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Alex

Kleiner Erfahrungsbericht Davos

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Alex

Vorwort:

Dies war meine erste Kur, ich war zum ersten Mal in der Alexanderhausklinik in Davos, folglich ist dies auch mein erster Erfahrungsbericht über eine Kur. Zumindest versuche ich einige der Fragen zu beantworten, die sich mir vor Kurantritt stellten.

Zur Person:

Ich bin 33 Jahre alt, und habe Psoriasis Vulgaris seit ca 2 Jahren im jetzigen Ausmaß (also ca 70 bis 80% der Haut inklusive Genitalien und Hautfalten). Vor zwei Jahren war ich für 5 Wochen in stationärer Behandlung in einer Hautklinik… eine Erfahrung, die ich nicht noch einmal wiederholen mochte. Daher habe ich mich dieses mal gleich um eine Kur bemüht, die mir auch sofort gewährt wurde. Bei Kurantritt war meine Flechte in einem „tollen“ Zustand. Herde und Schuppen waren reichlich vorhanden.

Die Therapie:

Ich kam in den „Genuss“ der klassischen Therapie. Die erste Woche Abschuppen mit Salizylvaseline, Behandlung der Herde mit Teersalbe unter Folie (Lorinden T-Salbe). Ab der zweiten Woche dann morgens ein Kamillenbad mit anschließender UVB Bestrahlung, danach Daivonex Salbe (Vitamin D3), Mittags Psoradexan (mite, forte, Wirkstoff Dithranol), und abends wieder Teer.

Zwischendurch sollte ich immer wieder Sonnenbäder einschieben, welche ich aber mangels Balkon nicht durchgeführt habe. Jedoch bleibt festzustellen, dass die Davoser Sonne Wunder wirkt! Wenn sich wieder die netten roten Flecken und Schuppen im Gesicht zeigten, brauchte ich nur einen Nachmittag in der Sonne zu verbringen (spazieren gehen oder Langlaufen) und mein Gesicht sah abends wieder „sauber“ aus. Das ging schneller als mit meiner Kortisonsalbe (Ecural), die ich zu Hause aus kosmetischen Gründen benutzte. Und ohne Nebenwirkungen :-).

Die Anreise:

Die Anreise zur Klinik erfolgt normalerweise mit dem Zug. Wer will, kann aber auch mit dem Auto anreisen, wobei dies jedoch von den Ärzten ausdrücklich nicht empfohlen wird. Ich persönlich hielt mich an den ärztlichen Rat, und nahm die Bahn. Meine Koffer wurden vier Tage vor Kurantritt zu Hause abgeholt, und standen am Tag meiner Ankunft bereits auf dem Zimmer (das nächste Mal werde ich deutlich weniger „gute“ Klamotten einpacken, denn die meiste Zeit verbrachte ich entweder mit Teer oder Dithranol eingeschmiert).

Die letzten paar Kilometer von Lanquart nach Davos in der „Kleinen Roten“ (der Räthischen Eisenbahn) waren eine wundervolle Einstimmung auf die Alpen. Auf die Nachteile einer mehrstündigen Bahnfahrt will ich hier nicht weiter eingehen :-/

Die Klinik verfügt über keine Parkplätze für Patienten, was gerade in den Wintermonaten zu einem Problem führt (Nachts ist das Parken wegen evtl. anfallender Schneeräumung verboten. Außerhalb der Hauptsaison ist das (kostenlose) Parken aber durchaus in der Nachbarschaft machbar.

Die Klinik:

Die Alexanderhausklinik für Dermatologie und Allergologie ist eine Deutsche Klinik und ist in Deutschland sowohl als Rehabilitationseinrichtung wie auch als Klinik für Akut Einweisungen zugelassen (toller Trick um den gleichen Patienten abwechselnd vom Rentenversicherungsträger oder der Krankenkasse bezahlt zu bekommen). Die meisten Patienten leiden unter Schuppenflechte oder Neurodermitis (lustig sind die Diskussionen wer nun besser dran ist… komischerweise fühlt man sich mit der eigenen Erkrankung besser bedient). Die Klinik steht an einem Hang direkt unterhalb der Davoser Promenade, 50 Meter den Berg hoch, und das Shoppingvergnügen kennt kein Ende mehr… sofern der Geldbeutel mitspielt.

Sie ist täglich zwischen 6 und 23 Uhr geöffnet (der Coop-Markt in der Nähe auch). Nach 23 Uhr sollte man sich eine gute Ausrede für die Nachtschwester parat legen... oder gleich in die nächste Bar gehen, denn die sind (zumindest im Winter) so ziemlich die ganze Nacht geöffnet :-) Im ganzen Komplex (die Klinik besteht aus 3 miteinander verbundenen Gebäuden) sowie auf den Balkonen ist das Rauchen nicht gestattet. Für die ganz Harten steht im Park ein Raucherpavillion (mit Heizung) zur Verfügung, der auch so ziemlich die geselligste Ecke im Haus darstellt.

Die Klinik verfügt über die wohl üblichen Einrichtungen zur Behandlung der Erkrankungen sowie des allgemeinen körperlichen Wohlbefindens. Schwimmbad, Sauna, Kneipp-Bereich, Masseur, Bäderabteilung und natürlich Bestrahlung sind vorhanden und in sehr gutem (insbesondere hygienischen) Zustand.

Die Zimmer:

Die Zimmer sind vergleichbar mit denen eines 3 Sterne Hotels in Deutschland. Die meisten der Zimmer sind Einzelzimmer. Alle Zimmer verfügen über eigene sanitäre Einrichtungen, die Zimmer zur Südseite hin haben einen Balkon. Die Zimmer sind mit Teppichboden ausgelegt, wobei im Klinikprospekt knapp 6 Seiten darauf verwandt werden, dies zu begründen.

Das Essen:

Das Essen in der Klinik ist sehr gut. Die Mahlzeiten werden von einem 5 Sterne! Koch zubereitet, und werden auch den individuellsten Bedürfnissen gerecht (außer vielleicht, dass man sich nach 4 Wochen 5 Sterne Küche nach einer ehrlichen Bratwurst sehnt).

Der Ort:

Davos ist seit 1900 anerkannter Kurort für Lungenleiden aller Art… nach Erfindung der Antibiotika verlor jedoch die Tuberkulose einiges von ihrem Schrecken, und so besann man sich der heilenden Wirkung der Sonne und füllte die leeren Kliniken mit Asthma- bzw Hautkranken (Stichwort: Reizklima). Darüber hinaus erlangte Davos einen Ruf als Urlaubsort der Reichen und Schönen (vergleichbar mit St. Moritz auf der anderen Seite des Parsenn). Gerade im Winter ist Hochsaison, und in den Strassen und Bars tobt der Bär. Auf den Pisten rund um Davos herrschen fantastische Bedingungen, leider ist es Kurgästen nicht gestattet, Alpinski zu fahren. Im Sommer ist es dagegen eher beschaulich, viele Geschäfte und Bars sind geschlossen, und die Lifte und Bergbahnen stehen still.

Das Geld:

Alles in der Schweiz kostet Geld. Ein geflügeltes Wort lautete „DaWo’s so teuer ist“. Für einen Kaffee an der Promenade ist man schnell 4 SFR (ca 2,80 €) los. Die Miete für den Fernseher beträgt 90 SFR für 4 Wochen, das Radio ist Gratis (immerhin).

Internetzugang:

Hatte ich schon erwähnt, dass in der Schweiz alles teuer ist? Internetzugang ist generell auf 3 Arten möglich. Zunächst steht ein Rechner im Foyer bereit, der einen für 10 Rappen die Minute ins Internet lässt. Allerdings ist die Kiste so ärgerlich konfiguriert, dass außer reinen Internetseiten fast nichts darauf funktioniert. Internetbanking (nach 4 oder mehr Wochen wäre es ja mal ganz interessant zu wissen was das heimatliche Konto so treibt) oder so manche Chaträume funktionieren nicht.

Dann gibt es die Möglichkeit, in einem Fernsehladen an der Promenade für 5 SFR 20 Minuten zu surfen was das Herz begehrt.

Die Luxus Variante besteht jedoch aus eigenem Laptop auf dem Zimmer und einem Zugang über Sunrise, der auf Internet-by-Call Basis abgerechnet wird. Dazu braucht man aber ein Kabel mit Western Stecker… TAE passt nirgends. Mit diesem Kabel stöpselt man sich dann in das auf dem Zimmer befindliche Telefon und los geht’s. Die Kosten für diesen Luxus liegen bei etwas unter 10 Rappen die Minute, genaueres konnte ich weder auf der Sunrise Webseite noch auf meiner abschließenden Telefonrechnung finden.

… und zum Schluss:

Nach 4 Wochen und 2 Tagen verließ ich die Klinik wieder. Eigentlich hätte ich auf 6 Wochen verlängern können, was jedoch aus privaten Gründen nicht möglich war. Meine Haut ist wesentlich besser als sie es bei meiner Anreise war, allerdings zeigen sich jetzt, knapp eine Woche später, wieder die ersten Zeichen…. Seufz.

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gerd

Ein toller Beitrag,

die Pso kommt nach jeder Kur wieder,aber man kommt mal unter gleichgesinnte und kann besser damit umgehen.

Ich war im Mai 2001 in BB und zehre heute noch davon.

Gerd

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Andre

Jau, Klasse geschrieben. hatte mal mit dem Gedanken gespielt. als nächsten Kurört Davos (nach BB) auszuwählen. Als leidenschaftlicher Skifahrer hat mich der Satz mit dem Verbot jedoch sehr betrübt.

sport45.gif

Gruß

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Alex

Das mit dem Alpin Verbot hat wohl Versicherungstechnische Gründe... da das Unfallrisiko doch recht hoch ist wird es offiziell einfach untersagt.

Aber wo kein Kläger da kein Richter... sollte jedoch was passieren wäre das in zweierlei Hinsicht Panne... erstens könnte Dein Träger dann die Kosten der Kur einfordern, da Du gegen die Regeln verstossen hast, zweitens verbringst Du Deine Kur dann im Spital, und ob die dann Deiner Haut besondere Aufmerksamkeit widmen halte ich für Zweifelhaft.

Aber man kann auch Langlauf machen <grins> Das wird sogar offiziell unterstützt...

Alex

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Jochen

Hallo Alex,

super Bericht. Ich selbst war Mitte Nov.-Mitte Dez. 2002 in der Alexanderhausklinik. Behandlung wie von dir beschrieben. Zusätzlich gab es noch Solebäder. Der Erfolg nach drei Wochen war einfach Spitze. Aber ich hätte evtl. doch noch 1-2 Wochen länger bleiben sollen, da sich mittlerweile der Zustand wieder verschlechtert hat. Liegt aber sicher auch daran, daß man zu Hause die intensive Behandlung nicht so durchführen kann.

Übrigens Küche: Absolut super mit dem Ergebnis: + 2 KG.

Habe mich dort sehr wohl gefühlt und werde -falls nötig und möglich- auch wieder dort hin gehen.

Gruß Jochen

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