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Ruhrpottzicke

Die virtuelle Datenautobahn

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Ruhrpottzicke

Die virtuelle Datenautobahn

Keine Autobahn der Welt kann Menschen so schnell zusammenbringen wie sie. Menschen aus den unterschiedlichsten Städten, Ländern sogar Kontinenten können sich zur selben Zeit an einem Ort treffen und kommunizieren.

Keine Staus; keine Blechschäden, keine Wartezeiten … freie Fahrt durchs WWW. Doch nicht immer ist alles so einfach. Es gibt sie doch, die kleinen Schäden! Wie schön und einfach es auch ist, mit anderen Menschen zu schreiben, sitzt man doch recht einsam und allein vor seinem PC. Was ist, wenn man den Rechner wieder runter fährt? Der Bildschirm dunkel wird? Und die virtuellen Freunde verschwinden? Dann kehrt sie ein die Einsamkeit und umhüllt einen mit Stille.

Im Netz ist man nie alleine. Im Netz kann man schreiben und sein was man will. Die sonst so Schüchternen preschen nach vorn und die Hässlichen werden strahlend schön. Niemand kann die Person vor dem Monitor sehen und jeder achtet nur auf das geschriebene Wort. Die virtuelle Welt ist wie eine Tarnkappe. Niemand kann sie dir in diesem Moment wegnehmen.

Man beantwortet Mails von seinen „Freunden“ und schmunzelt über kuriose Nicknamen. Man schreibt über Probleme, „hört“ anderen zu, versucht zu helfen und vergisst komplett die reale Welt. Es wird einem so richtig einfach gemacht, „Freunde“ zu finden. Die Schüchternheit kann man ablegen, denn manchmal fangen die ersten Begegnungen einfach nur mit einem „Hey, wie geht es Dir“ an?

Die Zeit die rast und selbst Menschen, die die Tipperei nicht mögen, nehmen Teil am Fingermarathon.

Auf der virtuellen Datenbahn findet man tolle User und auch einen Haufen Looser.

Das Netz hat sogar seine eigene Sprache. Man liest einen Text und bei manchen Abkürzungen stockt man und kommt erst mal ins Grübeln über die nähere Bedeutung.

Bei manchen Abkürzungen grübelt man aber so lange, dass man eigentlich den bisher gelesenen Text komplett wieder vergessen hat und das liegt nicht da dran, dass man selber schon an Alzheimer leidet!

Im Zeitalter des Internets sind viele Menschen sehr schreibfaul geworden und haben einfach vergessen, wie man ganze Sätze bildet.

Ich ertappe mich mittlerweile aber auch immer öfter, dass ich diese gebräuchliche Form von „lol“ benutze. Doch ich wehre mich immer noch komplett in die Welt von „mfg, lol, 2F4U, rofl, hdl, mom“ usw. einzutauchen.

Schreibt überhaupt noch jemand einen Brief per Hand?

Ich meine, warum auch? Eine Email ist doch viel schneller und günstiger, man bekommt eine Sendebestätigung, wenn der Empfänger den Text gelesen hat und muss bei Regenwetter nicht zum Briefkasten laufen.

Eigentlich ist es doch alles eine feine Sache….aber sind wir doch mal ganz ehrlich…worüber würde man sich eher freuen?

Eine Email, wo am Ende ein „HDL“ steht oder ein handgeschriebener Brief mit einem „Hab Dich lieb“?

Vielleicht übersetzt unser Gehirn aber mittlerweile auch schon automatisch diese Abkürzungen in ganze Sätze, ohne dass wir es überhaupt mitbekommen!

Die virtuelle Welt verdrängt mehr und mehr die Realität und manche Menschen nehmen schon gar nicht mehr am realen Leben teil.

Es ist aber auch zu verlockend dieses Internet. Datentransfer in einer Millisekunde. Wenn man das Internet ganz nüchtern und objektiv betrachtet und auch so behandelt, kann nichts passieren.

Doch wie schaut es in der Cyberwelt aus, wenn man sich in eine Person verguckt, die am anderen Ende der Welt wohnt? Wer will schon ewig eine Netzbeziehung führen? Es mag eventuell über ein paar Wochen noch ganz amüsant sein, aber dann fangen die Probleme an. Und diese Probleme sind nicht sehr schnell aus der Welt zu schaffen und meistens endet es mit vielen Tränen und den Kontaktabbruch.

Sollte man sich lieber von der Gefühlswelt im Netz fernhalten und das Herz dabei lieber außen vor lassen? Gar nicht so einfach. Man schreibt und schreibt und anhand der ganzen geschrieben Sätze macht man sich eine eigene Vorstellung von der anderen Person. Je länger man sich im Netz trifft, je mehr Emails am Tag ausgetauscht werden umso mehr nimmt das Gegenüber eine positive Rolle ein. Doch was ist, wenn man mit sich plötzlich in der Realität gegenüber steht? Ist dann alles immer noch so rosig und die Person immer noch der „Ritter in der Rüstung auf dem Schimmel“?

Wie oft liest man in Gästebüchern den Spruch „die inneren Werte“ zählen. Doch sind wir mal ehrlich: Der Spruch „das Auge isst mit“ trifft doch bei der ersten Begegnung eher ins Schwarze. Denn selbst wenn das Innerste noch so nett und positiv ist, haben wir doch alle eine Vorstellung, wie der- oder diejenige optisch sein sollte. Und schon kann der erste Eindruck alles zunichte machen und man geht enttäuscht nach Hause und fängt an, an sich selbst zu zweifeln.

Vielleicht ist es ein sicherer Schutz gegen aufkommende Gefühle, erst gar nicht viel Zeit mit der Schreiberei zu verbringen und sofort „klare Verhältnisse“ zu schaffen.

Denn durch die tagelange oder sogar wochenlange Schreiberei neigt man dazu, den Hang zur Realität zu verlieren und sich immer mehr auf die virtuelle Datenautobahn zu begeben und sich im Netz zu verlieren und das virtuelle Wohnzimmer einzurichten.

Jedoch wird dieses virtuelle Wohnzimmer niemals die Gemütlichkeit und Wärme ausstrahlen, wie ein reales Wohnzimmer mit echten Freunden auf der Couch!

Lieben Gruß

Eure Ruhrpottzicke

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