Neukirchen: Behandlungserfolge überzeugten Skeptiker

Behandlungserfolge überzeugten Skeptiker

Rötz. Als sich vor 14 Jahren, 1986, unter der Trägerschaft von Dr. rer. nat. Gruia lonescu in Neukirchen beim Hl. Blut eine Spezialklinik für Hauterkrankungen etablierte, ahnten wohl nur wenige von den weitreichenden Auswirkungen, die das Haus einmal haben wird. Schon bald wurde das Haus in Neukirchen zu klein. In Rötz stand gerade das ehemalige städtische Krankenhaus zum Verkauf. Dr. lonescu nutzte 1988 die Gelegenheit, das Angebot um 60 Rötzer Betten auf heute 140 Klinik-Betten aufzustocken. Damit wurde die Einrichtung deutschlandweit zu einer der größten Akutkliniken für Hauterkrankungen. Davon sind 40 Betten für Kinder ab dem 6. Lebensmonat und ständig belegt.

Ärztlicher Direktor Dr. med. Thomas Klyscz erinnert sich an den damals „sehr bescheidenen baulichen Zustand“ des Rötzer Hauses, bedingt durch den Umstand, vielen Fachrichtungen Platz und Raum bieten zu müssen. „Heute wäre das so nicht mehr machbar“, so die Einschätzung des Mediziners, der eher in der Spezialisierung und Konzentration eines Hauses auf einige „artverwandte“ Sachgebiete eine Zukunft sieht.

Aufwendige Diagnostik

Die Spezialklinik Neukirchen mit dem Haus Rötz ist eine Anlaufstelle für Hauterkrankungen: Neurodermitis, Schuppenflechte, chronische Ekzeme, Nesselsucht und seit letztem Jahr auch Bindegewebserkrankungen (Panzerhaut) werden hier erfolgreich behandelt, ebenso wie eine Reihe weiterer und seltenerer Krankheitsbilder. Die Behandlung in der Klinik ist ganzheitlich und übergreifend. Zu dem medizinischen Team zählt ein Psychologe ebenso wie zwei Ernährungsberaterinnen. Vor der Behandlung wird eine umfangreiche Diagnose erstellt.

Dieser Aufwand lohnt sich: Je genauer die Diagnose, desto effektiver und sicherer kann sich ein Behandlungserfolg einstellen. Die aufwendige Diagnostik – die sich über Tage hinziehen kann – dürfte eines der Erfolgsgeheimnisse der Klinik sein.

Dabei arbeite man gerne auch mit den benachbarten Krankenhäusern und medizinischen Instituten zusammen. Die für richtig erachteten Therapien werden individuell auf die einzelnen Patienten abgestimmt. Dr. med. Thomas Klyscz definiert das Ziel der Klinik: eine schulmedizinisch abgesicherte Diagnose und Behandlung mit der Maxime, den Patienten unter Einsatz modernsten medizinischen Wissens unter gleichzeitigem Einsatz der klassischen Naturheilverfahren zu helfen.

Es wurde stets versucht, sich kontinuierlich fortzuentwickeln, was ohne staatliche Fördermittel und Zuschüsse gelungen ist. So wird der gesamte Aufwand der Klinik sowie alle Investitionen ausschließlich aus dem Tagessatz finanziert, der mit 320 Mark pro Patient und Tag deutschlandweit gesehen für eine Klinik dieses Anspruchs absolut günstig ist, wie Dr. med. Klyscz versicherte.

Eine Millionen-Investition Im Haus Rotz wurde allein in den letzten zwölf Monaten rund eine Million Mark investiert, in den Jahren zuvor waren es annähernd drei Millionen Mark. Wurde das Geld anfänglich vor allem für bauliche Verbesse rangen ausgegeben, so investierte die Klinik in den letzten Monaten vor allen Dingen in moderne medizinische Ausstattung. Heute präsentiert sich das Gebäude in ansehnlichem, zarten Blau, im gesamten Haus spürt man die Absicht, dem typischen Krankenhausimage Adieu zu sagen.

Ein „gigantischer Aufwand“

Dabei hat die Spezialklinik mit den beiden Häusern eine betriebswirtschaftliche Doppelbelastung zu meistern, da vieles zweifach vorgehalten werden muss, etwa die modern ausgestattete Küche, in der nach den Therapiemaßgaben für den einzelnen Patienten gekocht wird. „Wir treiben in der Küche einen gigantischen Aufwand“, betonte der Klinikdirektor und lobt die Köchinnen: „Das sind wahre Perlen“. Im Extremfall werden bis zu 60 verschiedene Gerichte zubereitet, wie Dr. Klyscz bei einem Rundgang durch das Haus berichtete.

Die Lebensmittel kommen aus der Region, aus biologischem Anbau und werden nach den Vorgaben der Klinik mit definierten Inhaltsstoffen hergestellt: Brot aus der Feinbäckerei Rudolf Dircherl aus Buchweizen, Dinkel oder Roggen. Außerdem bereichern frische Forellen aus dem Hause Theo Heimann den Speiseplan der Klinik, ebenso wie Wurst ohne Konservierungsstoffe.

Überhaupt ist man in der Spezialklinik bemüht, nur „Reines“ an die Patienten zu lassen: Lebensrnittel, Salben, die unter Luftabschluss angefertigt werden, damit nicht irgendwelche Zersetzungsprodukte oder andere Ingredienzien wie „Stabilisatoren“ den Genesungserfolg gefährden. Sogar spezielle Kleidung wird den Patienten gestellt: reine Baumwolle, ungebleicht.

Klinik ein Wirtschaftsfaktor

Die Klinik versteht sich auch als Wirtschaftsfaktor im ostbayerischen Grenzland mit 120 Beschäftigten in festem Arbeitsverhältnis und zahlreichen weiteren Mitarbeitern, die teils in Teilzeit ihren Beitrag zur Genesung der Patienten leisten. Bei den Umbau- und Ausstattungsvorhaben der Klinik sind stets Firmen aus der Region bevorzugt worden.

Die Spezialklinik hat längst das Stadium des Neuen und Ungewöhnlichen verlassen. Mit allen Krankenkassen sind Verträge geschlossen worden. „Die Behandlungserfolge sprechen für uns“, meinte Hautarzt Dr. Klyscz. Die Skepsis der Anfangsjahre sei in Optimismus und Zuversicht umgeschlagen: Heute fragen Krankenkassen aus dem gesamten Bundesgebiet an und bitten darum,, Problempatienten schnellstmöglich medizinisch weiterzuhelfen, wenn andere Versuche, wie etwa Klima-Kuren am Toten Meer, keine Besserung brachten.

Die Wartezeit für einen Platz in der Spezialklinik liegt derzeit, bei rund einem halben Jahr. Tendenz steigend.

Bei allem Einsatz für die Patienten versteht sich die Klinik nicht als Konkurrenz zur niedergelassenen Ärzteschaft, vielmehr sieht der Klinikdirektor Dr. med. Klyscz im netzten Arbeiten von Klinik und niedergelassenem Arzt ein praktikables und zukunftsträchtiges Modell die Medizin der Zukunft.

Quelle: Chamer Zeitung, 2. September 2000

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