Grander: Was kann Wasser wissen?

VON ASTRID MÜLLNER

Über 200.000 Menschen weltweit setzen auf Granderwasser. Beweise für seine Wirkung fehlen noch.

Brot und Wurst werden damit hergestellt, Haare gewaschen, Blumen gegossen, Schwimmbäder gespeist. Und getrunken wird das Granderwasser sowieso, in privaten Haushalten, in Hotels und Gastwirtschaften, Kindergärten und Krankenhäusern. Anwender des „belebten“ Wassers, wie es sein Entdecker Johann Grander nennt, berichten von zahlreichen positiven Auswirkungen: Das Wasser sei länger haltbar, klarer und weicher, schmecke besser, steigere das Wohlbefinden, lasse Pflanzen sprießen und spare Wasch- und Reinigungsmittel. Manche sind sogar überzeugt, ihre Schuppenflechte, Neurodermitis oder Gicht damit losgeworden zu sein.

Wie wird nun aus ganz normalem belebtes Wasser? Laut Grander muss ihm verloren gegangene Energie, Widerstandskraft und Kraft zur Selbstreinigung zurückgegeben werden. Dies funktioniert mittels eines Wasserbelebers, der – mit sogenanntem Informationswasser befüllt – in die Leitung eingebaut oder direkt in das Wasser getaucht wird. Nichts wird zugesetzt, nichts entnommen. „Diese Technik basiert auf dem Prinzip der Informationsübertragung und -speicherung“, erklärt Johannes Larch, Forschungsleiter im Hause Grander. „Die Belebungstechnik verändert die innere Struktur des Wassers und nimmt so Einfluss auf seine mikrobiologischen und physikalischen Eigenschaften.“

Bereits über 200.000 Anwender weltweit zählt die U.V.O. Vertriebs GmbH, die die Wasserbelebungsgeräte von Tirol aus unter die Leute bringt. Ein Preisbeispiel: An die 1000 Euro kostet es, wird ein Einfamilienhaus auf Granderwasser umgerüstet.

Ob und wie das belebte Wasser wirkt, ist umstritten. Das Unternehmen stützt sich im Wesentlichen auf zwei Arbeiten, die die Oberflächenspannung der Flüssigkeit sowie ihre Verderblichkeit untersuchten. Wissenschaftler aber klagen über fehlende Beweise. „Es ist grundsätzlich richtig, dass man den physikalischen Zustand des Wassers verändern kann“, bemerkt Wolfgang Marktl, Professor am Institut für Physiologie der Universität Wien und Vizepräsident der Akademie für Ganzheitsmedizin. Die Prinzipien seien beispielsweise aus der Homöopathie bekannt. „Ich will nicht behaupten, dass die Technik nicht wirken kann“, erklärt Marktl. „Es sind nur keine wissenschaftlichen Studien vorhanden, die dies beweisen. So wichtige Fragen wie: Welche Auswirkungen hat das nun konkret und welche Mechanismen könnten dahinter stehen, sind nicht beantwortet.“

Einig sind sich Wissenschaftler und das Unternehmen bezüglich des Einsatzgebietes: „Die Wasserbelebung kann nicht dazu eingesetzt werden“, so Larch, „um aus genussuntauglichem trinkbares Wasser zu machen.“ Regina Sommer, Professorin am Klinischen Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie, warnt ebenfalls: „Die Geräte haben keinesfalls desinfizierende Wirkung, sie machen verseuchtes Wasser nicht wieder sauber!“

Auch bezüglich eventueller heilender Wirkung rät Sommer zu großer Vorsicht. „Wenn man hofft, von Krankheiten geheilt zu werden, sollte man sehr aufpassen. Man muss sich ganz bewusst die Frage stellen: Was will ich damit bewirken.“

Larch ist optimistisch, dass es schon bald Ergebnisse geben könnte: „Es wird viele weitere Forschungen geben. Reges Interesse signalisiert etwa der medizinische Bereich.“

Es heißt also weiter warten auf wissenschaftliche Beweise. Sommers Fazit: „Werden die Leute durch das Granderwasser dazu angeregt, mehr Leitungswasser zu trinken, ist das nur zu begrüßen“, meint die Expertin pragmatisch. Und: „Zwischen Himmel und Erde gibt es vieles, das wir (noch?) nicht verstehen.“

Quelle: Die Presse (Österreich), 22.03.2003

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