Informationsflut und Informationsinteresse: Wie können Patienten beurteilen, ob sie seriös informiert werden?

Heike WöllensteinHeike Wöllenstein, AOK-Bundesverband, Stabsbereich Politik

Heike Wöllenstein vertrat die Sicht der Krankenkassen. Sie begründete, weshalb Patienten auf jeden Fall möglichst gut informiert, aufgeklärt und beraten sein sollten: Das sei ein wesentliches Patientenrecht, um über Behandlungen und Verschreibungen „mündig“ mitentscheiden zu können. Solche Patienten würden die Therapie besser mit unterstützen, aber auch Qualität und Wirtschaftlichkeit mit beeinflussen. Viele Informationsangebote würden es dem Patienten ermöglichen, „in gleicher Augenhöhe“ mit zu entscheiden. Andererseits zeige es sich, dass immer mehr Informationsangebote nur das eine Ziel verfolgten, nämlich „Marktpotentiale zu erschließen“. Da gäbe es wissenschaftlich nicht bewiesene Behauptungen, falsche Heilsversprechen oder Patienten würden auf Präparate „angefixt“. Durch den Druck der hoffnungsvollen Patienten könnten auf diese Weise neue Verfahren zu schnell auf den Markt kommen, ohne ausreichende Sicherheiten.

Frau Wöllenstein stellte fest, dass niemand genau sagen könne, welchen Bedarf an Informationen es bei den Patienten gibt. Sie vermutet, dass es eher die Älteren sind, eher die Frauen und eher die Patienten mit mittlerem und hohen Bildung, die sich ausführlich beraten lassen wollen.

Sie zitierte eine Umfrage, nach der sich 76,7 % der Patienten mehr oder weniger wünschen, dass Behandlungen öffentlich nach ihrer Qualität bewertet werden würden. Heike Wöllenstein zählte dann auf, von wem sie im Internet seriöse, problematisch oder qualitativ unterschiedliche Informationen bewertet. Während sie kommerzielle Anbieter als „problematisch“ bezeichnete, gäbe es bei der Patientenselbsthilfe seriöse und problematische Informationen. Als Hilfestellung stellte sie die AOK-Checkliste vor, nach der Patienten vorgehen sollten, um die Qualität von Informationen einschätzen zu können.

Dann stellte sie das Informationsangebot der AOK vor. Dazu gehört ein Gesundheits-Lexikon unter http://www.AOK.de, eine Hautkampagne, Informationen für chronische Kranke (nicht für Psoriasis) und eine telefonische Hotline rund um die Uhr das ganze Jahr über, bei der man alle medizinischen Fragen stellen könne.

Niemand wisse, so Heike Wöllenstein, welche Informationen beim Patienten etwas verändern würden. Es gäbe außerdem Patienten, die man mit Gesundheitsinformationen nicht erreichen würde: „bildungsfern“, „beratungsresistent“ oder schlecht Deutsch sprechend. Sie warne davor, dass Informationsportale zu stark zentralisiert werden würden, also kleinere Anbieter ausgeschaltet werden. Andererseits würden „unabhängige“ Informationsportale viel Zeit und viel Geld kosten, das sie meist nicht hätten.

Bildquellen

  • Wöllenstein: privat

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