Forschungsbericht über Kangal

Physikalische, chemische und biologische Analyse

Von Prof. Dr. med. Nurten Usman-Özer, Doz. Dr. Zoo. Ülker Demirhindi, ksc. Bio. Halit Demirtas, Msc. Chem. Ing. Ender Basak, Chem. Ing. Necibe Aslan (alle Istanbul Universität, Medizinische Fakultät, Lehrstuhl für Medizinische Ökologie und Hydroklimatologie), Prof. Dr. med. Muaffak Akman, Rektor der Cumhuriyet Universität Sivas

Das fischreiche Thermalbad Sivas-Kangal liegt 90 km von der Provinzhauptstadt Sivas entfernt, 14 km nordöstlich der Kleinstadt Kangal auf 1.425 m Höhe. Das Thermalwasser wird aus 5 Quellen des Baches „Kavak Deresi“ gespeist.

Die geologische Struktur des Thermalbades zeigt alten Tonstein, Mergel und Kalkstein-Tongemische aus neogenischer Zeit. Die oberen Schichten haben kalziumkarbonathaltiges Gestein. Das Flusstal im Gebiet des Thermalbades ist in einer Länge von 60-70 km von Schwemmland (Alüvion) bedeckt. Das heiße Mineralwasser sickert aus Brüchen des kalk- und tonhaltigen Gesteins und mischt sich teilweise mit kaltem Grundwasser, wodurch es etwas abgekühlt wird.

Die Thermalwasserquellen wurden vor etwa 200 Jahren von den Kavak-Dorfbewohnem entdeckt und seitdem als Heilwasser verwendet. Seit 1940 wurden die Thermalquellen von der Gemeinde betrieben, seit 1963 unter der Kontrolle der Provinzverwaltung.

Das Quellwasser fließt in drei Becken, wo es zu therapeutischen Zwecken verwendet wird. Entlang des „Hamam Deresi“ Baches, der aus den Becken gespeist wird, findet man weitere Quellen. Die ergiebigste Quelle ist unterhalb des Dorfes Kalkim, in deren Wasser Fische derselben Art, wie in Kangal leben.

Zur Zeit wird das Thermalbad im traditionellen Stil, ohne die in Deutschland übliche Infrastruktur, betrieben. Es gibt ein einfaches Hotel mit 33 Zimmern und ein Motel mit 16 Zimmern mit einer Bettenkapazität von zusammen ca. 125. Außerdem steht ein Campingplatz für ca . 500 Zelttouristen zur Verfügung.

In den letzten Jahren sind ca. 6.000 Patienten zur Therapie gekommen. Die Verweildauer im Wasser beträgt mindestens 1 und höchstens 4 Stunden, jeweils 2 mal täglich. Die Therapie wird durchaus nach medizinischen Erkenntnissen geführt. Eine richtige Thermalkur könnte allerdings nur in einer neuen Hotelanlage durchgeführt werden, die baldmöglichst von der Fremdenverkehrsbank „Turizm Bankasi“ finanziert werden sollte.

Die Istanbuler Universität, Medizinische Fakultät, Lehrstuhl für Medikalische Ökologie und Hydroklimatologie, und die Sivas-Cumhuriyet Universität haben die Untersuchungen der physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften des Themiabv assers durchgeführt: Die physikalischen und chemischen Strukturen der einzelnen Thermalquellen sind gleich und ändern sich auch mit den Jahreszeiten nicht. Das Wasser zeigt hohe Kalzium-, Magnesium-, Hydrokarbonat- und Sulfat-Konzentrationen. Das Wasser ist hypotonisch und oligometallisch. Der ph-Wert beträgt 7,45. Die Wassertemperatur beträgt ca. 35üC, die Leitfähigkeit beträgt 4,2 x 10 (-4) mho. Es enthält keine Gase und Radioaktivität. Über die Haut aufnehmbare Selenium-Menge beträgt 1,30 mg/lt.

Die Fauna des Wassers bilden die Fische und die Planktonen. Bei den Untersuchungen der Mägen der Fische wurden Myxophyceae von Phytoplanktonen und Oscillatoria Tenuis von Blaualgen gefunden. Die Zooplanktonen sind Rotatoria und in geringen Mengen Rematoda. Die Fische sind Leuciscus Cephalus und Garra Rufa. Bei einer Untersuchung der Sivas Universität, Biologische Fakultät, aus dem Jahre 1987 wurden 105 Cyprinion Macrostanus und 62 Garra Rufa gefunden. Diese Fischarten, die sich an das isothermale Milieu des Bades angepasst haben, gehören zur Familie der Cyprinniteo. Im Bach und in den Becken leben die gleichen Fische. Sie unterscheiden sich nur in Gewicht und Größe. Die im Bach lebenden Fische sind größer als die in den Becken. (Gewicht der Fische im Becken: Leuciscus Cephalus 90 gr. bzw. Garra Rufa 8 gr., im Bach: Leuciscus Cephalus 99 gr. bzw. Garra Rufa 24 gr.) Die Laicherzeugung der Fische in den Becken ist größer. Wenn die Fische in einem Aquarium ohne Futter leben, greifen sie sich gegenseitig an.

Die Fische, die aus Südwest-Asien stammen, leben in der Türkei in der Umgebung der Provinzen Adana, Maras und Hatay, außerdem in den Flüssen Tigris (türkisch Dilce), Eufrat (türkisch Firat) und Asi. Der gelöste Sauerstoffgehalt des Thermalwassers beträgt 4,42 ppm und ist somit ausreichend für die Fische. Da die Fische in hoher Wassertemperatur aufwachsen, ist ihre Ernährungsaktivität niedrig und ihr Wachstum minimal. Die langsame Anpassung an die Umgebungstemperatur verändert den Lipid-Stoffwechsel und erhöht mit der Zeit das Ernährungsbedürfnis der Fische, womit die aggressiven Charaktereigenschaften der Fische in den Becken erklärt werden können. Auch das minimale Vorkommen von Phyto- und Zooplanktonen, die normalerweise zur Ernährung der Fische dienen, fordert die Aggressivität der Fische.

Während des Bades eines Patienten mit Wunden werden diese von den Fischen „angegriffen“ und mit dem Fischmaul gestoßen, wodurch eine Massagewirkung entsteht. Die kranken Stellen werden Stück für Stück von den Fischen gefressen, was zu einer Linderung der Leiden des Kranken führt. In unseren letzten mikrobiologischen Untersuchungen trafen wir im Frauenbad auf Klebsiella pnömoniae und Echerishia Coli. Im Hinblick auf die Anamnese der Patienten, die in Kangal Thermalbad gebadet haben, hat das Thermalwasser bei chronischen Hautkrankheiten, wie Psoriasis und Ekzemen eine therapeutische Wirkung. Die chemischen Eigenschaften des Wassers können neben Hautkrankheiten und rheumatischen Krankheiten auch weitere körperliche und seelische Schwächen positiv beeinflussen.

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