Sonne und Meer bei Psoriasis

Sonne und Meer bei Psoriasis: Die Besserung hält am längsten an

Bei der Schuppenflechte hat die Tote-Meer-Kur einen länger anhaltenden Erfolg als alle andere Methoden.

VON LORE KASBAUER

Die Schuppenflechte oder Psoriasis ist eine im Ansteigen begriffene, genetisch bedingte Erkrankung, die auf einer Fehlreaktion der Haut beruht. Zwei bis drei Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen. Kinder unter fünf Jahren haben sie eher selten, doch eine eitrige Mandelentzündung kann eine latente Schuppenflechte zum Ausbruch bringen. Auch Betablocker oder Lithium können sie auslösen.

Die heilenden Mineralienschätze des Toten Meeres und die heiße Wüstensonne, die hier eine in der Welt einmalige UV-Strahlung hat, sind die zwei Hauptvoraussetzungen für die Klimatherapie gegen die Schuppenflechte. In Israel gibt es diese Kuren schon seit langem, auf der jordanischen Seite des Toten Meeres wurde als bisher einziges Kurzentrum dieser Art vor sieben Jahren das „Salt Land Village“ errichtet. Es wird hauptsächlich von Deutschen, Italienern und Österreichern frequentiert, letztere freuen sich, wenn der jordanische Koch, der einige Jahre in Wien gearbeitet hat, gelegentlich Geselchtes mit Kraut und Knödeln serviert.

Das Medizinische Zentrum wird von Dr. Zuhair Bisharat geleitet. Der in Österreich ausgebildete Dermatologe und Venerologe verfolgte die Besserungs-Chancen durch die Sonne-Salzmeer-Kombination 1994/95 mit einer Studie an 368 Psoriasis-Patienten: 37 Prozent waren nach einer Kur am Toten Meer erscheinungsfrei, also ohne Juckreiz und Schuppenausschlag, 50 Prozent erfuhren eine wesentliche und 13 Prozent eine teilweise Besserung. Eine Nachstudie bei 110 Patienten ergab, daß es durchschnittlich sieben Monate dauerte, bis die Krankheit neuerlich auftauchte. „Die Tote-Meer-Kur zeigt daher einen länger anhaltenden Behandlungs-Erfolg als alle anderen Methoden“, vermerkt Bisharat. Was die Therapiedauer betraf: 45 Prozent der Patienten waren nach einer vier- oder mehrwöchigen Kur komplett erscheinungsfrei, 17 Prozent waren es nach zwölf Tagen bis drei Wochen.

Fazit: Je länger die Therapie dauert, desto größer ist die Aussicht auf Beschwerdefreiheit. Ähnliche Erfolge zeigten sich auch bei einigen anderen Hautkrankheiten wie Neurodermitis, Vitiligo (Weißflecken-Krankheit), Akne und Ichthyose (Fischschuppen-Krankheit).

Die Heilkraft der Kuren am Toten Meer resultieren, wie erwähnt, in erster Linie aus den Komponenten Sonne und Meer. 400 Meter unter dem Meeresspiegel gelegen, ist das Tote Meer reich an Mineralien: Kalzium und Magnesium haben eine starke antiallergische, beruhigende Wirkung. Magnesium, das den Körper-Stoffwechsel wesentlich beeinflußt, wird außerdem eingeatmet, da es durch die Wasserverdunstung in die Luft kommt. Kochsalz und Kalium sind desinfizierend und entschuppend, Brom beruhigt die Nerven, das ebenfalls im Wasser enthaltene Bitumen wirkt entzündungshemmend. Die Sonne scheint hier an mehr als 300 Tagen im Jahr. Doch sie ruft (fast) keinen Sonnenbrand hervor, denn durch die extrem hohe Verdunstung liegt eine Ozonschicht wie eine Filterglocke über dem Toten Meer, die die schädlichen UVB-Strahlen der Sonne stark abschwächt.

Aber auch die saubere allergenfreie Wüstenluft, die den höchsten Sauerstoffgehalt der Welt hat, reich an Brom und daher beruhigend und entspannend ist, trägt zum Kurerfolg bei. Zusätzliche Therapiemaßnahmen sind Schlammpackungen, die die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen und die Blutzirkulation anregen, Massagen, Ölbäder, entschuppende Salben, Gruppengymnastik im Wasser.

Auch psychotherapeutische Behandlung, durchgeführt von der geborenen Österreicherin und Universitäts-Professorin für Psychologie, Dr. Jutta Bisharat, wird angeboten. Denn die psychische Belastung für die Kranken ist groß. Sie fühlen sich isoliert, schämen sich ihres (übrigens nicht ansteckenden!) Ausschlages wegen. Das Österreichische Verkehrsbüro bietet spezielle Kurpauschalen an (eine Woche ab 13.280 Schilling = 962,3 Euro; vier Wochen ab 32.230 Schilling = 2335,5 Euro; inkludiert sind Flug, Transfers, Halbpension, medizinisches Behandlungspaket; Tel. 0222/58 800 DW 159). Ob es Zuschüsse gibt, ist bei der jeweiligen Krankenkasse oder beim Arzt zu erfahren.

Quelle: Die Presse (Österreich), 01.10.1997

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