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D'hoine

Verdrängung der Krankheit

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D'hoine

Hallo liebe Community,

da ich zur Zeit niemanden habe, dem ich mit Rumgeheule über meine Krankheit belästigen will, lad ich das Ganze mal hier ab. Ich hoffe ihr verzeiht mir, dass ich weit aushole, aber ich habe das Gefühl nur so könnt ihr alles verstehen.

Zu meinem Krankheitsbild: Ich habe Psoriasis vermutlich seit ich 6 oder 7 bin. Ich erinnere mich nicht genau wann es wirklich ausgebrochen ist, da ich noch ein kleines Kind war, aber ungefähr zu meiner Einschulung war die Krankheit bereits stark ausgeprägt an den Armen und besonders den Beinen. Damals habe ich sehr unter der Krankheit gelitten, da die schuppigen Stellen an immer mehr Stellen des Körpers aufgetreten sind und meinen kleinen Körper immer mehr erobert haben. Ich erinnere mich an viele schlaflose Nächte, in denen mich der Juckreiz wachgehalten hat und ich im Blut meiner aufgekratzten Beine lag (meine Mutter kam kaum nach meine Bettlaken zu waschen). Meine Eltern haben ihr möglichstes getan, mit mir diese Krankheit zu erforschen und sie zu beseitigen, wir besuchten gefühlte hundert Ärzte, Hautexperten und sonstige Menschen die mir helfen sollten, aber es brachte jahrelang einfach nichts. Von diversen Cremes und Salben, Salzwasserbädern und komische Strahlungstherapien (alles meine dunklen Kindeserinnerungen) half nichts wirklich ernsthaft. Manches brachte immerhin Linderung oder kurzzeitige Ergebnisse. Auch dass ich nie die Willenskraft hatte, die Schuppen nicht aufzukratzen, hat nicht gerade geholfen. Oft habe ich mir gewünscht (und das meiner Mutter auch ins Gesicht gesagt), dass ich lieber sterben will als das weiterhin ertragen zu müssen. Den Körper von außen zu entstellen und mich in diesem gequälten Zustand am Leben zu lassen - so hab ich diese Krankheit empfunden - als purer Hohn des Universums.

Meine psychische Verfassung war also nicht gerade gut, und obwohl ich an der Grundschule gute Freunde hatte und kein Problem mit Mobbing hatte, fühlte ich mich zusehends entstellt und einfach nur traurig. Für mich gab es jeden Tag und jede Sekunde, die ich nicht abgelenkt war, nur meine Krankheit, sie war einfach allgegenwärtig. Meine Eltern gaben indes der Homöopathie eine Changse und schickten mich in der 3. Klasse von einer katholischen Grundschule auf eine Waldorfschule, weil sie inzwischen mehrfach gehört hatten, dass die Psyche und das geistige Wohlbefinden bei Psoriasis einen großen Einfluss auf die Krankheit haben sollten. Die Schulärztin kannte sich mit Homöopathie aus und empfahl gleichzeitig Urlaube in sonnigen Gebieten (deshalb habe ich eine der schönsten meiner Urlaube in meinem Leben auf Lanzarote verbracht). Sie hofften außerdem, dass ich in der Waldorfschule, wo auch eine Freundin von mir war, einfach psychisch entspannter sein würde. In meiner Grundschule wurden wir doch sehr auf Leistung gedrillt und gemocht hab ich die Schule dort nie wirklich.

Im Laufe dieser Zeit (ich kann nicht genau sagen wann) passierte dann das, was ich niemals für möglich gehalten hätte: die Krankheit ging einfach weg. Natürlich war sie nicht geheilt, aber keine Schuppen und keine Rötungen mehr auf der Haut - auch nicht an Knien und Ellbogen (die sich immer am hartnäckigsten gehalten haben). Innerhalb der letzten Jahre gab es immer wieder Anzeichen von Psoriasis an meiner Haut, allerdings nie wieder in dem Ausmaß wie damals, als ich noch klein war. Ich habe dann stets meine Mutter gefragt und die hat mir dann irgendwelche Öle oder Cremes gegeben, die gut geholfen haben. Ich habe die Krankheit einfach aus meinem Leben verbannt und keinen Gedanken mehr an sie verschwendet, denn sie war ja "weg", ich war alles in allem zufrieden mit mir und habe keinen Sinn darin gesehen sich an das weinende kleine Kind zu denken dass sich den Tod herbeiwünscht.

Jetzt bin ich 19 Jahre alt und studiere im 1. Semester Jura in einer ganz anderen Stadt in einem anderen Bundesland als ich aufgewachsen bin. Ich bin mit meiner Studienwahl zufrieden und der Auszug aus meinem Elternhaus hat mir denke ich gut getan. Trotzdem stelle ich fest, dass ich im Alltag, besonders auf dem Weg zur Uni und zurück (ich brauche ca. 1 Stunde) plötzlich sehr oft an genau diese Phase, die ich oben beschrieben habe, zurückdenke. Ich verliere mich in negativen Gedanken rund um meine Kindheit, spiele im Kopf Szenarien wie den Tod von mir oder Freunden und Familienmitgliedern durch und beschäftige mich auch sonst in meinen Gedanken viel mit dem Tod, schweren (und auch unheilbaren) Krankheiten. Letztens habe ich mich dann beim Einschlafen gedanklich so intensiv mit den Geschehnissen aus meiner Kindheit auseinander gesetzt, dass ich mich wie damals gefühlt habe und mir wirklich die Tränen gekommen sind (ich weine sonst nicht). Auch hier im Forum die Geschichten oder Anderswo Dinge zur Krankheit zu lesen nehmen mich emotional echt mit und bringt mich beinahe zum heulen, ich habe das Gefühl als hätte ich das Ganze einfach nie aufgearbeitet. Mir fallen plötzlich viele Dinge an mir auf (Charaktereigenschaften und Verhaltensmuster), die ich auf die Psoriasis in meiner Kindheit zurückführe, wie z.B. dass ich es hasse zum Arzt zu gehen und das eigentlich nie tue, denn sonst diagnostiziert er am Ende irgendetwas Ernstes, womit ich mich dann wieder jahrelang konfrontiert sehe. Oder die Tatsache, dass ich Videospiele seit ich klein bin deshalb gemocht habe, weil sie alles um mich herum ausblenden lassen (auch den Juckreiz und den Schmerz) und ich jetzt wohl in einer recht weitreichenden Computer-Abhängigkeit stecke. Ich erkenne, wie unfähig ich eigentlich bin für mich selbst verantwortlich zu sein, jetzt da es soweit ist.

Seit neustem habe ich wieder rötliche Ellbogen und Knie, was mir beim Sport unangenehm aufgefallen ist. Der Stress vor den Prüfungen gibt mir den Rest und ich sehe mich in einer Abwärtsspirale versinken, meine "neuen" Freunde will ich mit meinen Problemchen belasten und zu meine alten Freunde aus der Heimat will ich erst Recht nicht anschreiben, nur um mich auszukotzen. Da bei mir die Psyche anscheinend einer der Hauptfaktoren für das Auftreten von Hautproblemen zu sein scheint, habe ich echt Angst dass es so wird wie früher, denn diesmal sind keine Eltern da um mich aufzufangen (just Me Myself and I ...)

Sorry für die wall of text, ich musste das ganze einfach mal irgendwo loswerden. Vielleicht hat ja irgendeiner Tipps, wie man sich wieder auf das Wesentliche fokussiert und diese Negativität hinter sich lässt. Ich glaube ehrlich daran dass es mir nur dann körperlich gut gehen kann, wenn es mir psychisch gut geht, aber in Selbstmitleid und Kummer versinken scheint mir dieser Tage nur allzu leicht zu passieren.

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Kuno

Liebe D'hoine, ich habe Dir gerade eine Nachricht geschrieben. Falls sie nicht angekommen ist, melde Dich hier bitte noch einmal. Dann schicke ich sie Dir erneut. Herzliche Grüße, Kuno

PS: Meine Nachricht ist 'rausgegangen, müsste Dich also erreicht haben.

bearbeitet von Kuno

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D'hoine

Danke Kuno habe deine Nachricht erhalten, dass ich M bin hätte ich vllt noch erwähnen sollen. ^^

Unabhängig von möglichen weiteren Antworten hat es mich schonmal sehr befreit das ganze anonym loszuwerden. Freut mich dass es in diesem Forum diese Möglichkeit gibt. 

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M¡ch3ll3

Hi D‘hoine,

meine Antwort kommt zwar etwas später, aber ich hoffe, dass es vielleicht dennoch helfen kann. Das was du beschrieben hast mit deinen negativen Gedanken und das du schlecht diese ausblenden kannst usw kenne ich selber seit einigen Jahren seit ich an der Pso erkrankt bin. In Momenten wo es wieder ganz schlimm ist nehme ich am Tag 4 Pasco Flair Tabletten (freiverkäuflich) und die helfen mir schon ganz gut. Diese Tabletten sind pflanzlivh und beruhigen einen. Hinzu kannst du noch ein Spray mit Blackblüten ausprobieren welches ich auch nehme, wenn es ganz schlimm wird. Mit beidem komme ich sehr gut zurecht.

ich wünsch dir noch alles Gute

lg Michelle

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