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Von der Lichttherapie zur Sonnenbank

Von TILL BÄRNIGHAUSEN

Berlin - Das Solarium wird dieses Jahr 100. 1895 gelang es dem dänischen Arzt Niels Ryberg Finsen zum ersten Mal, mit Hilfe von Bergkristallinsen die energiereiche Ultraviolettstrahlung einer Bogenlampe zu bündeln. Das "Prinzip Sonnenbank" war geboren.

Was heute in Bräunungsstudios eher der Eitelkeit dient, wurde von Ryberg zunächst zur medizinischen Behandlung von Hautkrankheiten wie zum Beispiel den Pocken oder der Hauttuberkulose eingesetzt.

Auch die moderne Medizin greift häufig auf die Lichttherapie zurück: Vor allem chronische Hautleiden wie die Psoriasis, die Schuppenflechte, können durch UV-Strahlen gemildert werden. Die Patienten schlucken dabei eine Substanz, die ihre Haut für ultraviolette Strahlen empfindlich macht, und sonnen sich dann im Kunstlicht. Die Vitiligo - weiße Flecken auf der Haut, die langsam, aber stetig wachsen - wird durch die Stahlentherapie genauso gelindert wie die sogenannte Mycoides fungoides, eine Krebserkrankung der Abwehrzellen, die vor allem die Körperhülle befällt.

Ultraviolettes Licht kann auch den Neugeborenen-Ikterus heilen: Viele Babys lagern nach der Geburt ein Abbauprodukt des Blutfarbstoffes Hämoglobin in der Haut ein. Wird dieses sogenannte Bilirubin nicht aus dem Kreislauf des Kindes entfernt, kommt es zu bleibenden Gehirnschäden. UV-Strahlung spaltet das Bilirubin in wasserlösliche Einzelteile, die das Neugeborene über die Niere ausscheiden kann.Trotz der Erfolge bleibt die Lichttherapie - wie auch ihr nichtmedizinisches Gegenstück, das Solarium - umstritten. Denn UV-Strahlung läßt die Haut frühzeitig altern und fördert die Entstehung bösartiger Krebsgeschwüre. Zu Rybergs Zeiten ahnte man davon noch nichts. Der Arzt erhielt 1903 den Nobelpreis für Medizin.

Quelle: Die Welt, 13. September 1995

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Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 02. Juni 2007 um 07:54 Uhr