Uni-Hautklinik Heidelberg nimmt die Seele mit

In der Tagesklinik der Hautklinik der Uni Heidelberg wird nicht nur geschmiert, gebadet, bestrahlt und gespritzt: Ärzte aus verschiedenen Fachrichtungen und die Krankenschwestern und Pfleger der Station fühlen sich auch für die Seele ihrer Patienten zuständig. Autogenes Training und andere Techniken zur Entspannung sind im Alltag bei den Behandlungen dabei – und nicht nur in speziellen Sitzungen.

Vor allem Patienten mit chronischen Hauterkrankungen wie Schuppenflechte und Neurodermitis profitieren von dem umfassenden Behandlungskonzept, aber auch Patienten, bei denen kleine operative Eingriffe vorgenommen werden. „Ich halte die Arbeit für essentiell und notwendig, weil wir den Menschen im Ganzen, also Haut und Seele behandeln wollen“, sagt Privatdozentin Dr. Birgit Kahle, Oberärztin in der Universitäts-Hautklinik Heidelberg.

Die Stationsmitarbeiter, in einer Arbeitsgruppe namens „Balsam“ vereint, werden wiederum von der Psychotherapeutin Sabine Rittner von der Abteilung für Medizinische Psychologie des Heidelberger Klinikums geschult. Langfristig wird untersucht, wie sich die Therapie auf den Krankheitsverlauf und die Lebensqualität auswirken.

Katharina Wettich-Hauser, Krankenschwester und Stationsleiterin, wechselt sich mit ihren Kolleginnen Jana Walter, Panja Küpper und Shirin Sina-Stock bei den Therapiesitzungen ab. „Mit Atemübungen,

Autogenem Training oder Progressiver Muskelentspannung werden die Selbstheilungskräfte des Patienten geweckt“, erklärt die Stationschefin.

Zur Anwendung kommen die Übungen aber nicht nur in den Gruppensitzungen. Sie haben auch im Stationsalltag ihren Platz gefunden. So begleitet eine „Balsam“-Krankenschwester den Patienten bei schmerzhaften Wundbehandlungen. Durch spezielle Übungen wird die Aufmerksamkeit des Kranken von seinen Schmerzen auf eine angenehmere Ebene gehoben. „Wir erzielen deutliche Erfolge, der Schmerzmittelverbrauch ist drastisch gesunken“, berichtet Katharina Wettich-Hauser.

Die Gruppe Balsam ist mittlerweile eine feste Institution in der dermatologischen Tagesklinik. Der Erfolg ist nicht nur bei den Patienten spürbar, auch die Belegschaft bleibt selbst an anstrengenden Tagen gelassen. „Wir können dem Patienten nur Ruhe vermitteln, wenn wir selbst entspannt sind“, sagt Katharina Wettich-Hauser. Therapiesitzungen, die bislang zweimal wöchentlich stattfinden, sind auch für die Mitarbeiter eine willkommene Entspannungsmöglichkeit.

Die Übungen sind einfach durchzuführen und können von den Patienten zu Hause fortgesetzt werden. Eine schriftliche Anleitung sowie Literatur-Hinweise und Internet-Adressen zum Nachschlagen werden dem Patienten an die Hand gegeben.

Das Gästebuch im Aufenthaltsraum der Station zeugt vom Erfolg. Sätze wie „Meine Seele ist gerne hier. Vielen Dank.“ geben dabei dem Balsam-Team neue Motivation.

Quelle: idw, 11.08.2005

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