann sich den Briefwechsel als pdf-Dateien ansehen. Rolf Blaga

Für Interessierte:

– der Brief der Psoriasis Selbsthilfe Arbeitsgemeinschaft an Professor Mrowietz (PDF)