Gestörtes Hautsinnes-Erleben bei Psoriasis

Von manchen Menschen sagt man, sie hätten ein ausgesprochen „dickes Fell“, andere seien dagegen in ihrem Gefühlsleben eher „dünnhäutig“ und könnten dennoch „aus ihrer Haut nicht heraus“. Immer wieder muss die Haut herhalten, wenn seelische Eigenschaften möglichst plastisch beschrieben werden sollen. Indessen erlebt man viele Gefühle tatsächlich auch auf der Haut. Sie nimmt als größtes Sinnesorgan des Körpers jeden Berührungsreiz wahr und kann sehr empfindlich auf angenehme und unangenehme Hautsinneserlebnisse reagieren.

Oft hängen auch psychische Konflikte mit den Hautempfindungen ganz unmittelbar zusammen. Wem beispielsweise aufregende Erlebnisse „unter die Haut gehen“, reagiert darauf unter Umständen mit einem plötzlichen Hautausschlag. Ein Beispiel dafür sind die Akne-Patienten – obwohl sich ihre Haut nach einer gewissen Zeit beruhigt, treten über Nacht wieder neue Pickel auf. In früherer Zeit vermuteten Dermatologen und Psychiater einen Zusammenhang zwischen dem Entstehen der Schuppenflechte (Psoriasis) und einem gestörten Hautsinneserleben, sodass sich jemand auch äußerlich ein „dickes Fell“ zulegt. Immerhin kann die Dicke der Haut eines Psoriatikers um das 23-fache zunehmen.

Wenn von „Organen“ die Rede ist, denkt kaum jemand an die Haut, obwohl sie mit eineinhalb Quadratmetern Fläche das größte Organ ist. Sie besteht aus zwei Lagen: der Oberhaut, gebildet aus Hornhaut und Keimschicht, sowie der Lederhaut, in die Haare, Drüsen und Sinneszellen eingelagert sind. In der darunter liegenden Keimschicht bilden sich neue Zellen (Balsalzellen), die sich besonders häufig teilen. Sie schieben nach außen, schützen und verhornen die Oberfläche und werden als Schuppen wieder abgerieben.

Eine der wichtigsten Aufgaben der Haut – neben dem Schutz vor Verletzungen – ist die Temperaturregelung. Schweißdrüsen in der Lederhaut sondern dazu täglich Flüssigkeit ab, die aus Wasser, Salzen und anderen Stoffwechselprodukten besteht. Bei Hitze und großer Anstrengung weiten sich die Gefäße, die Drüsen arbeiten vermehrt, es wird mehr Schweiß abgesondert. Die Hautfeuchtigkeit verdunstet dann je nach Bedarf und leitet auf diese Weise recht erhebliche Wärmemengen ab. Darüber hinaus ist die Haut wesentlich an Atmung und Stoffwechsel sowie an der Bildung von Hormonen beteiligt.

Unter den vielen Hauterkrankungen ist die einfache Entzündung (Dermatitis) am leichtesten zu erkennen. Scheuernde Kleidungsstücke, ätzende Chemikalien, aber auch ein Sonnenbrand oder heftiges Kratzen können sie auslösen. Wird das Grundübel beseitigt, so heilt sie rasch ab. Anders dagegen beim Ekzem, das zu den am häufigsten vorkommenden Hautleiden zählt. Meist ist es schwierig, seine Ursache festzustellen. Fast immer führen Stoffwechselstörungen, seelische Einflüsse oder eine Überempfindlichkeit gegen bestimmte Stoffe zu dieser Erkrankung. Es ist im Gegensatz zu einer Flechte, mit der das Ekzem oft verwechselt wird, nicht ansteckend. Hat sich die Haut einfach nur entzündet, so kann man sie mit reizlinderndem Puder oder Zinkmixturen selbst behandeln. Führt diese Eigenbehandlung aber nicht rasch zum Erfolg, dann ist es besser, möglichst bald den Hautarzt aufzusuchen.

Aus diesem Grund ist Hautpflege auch kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Mindestens einmal täglich sollte der Körper gewaschen oder geduscht werden, um Schweißreste und verschmutzten Hauttalg samt den immer vorhandenen Bakterien zu entfernen. übrigens zerstört zu starker Gebrauch von Seife den Säuremantel der Haut, der für die Abwehr von Infektionen unentbehrlich ist. Sehr trockene oder stark strapazierte Haut sollte man anschließend mit pflegenden Cremes oder öl einreiben. Ein tägliches Luftbad und Bürstenmassagen fördern die Durchblutung. Zusammen mit einer vernünftigen Ernährung sowie geeigneten kosmetischen Präparaten ist dann alles getan, um die Haut möglichst lang voll funktionsfähig, jung und elastisch zu erhalten. PAM

Quelle: Frankfurter Rundschau, 30.10.1999

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