Theraflax: Ölmixtur kann bei Schuppenflechte helfen

Das Psoriasis Forum Berlin hat im Januar 2000 Theraflax erstmalig in Deutschland der Öffentlichkeit vorgestellt. Es handelt sich um eine Mischung aus Naturölen, deren entzündungshemmende Wirkung seit langem bekannt ist. Der Hersteller Helfried Credé aus Südafrika veranlasste ein Gutachten des TÜVs Brandenburg. Darin wurde klar gestellt, dass Theraflax keine unausgewiesenen Stoffe enthält.

Vergeblich hatte Credé nach Partnern in Deutschland gesucht, um die Ölmixtur hier testen zu lassen. Das umfangreiche Verfahren, es als Medikament zuzulassen, konnte sich der Hersteller finanziell nicht leisten. Deshalb wurde im Sommer 2001 eine Studie an der Medizinischen Universität Sofia in Bulgarien in Auftrag gegeben.

Ein erstes Zwischenergebnis wurde im Mai 2002 veröffentlicht. Darin heißt es, dass Theraflax positiv auf die Hauterscheinungen und vor allem auf die Gelenkschmerzen wirken kann. Die Erfolgsquote entspricht der vergleichbarer Mittel. Noch höher fällt die Erfolgquote jedoch bei Patienten mit Psoriasis arthritis aus.

Theraflax ist ein Gemisch aus natürlichem, kalt gepresstem Leinöl, Schwarzkümmelöl und Borretschöl. Ernsthafte Nebenwirkungen sind von diesen Ölen nicht zu erwarten, aber nicht jeder Magen verträgt es. Die Mischung soll das Immunsystem beruhigen und den Körper umstimmen, gesundes Hautgewebe zu entwickeln. Vor allem Menschen mit Psoriasis Arthritis berichten von länger anhaltenden Erfolgen. Es liegen zahlreiche Berichte von Menschen vor, denen Theraflax langfristig geholfen hat. Das heißt nicht, dass diese Öl-Therapie jedem Psoriatiker hilft oder bei jedem gleich gut anschlägt. Es gibt ebenso Berichte von Misserfolgen oder nur leichten Besserungen.

Der Hersteller verweist darauf, dass die Ölmischung das Wachstum der Hautzellen normalisieren kann. Bei der Psoriasis Arthritis soll Theraflax die Knochenhaut, die den Gelenkknochen umhüllt, wieder gesund entwickeln. Gesteuert wird das Hautwachstum von essentiellen Fettsäuren, die in Theraflax enthalten sind. Diese essentiellen Fettsäuren müssen im Körper von Enzymen umgewandelt werden, um aktiv werden zu können. Solche Enzyme sind in den Ölen enthalten. Essentielle Fettsäuren und Enzyme bilden darüber hinaus hormonähnliche Substanzen (Prostaglandine), die die Entzündungen im Körper beeinflussen. Wer weitere Einzelheiten wissen will, wie sich der Hersteller die Wirkungsweise auf die Psoriasis erklärt, sollte sich auf der Webseite des Herstellers oder der des deutschen Importeurs informieren.

Studie in Sofia

Dr. med. Emil Iliev arbeitet beim Alexander-Universitäts-Krankenhaus in der Abteilung für Dermatologie und Venereologie in Sofia. Er führte im Auftrag des südafrikanischen Herstellers ab 1. Juli 2001 eine Untersuchung durch. Theraflax sollte an Patienten mit Psoriasis Vulgaris und Psoriasis Arthritis getestet werden. Ein kurzer Zwischenbericht wurde im Mai 2002 vorgelegt. Die Studie selbst soll Ende 2002 veröffentlicht werden. Danach wurden 52 Patienten mit Theraflax behandelt und mindestens sechs Monate lang beobachtet. Sie erhielten morgens und abends jeweils 10 ml der Ölmischung.

Bei 22 Patienten bildeten sich die psoriatischen Herde deutlich zurück. Weitere 18 Patienten konnten ihre Hauterscheinungen verbessern. Bei 9 Betroffenen ergaben sich keine Verbesserungen und bei 3 Personen verschlechterte sich der Hautzustand. 19 Probanden litten an Psoriasis Arthritis. Alle waren vorher vergeblich mit Methotrexat behandelt worden. Fast alle berichteten, dass zwischen dem 14. und dem 28. Behandlungstag ihre Schmerzen verschwanden und während der 6-monatigen Beobachtungsdauer nicht wiederkehrten. Nur bei einem Patienten, der zugleich Haut- und Gelenk-Pso hatte, war kein positiver Effekt feststellbar.

Die Therapie wurde von elf Patienten abgebrochen – weil ihnen der Weg zu lang war oder aus anderen persönlichen Gründen. Insgesamt drei Patienten beendeten die Studie vorzeitig, weil sie Cholesterinprobleme bekamen. Die Laborwerte zeigten, dass Theraflax eine regulierende Wirkung auf den Fettstoffwechsel ausübt und u.a. positiv auf den Cholesterinspiegel wirkt. Es ergaben sich keine Auswirkungen auf die Leberdaten oder die Urinwerte.

Meine Meinung

Für jede chronische Krankheit werden immer wieder „Wundermittel“ angeboten. Verzweifelte Patienten sind besonders anfällig für Heilsversprechen. Oft müssen sie sehr viel Geld für solche Mittel oder Therapien bezahlen. Im Endeffekt sind sie dann doch wieder enttäuscht. Hin und wieder stellt sich heraus, dass kriminelle Hersteller Kortison unter ihre Mittel mischen.

Selbstverständlich gibt es viele natürliche Wirkstoffe, die sinnvoll bei der Psoriasis eingesetzt werden können. Auch Nahrungsergänzungsmittel, die nicht als Medikament zugelassen sind, können wirken. Nicht bei jedem und nicht in jedem Krankheitsstadium. Das ändert nichts daran, dass es kein Mittel gibt, mit dem die Schuppenflechte endgültig geheilt werden kann. Selbst das Naturöl aus Südafrika verliert seine Wirkung, wenn man es absetzt.

Für alle Mittel oder Behandlungsformen bei chronischen Erkrankungen gilt: Was nicht sichtbar oder fühlbar anschlägt, sollte nicht weiter angewendet werden. Bei schulmedizinischen Mitteln sollte man nach sechs Wochen überprüfen, ob das Mittel hilft. Sanfte Naturmittel können auch mal erst nach einem halben Jahr ihre Wirkung zeigen.

Ich bin dafür bekannt, gegenüber nicht schul-medizinischen „Alternativprodukten“ kritisch eingestellt zu sein. Dass Theraflax wirken kann, konnte ich aber selbst beobachten: Ein Mitglied der Berliner Selbsthilfegruppe ist über das Internet darauf gestoßen. Vor allem bei seiner Gelenk-Psoriasis hat es hervorragend geholfen. Seit Jahren war der junge Mann erstmalig wieder schmerzfrei. Daraufhin haben zehn Personen der Berliner Gruppe dieses Öl ausprobiert.

Nach acht Wochen waren mindestens vier von ihnen sehr begeistert. Die restlichen haben nichts oder nur sehr wenig an Wirkungen feststellen können. Bei einigen hat der Magen dagegen rebelliert. Inzwischen hat das Berliner Mitglied aus eigener Überzeugung den Vertrieb von Theraflax für Deutschland übernommen.

Es gibt noch keinen endgültigen Abschlussbericht der Theraflax-Studie. Im Zwischenbericht wurde nicht sauber unterschieden zwischen Patienten, die nur Haut-Pso und nur Gelenk-Pso hatten und denjenigen, mit beiden Formen. Es fehlt eine Vergleichsgruppe, die mit Placebos behandelt wurde – also mit wirkungslosen Ölen. So etwas wird in Deutschland immer verlangt, will man nachweisen, dass ein Stoff wirkt. Eine andere Frage ist, welchen Stellenwert bei uns eine wissenschaftliche Untersuchung aus Bulgarien einnimmt.

Aber nicht viele Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln oder Kosmetika lassen in einer umfangreichen Studie testen, wie ihr Produkt auf Patienten mit Schuppenflechte wirkt. Meist belassen sie es bei nicht nachprüfbaren Behauptungen.

Der Hersteller aus Kapstadt, Helfried Credé, war selbst in Berlin. Er hinterließ bei uns eher den Eindruck eines sachkundigen Idealisten als den eines gerissenen Geschäftemachers. Vertrauenswürdig sind auf jeden Fall alle diejenigen, die glaubwürdig und unaufgefordert davon berichtet haben, wie ihnen Theraflax geholfen hat.

Man muss akzeptieren, dass Außenstehende bei jedem Mittel misstrauisch sind, das im schulmedizinischen Sinn nicht als Medikament zugelassen ist. Theraflax ist ein Nahrungsergänzungsmittel. Wie auch bei anderen Nahrungsergänzungsmitteln (z.B. Vitamin E- oder Omega3-Produkten) wird nicht bestritten, dass es im Körper wirkt. Die Frage ist nur, mit welcher Intensität.

Ich konnte mich persönlich davon überzeugen, dass es Psoriatiker gibt, bei denen genau diese Ölmischung hilft. Ihre Haut bessert sich und ihre Schmerzen gehen zurück. Ob man zu dieser Gruppe gehört, muss man – wie immer – selbst ausprobieren.

Rolf Blaga, Psoriasis Forum Berlin

Über Rolf Blaga 115 Artikel
Rolf Blaga hat bis 2012 als Studienrat in Berlin am Oberstufenzentrum Gesundheit unterrichtet. Seit 1993 ist er aktiv in der Psoriasis-Selbsthilfe tätig, sowohl regional im Psoriasis Forum Berlin als auch überregional in der Psoriasis Selbsthilfe Arbeitsgemeinschaft.

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