Laser gegen Psoriasis

Über erste Erfahrungen der Psoriasistherapie mit einem neuartigen Laser berichtet Dr. med. Klaus Fritz in einem Gespräch mit DERMAforum

Herr Dr. Fritz, Sie haben Erfahrung mit einem neuen Lasersystem zur Behandlung der Psoriasis. Welche Art Laser ist das?

Fritz: Zur Behandlung setzen wir einen Laser ein, der monchromatisches UVB von 308-nm nutzt: das Excimer-Lasersystem von PhotoMedex (Rad-nor, PA). Eine UV-Wellenlänge von 311 nm (305-315) gilt als optimal für die Behandlung der Psoriasis, Im Unterschied zu den konventionellen Lichttherapien behandeln wir mit der Laserbehandlung nur die betroffenen Stellen und nicht die gesunde Haut. Das Laserlicht wird auf nur einzelne aktiv befallene Plaques konzentriert und kann daher eine sehr hohe Dosis liefern. Durch diese hohe Dosis heilen die Plaques schneller ab, und gleichzeitig wird das Risiko der Hautschädigung reduziert. Diese neue Laser-Technologie stellt für die Behandlung der Psoriasis wirklich eine vielversprechende Weiterentwicklung der Lichttherapie dar. Wir stellen auf der DDG-Tagung am Donnerstag Nachmittag und auf einem Abend-Workshop die Behandlungsergebnisse einer Multicenterstudie vor.

Welche Behandlungsergebnisse können in welchem Zeitraum erreicht werden?

Fritz: Die Lasertherapie ermöglicht Abheilungen durch weit weniger Behandlungen als bisher üblich. Sechs bis zehn Lasersitzungen reichen, statt 25 bis 35 UV-Bestrahlungen mit normaler Phototherapie. Eine Multicenter – Studie an 124 Psoriasispatienten zeigte: 84 Prozent der Patienten erreichten eine über 75-prozentige Besserung nach nur sechs Behandlungssitzungen, und bei 50 Prozent der Patienten trat eine über 90-prozentige Besserung nach bis zu zehn Behandlungen ein. Die Zahl der Sitzungen ist dabei allerdings weniger wichtig als die Intensität der Strahlung.

Besteht durch die intensive Bestrahlung nicht ein erhöhtes Hautkrebsrisiko?

Fritz: Nein, sehr wahrscheinlich sogar ein deutlich geringeres. Es wird zwar pro Behandlung das etwa Sechsfache der zuvor bestimmten MED (minimale Erythem Dosis) appliziert, da wir jedoch weit weniger Sitzungen als bei den bisher bekannten Phototherapien benötigen, erreicht die Laserbehandlung nur ein Drittel der kumulativen Gesamtdosis von SUP- oder gar PUVA-Therapien. Vergessen Sie außerdem nicht, dass die gesunde Haut, also bis zu 90 Prozent des Integumentes, unbelichtet bleibt, im Gegensatz zu den sonst üblichen Behandlungen.

Wie läuft die Excimer-Laserbehandlung ab?

Fritz: Geeignet sind hauptsächlich Patienten mit lokalisierten Herden milder oder mittlerer Ausprägung. Neunzig Prozent der Psoriatiker leiden an einer lokalisierten Form, die wir mit diesem Laser effektiv behandeln können. Am Anfang der Behandlung steht die Bestimmung der individuellen minimalen Erythemdosis. Durch ein flexibles fiberoptisches Handstück wird das monochromatische Licht von 308 nm in Spots von 3,2 cm2 appliziert. Die Behandlungen erfolgen zweimal wöchentlich, eine Steigerung wird von der Hautreaktion abhängig gemacht. Allerdings reichen – je nach Dosierung – vier bis höchstens acht Behandlungen aus.

Können Sie uns zum physikalischen Hintergrund einige Daten geben?

Fritz: Das Wort Excimer ist ein Akronym für exited dimer und beschreibt ein Molekül, das aus zwei oder mehr Atomen, mit Hilfe von Xenonchloridgas als Katalysator, gebildet wird. Es existiert nur im angeregten Status, ist unstabil und zerfallt schnell in seine beiden Bestandteile – Xenon und Chlorid. Die Zerstörung dieses Moleküls setzt ein energiehaltiges Photon frei, das Licht in einer ultravioletten Wellenlänge von 308 nm produziert. Appliziert wird mit einem Puls von 30 ns und einem Spot von 3,2 cm2.

Es gibt Berichte über andere Laser zur Behandlung der Psoriasis. Wodurch unterscheiden sich diese Laser von dem Excimer-Verfahren?

Fritz: Ich weiß von einem Farbstofflaser, der aber, wie Zelickson et al in JAAD 1996 berichten, nur vierzigprozentige Abheilung bringt. Alora beschrieb das komplette Verdampfen der Epidermis und papillären Dermis mittels CO2-Laser, aber auch das Wiederauftreten innerhalb von nur acht Wochen. Zur Photodynamischen Therapie liegen noch keine aussagefähigen Ergebnisse vor.

Wie empfinden die Patienten die Excimer-Lasertherapie?

Fritz: Die Patienten sind begeistert zu sehen, wie Ihre Herde verschwinden, und sie wissen es zu schätzen, dass nur wenige Sitzungen im Vergleich zur konventionellen Phototherapie notwendig sind. Es gibt keine unangenehmen Gele oder Cremes, keine potenziellen Nebenwirkungen wie etwa bei Cortison, keine Verfärbungen oder gar systemische Nebenwirkungen. Eine saubere, kaum belastende Laserbehandlung, die auch noch wenig Zeit beansprucht, ist der Traum jedes Betroffenen.

Wie hoch sind die Behandlungskosten, wer übernimmt sie?

Fritz: Schon lokale Externatherapien können 1.000 DM pro Quartal kosten. Die meisten Patienten benötigen sechs bis acht Sitzungen zu 300 bis 500 DM pro Laserbehandlung. Damit sind die jährlichen Kosten denen der Lokalbehandlung durchaus vergleichbar. Trotz der Vorteile und der bequemen Anwendung wird die Laserbehandlung zur Zeit von den gesetzlichen Krankenversicherungen meist noch nicht übernommen. Die Kostenerstattung kann jedoch, im Gegensatz zur Balneo – Phototherapie, beantragt werden. Bei privaten Krankenkassen ist die Therapie in der Regel über Laserziffern abrechenbar und erstattungsfähig – insbesondere über die neu von der Ärztekammer eingeführten Ziffern für Flächenbehandlungen.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung der Excimer 308 nm Lasertherapie ein?

Fritz: Das Xtrac-Excimer-Lasersystem wurde von der FDA (USA) im Januar 2000 zur Therapie der Psoriasis und seit März 2001 zur Behandlung der Vitiligo zugelassen. Ich sehe den künftigen Einsatz dieses Therapieprinzips sehr optimistisch. Wir beginnen gerade erst, die Dosierungsintervalle, die Dosierungsintensität und Kombinationsbehandlungen zu optimieren. Es gibt ungefähr 30 weitere dermatologische Indikationen, die wirksam mit diesem UVB-Licht behandelt werden könnten. Hierzu gehören Vitiligo, Granuloma anulare, Lichen planus, Alopecie areata. Ich denke, dass der Laser eine Lücke in der Behandlung lokalisierter, hartnäckiger Hautveränderungen, insbesondere der Psoriasisplaques, füllt.

Quelle: DERMAforum Nr. 5, Mai 2001

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