Klimatherapie bei Hautkrankheiten

Behandlung der Psoriasis vulgaris

Ob Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Psoriasis oder Osteoporose – eine der effektivsten Therapiemaßnahmen ist oft, die Patienten dem richtigen Klima auszusetzen, und zwar wohldosiert. Früher überwiegend auf Erfahrung basierend, ist die sog. Klimatherapie inzwischen auch wissenschaftlich abgesichert. Die Seminarserie stellt Möglichkeiten moderner Klimatherapie bei „harten“ Indikationen vor. (Münch. med. Wschr. 139 (1997) 315-316)

Ein Fallbeispiel

Der 38jährige Patient zeigte mit 26 Jahren erstmals während eines unfallbedingten längeren Krankenhausaufenthaltes psoriatische Hautveränderungen im Sinne eines Köbner-Phänomens im Narbenbereich einer operativ versorgten komplizierten Unterschenkelfraktur. Im weiteren Verlauf kam es zu einer langsamen, progredienten Ausbreitung der erythematös-squamösen Plaques auf Knie, Ellbogen und Gesäß, zuletzt auch zu einem Befall des behaarten Körpers. Der Patient verspürte keinen Juckreiz; es wurde keine Gelenkbeteiligung festgestellt.

Bis heute ist der Verlauf wechselhaft mit oft monatelangen erscheinungsfreien Intervallen. Die gute Sonnenverträglichkeit führt zu einer regelmäßigen Besserung des Hautzustandes in den Sommermonaten. Als „Verschlechterungsfaktoren“ wirken psychischer und physischer Streß sowie übermäßiger Alkoholkonsum.

Familienanamnese. Der Vater des Patienten leidet seit vielen Jahren an Psoriasis vulgaris.

Hautbefund. Befallen sind Knie, Ellbogen, Unterschenkelstreckseiten, Stamm mit Betonung der Sakralregion sowie der behaarte Kopf. Es finden sich multiple, scharf begrenzte, tropfenförmige, bis zu handtellergroßen Flächen konfluierende erythematös-squamöse Plaques mit ausgeprägter Infiltration und weißlich-silbriger, groblamellärer Schuppung. An den Nagelplatten der Finger vereinzelt Tüpfel und Ölflecken. Schleimhäute und Hautanhangsgebilde unauffällig. Dermographismus ruber; sebostatisches Integument.

Weitere Befunde. Labor unauffällig. – Die Fokussuche im HNO-, Zahn- und internistischen Bereich blieb ohne pathologischen Befund.

Bisherige Therapie. Bislang gutes Ansprechen mit vollständiger Regression der Hautveränderungen auf cignolinhaltige Externa in Kombination mit intermittierender UV-B-Bestrahlung, zuletzt auch erfolgreiche Lokaltherapie mit Calcipotriol. Als rückfettende Basistherapie wurden harnstoffhaltige Externa verabreicht. Eine systemische Behandlung konnte bisher vermieden werden.

Diagnose. Der Patient leidet unter einer Psoriasis vulgaris.

Therapie. Dem Patienten wird eine dreiwöchige Klimatherapie im Hochgebirge (Davos) verordnet, wobei die „Heliotherapie“ als Klimaexposition die Hauptkomponente darstellt.

Prognose. Nach einer Klimatherapie im Hochgebirge sind nach den Ergebnissen einer Davoser Klinik 95% der Patienten erscheinungsfrei bzw. haben eine wesentliche Besserung des Hautbefundes erreicht. Mehrere Untersuchungen belegen dies anhand des Psoriasis Severity Index (PSI) bzw. am Psoriasis Area Severity Index (PASI-Score), der sich nach mehrwöchiger Heliotherapie signifikant verbessert (Abb. S. 316/54).

Auch im vorgestellten Fall ist das Hautbild am Ende der dreiwöchigen Hochgebirgs-Klimatherapie praktisch frei von krankhaften Veränderungen. Der Patient berichtet über seinen hervorragenden körperlichen Allgemeinzustand und subjektives Wohlbefinden.

Rezidivfreiheit wurde in einer katamnestischen Untersuchung für Davos über Zeiträume zwischen vier und sieben Monaten (27,5% der Patienten) und zwischen acht und zwölf Monaten (25,5% der Patienten) festgestellt.

Diskussion

In der Klimatherapie der Psoriasis vulgaris stellt die Sonnenbestrahlung den mit Abstand wichtigsten Bestandteil dar: Proliferation und Differenzierung der epidermalen Hautzellen werden durch UV-B-Bestrahlung moduliert, d.h. verringert. Man nimmt an, dass die Hemmung der Proliferation, welche nach Heliotherapie bewiesen ist, über die Vitamin-D3-Bildung durch UV-B, d.h. durch 1,25-Dihydroxyvitamin-D, zustande kommt. Auch Studien, in denen mit der topischen und oralen Gabe von Vitamin D3 eine Abnahme der Beschwerden bei Psoriatikern erzielt wurde, weisen in dieselbe Richtung.

Die Vitamin-D3-Synthese kann nur mit kurzwelliger UV-B-Strahlung, nicht jedoch mit dem längerwelligen UV-A hervorgerufen werden (vgl. Folge „Osteoporose“). Dies entspricht auch den Ergebnissen bei der Phototherapie der Psoriasis: Mit künstlicher Bestrahlung wird die günstigste Wirkung im UV-B-Bereich mit Wellenlängen zwischen 290 und 315 nm erreicht; das Therapieoptimum liegt bei einer Wellenlänge von 313 nm.

UV-Strahlung im Hochgebirge. Im Hochgebirge kommt es pro 1000 m Höhendifferenz zu einer Verstärkung der UV-Intensität um 30% gegenüber dem Flachland, da die Luft mit zunehmender Höhe weniger die Strahlung abschwächende Luftverunreinigungen bzw. weniger absorbierenden Wasserdampf enthält. Die UV-B-Dosis ist somit bei gleicher Besonnungszeit im Hochgebirge deutlich höher als im Flachland oder Mittelgebirge.

Unter Ausnutzung der intensiven Sonnenstrahlung werden im Hochgebirge von den nicht-allergischen Hauterkrankungen Psoriasis, chronisch-rezidivierende Ekzeme und chronische Urtikaria, Hautlymphome (T-Zell-Lymphom, Mycosis fungoides), Prurigo-Erkrankungen sowie Akne mit Erfolg behandelt. Während der Heliotherapie sind die Patienten – in mehreren Studien eindeutig belegt – einer wesentlich geringeren UV-B-Strahlenbelastung als während der Phototherapie mit künstlicher UV-B-Strahlung ausgesetzt; beispielsweise wird zur Abheilung der Schuppenflechte während sechswöchiger Heliotherapie in Davos nur ein Bruchteil derjenigen Dosis benötigt, die die Patienten in der Regel am Wohnort mit künstlicher UV-B-Bestrahlung erhalten.

UV-Strahlung an der See. Auch an der See ist die Strahlungsintensität – allerdings nur im Sommerhalbjahr – deutlich höher, denn aufgrund des weiten Horizonts wird die Himmelsstrahlung nicht eingeschränkt. Da nur 50% der ultravioletten Strahlung von der direkten Sonnenstrahlung stammen und der Rest durch diffuse Streustrahlung hauptsächlich vom Horizont auf die Erde gelangt, verstärkt sich die UV-Exposition erheblich. Klimatherapie an Nord- und Ostsee führt somit ebenfalls zu einer gesicherten Besserung der Psoraisis. Damit werden rezidivfreie Intervalle bis zu neun Monate nach der Rückkehr erreicht.

Das Tote Meer hat sich ganzjährig zu einem Zentrum für Psoriatiker entwickelt. Es liegt 400 m unter dem Meeresspiegel, was die klimatischen Bedingungen in spezieller Weise verändert: Durch den längeren Weg, den die Sonnenstrahlung durch die Atmosphäre zurücklegen muß, ist die Intensität der UV-Strahlung abgeschwächt – auch sonnenempfindliche Menschen können sich somit länger der Sonne aussetzen. Zusätzlich ist die Luft aufgrund der umgebenden Wüsten allergenfrei. Es ist trocken und heiß – an mehr als 300 Tagen im Jahr scheint die Sonne. Das Tote Meer ist das salzreichste Meer der Welt.

Diese besonderen klimatischen Bedingungen des Toten Meeres werden seit Jahrzehnten zur Behandlung von Psoriasis genutzt. Zahlreiche Autoren beschreiben den Erfolg dieser Therapie: Die Rezidivfreiheit soll bei sechs Monaten liegen. „Harte“ Daten liegen jedoch nicht vor.

Die vorliegenden Ergebnisse belegen eindeutig, dass eine langanhaltende klinische Besserung des Hautzustandes bei Patienten mit nicht-atopischen Hauterkrankungen wie Psoriasis durch Klimatherapie im Hochgebirge (ganzjährig) oder an der See (Sommermonate) möglich ist.

Prof. Dr. Dr. med. habil. Angela Schuh, Institut für Medizinische Balneologie und Klimatologie der Ludwig-Maximilians-Universität, Marchioninistr. 17, D-81377 München.

Dr. med. Ute Topperzer, Klinik für Dermatologie und Allergie, Davos

Quelle: Münchner medizinische Wochenschrift 20/1997

1 Kommentar

  1. Wie kommt man zu einer bezahlten Kur in Davos? Vorallem als Privatpatient und Beihilfeempfänger.
    War schon mal in Bad Gastein, Österreich,auch im Heilstollen. Sehr zu empfehlen! Hab mir aber selber ein Hotel gesucht und nur den spärlichen Zuschuss von Krankenkasse und Beihilfte kassiert. Das geht ins Geld

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