Linderung in der Kältekammer

Kältekammer
Kältekammer im Kurzentrum in Bad Bleiberg (Österreich)

Minus 110°C – das hört sich schauerlich an. Wer jedoch die Menschen sieht, die sie ertragen haben, staunt und hört ihre einhellige Meinung: „Die Therapie in der Kältekammer hilft großartig.“

Im Immanuel-Krankenhaus in Berlin-Zehlendorf stand vor fast zehn Jahren die erste Kältekammer Deutschlands. Frank Ruppenthal, Leiter der Abteilung Physiotherapie, weiß: „Die Kryotherapie wird seit dem Altertum angewendet.“ In der Antike hätten sich die Ärzte Eis vom Olymp mitbringen lassen, um Kranke zu behandeln.

Heute geht die Behandlung moderner zu. Die Patienten bleiben zwei bis fünf Minuten lang in der Kälte, nur mit Badehose, Handschuhen, Mütze und Mundschutz bekleidet. „Je weniger Kleidung man trägt, um so angenehmer wird die Behandlung“, so Frank Ruppenthal. Grund: Was nicht am Körper ist, kann auch nicht von der Kälte, von der Verdampfung der Körperwärme feucht werden.

Ein Betreuer ist immer zur Stelle und kann eingreifen: Die Kammer hat Fenster und akustische Verbindungen zur Außenwelt. Meist sind vier oder fünf Patienten gleichzeitig in der Kältekammer zu finden.

In der Kältekammer werden Bewegungsübungen absolviert, auch unter Anleitung. Ohne geht’s auch nicht. Deshalb ist eine der Voraussetzungen, dass der Patient gehfähig ist. Nicht hinein darf, wer zu hohen Blutdruck, extreme Platzangst oder ein fortgeschrittenes Stadium des Diabetes mellitus hat. Ideal ist die Behandlung für Patienten mit Schmerzen, Lungenerkrankungen, Asthma bronchiale und mit Autoimmunerkrankungen – und zu denen zählt die Schuppenflechte. „Die Kältetherapie ist besonders für Menschen mit entzündlichen Krankheiten geeignet“, so Frank Ruppenthal.

Schmerzen am ganzen Körper werden von der Vereisung in der Kältekammer gelindert. Alles wird extrem stärker durchblutet, auch die Nebennierenrinde, aus der Kortison kommt. Dadurch wird körpereigenes Kortison ausgeschüttet – womit eine niedrigere Dosierung des gefährlichen Medikamentes möglich ist. Außerdem schüttet der Körper mehr Endorphine aus – einfach gesagt.: Glückshormone. „Die meisten, die aus der Kältekammer kommen, strahlen über alle vier Backen“, lächelt Frank Ruppenthal. Grund sei sicherlich auch, dass jeder stolz ist, sich selbst überwunden und die Tortur überstanden zu haben. Insgesamt wird das Immunsystem gestärkt.

Frank Ruppenthal warnt aber auch: „Zu Beginn der Behandlung können alte Zipperlein auftauchen.“ Er selbst spürte ein altes Schulter-Leiden wieder. „Das gibt sich aber bald wieder.“

Die Behandlung geschieht meist stationär, geht aber auch ambulant vonstatten. Am besten ist, wenn die Patienten zweimal am Tag zur Kälte kommen. Eine Behandlungsphase erstreckt sich über zehn bis zwölf Anwendungen. Noch besser ist, wenn die Patienten zwei Stunden vor und nach der Therapie nicht baden, keine Wärmeflasche oder ähnliche Dinge anwenden, damit der Körper nicht noch feucht ist.

Die ambulante Behandlung hat einen entscheidenden Nachteil: Die Krankenkassen bezahlen sie nicht. Jeder muss jeden Einzelfall mit dem Betreuer bei seiner Krankenkasse ausfechten. Dabei stellen sich dei Kassen auf den Standpunkt, dass die Wirkung der Kältetherapie nicht wissenschaftlich ausreichend nachgewiesen ist. So kostet jede „Sitzung“ im Immanuel-Krankenhaus 80 Mark. Wer sich dagegen als stationärer Patient einweisen lässt, kann problemlos die Kälte genießen.

„Wir haben eine einzige Patientin, die überhaupt keine Wirkung der Therapie spürte“, berichtet Frank Ruppenthal. „Es gibt aber auch den Fall, dass jemand zwei Jahre lang ohne Beschwerden war.“

Kurzgefasst: 10-12 Sitzungen bei minus 110 °C, möglichst 2x/Tag

Gegenanzeigen: zu hoher Blutdruck, extreme Platzangst,  fortgeschrittenes Stadium des Diabetes mellitus,

Indikationen: entzündlich-rheumatische Krankheiten, degenerativ-rheumatische Erkrankungen, Hauterkrankungen mit entzündlicher Komponente (also auch Schuppenflechte und Neurodermitis), Schmerzen, Lungenerkrankungen, Asthma bronchiale und Autoimmunerkrankungen, Bandscheibenschaden, Endoprothesen, künstliche Gelenke

Zahlung: Krankenkasse nur, wenn stationäre Behandlung, ansonsten Selbstzahler

Die Inselklinik in Heringsdorf bietet die Kältekammertherapie innerhalb eines normalen Kuraufenthalts an.

Bildquellen

  • Kältekammer: Rudolf Simon / Wikimedia
Über Claudia Liebram 279 Artikel
Claudia Liebram ist Berlinerin mit Leib und Seele. Dort arbeitet sie als Redakteurin. Ihre Psoriasis begann, als sie 3 Jahre alt war – viel Erfahrung also, die sie weitergeben kann.

1 Kommentar

  1. Hallo, ich leide z.B. wegen muskulärer Erkrankungen wie Fibromyalgie und einiger degenerativer Erscheinungen häufig unter starken Schmerzen. Behandlung in der Kältekammer habe ich in der Klinik in Heringsdorf kennengelernt. Ich kann gut mit, also in Kälte. Die derzeitigen Wintertemperaturen (2-stellig minus)sind wie eine Badekur. Die Schmerzen fliehen!

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