Kangalfische knabbern erkrankte Hautstellen ab

Neue Therapie deutschlandweit erstmals in Pirmasens im „Zentrum für Gesundheit“ eingesetzt – Behandlung in Türkei bewährt

Die deutschlandweit erste Therapiemöglichkeit mit so genannten Knabberfischen wird ab 1. Juni in der Wittelsbachstraße in Pirmasens angeboten werden. Im „Zentrum für Gesundheit“ der Heilpraktikerin Tanja Handler können sich dann Patienten mit Schuppenflechte von 50 „Kangalfischen“ anknabbern lassen. Bisher war solch eine Behandlung nur in der Heimat der Kangalfische, in Ostanatolien (Türkei), möglich.

Durch einen Fernsehbericht sei sie auf die Therapieform aufmerksam geworden, schildert Handler den Entstehungsprozess ihres neuen Angebots. Da in ihrer Praxis, die neben Naturheilverfahren auch Kosmetik und medizinische Fußpflege anbietet, viele Patienten mit Hauterkrankungen behandelt werden, entschloss sich die 31-jährige Heilpraktikerin zur Anschaffung von 200 Kangalfischen, den dafür nötigen Aquarien und Wannen, in denen die Behandlung erfolgen soll. Nachdem auch das Gesundheitsamt seinen Segen gab, soll am 1. Juni die neue Therapie starten – eine deutschlandweite Premiere, sagt Handler. Derzeit gebe es nur einen Züchter dieser Fische, der die Tiere bisher nur an Patienten verkaufte, die sich damit zuhause selbst behandeln wollten. „Ich habe schon Anfragen aus ganz Deutschland für Kuren mit den Fischen“, freut sich die Heilpraktikerin. Auch ein Fernsehsender habe sich angemeldet, um den kleinen Fischen bei der Mahlzeit zuzusehen.

Tanja Handlers Mutter Christa startete 1992 in der Wittelsbachstraße 15 mit einer Praxis für Kosmetik und Fußpflege. Nachdem Tanja Handler 1999 eine Ausbildung zur Naturheilpraktikerin absolvierte, ergänzte sie das Angebot um Naturheilverfahren und naturheilkundliche Sportmedizin. In ihrer 150 Quadratmeter großen Praxis beschäftigt die junge Unternehmerin heute vier Mitarbeiter.

Laut Handler knabbern die Tiere nur die erkrankten Hautstellen ab und hinterlassen keine Wunden. Eine Therapie in ihrer Praxis dauere acht bis 14 Tage. Pro Behandlung werden etwa 50 Fische aus den Aquarien gefangen und in eine Wanne mit dem Patienten gesetzt, schildert die Heilpraktikerin den Ablauf. Nach der etwa zweistündigen „Fütterung“ kommen die Tiere wieder zurück in ihr Aquarium, in dem sie eine Zeitlang aus hygienischen Gründen bleiben müssen, um die erkrankten Gewebeteile verdauen zu können – nicht dass ein anderer Patient damit angesteckt wird. Mit den Kangalfischen können laut Handler nicht nur Schuppenflechtenerkrankungen, sondern auch Ekzeme und Neurodermitis behandelt werden. „Nach der Behandlung haben die Patienten dauerhaft ihre Ruhe vor der Krankheit“, verspricht Handler und verweist auf die Erfolge in der türkischen Heimat der Fische. „Die Erfolge in der Türkei sind unbestritten“, bestätigte der Pirmasenser Hautarzt Jürgen Knauber auf Anfrage der RHEINPFALZ. Der Dermatologe gibt jedoch zu Bedenken, dass dort nicht nur die Fische, sondern auch der Klimaeffekt und das besondere Wasser wirken. „Ob das auch ambulant in Deutschland geht, weiß ich nicht“, sagt Knauber.

Von unserem Mitarbeiter Klaus Kadel

Quelle: RON – RHEINPFALZ ONLINE, 28. Mai 2001

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