Laser: Auch die „sanften“ haben Kraft

Unvorstellbar, wie man ohne auskommen kann: Manche Ärzte wollen auch den Softlaser nicht mehr missen. Was kann diese niedrig dosierte Lichtstrahlung, und was nicht?

VON CLAUDIA RICHTER

„Die Lichtstrahlung beim Laser ist vergleichbar mit anderen physiotherapeutischen Strahlungen“, erklärt Dr. Helmut Walter vom Biomedizinischen Forschungslaboratorium Waidhofen/Ybbs.

Für das konzentrierte Lichtbündel, das von einem Laser freigesetzt wird, gibt es eine Vielzahl medizinischer Anwendungsgebiete, wobei grundlegend zwischen niedrig und hoch dosierten Lasern unterschieden wird. „Laserstrahlung ist so lange von niedriger Intensität, so lange es zu keiner Erwärmung des Gewebes kommt“, erläutert Walter.

Bei niedrig dosierten Laserstrahlen braucht man allermindestens eine Leistungsdichte von einem Milliwatt pro Quadratzentimeter (für technisch Interessierte: Die Leistungsdichte ist der Quotient aus Leistung und Querschnittsfläche des Laserstrahls). „Unter einem Milliwatt pro Quadratzentimeter geht gar nichts“, betont Walter.

Andererseits aber darf bei einem „Low Level Laser“ (LLL) eine bestimmte Leistungsdichte auch nicht überschritten werden – sie muß in einem Bereich liegen, in dem dem Gewebe nichts passieren kann. Anders bei „starken“ chirurgischen Lasern mit einer Leistung von 30 Watt pro Quadratzentimeter und mehr. „Die dampfen dann das Gewebe regelrecht weg“, erklärt Walter. Bei Lasern im Low Level-Bereich jedoch passiert, so man eine gesunde Zelle bestrahlt, gar nichts. Wirkung gibt es nur, wenn der normale Zellstoffwechsel gestört ist.

Eine der Hauptwirkungen der Laserstrahlung ist die Stimulation der sogenannten Mitochondrien (energieproduzierende, fadenförmige Bestandteile des Zellkörpers), die eine wesentliche Aufgabe für Stoffwechsel und Energie-Bereitstellung zu erfüllen haben. Softlaser regen unter anderem die Gewebsheilung an, lindern Schmerzen, Entzündungen und Schwellungen. Die Wirkung beruht auf einer Verbesserung der Durchblutung und des Lymphstromes sowie auf einer verringerten Bildung von Prostaglandinen (hormonähnliche Substanzen, die Entzündungen fördern und Schmerzen erzeugen).

„Man kann fast zuschauen, wie die Schwellung weggeht“, behauptet Dr. Evamarie Wolkenstein, Leiterin der Akupunktur-Ambulanz des Kaiserin Elisabeth Spitals in Wien. „Wir setzen die Low Level Laser-Therapie bei vielen Beschwerden ein, ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie man ohne eine solche Behandlung noch auskommen kann“, sagt Wolkenstein. Nachsatz: „Ich möchte aber betonen, daß Laser in erster Linie komplementär zu anderen Therapien und nicht als Monotherapie verwendet werden soll.“ Positive Wirkungen kann die sanfte Lasertherapie unter anderem bei Muskelrissen und -verspannungen, Verstauchungen, Bänderzerrungen, Sehnen-, Venen- und Gelenksentzündungen, bei Akne, Psoriasis, Verbrennungen, bei Schmerzen des Bewegungsapparates, Warzen und Narben erzielen. „Narbenbehandlungen mit Laser machen wir sehr häufig“, sagt Wolkenstein. „Narben erzeugen im Körper oft Störungen in der Energiezirkulation. Die Menschen haben dann oft an ganz anderen Stellen des Körpers Probleme.“ Durch Lasertherapie könnten erwähnte Störungen wieder behoben werden.

Eines der weiteren Einsatzgebiete von LLL ist der Hals-Nasen-Ohren-Bereich. Bei Tinnitus (Ohrgeräusche) sei der Laser vor allem bei älteren Patienten, bei denen bereits eine Arteriosklerose vorhanden ist, eher erfolglos. „Doch da es nicht schaden kann, ist ein Versuch auf alle Fälle gerechtfertigt“, meint Wolkenstein. „Aber ich warne vor allzu großen Hoffnungen.“ Und zur Lasertherapie bei kindlichen Mittelohrentzündungen: „Sie hilft sehr gut, aber natürlich müssen wir immer schauen, ob das Kind nicht auch ein Antibiotikum braucht.“

Eine Studie mit niedrig dosierter Lasertherapie bei Herpes simplex lieferte erfolgversprechende Ergebnisse: Die Patienten – alle hatten Herpes simplex imGesichtsbereich,mindestens eine Herpes-Attacke im Monat, die Krankheit selbst bestand seit mehr als sechs Monaten und hatte sich trotz diverser Therapien nicht gebessert – wurden in zwei Gruppen unterteilt – 24 wurden mit Laser, 24 mit Placebo behandelt. „58 Prozent der Patienten hatten nach der Lasertherapie in einer Beobachtungszeit von neun bis 13 Monaten keine Rückfälle mehr, 21 Prozent waren fünf bis sieben Monate rezidivfrei und bei weiteren 21 Prozent war die Laserbehandlung mehr oder weniger erfolglos“, berichtet Univ.-Doz. Dr. Reinhard Neumann, Leiter der Laserambulanz der Universitäts-Hautklinik Wien. In der Placebo-Gruppe hingegen kam es bei 79 Prozent der Scheinbehandelten innerhalb von zwei bis vier Wochen nach der Bestrahlung zu einem neuerlichen Herpes-Ausbruch.

Quelle: Die Presse (Österreich), 08.10.1997

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