„Liebe ist nicht von der Haut abhängig“

Tamara Öldü berichtet: „Mein Bruder sagte irgendwann zu mir, ,wenn ich diese Krankheit hätte, würde ich mich umbringen‘. Er konnte damals nicht wissen, dass auch er betroffen sein wird.“ Der Erfahrungsbericht einer Betroffenen.

Es ist zwar nicht einfach mit dieser Krankheit zu leben, aber man muss sich bewusst sein, dass es hierfür keine Heilung gibt. Ich selbst habe diese Krankheit seit meinem 3. Lebensjahr ( heute 30 ). Alle typischen Stellen sind betroffen (Beine, Ellenbogen, Kopfhaut…).

Als Kind und Jugendliche bin ich damit überhaupt nicht klargekommen. Wie sagt man doch „Kinder können sehr grausam sein“. Mit 17 bin ich für sechs Wochen zur Kur ( Tomesa ). Diese 6 Wochen waren „Balsam für meine Seele“.

Endlich traf ich Leute, die an genau der selben Krankeit litten (vorher kannte ich niemanden, der auch Schuppenflechte hatte). Auch die Zeit danach – das erste Mal OHNE die „Schuppe“ war wunderbar. Ich konnte ins Schwimmbad, Kleider anziehen (was ich vorher noch nie gemacht habe).

Allerdings trat der erste Schub nach einigen Wochen wieder auf und es war schlimmer als jemals zuvor. Nicht gerade die Krankheit, aber mein psychische Verfassung. Ich war so weit oben und bin dann so weit hinab gefallen. Daher beschloss ich, keine Kur mehr zu machen.Ich musste einfach lernen, damit zurecht zukommen. Mein Bruder sagte irgendwann zu mir, „wenn ich diese Krankheit hätte, würde ich mich umbringen“. Er konnte damals nicht wissen, dass auch er betroffen sein wird. Ihn hat es über Nacht erwischt und wesentlich schlimmer als mich.

1992 war ich dann mit meinem Vater in Sivas. Ich war genau 2 Tage da ( leider bekam ich Lungenentzündung ), aber die Schuppenflechte war weg!!

Es dauerte genau einen Monat, bis sie wieder da war. Und schon wieder fiel ich in ein ziemliches tiefes Loch. Kurz nach meinem Aufenthalt in der Türkei lernte ich meinen Mann kennen. Er hatte und hat bis heute keine Problem mit dieser Krankheit. Ich habe festgestellt, dass weder irgendwelche Salben oder Medikamente noch die Ernährung dazu beitragen, dass es zu einer Besserung kommt. Sobald ich Stress habe (und den habe ich täglich) wird meine Hautbild schlechter.

Heute habe ich erfahren, dass mein Antrag zur Kur genehmigt wurde. Und diesmal werde ich nicht in ein tiefes schwarzes Loch fallen, da ich diese Kur nur mache, um einfach abzuschalten.

Denjenigen, die denken, dass sie durch diese Krankheit keinen Partner finden werden oder nicht geliebt werden, möchte ich noch sagen, dass Liebe nicht von der Haut abhängig ist. Meine Eltern haben mich 20 Jahre von einem Arzt zum anderen, von einem Heilpraktiker zum anderen geschleppt. Sie haben wirklich alles getan, was in ihrer Macht stand, wollten aber auch nie wahrhaben, dass ihre Tochter mit so einer Krankheit geschlagen ist. Fakt ist, dass ich immer glaubte, dass sie sich für mich schämen, aber das war nicht der Fall. Mein Mann sagt immer, dass er mich so liebt, wie ich bin. Und das hilft mir.

Natürlich habe auch ich Tage, an denen ich frage „WARUM GERADE ICH“. Das ist, denke ich, auch normal. Aber man sollte niemals zulassen, dass diese Krankheit einen daran hindert das Leben in vollen Zügen zu genießen. Eigentlich kann es uns doch vollkommen egal sein, was die Leute denken, die scheinen ohnehin keinen Spiegel daheim zu haben.

Liebe Grüsse, Tamara (35)

1 Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*