Island: Attraktiver Zwischenstopp via New York

Die „Blaue Lagune“ wurde zum attraktiven Zwischenstopp via New York

Viele Wege führen von Europa nach New York. Am schnellsten geht es mit der Concorde. Am längsten aber dauert es mit der Icelandair via Kevlavik. Doch diese Flüge der „attraktiven Langsamkeit“ erfreuen sich größter Beliebtheit. Flüge mit der isländischen Airline sind Reisen der ganz besonderen Art: Fliegen via Island und baden in der „Blauen Lagune“. Dieses erst seit gut 20 Jahren existierende und immer größer werdende See-Wunder mit seinem heißen und heilsamen Wasser ist in kurzer Zeit eine der größten Attraktionen der an Naturwundern ohnehin nicht armen „Insel aus Feuer und Eis“ geworden.

Täglich fliegt Icelandair beispielsweise von Frankfurt, Hamburg oder Luxemburg nach Island, macht vier Stunden Pause und bringt ihre Passagiere kostenlos zur 15 Minuten vom internationalen Flughafen Kevlavik entfernten „Blauen Lagune“. Dort werden sie im 35 Grad warmen mineralreichen und salzhaltigen Wasser verwöhnt. Nach diesem kostenlosen ´Stop overª geht es weiter zu einem guten halben Dutzend Städten in Nordamerika.

Nicht nur immer mehr Touristen begeistern sich für diese ungewöhnlichen Zwischenlandungen, sondern auch Geschäftsreisende haben den Reiz der „Badepause“ im hohen Norden erkannt. Nicht weniger als 12 000 „Tagestouristen“ gab es allein im vergangenen Jahr, vor allem Amerikaner. Dieser See mit seinem gräßlich-giftig aussehenden blau-grünen Wasser und seinen Dampfwolken, die schon kilometerweit zu sehen sind, wenn sie nicht von den stürmischen Winden Islands verweht werden, entstand per Zufall. Dieses Phänomen mit Heißwasseralgen, die vor allem dem See seine auffallende Färbung geben, sucht seinesgleichen. Nicht weniger als 1.000 Tonnen stark salzhaltiges geothermisches Wasser fließen pro Stunde in die „Blaue Lagune“ und sickern allmählich in die Lavafelder rundum ab, Grundlage eines einmaligen Erholungsparadieses.

1969 beschloß die Gemeinde Grindavik, ein kleiner Fischereiort im Süden Islands, geothermische Untersuchungen im Raum Svartsengi durchführen zu lassen. Dort war ein Hochtemperaturgebiet mit über 200 Grad heißem Wasser in weniger als 1 000 Meter Tiefe entdeckt worden. Die Reykjanes-Halbinsel liegt auf einer Trennfuge zwischen tektonischen Platten und zeichnet sich durch hohe vulkanische Aktivitäten und Geothermalgebiete an der Oberfläche aus. Doch da sich diese gewaltigen Heißwasser-Mengen in Küstennähe befanden, waren sie stark mit Salzwasser durchsetzt – für eine direkte Verwendung in Zentralheizungen oder Fernwärmewerken kam das kochende Brackwasser nicht in Frage. Daher wird das salzhaltige Wasser noch zweimal erhitzt; die entstehende Dampfwärme ist die Kraftquelle des berühmten Heißwasserwerkes. Reines Süßwasser wird zudem dabei erwärmt – dank der in die Lavawelt abfließenden „Abwässer“ enstand der See. Damit hatte niemand gerechnet; vielmehr war erwartet worden, daß diese vermeintlichen „Abwässer“ in der porösen Mondlandschaft aus Lava versickern würden. Die ´“Blaue Lagune“ entstand quasi als Abfallprodukt.

Längst haben Mediziner die Heilkraft des Sees erkannt; das auffälligste seiner Mineralien ist Silikat, das sich als Bodensatz niederschlägt, wenn sich das Wasser von 70 auf 40 Grad abkühlt. Hauptsächlich wegen dieser Silikat-Partikel und wegen geothermischer Algen eignet sich das Wasser so gut zur Behandlung von Psoriasis (Schuppenflechte). Inzwischen gibt es an der „Blauen Lagune“ auch eine große Behandlungsanlage für Psoriasis-Patienten. Weil die im Bodenschlamm des Sees vorhandenen Mineralien und Salze heilende und pflegende Wirkung für Haut und Körper haben, hat sich inzwischen eine ganze Industrie für Hautpflege-Produkte entwickelt. dpa

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