Welt-Psoriasis-Tag am 29. Oktober

Gemeinsam

Am 29. Oktober ist Welt-Psoriasis-Tag. Dieser Tag wird jedes Jahr weltweit dazu genutzt, um auf die Hauterkrankung und die diversen Begleitumstände aufmerksam zu machen, die die Schuppenflechte mit sich bringen kann.  Über die Hintergründe lesen Sie die „wahre Geschichte“ des Welt-Psoriasis-Tages.

Auch im Jahr 2016 gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz Veranstaltungen, bei denen Betroffene eine Menge über die Therapie, Medikamente und andere Aspekte erfahren konnten. In diesem Jahr steht der Welt-Psoriasis-Tag unter dem Motto „Verstehen – anerkennen – einbeziehen“.

In Deutschland werben das PsoNet (der Zusammenschluss sämtlicher regionalen Psoriasis-Ärzte-Netzwerke), der Berufsverband der Deutschen Dermatologen, die Deutsche Dermatologische Gesellschaft und der Deutsche Psoriasis-Bund e.V. als Selbsthilfeorganisation für die Anliegen des Welt-Psoriasis-Tages 2016. Bundesweit klären Kliniken, niedergelassene Dermatologen und Selbsthilfegruppen mit Vorträgen und Info-Veranstaltungen über Schuppenflechte auf. Sie berichten über aktuelle Entwicklungen in der Psoriasis-Forschung, über medizinische Behandlungsmöglichkeiten und Lösungsansätze, mit dieser Erkrankung besser zurechtzukommen.

Veranstaltungen in Deutschland, aber auch Aktionen in Österreich oder der Schweiz – auch außerhalb dieses Tages – finden Sie in unserem Terminkalender.

Die wahre Geschichte des Welt-Psoriasis-Tages

Es ist für uns selbstverständlich, dass wir Veranstaltungen ankündigen, in denen Patienten über ihre Krankheit informiert werden. Wir fühlen uns aber ebenso verpflichtet, auf die Hintergründe von Aktionen hinzuweisen.

Bei Wikipedia wird behauptet, der „Aktionstag wurde erstmals im Jahr 2004 von der International Federation of Psoriasis Associations“ (IFPA) ausgerufen. Auf der offiziellen Internetseite des World Psoriasis Day (WPD) heißt es ergänzend, ein Lenkungsausschuss aus Psoriasis-Verbänden verschiedener Länder habe im Juli 2004 „das Gesamtziel und die Kernbotschaften des WPD definiert“. Im Mai 2013 beantragte die IFPA bei der Welt-Gesundheitsorganisation (WHO), den Welt-Psoriasis-Tag offiziell festzulegen. Auch in diesem Fall wurde behauptet, der WPD sei 2004 von Patientenorganisationen beschlossen worden.

Da der Autor dieses Artikels auf allen Gründungs-Veranstaltungen dabei war, kann er die wahre Geschichte erzählen. Die erklärt auch, weshalb heute eine Legende darum gestrickt wird.

Idee und Konzept eines „Welt-Psoriasis-Tages“ kamen 2004 von der britischen Werbeagentur Phase Two. Vertreter von nationalen Psoriasis-Organisationen wurden auf Kosten des Pharmakonzerns Serono nach London und Kopenhagen eingeladen. Anlass war die Einführung des Biologikums Raptiva® Ende 2004. Psoriasis sollte weltweit als schwere, aber nicht ansteckende Krankheit im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert werden. Die Patienten sollten von den Politikern „das Recht auf alle wirksamen Therapien“ einfordern, einschließlich der teuren Biologika. Die anwesenden Verbandsvertreter wurden geschult, erfolgreiche Lobbyarbeit zu machen. Dazu gehörte der Welt-Psoriasis-Tag. Die weltweiten Aktionen in 2004 konnten nur deshalb stattfinden, weil sie entweder von Serono oder von Whyeth bezahlt wurden. Das Logo des WPD durften nur diejenigen benutzen, die mit diesen beiden Firmen zusammengearbeitet haben.

Im Laufe der Jahre stießen immer mehr Pharmafirmen dazu, weil alle davon erheblich profitierten, dass das Thema „Psoriasis“ global mehr Aufmerksamkeit bekam. Ohne die großzügige Finanzierung durch diese Firme gäbe es heute (fast) keine dieser Veranstaltungen. Damit können gut honorierte Referenten und aufwendige Veranstaltungen bezahlt werden. Das nutzt auch den Organisatoren (Kliniken, Patientenverbände), die durch öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen bekannter und einflussreicher werden. Um die Dimensionen klar zu machen: Eine bescheidene, 90-minütige Veranstaltung zum Welt-Psoriasis-Tag im relativ kleinen Osnabrück wurde 2014 mit knapp 10.000 Euro von Pharmafirmen bezahlt.

Die Vorträge auf diesen Veranstaltungen werden von Ärzten und Professoren gehalten. Nach unserer Auffassung gehört es eigentlich zu ihrer Funktion im Krankenhaus oder in der Universität, Patienten über Psoriasis und neue Entwicklungen zu informieren. Es hat für uns ein Geschmäckle, dass diese Referate von Pharmafirmen finanziert werden.

Das Geld für diese Aktionen stammt aus den Werbe-Etats der Unternehmen. Es wird im Endeffekt von allen Krankenversicherten aufgebracht. Ohne diese Ausgaben könnten z.B. Biologika deutlich billiger sein und würden dann vermutlich eher verschrieben werden. Schon jetzt müssen die gesetzlichen Krankenkassen 60 Prozent ihrer Arzneimittelausgaben für Biologika aufwenden.

Bildquellen

  • Gemeinsam: Rido - Fotolia
Über Rolf Blaga 115 Artikel
Rolf Blaga hat bis 2012 als Studienrat in Berlin am Oberstufenzentrum Gesundheit unterrichtet. Seit 1993 ist er aktiv in der Psoriasis-Selbsthilfe tätig, sowohl regional im Psoriasis Forum Berlin als auch überregional in der Psoriasis Selbsthilfe Arbeitsgemeinschaft.

1 Kommentar

  1. Mir gefällt die Idee des WPD, mache seit Anfang dieser Aktion mit. Und zwar in Basel. Doch das Spezielle an der Aktion in Basel ist, dass wir unsere „Verwandten“ von Deutschland zu uns in die Schweiz einladen,um mitzuhelfen bei den Kontakten mit den Leuten! Und das geniesse ich jedes Mal! Vielen Dank im Voraus auch für WPD 2014!

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