Schuppenflechte ist kein Grund zur Isolation

Hautleiden nicht ansteckend – Hautärzte beantworten Leserfragen bei Telefonforum

Schuppenflechte – in der Fachsprache Psoriasis genannt – ist eine der häufigsten Hautkrankheiten. Entspre- chend groß war das Leserinteresse beim Telefonforum der „Freien Presse“ am vergangenen Freitag, als Hautärzte, zwei Stunden lang Fragen der Anrufer beantworteten. Nachfolgend eine Zusammenfassung.

Seit einiger Zeit habe ich Gelenkbeschwerden. Gibt es einen Zusammenhang mit meiner Schuppenflechte?

Das ist durchaus möglich. Eine besondere Form der Schuppenflechte zieht auch die Gelenke in Mitleidenschaft. Sie sollten auf jeden Fall einen Hautarzt oder Internisten, der über Ihre Schuppenflechte Bescheid weiß, aufsuchen.

Unter meinen Fingernägeln habe ich weißliche Veränderungen festgestellt. Ist das ein Anzeichen für Schuppenflechte?

Es gibt sehr viele Erscheinungsformen der Psoriasis. Hände oder Füße, Gelenke, Nägel, Knie und Ellenbogen oder Kopfhaut – all diese Körperteile können betroffen sein. Bei Ihnen kann es sich aber auch um eine Pilzinfektion handeln.

Gibt es außer Salben und Cremes noch andere Behandlungsmöglichkeiten der Schuppenflechte?

Die äußerliche lokale Behandlung mit Vitamin-D3-Präparaten (also Salben, Cremes oder auch Lösungen), Kortison- und Dithranol-Salben oder Teer-Präparaten hat sich bewährt. Man kann sie durch Lichtbestrahlung ergänzen. Badekuren, Entspannungstraining, Gesprächs- oder Psychotherapien können die Behandlung unterstützen. Eine medikamentöse Therapie mit Tabletten oder Injektionen wird nur bei schweren, akuten Fällen eingesetzt.

Lichtbehandlungen sollen ja einen positiven Einfluß auf die Psoriasis haben. Genügt auch eine handelsübliche Sonnenbank?

Ihre Psoriasis würde dadurch sicher nicht besser werden. Medizinische Bestrahlungen benötigen ein ganz bestimmtes Licht, das sogenannte UVB- oder UVA-Licht. Außerdem werden in der Regel Medikamente, die die Haut für dieses Licht empfänglicher machen, verabreicht. Dazu kommt, daß eine Photo-Therapie oft durch andere Maßnahmen ergänzt wird, zum Beispiel durch Calcipotriol-Salbe oder Cremes.

Kann ich die Krankheit durch meine Ernährung beeinflussen?

Eigentlich nicht, da Schuppenflechte keine allergische Reaktion ist. Allerdings gibt es Patienten, die auf bestimmte Nahrungsmittel wie zum Beispiel Fisch schwören. Man sollte ganz nach seinem Appetit essen, aber Schädliches wie übermäßigen Alkohol- oder Nikotinkonsum vermeiden.

Wie kann ich meine Kopfhaut behandeln? Teerprodukte riechen unangenehm und Salben lassen das Haar fettig aussehen.

Schuppenflechte am Kopf ist besonders unangenehm, denn die betroffenen Stellen können stark jucken, und die Umwelt reagiert oft ablehnend auf die sichtbare Schuppung. Bislang war die Behandlung schwierig, aber seit kurzem gibt es eine kosmetisch angenehme Calcipotriol-Lösung. Dieser Wirkstoff stand bisher nur in Salben oder Cremes zur Verfügung. Bei der Anwendung sollte man daran denken, daß die Haut und nicht das Haar behandelt werden muß. Am besten scheitelt man mit einem Kamm die Haare über den betroffenen Stellen und tröpfelt die Lösung sparsam auf. Dann massieren Sie das Präparat mit einem Finger ein.

Schuppenflechte am Kopf ist besonders unangenehm, denn die betroffenen Stellen können stark jucken, und die Umwelt reagiert oft ablehnend auf die sichtbare Schuppung. Bislang war die Behandlung schwierig, aber seit kurzem gibt es eine kosmetisch angenehme Calcipotriol-Lösung. Dieser Wirkstoff stand bisher nur in Salben oder Cremes zur Verfügung. Bei der Anwendung sollte man daran denken, daß die Haut und nicht das Haar behandelt werden muß. Am besten scheitelt man mit einem Kamm die Haare über den betroffenen Stellen und tröpfelt die Lösung sparsam auf. Dann massieren Sie das Präparat mit einem Finger ein.

Eine Mitschülerin hat Schuppenflechte. Können wir uns anstecken, zum Beispiel beim Sport?

Nein. Schuppenflechte ist weder durch Hautkontakte noch durch Benutzen derselben Tasse und auch nicht durch sexuelle Kontakte übertragbar. Sie sollten Ihrer Klassenkameradin den Umgang mit ihrer Krankheit erleichtern, indem Sie sie nicht aus gemeinsamen Aktivitäten ausschließen.

Meine 19jährige Tochter hat viele Cremes und Salben verschrieben bekommen. Sie benutzt sie allerdings kaum noch, da die Wirkung ausbleibt. Was kann man ihr raten?

Die Behandlung der Schuppenflechte erfordert immer viel Geduld und Disziplin. Eine kontinuierliche und sorgfältige Anwendung der verschriebenen Präparate ist nun einmal notwendig, sonst kann sich auch keine Besserung einstellen. Wenn die ambulante Behandlung keinen Erfolg zeigt, kann Ihre Tochter einen Aufenthalt in einer Haut-Reha-Klinik beantragen, der jedoch mindestens drei bis vier Wochen dauert. Vorher sollte allerdings überprüft werden, ob eine Entzündung, zum Beispiel der Mandeln, vorliegt, das kann nämlich einen Therapieerfolg verhindern.

Der Mann meiner Tochter hat Schuppenflechte. Werden ihre Kinder ebenfalls daran erkranken?

Die Anlage zur Schuppenflechte wird zwar vererbt, aber niemand kann sagen, ob und wann die Krankheit ausbricht. Wenn nur Ihr Schwiegersohn unter Psoriasis leidet, ist die Wahrscheinlichkeit etwa fünfmal größer als bei Kindern gesunder Eltern. Haben beide Elternteile Psoriasis, ist das Risiko etwa 20mal so groß

Meine Schuppenflechte wurde bislang mit Kortisonpräparaten behandelt. Kann ich diese Salben auch während der Schwangerschaft anwenden?

Während Schwangerschaft und Stillzeit sollten Sie eine Therapie mit UVB-Licht durchführen. Damit können ganz gezielt die betroffenen Hautpartien bestrahlt werden. Ihr Hautarzt kann Ihnen zusätzlich eine Vitamin-D-Salbe oder -Creme verschreiben, oder für die Kopfhaut eine Speziallösung.

Quelle: Freie Presse, 8.12.1998

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