Bald keine ambulanten Kuren mehr?

50 Arbeitsplätze sehen die Geschäftsführer der Kur-Gesellschaften in Bad Homburg, Peter Bruckmaier, und Bad Soden, Bodo Scholz, sowie ihr Kollege Rainer Ost von einem Therapie-Fachzentrum in Bad Nauheim in Gefahr, wenn ihre Kureinrichtungen Hautkranke nicht mehr ambulant behandeln dürfen. Unter Berufung auf einen Beschluss des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenhassen teilte der in Frankfurt ansässige Verband der Angestellten-Krankenkassen und Arbeiter-Ersatzkassen-Verband mit, dass „kurortspezifische Heilmittel“ von Vertragsärzten nicht mehr verordnet werden dürfen.

Zu den von Verordnungen und Kostenübernahme ausgeschlossenen Heilmitteln gehört die ambulante Behandlung von chronisch an Schuppenflechte (Psoriasis) und Neurodermitis Erkrankten mit der Balneo-Photo-Therapie.

Die traditionelle Therapie mit Sole-Bad und UV-Licht-Behandlung wird in den drei Heilbädern Bad Homburg, Bad Soden und Bad Nauheim seit mehr als zehn Jahren mit den örtlichen, natürlichen Sole-Heilquellen ohne weitere pharmazeutische Zusätze verabreicht. In Abstimmung mit den Krankenkassen und Versicherungen seien für Einrichtung und Betrieb der Therapiezentren Millionen Mark investiert worden, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der drei Gewschäftsführer. Im Einzugsbereich der drei Heilbäder (vom Vogelsberg bis Wiesbaden) würden jährlich etwa 2000 chronisch Kranke behandelt. Die Anzahl der Schuppenflechte- und Neurodermitis-Patienten sei in den letzten Jahren „stark steigend“.

Würde die derzeit ambulante und wohnortnahe Behandlung nicht länger akzeptiert, entfielen in den drei Heilbädern mehr als 70 000 Anwendungen. Die drei Geschäftsführer fürchten, dass ihre Therapiezentren geschlossen werden müssten und etwa 50 Arbeitsplätze (davon 25 in Bad Soden und 20 in Bad Homburg) verloren gingen.

Eine Begründung für die Einschränkung teilten die Kassenverbände den Therapieträgern nicht mit. Unklar ist den Geschäftsführern, warum Sole-Photo-Therapien künftig nur im Rahmen von Vorsorge- und Rehabilitationskuren gestattet und örtlichen Patienten vorenthalten werden. Die „Unlogik“ sei umso unverständlicher, da bei einer ambulanten, wohnortnahen Versorgung im Vergleich selbst zu einer (offenen) Kur andernorts die Kosten weitaus geringer seien. Zudem seien Behandlungen mit natürlichen Heilquellen günstiger als Behandlungen mit pharmazeutischen Mitteln.

Laut Kurdirektor Peter Bruckmaier koste die ambulante Therapie einer ausgeprägten Schuppenflechte zwischen 1500 und 4000 Mark im Jahr, die Kosten aus der kassenärztlichen Versorgung lägen zwischen 100 und 1200 Mark. Ein Vier-Wochen-Aufenthalt in einer Reha-Klinik beziffert Bruckmaier hingegen auf 4200 Mark. Die weiteren Ausgaben für Medikamente lägen bei chronisch Kranken zwischen 4500 und 10 000 Mark im Jahr.

Quelle: Frankfurter Rundschau, 23.12.1999

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