Sport und Ernährung kommen oft zu kurz

Bei Psoriatikern kommen Sport und gesunde Ernährung oft zu kurz

Gibt es eine Psoriasis der inneren Häute? Sind von der Schuppenflechte oft auch innere Organe betroffen? Nach Ansicht von Professor Gustav Mahrle von der Universität Köln, gibt es nur wenig stichhaltige Hinweise dafür, sehe man vom relativ häufigen Befall der Schleimhäute ab.

Bei etwa 30 Prozent der an Schuppenflechte Erkrankten sind die Schleimhäute der Genitalien betroffen, bei 32 Prozent die Lippen, bei 17 Prozent der After und bei zwei Prozent die Mundschleimhaut, sagte Mahrle auf dem 8. Deutschen Psoriasis Tag in Hamburg. Es seien hauptsächlich begleitende Faktoren, die zum Beispiel Darm- oder Leberveränderungen hervorriefen. Die bei Psoriasis-Kranken nicht seltenen Fettstühle würden wahrscheinlich durch charakteristische Veränderungen im Blut oder Serum hervorgerufen, die wiederum durch eine Häufung bestimmter Transplantationsantigene gekennzeichnet seien.

Psoriatiker hätten nach einer schwedischen und einer deutschen Studie vor allem eine erhöhte Infektionsanfälligkeit. An zweiter Stelle folgen übergewicht und Diabetes als häufig anzutreffende Begleiterkrankung, gefolgt von übermäßigem Alkoholkonsum und Leberzirrhose. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie bösartige Tumoren stehen nach Angaben von Mahrle an vierter und fünfter Stelle. Dabei hätten Psoriasis-Kranke, obwohl sie häufiger von Gefäß-Verschlußkrankheiten wie Herzinfarkt, Hirnschlag und Lungenembolie betroffen seien als die Gesamtbevölkerung, im Durchschnitt keine geringere Lebenserwartung. Auch das Risiko, an bösartigen inneren Tumoren zu erkranken, sei nicht erhöht. übergewicht und Alkoholkonsum werden nach Mahrle eher durch psychosoziale Faktoren verursacht.

„Psoriasis-Kranke halten sich gerne bedeckt“, betonte der Dermatologe, was auch eine gewisse Ignoranz im Verhalten zum eigenen Körper einschließe. Deshalb kämen Sport und gesunde Ernährung bei diesen Patienten oft zu kurz.

Quelle: Ärzte Zeitung, 20. Mai 1998

7 Kommentare

  1. Zitat: „Psoriasis-Kranke halten sich gern bedeckt, was………deshalb kämen Sport und gesunde Ernährung bei diesen Patienten oft zu kurz“ – solche Aussagen beweisen bestenfalls die Ignoranz Nichtbetroffener, die offenbar nicht den Hauch einer Ahnung davon haben, wie schwer oft die hilflosen, mitleidigen, verständnislosen Blicke und das verhaltene Getuschel am Strand, in Schwimmbädern, Gemeinschaftsduschen von Sportvereinen oder Fitness-Centern etc. auszuhalten sind.
    Ich verzichte während akuter Schübe gern auf Sport und darauf, mich öffentlich zur Schau zustellen, eben weil ich gerade meinen Körper (und da gehört wohl mein Hautbild untrennbar dazu) NICHT ignoriere.

  2. Man kann gar nicht glauben, zu welchen Äußerungen sich gerade die behandelnden Ärzte so hinreißen lassen.
    Ich gehe gern zum Sport, stellt es doch für mich ein Ausgleich dar. Doch ohne Handschuhe und langärmelige Klamotten gehts nicht. Ich habe einfach keine Lust, mich zu erklären oder mich „ausstellen“ zu müssen.
    Allerdings habe ich durch Sport auch keine Besserung feststellen können, denn auch da ist man diesem latenten seelischen Stress ausgesetzt, der meiner Meinung nach leider ein fester Bestandteil dieser Krankheit spätestens nach der Diagnose wird.

  3. ..
    Auch ich verstehe diese Ärzte einfach nicht..
    ich bin zwar ein Sportmuffel, aber wenn ich mich doch aufgerafft habe und versuche, regelmäßig joggen zu gehen, breche ich diese versuche meist einfach ab weil mir die Haut juckt und schuppenfreie Flecken einfach brennen und das empfinde ich als wesentlich unangenehmer alsm meine Flecken zu Schau zu stellen…

  4. hey leute. Ich mache viel zuhause Sport. Leide auch ziemlich an schuppenpflechte, ist echt schlimm. Aber ich will herrausfinden, ob man Schuppenpflechte kontrollieren kann.. mit viel Grünzeug und Sport. Halte euch auf den laufenden.

  5. Diese Aussage hätte er mal lieber lassen sollen , weil er bestimmt nicht leidet. Ich spiele Fussball, und da muss man meistens in kurz spielen. Wenn ich darauf angesprochen werde,( die sich trauen ) , oder ich komische Blicke ernte, sag ich immer gleich“ nicht ansteckend“, und gehe weiter. Die Blicke , die die Leute denn haben , sind viel interessanter! Also, bis dahin
    Andy

  6. ich finde den hinweis mit dem sport ausgezeichnet, auch wenn sich die ärzte nur beschränkt durch die blume ausdrücken. wer hört schon gerne die wahrheit? fest steht: wenn sich jemand über die behauptung eines anderen besonders ärgert, dann enthält sie zumeist einen wahren kern.
    sport ist eine von mehreren sehr wichtigen punkten, mit denen man einer schuppenflechte parole bieten kann. da hautkrankheiten – und besonders die schuppenflechte – langwierige, ja meist chronische krankheiten sind, wird wohl nur der regelmäßige sport nach geraumer zeit seinen effekt bringen.
    bei einem schub oder bei auftretendem hautjucken gleich wieder zu hause zu bleiben, dürfte dagegen wirklich nix bringen. da muss der patient vielleicht noch einige ebenen tiefer ansetzen, siehe auch „psoriasis und psyche“ oder „psoriasis und isolation“. diese themen sind ein ganz wichtiger faktor in sachen selbstüberwindung. denn daß die hässlichen flecken oftmals ein schweres schamgefühl verursachen und der patient deswesen nicht so gerne das haus verlässt und sport treibt, ist nachvollziehbar. dann wird eben weniger sport, gar keiner oder nur zu hause ab und zu ein bissl gestepmastert.
    die psoriasis kann auch eine funktion erfüllen. der patient sollte sich ernsthaft und bestädnig damit auseinandersetzen, sonst führt die krankheit wirklich in die völlige isolation. und dann bleibt ihm letztenendes nur noch die krankheit als tagfüllende aufgabe…
    doch um diesen zusammenhang zu erkennen, braucht es auch etwas selbstreflexion.

  7. „‚Psoriasis-Kranke halten sich gerne bedeckt‘, betonte der Dermatologe, was auch eine gewisse Ignoranz im Verhalten zum eigenen Körper einschließe.“

    Solche dämlichen Aussagen kommen immer genau von denen, die nicht betroffen sind und garnicht nachvollziehen können, wie demütigend diese Krankheit ist.

    Natürlich gibt es jetzt das Anti-Diskriminierungsgesetz das mich davor bewahrt, aufgrund meiner Psoriasis aus dem Schwimmbad geworfen zu werden (wie es früher z.T. der Fall war), aber was ist das schon wert, wenn mich trotzdem viele angewidert anstarren und bewusst wegschwimmen oder sich umsetzen???

    Das hat ja wohl mit Ignoranz gegenüber dem eigenen Körper ÜBERHAUPT NICHTS zu tun!!

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*