Tomesa-Klinik überraschend gerettet

Tomesa-Klinik

 

Die ehemalige Tomesa-Klinik wird ab sofort von der F & M GmbH betrieben. Sie wurde sich in letzter Minute mit der örtlichen Sparkasse über den Kauf einig.

Neuer Geschäftsführer ist Armin Faber, ehemaliger Bürgermeister von Bald Salzschlirf. „Für Patienten ändert sich nichts“. Der Klinikbetrieb laufe wie gewohnt weiter. Man halte an dem bewährten Therapiekonzept fest. „Kein Patient, der ursprünglich nach Bad Salzschlirf kommen wollte, muss woanders hin umbuchen“, so Faber.

Insolvenzverwalterin Julia Kappel-Gnirs geht davon aus, dass es nicht nur für die Patienten weitergehen wird, sondern auch „alle 61 Arbeitsplätze“ erhalten bleiben. Der Geschäftsführer kündigte an, dass „künftig auch notwendige Investitionen getätigt werden, die in den vergangenen Jahren ausgeblieben waren“. Der neue Eigentümer, die F & M GmbH,  habe sich mit der örtlichen Kreissparkasse letztendlich doch noch auf einen Kaufpreis für Grundstücke, den Parkplatz, das Verwaltungsgebäude und die Klinik geeinigt. Das Psoriasis-Netz hatte berichtet, dass der Kauf daran zu scheitern drohte, dass die bisherige Eigentümerin der Klinik-Immobilie, die örtliche Sparkasse, ursprünglich mehr Geld haben wollte.

Förderverein an der Seite der Klinik

Erst kürzlich hatten Patienten, Mitarbeiter und Alt-Eigentümerin den Förderverein SOLIMEER e.V. gegründet. Der Verein hatte jedoch nicht genügend Zeit, um über Spenden für die Klinik eine (gemeinnützige) Betreibergesellschaft zu etablieren. „Wir sind  erfreut, dass die Klinik weitergeführt wird“, sagt Vereinssprecher Thomas Pfistner gegenüber dem Psoriasis-Netz. Der neue Geschäftsführer sei von der F & M GmbH angehalten worden, mit dem Förderverein zusammen zu arbeiten. Man sei für alle Formen der Zusammenarbeit offen, werde aber auf jeden Fall „die Interessen der Patienten und Mitarbeiter vertreten“.  In den nächsten Tagen soll es ein Gespräch von Vertretern des Vorstandes mit dem Geschäftsführer geben.

Der aber ist in Bad Salzschlirf umstritten. Faber war im März 2012 von seinem Amt als Bürgermeister zurückgetreten. Während die einen ihn als Macher ansehen, der etwas in Gang gebracht und Fördergelder beschafft hat, kritisieren die anderen seine undurchsichtige Amtsführung. Unter anderem ging es um Zahlungen und Darlehen, die die Gemeindevertretung nicht genehmigt haben soll.

Der „Badehof“ und die Gemeindekasse

Das Hotel Badehof im Kurpark von Bad Salzschlirf wurde von der Gemeinde ebenfalls unterstützt. Die Betreibergesellschaft gehörte mehrheitlich der Familie von Armin Faber, aber auch die F & M GmbH war daran beteiligt. Die Gemeinde beantragte im November 2012 Insolvenz und begründete das unter anderem damit, dass das Hotel eine immer größere Belastung für die Gemeindekasse sei. Im März 2013 schließlich wurde das Hotel Badehof von der Gemeinde ersteigert.
So muss Faber damit rechnen, auch in seiner neuen Funktion als Klinik-Geschäftsführer bei einem Teil der Bad Salzschlirfer und der Gemeindevertreter auf Widerstand zu stoßen. Das könnte die Modernisierungspläne gefährden. Armin Faber sieht das gegenüber dem Psoriasis-Netz relativ gelassen. Er gehe zwar davon aus, dass die Gemeinde-Politiker ihm „Steine in den Weg legen“ werden. Aber für die wichtigen Bauanträge sei das Landratsamt zuständig und innerhalb der Klinik könne der Gemeinderat keinen Einfluss nehmen. Die Bevölkerung, so Faber, würde auf seine anpackende Art „überwiegend zustimmend“ reagieren.

Kommentar

Verständlicherweise werden alle Beteiligten erst einmal aufatmen, weil die renommierte Klinik weiter betrieben werden kann. Das sind zum einen die Patienten, die auf das Therapieprinzip Tomesa setzen. Vor allem aber die Beschäftigten, die ihren Arbeitsplatz behalten. Natürlich auch die Geschäftsleute und letztendlich die Kommune Bad Salzschlirf, die davon leben, dass es Patienten gibt, die dort nicht nur Geld ausgeben, sondern auch den guten Ruf des Kurortes weitertragen.

Jetzt kommt es darauf an, wie sich der neue Eigentümer künftig verhält. Bekanntermaßen haben viele deutschen Kliniken Probleme, ihre Häuser auszulasten. Der Wettbewerb um Reha-Patienten ist härter geworden, weil ihre Zahl sinkt. Die Ex-Tomesa-Klinik hatte nach Angaben des neuen Geschäftsführers bisher konstante Belegungszahlen. Deshalb müsse am Konzept der Klinik nichts verändert werden. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Es wäre sicherlich zukunftsweisend sich umzuhören, mit welchen Maßnahmen andere Hautkliniken versuchen, noch attraktiver für Patienten zu werden.

Der neue Eigentümer entscheidet, welche bisherigen Mitarbeiter zu welchen Bedingungen übernommen werden. Wenn die Arbeitnehmer nicht gut organisiert sind, besteht die Gefahr, dass nicht alle wieder eingestellt werden und die Bedingungen für die übrigen schlechter werden, vor allem die Bezahlung. Dem Psoriasis-Netz gegenüber erwähnte der Geschäftsführer, dass die Voreigentümer „bei den Löhnen und Gehälter großzügig agiert“ hätten. „Das gestaltet sich bei uns anders“, so Faber.

Wir wünschen allen Beteiligten, dass es diesmal endlich gelingt, für die Klinik in Bad Salzschlirf ein zukunftssicheres Konzept zu entwickeln, das solide finanziert ist. In der Vergangenheit ist das den Vor-Eigentümern nicht gelungen. Über die Gründe dafür könnte man einen eigenen Artikel schreiben.

Was anderswo geschrieben stand

Gesundheitszentrum Fachkliniken Schlottmann in letzter Minute gerettet (osthessen-news, 15.07.2013)

Über Rolf Blaga 115 Artikel
Rolf Blaga hat bis 2012 als Studienrat in Berlin am Oberstufenzentrum Gesundheit unterrichtet. Seit 1993 ist er aktiv in der Psoriasis-Selbsthilfe tätig, sowohl regional im Psoriasis Forum Berlin als auch überregional in der Psoriasis Selbsthilfe Arbeitsgemeinschaft.

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