Berlin: Alternativ-Mediziner kooperieren

kamillenkapsel_grDie Abteilung und Hochschulambulanz für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus und die Charité Ambulanz für Prävention und Integrative Medizin (CHAMP) kooperieren ab sofort. Beide Einrichtungen erweitern die Behandlungsmaßnahmen der  Schulmedizin durch nicht-schulmedizinische Therapien, sofern dafür wissenschaftliche Studienergebnisse oder eigene Studien vorliegen. Forschungsergebnisse und langjährige Erfahrungen der jeweiligen Ärzte-Teams werden miteinander abgestimmt, so dass jetzt noch besser darüber informiert werden kann, welche „komplementären“ Therapien geeignet sein könnten.

Umgangssprachlich bezeichnet man alle Therapiekonzepte als „Alternativ-Medizin“, die nicht zur „konventionellen Schulmedizin“ zählen. Dazu gehören Verfahren der Naturheilkunde, deren Wirkungen nachweisbar und wissenschaftlich erklärbar sind – beispielsweise die von einzelnen Heilpflanzen. Unter diesem Oberbegriff werden aber auch Therapien genannt, die umstritten sind und deren Wirkungen nicht oder nicht sicher nachzuweisen sind – wie Homöopathie. Schließlich werden unter diesem Begriff auch Behandlungsmethoden genannt, deren Wirkung zweifelhaft, nicht erwiesen oder sogar auszuschließen ist, wie Bio-Energetik, Magnetfeld-Therapie bis hin zur Germanischen Neuen Medizin.

„Komplementärmedizin“ oder „Integrative Medizin“ meint aber etwas anderes: Beide Kliniken haben sich in der Vergangenheit nicht damit beschäftigt, die Schulmedizin zu ersetzen, d.h. alternative Behandlungsmöglichkeiten herauszufinden. In den jetzt kooperierenden Einrichtungen arbeiten keine Heilpraktiker, sondern Ärzte, die gesetzliche und standesrechtliche Vorschriften beachten müssen. Sie kennen die konventionellen Behandlungskonzepte für verschiedene Krankheiten, bedienen sich aber weiterer Maßnahmen und Mittel, um die Schulmedizin zu ergänzen und zu unterstützen.

Die Klinik für Naturheilkunde gibt es in Berlin seit 1995 an unterschiedlichen Standorten. Sie gehört jetzt zum Immanuel-Krankenhaus in Berlin-Wannsee und  ist die älteste ihrer Art in Deutschland. Patienten können sich stationär oder ambulant mit klassischen Naturheilverfahren behandeln lassen oder ihre Selbstheilungskräfte durch Mind-Body-Medizin fördern. Die CHAMP wurde 2007 vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie gegründet. Patienten können sich beraten („Gesundheits-Coaching“) und behandeln lassen. Außerdem werden Kurse angeboten – zum Beispiel zum Fasten, zur Raucherentwöhnung, zur Entspannung und Stressbewältigung oder zur Stärkung von Wirbelsäule und Muskulatur bei Rückschmerzen. Im Seminarzentrum finden Vorträge zur Gesundheitsförderung statt, um Patienten gezielt zur natürlichen Selbsttherapie zu ermuntern.

Beide Einrichtungen bieten ein breites Spektrum zusätzlicher Behandlungsmöglichkeiten an. Einen Teil der Leistungen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen, vor allem bei stationärem Aufenthalt oder den Präventionskursen.

Foto: mashe – Fotolia.com

Über Rolf Blaga 115 Artikel
Rolf Blaga hat bis 2012 als Studienrat in Berlin am Oberstufenzentrum Gesundheit unterrichtet. Seit 1993 ist er aktiv in der Psoriasis-Selbsthilfe tätig, sowohl regional im Psoriasis Forum Berlin als auch überregional in der Psoriasis Selbsthilfe Arbeitsgemeinschaft.

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