Die Wunderfische von Kangal

Riccarda Barks Krankheit galt als nicht heilbar – doch eine außergewöhnliche Badekur in der türkischen Thermalquelle erlöste sie von ihrem Leiden.

Riccarda Barks kann es kaum glauben. „Was ich erlebt habe, ist ein Wunder“, sagt die Frau mit leuchtenden Augen. „Ich fühle mich wie neugeboren.“ Seit 13 Jahren leidet sie an einer Schuppenflechte, und zwar so schlimm, dass sogar ihre Gelenke beeinträchtigt waren.

„Ich bin von Arzt zu Arzt gelaufen, habe unzählige Medikamente ausprobiert – nichts half“, erzählt die Hannoveranerin. Auch Heilfasten, Akupunktur, Öl- und Salzbäder brachten keine Besserung. Die schmerzhafte Flechte, die ihren Körper verunstaltete, blieb hartnäckig. Aber Riccarda Bark wollte sich nicht damit abfinden, ihr Leben lang gezeichnet zu sein. Sie trat einer Selbsthilfegruppe bei, um mit ebenfalls Betroffenen nach Hilfsmöglichkeiten zu forschen. So erfuhr sie, dass es in der Türkei ein besonderes Thermalbad gibt, in dem lebende Fische für die Heilung von Hautkrankheiten sorgen. „Ich hatte schon soviel ausprobiert – warum nicht auch nach diesen Strohhalm greifen“, schildert Riccarda Bark ihren Entschluss, in die Türkei zu reisen.

Das Kur-Zentrum „Balikli Kaplica“ liegt im Herzen Anatoliens in zauberhafter Landschaft in 1650 Metern Höhe, nordöstlich der kleinen Stadt Kangal. Seit 1988 verwalten die Brüder Ünsal die Anlage, in der Menschen aus aller Welt Hilfe suchen. So wie Riccarda Bark. Allerdings machte sie sich nicht zu große Hoffnung, denn ihre Krankheit galt als unheilbar. Doch dann erlebte sie am eigenen Leib die Wunderfische von Kangal.

„Jeder Tag begann morgens mit einer Trinkkur“, berichtet sie. „Nach dem Frühstück musste ich für zwei Stunden in das Thermalbecken. Nach dem Mittagessen und einer kleinen Pause ging es wieder ins Wasser, für mindestens zwei, oft sogar für vier Stunden.“ Während die Patienten in dem 35 Grad warmen Wasser sitzen, machen sich die Fische im wahrsten Sinne des Wortes über die Flechte her.

Die Kangal-Fische sind zwei bis acht Zentimeter groß und existieren in drei verschiedenen Arten. Sie leben von den Hautpartikeln der badenden Patienten. Die erste Art knabbert die erkrankten Hautstellen an, die zweite Art saugt an den Wundpartien und hält sie sauber, die dritte Art leckt die Wunden.

„Am ersten Tag waren die Fische in großer Zahl an meinen Beinen tätig“, erzählt Riccarda Bark. „Sie haben die obere Hautschicht abgeknabbert. Das hat schon ein bisschen gekitzelt. Am zweiten Tag bemerkte ich schon, daß die obere Schicht weg war und die Fische tiefer gingen. Wenn ein Blutstropfen kam, wurde er von anderen Fischen sofort weggesaugt. Der dritte Fisch hat dann massiert. Danach war meine Haut sehr empfindlich.“ Nach dem dritten Tag reagierte ihr Körper mit Schüttelfrost auf die massive Heilbehandlung. Doch dann wurde es jeden Tag etwas besser. „Nach sechs Tagen waren die Flechten sichtbar kleiner geworden, es war unglaublich.“ Nach drei Wochen konnte sie so gut wie geheilt nach Hause fahren. Ihre Ärztin bestätigte überrascht die deutliche Besserung.

„Ich glaube, dass viele Menschen, die schon keine Hoffnung mehr haben, hier Heilung finden können“, sagt Riccarda Bark. Sie will im nächsten Jahr die Kur wiederholen, um einen Rückfall auszuschließen. Und dann, so hofft sie, wird die Krankheit nur noch Erinnerung sein.Refik YükseI

Quelle: Neue Post

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