Kinderwunsch und Schwangerschaft mit Psoriasis

Schwangerschaft

Eine milde Psoriasis lässt sich meist gut äußerlich behandeln oder mit mit Naturheilmitteln. Doch bei schweren Verläufen, die auch Nägel und Gelenke betreffen, geht es nicht ohne innerlich wirkende Medikamente. Bei Schwangeren und Stillenden ist die Therapie mit Blick auf die Nebenwirkungen für das Kind nicht einfach.

Eine Patientin, die chronisch krank ist und behandelt werden muss, braucht in der Schwangerschaft kompetente und vertrauenswürdige Bezugspersonen. Die Angst vor Komplikationen oder Schäden des Neugeborenen durch Medikamente ist ausgeprägt. Bei einer komplizierten Krankheit wie der Psoriasis sollte der Hautarzt immer mit einbezogen werden. Bei manchen Wirkstoffen (auch rein pflanzlichen) weiß man, wie sie in der Schwangerschaft wirken – bei vielen jedoch nicht.

Für jeden Wirkstoff während der Schwangerschaft gilt: so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Eine gesunde Lebensweise kann dazu beitragen, dass die Dosis von Medikamenten herabgesetzt oder ganz auf sie verzichtet werden kann. Dazu gehört außerdem eine intensive Hautpflege. Die Schwangere sollte darauf bedacht sein, ihre Haut nicht austrocknen zu lassen.

Aufs Kinderkriegen verzichten?

Wie auch bei anderen vererbbaren Krankheiten fragen sich Psoriatiker, ob sie es verantworten können, ein Kind in die Welt zu setzen. Das ist nicht eindeutig zu beantworten. Die genetische Veranlagung wird immer weitergegeben. Ob die Psoriasis dann tatsächlich ausbricht und wie schwer sie sein wird, kann niemand voraussagen. Das Risiko, dass ein Kind später ebenfalls daran erkrankt, ist verhältnismäßig gering, wenn nur ein Elternteil betroffen ist. Es erhöht sich, wenn beide eine Psoriasis haben oder bereits Geschwister oder Großeltern daran erkrankt sind. Bekommt das Kind dann später wirklich Psoriasis (unabhängig vom Alter), machen sich Eltern oft Vorwürfe. Doch für Kinder gibt es schon jetzt bessere Therapiemöglichkeiten als noch vor zehn Jahren. Und zukünftig sollen weitere wirkungsvolle Mittel auf den Markt kommen.

Medikamente absetzen

Bei allen „innerlichen“ Medikamenten (Tabletten, Spritzen oder Infusion) gegen Psoriasis oder Psoriasis-Arthritis müssen Frauen verhüten. Männer sollten bisher keine Kinder zeugen, wenn sie mit Methotrexat behandelt werden. Es wurden erhöhte Fehlgeburten oder Mutationen befürchtet. Für einige dieser Präparate liegen keine Erfahrungen vor. Bei anderen weiß man, dass es dazu kommen kann, dass der Fötus geschädigt wird und es zu Fehlbildungen kommen kann. Wenn so ein Medikament dann abgesetzt wird, muss es vom Körper erst völlig abgebaut werden. Das kann von drei Monaten (beispielsweise bei Methotrexat) bis zu zwei Jahren (beispielsweise bei Neotigason®) dauern.

Patientinnen mit Kinderwunsch sollten deshalb frühzeitig mit dem Arzt klären, welche Medikamente noch in Frage kommen. Wenn jemand trotz Einnahme des Medikaments ein Kind zeugt, wird meist zum Schwangerschaftsabbruch geraten. Wer in diese Situation kommt, sollte sich sachkundig machen, ob es nicht ausreichen würde, dass sich die Schwangere erst einmal intensiv vorgeburtlich untersuchen lässt. Bei männlichen Methotrexat-Patienten, die Kinder gezeugt hatten, gab es in einer britischen Studie nicht mehr Fehlgeburten oder Mutationen als bei Gesunden.

Naturheilkunde

Die Behandlung von Schwangeren oder Stillenden ist nicht einfach. Sie ist abhängig davon, wie schwer die Psoriasis ausgeprägt ist. Bei einer leichten Form sollte man ausprobieren, ob Mittel aus der Pflanzenheilkunde helfen. Sie wirken langsam, so dass früh genug damit anfangen werden muss.

Äußerlich – also in Cremes oder Salben – wirken vor allem

Probieren kann man auch

  • Ringelblume
  • Öle (Lein-, Johanniskraut-Öl) und Ölmischungen
  • Birkenrinde und -pech
  • Hamamelis (Virginische Zaubernuss)
  • Cayennepfeffer-Früchte
  • Pflanzenteere (Birkenpech) und
  • Rosmarin.
  • Heilerde (vor allem zum Abschuppen).

Innerlich wirkende Naturstoffe sind

  • Gamma-Linolensäuren (beispielsweise in Borretschöl)
  • Tee oder Tee-Mischungen (Weidenrinde, Brennnessel, Löwenzahn, Stiefmütterchen, Kamille)
  • Leinsamen
  • Mariendistel
  • Teufelskrallenwurzel und
  • Katzenkralle
  • Sarsaparill-Wurzel (Stechwinde).
    .

Schwarzkümmelöl kann Wehen auslösen und sollte deshalb von Hochschwangeren nicht eingenommen werden. Teebaum-Öl dagegen gilt inzwischen lt. Bundesinstitut für Risikobewertung als Allergien auslösend und kann schwere Hautreaktionen auslösen. Eine moderate oder sogar schwere Psoriasis sollte nicht ohne ärztliche Hilfe behandelt werden. Sonst riskiert die Schwangere, dass sich ihre Psoriasis oder eine Begleiterkrankung dramatisch verschlechtern.

Ein andere Möglichkeit ist die Eigenblut-Therapie. Die ist während Schwangerschaft und Stillzeit unbedenklich.

Alternative Therapien, wie Homöopathie, Anthroposophische Medizin, Traditionelle Chinesische Medizin oder Bachblüten, haben bei der Psoriasis keine nachgewiesenen Wirkungen, die über den Placebo-Effekt hinausgehen. Gerade Schwangere neigen aber zu solchen „sanften“ Methoden. Solange sie damit keine schwere Psoriasis verschleppen, müssen sie keine Schädigungen des Fötus‘ oder des Kindes befürchten.

Keine Angst vor Kortison

Bei einem leichten oder moderaten Psoriasis-Schub dürfen in der Schwangerschaft Cremes, Salben, Lotionen oder Tinkturen mit den schnell wirkenden Corticosteroiden verschrieben werden. Eine schottische Langzeitstudie hat gezeigt, dass schwache bis mittelstarke Kortisonpräparate keinerlei Auswirkungen auf den Fötus oder das Neugeborene haben. Aber Schwangere, die mehr als 300 g starker bis sehr starker Kortikoide (ab Klasse III) aufgetragen haben, brachten häufiger untergewichtige Kinder zur Welt. In der Schwangerschaft werden Kortisonpräparate bei akutem Schub für maximal 20 bis 30 Prozent der Körperoberfläche verschrieben. Sie dürfen wegen möglicher Dehnungsstreifen nicht auf Brüste, Bauch und Hüften aufgetragen werden.

Immer noch wird in bestimmten Kreisen behauptet, Kortison sei an sich gefährlich. Doch das stimmt so allgemein schon lange nicht mehr. Nach wie vor sind erhebliche Nebenwirkungen bei längerer innererlichen Anwendung möglich. Das wird aber bei Psoriasis nicht mehr verordnet. Für die rein äußerliche Behandlung gibt es inzwischen unterschiedlich dosierte Klassifizierungen. Treten trotzdem typische Kortisonschäden auf, wie zum Beispiel eine Verdünnung der Haut, entwickeln diese sich nach Absetzen der Creme wieder zurück. Die Präparate sollten allerdings nicht länger als vier bis sechs Wochen angewendet werden. Danach darf man den Wirkstoff nicht abrupt absetzen, sondern muss sich „ausschleichen“.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Dithranol ist der älteste, äußerlich anzuwendende Wirkstoff gegen Psoriasis, der praktisch keine Nebenwirkungen hat. Trotzdem soll er in der Schwangerschaft und Stillzeit nur in Ausnahmefällen gegeben werden, weil keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen. Experten befürchten, der Wirkstoff könne in die Muttermilch gelangen.

Salicylhaltige Mittel werden zum Abschuppen, beispielsweise auf der Kopfhaut, verordnet. Ihre Anwendung bei Schwangeren ist umstritten, weil sie mit vorzeitigen Wehen in Zusammenhang gebracht werden. Völlig frei von Nebenwirkungen kann man dagegen mit Loyon® bzw. babybene®- oder Dermabene® Gel die Schuppen ablösen.

Ohne Einschränkungen können Schwangere Salz- oder Schwefelbäder nehmen und sich mit Schmalband-UVB bestrahlen lassen – auch großflächig. Pflegemittel mit Harnstoff (Urea) sind unbedenklich, aber meist nicht besonders wirksam. Für Nagellack auf Urea-Basis zur Behandlung psoriatischer Nägel liegen keine Erfahrungen vor.

Bei der Psoriasis arthritis sind Schmerzmittel wie Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (ASS) nur in geringen Mengen für Schwangere und Stillende erlaubt. So genannte „Nicht-steroidale Anti-Rheumatika“ (NSAR) sind nur bis zur 32. Schwangerschaftswoche zulässig. Die langwirksamen Anti-Rheumatika (LWAR) wie Sulfasalazin und Anti-Malariamittel dürfen eingenommen werden, da von ihnen keine Gefahr für den Fötus ausgeht.

Innerliche Medikamente

Bei der Behandlung der Psoriasis gibt es seit einigen Jahren ein Umdenken: Immer mehr Ärzte verschreiben innerlich wirkende Medikamente. Diese wirken deutlich besser und sind einfacher zu handhaben als Cremes oder Salben. Doch damit ist auch das Risiko von Nebenwirkungen angestiegen. Deshalb sollen innere Mittel in der Schwangerschaft grundsätzlich überhaupt nicht gegeben werden. Trotzdem wird in sehr schweren Fällen, nach Rücksprache mit Spezialisten und unter sehr genauer Beobachtung, das eine oder andere innerliche Mittel doch verschrieben, beispielsweise Ciclosporin. Vor allem dann, wenn die Schwangere am ganzen Körper hoch entzündliche Stellen hat (Psoriasis erythrodermie).

Co-Morbiditäten

Erst seit wenigen Jahren weiß man, dass Psoriatiker ein höheres Risiko für Morbus Crohn, Herz-reislauf- und Gefäßerkrankungen sowie Fettleibigkeit, Diabetes und Bluthochdruck haben. Alle diese Krankheiten sind über Entzündungsfaktoren miteinander verbunden („Komorbiditäten“). Außerdem sind Psoriatiker häufiger depressiv. Auch Schwangere sollten deshalb ermuntert werden, nicht nur die Psoriasis, sondern auch die Begleiterkrankungen zu behandeln, vor allem starkes Übergewicht (Adipositas). Erwiesenermaßen ist die Psoriasis besser zu behandeln, wenn die Patientin deutlich abnimmt. Und es gibt eindeutige Anzeichen dafür, dass sich eine Psoriasis bessert, wenn gleichzeitig die Begleiterkrankung wirkungsvoll therapiert wird.

Krankheitsverlauf

Die Psoriasis reagiert unterschiedlich auf eine Schwangerschaft: Bei etwa 40 Prozent der Frauen verbessert sie sich; bei bis zu 20 Prozent verschlimmert sie sich und bei den anderen bleibt der Status unverändert. Das wiederholt sich bei jeder folgenden Schwangerschaft. Selbst, wenn die Psoriasis während der Schwangerschaft abklingt, tritt sie bei den meisten in den ersten drei Monaten nach der Geburt wieder auf. Bei manchen werdenden Müttern wird eine Psoriasis durch die Schwangerschaft erstmals ausgelöst.

Sehr selten kommt es vor, dass eine Schwangere an einer extrem schweren Form der Psoriasis pustulosa, der Impetigo herpetiformis, erkrankt. Anzeichen dafür sind Pusteln am Rand der Psoriasis-Stellen sowie Übelkeit, Fieber und psychische Störungen. Die Schwangere muss dann meist mit Antibiotika behandelt werden. In der Hälfte dieser ganz wenigen Fälle kommt es zur Fehlgeburt.

Gewohnheiten ändern

Die Schwangerschaft ist eine Chance, schlechte Gewohnheiten abzulegen und auf eine gesunde Lebensweise umzusteigen – nicht nur wegen der Psoriasis. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung, innere Zufriedenheit, wenig Stress, ausreichend Schlaf, keinen Alkohol und kein Nikotin. Verhaltensweisen lassen sich nur schwer und allmählich ändern. Deshalb sollte man so früh wie möglich damit anfangen. Zum Beispiel mit einer „Ordnungstherapie“, einer naturheilkundlichen Selbsthilfestrategie. Damit soll ein gesundheitsförderlicher Lebensstil entwickelt werden. Ein anderer Weg ist die „Mind-Body-Medicine“. Dabei wird der wechselseitige Einfluss von Geist, Psyche (Mind), Körper (Body) auf die Gesundheit bearbeitet und ein Konzept der Selbstfürsorge entwickelt.

Eine für alle gültige Psoriasis-Diät gibt es nicht. Aber es gibt Inhaltsstoffe, die Entzündungen hemmen, wie Omega-3-Fettsäuren, enthalten in Fisch- oder Leinöl. Und es gibt solche, die Entzündungen fördern, wie Arachidonsäure, die in Fleisch und Thunfisch oder als Vorstufe in Sonnenblumen- und Distel-Öl vorkommt. Ansonsten sollten Psoriatiker sich „vollwertig“ ernähren und Übergewicht vermeiden. Bauchspeck fördert Entzündungen. Neben gesundem Essen sollen sich Psoriatiker ausreichend bewegen. Sport lindert viele Krankheiten, auch die Psoriasis.

Hautpflege

Die Frage, ob die Haut mehr Fett oder Feuchtigkeit braucht, hängt zum einen vom individuellen Hauttyp ab. Der eine hat eher eine fettige, die andere eher eine trocken-fettarme Haut. Zum anderen ist der aktuelle Zustand der Psoriasis bestimmend: Fühlt sich die Haut wie Papier oder Leder an, oder ist sie rissig und spröde, sollten Pflegeprodukte mit einem höheren Fettanteil oder Ölbäder eingesetzt werden. Bei unelastischer und gespannter Haut sollten Pflegeprodukte mit einem höheren Feuchtigkeitsanteil (Harnstoff = Urea) eingesetzt werden. Sie machen die Haut weich und geschmeidig. Bei einem akuten Psoriasis-Schub verliert die Haut zusätzlich an Feuchtigkeit. Entzündungen beeinträchtigen das Wasserbindungsvermögen erheblich. Dadurch wird die Haut noch trockener und anfälliger.

Forschungsbedarf

Mehrere Wissenschaftsteams untersuchten unabhängig voneinander die Frage, ob Patientinnen mit Psoriasis oder Psoriasis-Arthritis generell häufiger mit Komplikationen rechnen müssen als Gesunde. Ihre Ergebnisse könnten Besorgnis erregend sein, wenn sie sich bei genaueren Untersuchungen mit mehr Schwangeren bestätigen würden. Die Forscher stellten mehr Frühgeburten, Bluthochdruck-Krisen (Präeklampsie), Plazenta-Fehllagen oder Bauchhöhlen-Schwangerschaften fest. Die Neugeboren waren schwerer und größer als der Durchschnitt. Andere Studien sprachen von vorzeitigen Blasensprüngen und zu niedrigen Geburtsgewichten.

Warum das so ist, wurde nicht erforscht. In einer Studie wurde betont, dass die untersuchten Psoriatikerinnen häufiger übergewichtig waren und stark rauchten. Beides sind eigenständige Faktoren für Schwangerschafts-Komplikationen. Außerdem wäre genauer zu untersuchen, mit welchen Medikamenten die Frauen zuvor behandelt wurden. Experten warnen vor Panik, weil noch mehr und genauere Daten erhoben werden müssen. Trotzdem sollten alle Beteiligten darauf eingestellt sein, dass bei schwangeren Psoriatikerinnen möglicherweise eher Risiken auftreten können. Sie sollten genau auf erste Anzeichen achten und die Schwangere drängen abzunehmen und mit dem Rauchen aufzuhören.

Adressen

Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Spandauer Damm 130, Haus 10, 14050 Berlin
Tel. 030.30 30 8-1 11
Infoangebot im Internet unter http://www.embryotox.de

Institut für Reproduktionstoxikologie
St. Elisabeth-Stiftung
Elisabethenstr. 17
88212 Ravensburg
Tel. 07 51.87 27 99
Internet: http://www.st-elisabeth-stiftung.de/1320.html

App des Beratungszentrums (für Android und für iOS: Informationen und Einschätzungen zur Sicherheit und zu möglichen Risiken in Schwangerschaft und Stillzeit für über 400 Wirkstoffe. Ein Ampelsystem erleichtert die Beurteilung. Die App ist auch ohne Internetverbindung nutzbar.

Tipps

Selbstmedikation bei Schwangerschaft, Katja Renner in der Pharmazeutische Zeitung 46/2014

Infektionen in der Schwangerschaft, Nicole Schuster in der Pharmazeutische Zeitung 46/2014

Bewegen statt schonen in der Schwangerschaft, Christina Hohmann-Jeddi in der Pharmazeutische Zeitung 46/2014

Maßvoll Gewicht zunehmen in der Schwangerschaft, Brigitte M. Gensthaler in der Pharmazeutische Zeitung 46/2014

 

 

Bildquellen

  • Schwangerschaft: Anja Greiner Adam - Fotolia
Über Rolf Blaga 115 Artikel
Rolf Blaga hat bis 2012 als Studienrat in Berlin am Oberstufenzentrum Gesundheit unterrichtet. Seit 1993 ist er aktiv in der Psoriasis-Selbsthilfe tätig, sowohl regional im Psoriasis Forum Berlin als auch überregional in der Psoriasis Selbsthilfe Arbeitsgemeinschaft.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*