Mit Licht und Salz gegen quälenden Juckreiz

Rund 1,6 Millionen Menschen leiden in Deutschland an der Schuppenflechte, und die gleiche Zahl ist an Neurodermitis erkrankt. Beides sind Krankheiten, von denen die Ärzte noch immer nicht genau wissen, wodurch sie eigentlich ausgelöst werden. Folglich kann man weder die Schuppenflechte noch eine Neurodermitis ursächlich heilen.

Seit langem ist bekannt, daß die Kombination von Licht und salzhaltigen Bädern den Juckreiz lindern und sogar zur Rückbildung der Ekzeme beitragen kann. Eine Kur am extrem salzhaltigen Toten Meer war bis vor einigen Jahren die einzige Möglichkeit, die beiden Faktoren zu kombinieren. Doch inzwischen wurden in Kurbädern; und Unikliniken auch gute Erfahrungen mit künstlichem UV-Licht und Solebädern gemacht. „Wir behandeln mit dieser Balneo-Photo-Therapie seit rund sechs Jahren Patienten mit Neurodermitis und Schuppenflechte sehr erfolgreich,“ schildert Professor Hans Meffert von der Abteilung Dermatologie der CharitÈ. „Allerdings darf die Behandlung nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, um Schäden an der Haut durch die intensive UV-Strahlung zu vermeiden.“

An der Charité arbeitet man mit zwei verschiedenen Arten von UV-Licht: Das harte, kurzwellige UV-B-Licht erzielt den besten Effekt bei der Schuppenflechte, während man bei Neurodermitis das weichere, langwellige UV-A-Licht anwendet. Je nach Schwere der Erkrankung müssen die Patienten zehn- bis dreißigmal im Jahr behandelt werden.

Auch in der Massage- und Bäderpraxis des Stadtbads Wedding wird eine ähnliche Behandlung angeboten. Allerdings ahmt man hier künstlich die Sonneneinstrahlung am Toten Meer nach.

Inzwischen ist in der Bundesrepublik ein Großversuch angelaufen, bei dem die ambulante Balneo-Photo-Therapie bei niedergelassenen Hautärzten hinsichtlich ihrer Wirksamkeit, aber auch Umweltverträglichkeit erprobt wird. Denn immerhin werden große Mengen Salz pro Bad benötigt, die nicht einfach ins Abwasser entsorgt werden können. Um so wenig Sole wie möglich zu verwenden, schlüpfen die Patienten bei dem Großversuch in einen Kunststoffsack.

Noch ist diese ambulante Balneo-Photo-Therapie keine von den Kassen anerkannte Therapie. Im Rahmen des Großversuchs, an der auch die Charité beteiligt ist, werden die Behandlungskosten aber von den Ersatzkassen übernommen. Die Berliner AOK hält sich noch zurück. Jürgen Kundke

Quelle: Berliner Morgenpost, 27. Juli 1994

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