Hilft Psychotherapie bei Schuppenflechte?

Wer an Psoriasis (Schuppenflechte) erkrankt ist, leidet nicht allein unter der Krankheit, sondern oft auch an den Reaktionen seiner Mitmenschen. So kann neben der medikamentösen Behandlung auch eine psychotherapeutische Betreuung wichtig sein. Unsere Mitarbeiterin Renate Wiechmann befragte dazu Anneliese Wein, Psychotherapeutin vom Institut für Gestalttherapie in Berlin.

Welches sind die psychisch belastenden Faktoren?

Durch die Sichtbarkeit der chronischen Hauterkrankung kommt es zu Ängsten vor Entstellung und Ablehnung. Dies führt häufig zu einem sozialen Rückzug mit Alkohol- und Medikamentenmissbrauch, zu Selbstzweifeln und Selbstabwertung, zu depressiven Verstimmungen bis hin zu Resignation und zu überhöhten Leistungsansprüchen. Da die Psoriasis zu den besonders durch Stress beeinflussbaren Hauterkrankungen zählt, werden die beschriebenen psychischen Ausw irkungen zu einem verstärkenden Faktor. Es entsteht ein fataler Kreislauf, der für die Betroffenen schwer zu erkennen ist, da von der Auslösung bis zum Ausbruch eines erneuten Schubs zwei bis drei Wochen vergehen.

Wie profitiert der Betroffene von einer Psychotherapie?

Die Psychotherapie hilft, andere Wege der Krankheits- und Stressbewältigung zu entdecken und zu erfahren. Sie unterstützt die Suche nach auslösenden Faktoren und Konflikten, aktiviert die Selbstheilungskräfte und ermöglicht dadurch eine Reduzierung der Symptomatik. Sie hilft beim Abbau der sozialen Ängste und der hohen Grundspannung, beim Aufbau sozialer Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit und beim Wiederentdecken positiver Lebensgefühle und -perspektiven. Die Auseinandersetzung mit der chronischen Hauterkrankung wird gefördert.

Bei wem und wo kann man solch eine Therapie machen?

Die Therapie kann über das IGG, Institut für Gestalttherapie und Gestaltpädagogik, Wielandstraße 43, 12 159 Berlin, Tel.: 030 / 859 30 30, vermittelt werden.

Welche nicht-medikamentösen Faktoren können weiterhin die Schuppenflechte bessern?

Neben der Psychotherapie sind hier Selbsthilfegruppen und Entspannungstraining zu nennen.

Quelle: Berliner Morgenpost, 27. Mai 2000

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