„Die Haut – unsere empfindsame Hülle“

„Die Haut – unsere empfindsame Hülle“

von Maria-E. Lange-Ernst; Auszug, 12. Kapitel

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Ausdruck von Hautstress – Schuppenflechte und Ekzem

Jeder fünfzigste Bewohner Mitteleuropas ist von Psoriasis, der Schuppenflechte, geplagt. Über die Ursache dieser außergewöhnlichen Hautverdickung streiten sich die Experten. Jedoch wird Hautstreß in Gemeinsamkeit mit dem Bemühen innerer und äußerlich sichtbarer Abwehr als Ausgangssituation der Hautveränderung in Betracht gezogen. Es scheint, als versuchte die empfindsame Hülle eine dicke Barriere aufzubauen und diese zwischen sich und die feindliche Umwelt zu schieben. Die Veranlagung zur Ausbildung einer Schuppenflechte ist mit höchster Wahrscheinlichkeit vererbbar. Sie zählt zu den Allgemeinerkrankungen mit dem Ausdrucksorgan Haut und ist nicht ansteckend!

Der Begriff Psoriasis kommt vom griechischen psora und bedeutet Krätze, Räude. Mit dem Erscheinungsbild der Schuppenflechte, die, wie das Wort sagt, durch eine übermäßige Schuppung der Haut zum Ausdruck kommt, sind jedoch weder Krätze noch Räude in engen Zusammenhang zu bringen.

Ganz bestimmte Auslöser wie chemische und mechanische Irritationen, klimatische Veränderungen oder auch Stoffwechselstörungen, verursacht durch eine Schwangerschaft, die Stillperiode oder die Wechseljahre, veranlassen die Haut zu deutlicher Verdickung und extremer Schuppung. Die Psoriasis tritt chronisch und in Schüben auf. Sie befällt mit wechselnder Ausdehnung die Ellenbogen und Knie, den behaarten Kopf, die Handteller und Fußsohlen, Körperfalten, Fingernägel und das Gesicht. Auf der Haut entstehen weißgelbrötliche Erhebungen (Mikropusteln) bis hin zu flächig erhabenen, scharf abgegrenzten Entzündungsbezirken. Die Krankheit befällt nicht nur die Haut, sondern auch das Bindegewebe und manchmal sogar das Knochengerüst. Beobachtungen aus der Tierwelt lassen die Vermutung zu, dass die Natur bestimmte Möglichkeiten in ihrem erstaunlichen Programm vorsieht, mit dem Ausdrucksorgan Haut auf gewisse innere und äußere Reizsituationen zu antworten. Die Haut von Delphinen und Zahnwalen verändert sich zum Beispiel unter bestimmten Bedingungen in ähnlicher Weise wie menschliche Haut mit dem Krankheitsbild Schuppenflechte.

Für die Betroffenen bedeutet Psoriasis körperliche und seelische Diskriminierung zugleich. Sie werden von ihrer Umwelt nicht selten wie Aussätzige behandelt und gemieden. Der Besuch von Sportveranstaltungen, öffentlichen Saunen und Schwimmbädern bleibt ihnen verwehrt, obgleich keine Gefahr der Ansteckung gegeben ist. Vereinsamung und seelische Störungen, Enttäuschungen im Berufsleben und im privaten Bereich lassen diese Menschen kontaktarm und abgekapselt leben, verdammen sie zu persönlichen Einschränkungen, die das Krankheitsbild nur noch ungünstiger beeinflussen.

Die Psoriatiker haben deshalb Interessenverbände gegründet. Sie organisieren Reisen, den gemeinsamen Besuch von Schwimmbädern und sportlichen Veranstaltungen. Das ist zwar begrüßenswert, aber sie bleiben letztendlich doch unter sich; sie besitzen keine Lobby, noch deutet sich ein Sinneswandel bei der Bevölkerung an, mit Menschen, die durch ihr äußeres Erscheinungsbild schon genügend gestraft sind, nähere Kontakte zu pflegen. Wie außerordentlich kosmetische, ästhetisch störende Hautveränderungen die Umgebung zur Abwehr und Abkehr veranlassen können, zeigt sich in besonderem Maße bei den Psoriatikern.

Deshalb ist es mir ein ganz besonderes Anliegen, Sie, liebe Leserinnen und Leser, zu bitten, Ihre eventuellen Vorurteile abzubauen, und Sie zu bewegen, mit den Betroffenen ganz normal umgehen zu lernen, um ihnen den Stempel des Ausgeschlossenseins zu nehmen. Bedenken Sie, dass ursächlich seelische Störungen und Enttäuschungen, manchmal lieblose Behandlung in der Kindheit für das Krankheitsbild verantwortlich zu machen sind. Die Verdickungen der Haut können unter anderem die Antwort auf tiefsitzende Traurigkeiten sein. Jede menschliche Zuwendung erleichtert das Leben des Betroffenen, und Ihre Überwindung wird Ihnen von Herzen gedankt, denn hinter der verdickten Hautbarriere verbirgt sich meistens ein besonders empfindsamer, wertvoller Mensch.

Eine ursächlich wirksame Behandlung der Allgemeinerkrankung

Schuppenflechte ist (noch) nicht möglich. Bestrahlungen mit UV-Licht und Bäder in salzhaltigem Wasser (in Verbindung mit Sonneneinwirkung am Toten Meer z.B.) bewirken eine Besserung des Leidens. Ebenfalls können Retinoide (Vitamin A und Vitamin-A-Säure) bei äußerer Anwendung als aussichtsreich bezeichnet werden. Die Behandlung sollte sich aber nicht allein auf das Ausdrucksorgan der Allgemeinerkrankung beschränken. Neben der hautärztlichen Therapie können Gespräche (Gruppentherapie) und vor allem das Verständnis im sozialen Umfeld eine große Hilfe sein, das Hautbild deutlich zu verbessern. Hypnose, Verhaltenstherapie sowie die Behandlung mit Frischzellen können die Therapierung der Schuppenflechte unterstützen. Sehr wichtig ist es, mit dem Betroffenen darauf hinzuarbeiten, dass er sich selber öffnet und zur Bewältigung seines Leidens aktiv beitragen möchte.

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