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Margitta

Diesen Vortrag hörten wir im Frühjahr bei uns in der Selbsthilfegruppe für Neurodermitis & Psoriasis Ostheim/ Rhön.  Ein schweres jedoch sehr interessantes Thema.

Der wechselseitige Übergang zwischen Psyche und Körper


Die Psychoneuroimmunologie (PNI) betrachtet die Wechselbeziehungen der Psyche, des Nerven- und Immunsystems unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten. Der Ursprung dieses relativ jungen Forschungsbereichs liegt in der Psychosomatischen Medizin in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Psychosomatik berücksichtigt die psychischen Einflüsse auf körperliche (somatische) Vorgänge und andersherum die Auswirkungen somatischer Störungen bzw. Erkrankungen auf psychische Prozesse. Indem die PNI-Forschung sich mit den wechselseitigen Interaktionen zwischen dem Zentralnervensystem und dem Immunsystem befasst, konnten bisher wesentliche und weitreichende Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Stressforschung und Erforschung von Placeboreaktionen gewonnen werden, aber auch über die Wechselbeziehungen zwischen soziologischen, psychologischen, psychotherapeutischen Einflüssen und den Immun- und Körperzellen. Die Interaktion des Nerven- und Immunsystems belegt eindrucksvoll die Placeboforschung. Beispielhaft ist hier ein Experiment aus den 1970er Jahren, das zugleich als Geburtsstunde der PNI angesehen wird. Es zeigt, wie durch Lernmechanismen auf der Grundlage der klassischen Konditionierung Immunreaktionen erlernbar und damit aufgrund Erfahrung veränderbar sind. Versuchstiere, bei denen in der ersten Experimentalphase das zelltoxische Cyclophosphamid mit einer Zuckerlösung gekoppelt wurde, gingen in der zweiten Experimentalphase aufgrund der alleinigen Gabe der Zuckerlösung zugrunde. Solcherart Konditionierungseffekte konnten auch in Humanstudien im Zusammenhang mit Allergien und Autoimmunerkrankungen gezeigt werden. Resümierend eröffnen Konditionierungsprotokolle im Umgang mit unverzichtbaren Medikamenten wie immunmodulatorischen Pharmaka und Kortikosteroiden neue Therapieoptionen. Die PNI-Forschung kennzeichnet darüber hinaus auch die Kollision zweier Paradigmen, das der  Biomedizin und der Biopsychosozialen Medizin. Der biomedizinischen Annahme, dass Körper und Seele weitgehend unabhängig voneinander funktionieren, steht das biopsychosoziale Modell gegenüber, das eine stete Gleichzeitigkeit von somatischen und psychischen Prozessen postuliert. Die moderne wissenschaftliche Medizin (Biomedizin), die sich seit dem 19. Jahrhundert auf der Grundlage der exakten Naturwissenschaften etablierte, ermöglichte durch die kausallinearen Denkgewohnheiten im technisch-naturwissenschaftlichen Sinn die großen Fortschritte in der Medizin, insbesondere in der Akut- und Notfallmedizin. Dem Kausalitätsprinzip auf der Suche nach Ursache und Wirkung folgend, zeichnet sich die moderne Medizin durch ihre Differenzierung und Spezialisierung in Fachgebiete aus. Jedoch wird eine ausschließlich auf Mess- und Wägbarkeit basierende Medizin der Lebenswirklichkeit des Menschen nicht immer gerecht. Deren anhand objektiver Messmethoden erhobenen Ergebnisse haben demzufolge den Nachteil, dass sie die Dynamik eines Netzwerks aus körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren kaum wiedergeben können, da sich emergierende und flukturierende Prozesse einer isolierten Betrachtung entziehen. Der zunehmende Einblick und das Verständnis der jeweiligen Disziplinen in die mikro- und makroskopischen Hierarchie-Ebenen, führte insbesondere unter systemtheoretischen Gesichtspunkten zu Kooperationen unterschiedlich wissenschaftlicher Fachbereiche. Innerhalb der Psychoneuroimmunologie als interdisziplinäres Forschungsgebiet sind dies Disziplinen der Medizin, Naturwissenschaften, Humanwissenschaften und Sozialwissenschaften. Infolge entstanden neben der PNI Nachbardisziplinen wie die Psychokardiologie, Neurogastroenterologie und Psychoonkologie mit organ- bzw. krankheitsbezogenen Schwerpunkten.
So kann man einige Forschungsergebnisse folgendermaßen zusammenfassen: Gesundheit und Lebenserwartung sind abhängig von biologischen Faktoren und Lebensstil. Entgegen der allgemeinen Auffassung, dass „die Gene” Gesundheit und Lebenserwartung maßgeblich beeinflussen, spielen der Lebensstil und die Lebensumstände eine weitaus bedeutendere Rolle – sowohl für den Einzelnen, die Gesellschaft als auch unmittelbar für die nachfolgenden Generationen. Im Zuge dieser Forschung erleben unter den Augen der Wissenschaft therapeutische Verfahren eine Renaissance, die bis dato, von der konventionellen Medizin mehr oder minder respektiert, ein Schattendasein im Bereich der Alternativen Medizin führten, bspw. die Ordnungstherapie (Mind-Body-Medizin). 
Der biopsychosoziale Funktionskreis

Eine theoretische Grundlage dieser systemischen Betrachtung liefert das Biopsychosoziale Modell. Demzufolge berühren Situationen oder Lebensereignisse zeitgleich verschiedene Systemebenen im bio-psycho-sozialen Funktionskreis menschlicher Existenz. Dieser Funktionskreis wird durch Emergenzen hervorgerufen, die infolge von Wechselbeziehungen zwischen Elementen, Ereignissen und Operationen jeweils neue Strukturen oder Eigenschaften auf einer höheren Ordnungs- oder Systemebene hervorbringen, ohne die Fähigkeit zur Interaktion mit den vorangegangenen Ebenen zu verlieren. So emergieren in einer Systemhierarchie subatomare Teilchen, Atome und Moleküle zu Organellen und Zellen, Zellen zu Gewebe, Gewebe zu Organen, Organe zur Person, die Person zur kleinsten Einheit in der sozialen Rangordnung und so weiter. Vergegenwärtigen wir diese Zusammenhänge, verstehen wir beispielsweise auch den beträchtlichen evolutionär bedingten Einfluss der Mikroflora auf die „soziale Immunitat“ bis hin zur Auswahl des Lebenspartners. Entwicklungsgeschichtlich spielen Mikroben eine zentrale Rolle in der Entstehung tierischen Lebens. Ausgehend von der mikrobiellen Interaktion mit der Geosphäre formte sich die alte Biosphäre, die schließlich die Entstehung mehrzelliger Organismen, bis hin zu höheren biologischen Organisationsebenen ermöglichte. Auf diesen Anfängen basiert letztlich die individuelle Entwicklung, das Überleben und die Fortpflanzung, das kooperierende und organisierte Gesellschaftsleben, dessen Komplexitat dem Verhalten und der kognitiven Leistung seiner Akteure entspringt. Im menschlichen Organismus findet ein permanent wechselseitiger Austausch innerhalb der molekularen bis sozialen Integrationsebene statt. Demzufolge stellt er ein hochvernetztes, komplexes und energetisch offenes System dar, das unablässig äußeren und inneren Einwirkungen in substanzieller oder informativer Form ausgesetzt ist. Die Vielzahl dabei nebeneinander ablaufender biochemischer Prozesse werden mithilfe zahlreich rückgekoppelter Regelkreise innerhalb von Toleranzgrenzen in einem Gleichgewichtszustand (Homöodynamik) gehalten, um das System an die jeweils aktuelle Situation anzupassen. Für die Regelkreise relevante Strukturen weisen dabei eine Plastizität auf, wodurch dabei auftretende Ordnungszustände sich als instabil darstellen, mit der Unmöglichkeit der Wiederherstellung des Ausgangszustands. Dies führt adaptiv zum spontanen Auftreten neuer Ordnungszustände und Strukturen. Folglich können sich mit den Ordnungszuständen die Toleranzgrenzen der Regelkreise von einer physiologischen „gesunden“ Norm zu einer krankhaften Norm verschieben. Hat sich das System durch die Verschiebung der Ordnungszustände auf eine krankhafte Norm eingependelt, z.B. bei chronischen Krankheiten, ist dieser Prozess unumkehrbar.  

Der bidirektionale Kommunikationsweg

Der dynamische Informationstransfer wie auch die Aufrechterhaltung des homöodynamischen Gleichgewichts basieren auf einer „gemeinsamen biochemischen Sprache“ des Nerven-, Hormon- und Immunsystems. Der bidirektionale Kommunikationsaustausch zwischen Signalen des vegetativen Nervensystems, Hormonen sowie Zytokinen (immunregulatorische Proteine) wird über neuro-endokrino-immunologische Regelkreise koordiniert. Eingebunden in die Bedeutungskomplexität existieren unterschiedliche Subsysteme und Systemkomponenten mit zugleich für den Gesamtorganismus regulativen Eigenschaften, etwa die Mikrobiom-Darm-Gehirn-Achse und das System der Grundregulation (Endstrombahn-Grundsubstanz-Zelle). Die MikrobiomDarm-Gehirn-Achse, Gegenstand der Neurogastroenterologie, erklärt u.a. den Einfluss der Ernährung auf die Wechselbeziehungen von Darmflora, Immunsystem und Gehirnfunktion. Die Grundsubstanz bzw. Extrazellularmatrix ist ein makromolekulares Netzwerk, das jeder Körperzelle vorgeschaltet ist und im Menschen die bio-psycho-soziale Homöodynamik gewährleistet. Im Kontext der PNI ist sie für die Vermittlung der in Wechselbeziehung stehenden somato-psychischen wie psycho-somatischen Prozesse eine wesentliche Systemebene. Die neuro-endokrino-immunologischen Interaktionen der Matrix basieren auf den zellulären Bestandteilen (Leuko- und Fibrozyten), dem direkten Kontakt zum Zentralnervensystem mittels Axonen und ihrer Verbindung zum Endokrinum über das Kapillarsystem. Alle nervalen, endokrinen und immunologischen Informationen treffen im Hypothalamus zusammen, und werden unter Einbeziehung weiterer Hirnareale wie dem Nucleus suprachiasmaticus (zentraler Taktgeber für den Zirkadianrhythmus, z.B. SchlafWach-Rhythmus) und Limbischen System („Sitz der Psyche“) koordiniert und entsprechend beantwortet. 
Durch den ubiquitären Charakter stellt die Matrix aufgrund der Anwesenheit der Leuko- und Fibrozyten zugleich ein Zytokinnetzwerk dar, das sich physiologisch in einem latent kontrollierten proinflammatorischen Zustand (Entzündungsbreitschaft) befindet. Auf Änderungen im Zellmilieu reagiert die gelartig strukturierte Matrix adaptiv mit einem situationsgerechten Gewebeumbau, der durch die zytokinvermittelte latente Entzündungsbreitschaft kontrolliert wird. Dabei ist es unerheblich ob die Milieuveränderungen inneren oder äußeren Einflüssen unterliegen. Ein lokales Geschehen, etwa das Eindringen von Endotoxinen durch eine defekte Darmbarriere, setzt demzufolge durch die Matrix vermittelte neuroimmunologische Prozesse in Gang, die auf das gesamte System übergreifen können. Diese Fähigkeit beruht nicht zuletzt auf Signalsubstanzen und Neurotransmittern wie Serotonin, Acetylcholin und Noradrenalin, die von paraneuronalen Zellen bzw. enterochromaffinen Zellen gebildet werden können. Paraneurone, zu denen unspezifische und spezifische Abwehrzellen (Mastzellen, Makrophagen, Lymphozyten) gehören, sind zahlreich in der Matrix und den Epithelien der Darmschleimhaut zu finden und bilden das nicht-neuronale cholinerge System (NNAChS). Zu diesem System gehörende Zellen bilden enge dynamische Zellkontakte zueinander und besitzen sämtlich sensorische als auch sekretorische Funktionseigenschaften. Nichtneuronales Acetylcholin ist ein „universeller Zytotransmitter“, der auf die Azetylcholinrezeptoren benachbarter Zellen und terminaler vegetativer Axone wirkt. Durch diese enge Verbindung der Zellen des NNAChS mit terminalen Nervenfasern entstehen „Neuroeffektorbezirke“, die sowohl eine lokale Differenzierung der Information als auch ihre schnelle Weiterleitung, aber auch die Erinnerung ermöglichen. Generell lässt sich sagen, dass die im Rahmen von chronischem Stress sympathikotone Überaktivität zu einer kontinuierlichen Belastung des Körpers mit Katecholaminen (Noradrenalin), Cortisol und proinflammatorischen Zytokinen führt. Dadurch entsteht eine katabole Stoffwechsellage mit einem erhöhten Energiebedarf und Anstieg von Sauerstoffradikalen. Daraus resultiert eine latente Gewebsazidose und durch die Anwesenheit der proinflammatorischen Zytokine schlägt die Entzündungsbereitschaft der Matrix schließlich in einen entzündlichen Zustand um. Dieser Ablauf ist wesentlich für die Genese der Zivilisationserkrankungen.
Stress

Allgemein lässt sich nun feststellen, dass jede somatische Reaktion n mit einer psychischen Beteiligung einhergeht, vice versa zeigt jede psychische Reaktion eine somatische Mitbeteiligung. Innerhalb dieser komplexen Wechselwirkungsprozesse ist der Mensch fortwährend unterschiedlichen Anforderungen ausgesetzt, die er in Abhängigkeit seiner individuellen biologischen, psychischen und sozialen Ressourcen zu bewältigen imstande ist. Außergewöhnlichen und belastenden Situationen (Stressoren) gegenüber können Menschen deshalb höchst verschiedenartig reagieren. Betrachten wir zunächst den Begriff Stress und seinen Reaktionsablauf einmal genauer. Stressoren sind als Faktoren aufzufassen, die imstande sind, den Organismus kurzfristig in erhöhte Alarmbereitschaft zu versetzen. Beispiele für Auslöser dieser Alarmbereitschaft können etwa Antigene im Rahmen einer Infektion, Umweltgifte, psychosozialer Stress und falsche Ernährung sein. In seinen Ursprüngen stellt Stress eine evolutiv sinnvolle und angeborene körperliche Reaktion dar, um Gefahrensituationen durch Flucht oder Angriff begegnen zu können. In dieser Situation bewirken Katecholamine eine spontane Mobilmachung der Körperreserven. Vermehrt werden Energie für das Gehirn und die Muskeln freigesetzt, Blutdruck, Herz- und Atemfrequenz steigen, Immunzellen und Thrombozyten werden aktiviert und die Schmerztoleranz wird kurzfristig erhöht. Die für diesen Prozess nachrangige Verdauungstätigkeit wird eingestellt. Nach Ablauf der Phase setzt die homöodynamische Gegenregulation ein, um die Gleichgewichtszustände wieder herzustellen. 
Der Stressreaktionsprozess

Diese Abfolge neuro-endokrino-immunologischer Prozesse ist jedoch auch angesichts weniger lebensbedrohlicher Situationen wirksam. Sowohl eine ständige Überforderung als auch eine Unterforderung im Alltag bedeuten Stress. Die Modediagnose Burn-out-Syndrom ist allgegegnwärtig, weniger bekannt ist das Bore-out-Syndrom. Die Stressverarbeitung bzw. der Stressreaktionsprozess (SRP) verläuft ungeachtet des Stressors nach einem allgemeinen Schema. Wird ein Individuum mit einem Stressor konfrontiert, findet eine subjektive primäre Bewertung der Schwere und Herausforderung der Situation in Bezug auf die eigene Person statt. Wird die Situation als Stressor eingestuft, werden in der sekundären Bewertung individuelle und soziale Ressourcen beurteilt, die für die Bewältigung der Situation zur Verfügung stehen. Während des sich anschließenden Bewältigungsprozesses (Coping), wird die Reaktion ständig hinsichtlich ihrer Effektivität emotional und kognitiv neu bewertet. Gelingt es den SRP durch Adaptation an das Ereignis aus eigener Kraft zu bewältigen, liegt ein kontrollierbarer SRP (kSRP) vor. Verläuft der SRP mangels Selbstverfügbarkeit frustran, handelt es sich um einen unkontrollierbaren SRP (uSRP). Die Bewältigung eines SRP korreliert neuroanatomisch mit neuronalen Verschaltungen und der Effizienz der Spiegelneurone, die Intuition, Empathie und das Imitieren fremder Aktionen ermöglichen. Die von Geburt an vorhandenen Spiegelneuronen werden durch das Imitieren von Gefühlen, Bewegungsmustern oder Körperzeichen aktiviert, was idealerweise durch eine enge Beziehung des Säuglings zur Mutter und allgemein einer vertrauensvollen Umgebung begünstigt wird. Tierexperimente haben gezeigt, dass bei jungen Versuchstieren bei kSRP eine erhöhte Synapsendichte und Zunahme von Gliazellen vorliegen, und die gleichen Tiere im Erwachsenenalter mit einer geringeren Ängstlichkeit in fremder Umgebung und verminderter Sekretion von Glukokortikoiden reagieren. Demgegenüber zeigen neuroanatomische Befunde im uSRP degenerative neuronale Verschaltungen infolge des anhaltend hohen Glukokortikoidspiegels. Diese Neuroplastizität ist auf den Menschen übertragen für eine dynamische Adaptation und somit Änderung der Ordnungszustände elementar. Der uSRP bedeutet Chance oder Fluch zugleich. Der Destabilisierungsprozess neuronaler Strukturen ermöglicht im Austausch mit neuen und effektiveren Neuronenmuster die teilweise Auflösung unbrauchbarer Verhaltensmuster, um im Verlauf des Lebens flexibler und adäquater auf Stressprozesse reagieren und sie leichter bewältigen zu können. Allerdings verbirgt sich im uSRP die Gefahr der Dekompensation durch einen permanent erhöhten Glukokortikoidspiegel und der damit verbundenen Immunsuppression, mit der Aussicht auf ein individuell erhöhtes Risiko einer stressinduzierten Erkrankung. Dies betrifft insbesondere die sensiblen Phasen der Schwangerschaft und frühkindlichen Entwicklung, die zu epigenetischen Veränderungen in den Zellen der Nachkommen führen können. Epigenetische Prozesse beeinflussen regulatorisch die Aktivität von Genen, indem Genfunktionen aktiviert oder inaktiviert werden können. In diesem Zusammenhang zeigen Humanstudien, dass chronischer Stress bzw. traumatische Erfahrungen in der Schwangerschaft oder Kindheit die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer allergischen oder Autoimmunkrankheit deutlich begünstigen. Darüberhinaus gibt es Belege der Vererbbarkeit epigenetischer Prägungen, auch dann, wenn traumatische Erfahrungen vor einer Schwangerschaft erlitten wurden. Hier zeigen nachfolgende Generationen Störungen in der Stressregulation und leiden häufiger an Stresskrankheiten. Anders als bei genetischen Mutationen sind epigenetische Veränderungen durch Veränderungen des Lebensstils beeinflussbar und unter bestimmten Umständen reversibel. 
Reaktionsablauf der PNI

Stressgeschehen setzen über die emotional gefärbte Bewertung einer Situation eine Kaskade neuronaler Aktivitäten in Gang, die über den präfrontalen Kortex das Limbische System erreichen, das mit den neuroendokrinen Stressachsen Sympathisch-AdrenergMedulläre-Achse und Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HHN-Achse) in Verbindung steht. Infolge werden endokrine Kerne im Hypothalamus und vegetative Kerne im Hirnstamm aktiviert, damit einhergehend findet eine Stimulation des adreno-medullären sowie des peripheren sympathischen Systems statt. Jeder SRP geht zunächst mit einer Erhöhung des Katecholaminspiegels (Adrenalin bzw. Noradrenalin) im Blut einher. Noradrenalin führt über die Aktivierung der TH1-Zellen (zelluläre Immunaktivität) zu einer akuten Entzündungsreaktion. Der katabol-entzündlichen Situation begegnet der Organismus auf lokaler und systemischer Ebene gegenregulatorisch mit der bereits beschriebenen Ausschüttung von entzündungshemmenden Glukokortikoiden (Cortisol) aus der Nebennierenrinde, der Aktivierung der humoralen TH2-Immunitat (TH1/TH2-Shift) und der Überwachung der immunologischen Toleranz durch regulatorische T-Lymphozyten (TH3Zellen). Anhaltender chronischer Stress führt zu einer Überaktivität der HHN-Achse, was den TH1/TH2-Shift pathologisch verstärkt und zu einer dauerhaft zu hohen Glukokortikoidkonzentration (Hypercortisolismus) führt. Nachteile des ständigen Hypercortisolismus ist eine fortdauernde Immunsuppression die das Gleichgewicht zwischen zellulärer und humoraler Abwehr, zu ungunsten der zellulären Abwehr, verschiebt. Dies hat zur Folge, dass der Körper z.B. gegenüber Virusinfektionen anfälliger wird. Gleichzeitig wird die Produktion bestimmmter Antikörper erhöht, was wiederum die Entstehung von Allergien begünstigt. Des Weiteren ist die Blut-Hirn-Schranke gegenüber Glukokortikoiden durchlässig, was bei einem latenten Hypercortisolismus zu Schädigungen im ZNS führt. Chronischer psychosozialer Stress, in Verbindung mit den geschilderten Entzündungsreaktionen, führt auf Dauer zu einer zunehmenden Erschöpfung der HHNAchse. dem Crash des Stresssystems, mit einer verminderten Sensitivität der Stressachse und der Immunzellen auf die hemmende Wirkung des Cortisol, wodurch das Grundsystem in einen chronischen Entzündungszustand gerät mit deletären Folgen für den Gesamtorganismus.
Stressoren verändern Immunparameter offenkundige Entzündungsprozesse im Körper in Erscheinung treten. Der Großteil unserer Zivilisationsleiden ist entzündungsassoziiert. Hinzu kommt, dass etwa ab dem 40. Lebensjahr die Organ- und Anpassungsleistung proportional zum Lebensstil allmählich abnimmt. Somit entspricht der Alterungsprozess einem physiologischen chronischen Entzündungsprozess, dem sog. Inflammaging (Entzündungsaltern). Chronische Entzündungen sind Ausgangspunkt diverser chronischer Krankheiten wie Bluthochdruck, Koronare Herzkrankheit, Gehirninsult, Osteoporose, Arthritis, Diabetes Typ II, Lymphoproliferative Erkrankungen, Krebs, Depression, Demenz, Sarkopenie und weitere. 
Psychoneuroimmunologie im Alltag

Einige Beispiele einer neuro-endokrino-immunologischen Dysfunktion sind etwa der OpenWindow-Effekt, ein orthorektisches Paradoxon, Sickness behavior, Wundheilungs- und Schlafstörungen. Der insbesondere in der Sportlerszene bekannte Open-Window-Effekt beschreibt einen Prozess, bei dem unter körperlicher und psychischer Belastung Immunparameter zunächst ansteigen, in der anschließenden Abspann- bzw. Erholungsphase dann steil unter das Ausgangsniveau fallen. Krankheitserregern wird in dieser Phase geradezu ein „Fenster zum Körper“ geöffnet, so dass „Schnupfenviren“ ein leichteres Spiel haben. Eine ausgewogene Ernährung ist bekanntermaßen hinsichtlich ihrer gesundheitlichen Vorteile zu bevorzugen. Übermäßige hochkalorische fett- und kohlenhydratreiche Kost erhöhen insgesamt das Risiko für Dysbiosen (Störung der Darmflora), Schäden der Darmbarriere, Entzündungen und neuropsychiatrische Störungen. Allerdings können nervliche Belastungen die Vorteile einer gesunden Ernährung ins Gegenteil verkehren. Ein erhöhter Stresslevel beeinflusst wie unser Körper die mit der Nahrung zugeführten „guten“ ungesättigten Fette bzw. „bösen“ gesättigten Fette  verarbeitet. Gemessen an Entzündungsmarkern erweisen sich gesättigte Fette allgemein als ungünstig, Nach einem stressigen Erlebnis aufgenommene gesunde Fette, zeigen jedoch einen nahezu gleichen Effekt. Sickness behavior zeigt im Gegensatz zu den vorgenannten Effekten eine umgekehrte neuroimmunologische Wirkrichtung. Hier rufen immunologische Prozesse psychische Veränderungen hervor. Sickness behavior ist eine zytokinvermittelte Begleiterscheinung, die allgemein bei nichtinfektiösen entzündlichen Vorgängen im Körper wie auch bei Infektionen, bspw. bei grippalen Infekten oder Influenza, auftritt. Insbesondere die Zytokine IL-1 und IL-6 bewirken im Gehirn entzündliche Veränderungen, die sich auf das Verhalten und Erleben auswirken und sich symptomatisch durch Fieber, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Desinteresse und sozialem Rückzug auszeichnen. Wie der Stressreaktionsprozess stellt auch das Krankheitsverhalten ursprünglich eine überlebenswichtige strategische immunvermittelte Anpassungsleistung dar. Das ausbremsende Krankheitsgefühl und veränderte Schlafbedürfnis dienen zur Mobilmachung der Ressourcen, die der Körper etwa zur Bekämpfung der Krankheitserreger benötigt. Ein Ignorieren dieser Signale oder gar eine unkritische pharmakologische Ausschaltung mittels Schmerzmitteln (z.B. NSAR), stellt im Besonderen ein hohes Risiko für die Herzgesundheit dar! Zwischen Sickness behavior und Depression zeigen sich Überschneidungen. Erhöhte Serumkonzentrationen bspw. von IL-6 korrelieren mit chronischem Stress, dem Entzündungsaltern und der Entwicklung depressiver Verstimmungen. Zudem zeigen sich Abhängigkeiten der Depressionsformen von der Aktivität der HHN-Achse und damit vom Cortisolspiegel. 
Darüber hinaus wirkt sich der Cortisolspiegel allgemein auf die Selbstheilungskräfte des Körpers, etwa die Heilungstendenz von Geweben, aus. Ein erhöhter Cortisolspiegel und die damit verbundene TH1-Hemmung verzögert die Wundheilung nach Verletzungen oder Operationen.  
Ein gesunder, erholsamer Schlaf ist die wichtigste Voraussetzung für die neuroimmunologische Homöodynamik. Bereits dargelegt wurde die für die autoregulativen Fähigkeiten wichtige enge funktionale Verschaltung zwischen Gehirnstrukturen wie dem suprachiasmatischen Kern und dem Immunsystem. Schlafstörungen können einerseits durch Stress hervorgerufen werden, zugleich stellen sie einen unabhängigen Risikoprädiktor dar. Schlafstörungen und chronischer Stress in Form der ständigen Sorgen des Alltags zeigen die bemerkenswerte Tendenz sich gegenseitig aufzuschaukeln. Die autoregulativen Fähigkeiten des Körpers nehmen allmählich ab, zunächst niedriggradige Entzündungsprozesse schlagen im Verlauf in chronisch erhöhte Entzündungswerte um. Folgen chronischer Schlafstörungen sind ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, Adipositas und Diabetes Typ II, Burn-out-Syndrom, Angststörungen und Depression, Neurodegeneration und insgesamt eine erhöhte Sterblichkeit.

Zusammenfassung
Nach diesem Einblick in das komplexe Netzwerk Mensch kann zusammenfassend gefolgert werden, dass kein seelischer Prozess ohne körperliche Reaktionen verläuft, umgekehrt bleibt bei einem körperlichen Prozess eine psychische Mitbeteiligung nicht aus. Chronischer Stress beschleunigt über die damit verbundenen Entzündungsprozesse den Alterungsprozess im Körper, und wird so zur Grundlage chronischer Erkrankungen. Die gesundheitlichen Folgen sind dabei nicht nur eine Angelegenheit des Einzelnen, sondern stellen in der Folge bereits eine Belastung des Gesundheitswesens und ein erhebliches sozialökonomisches Problem dar. 
Therapeutischer Lösungsansatz

Gesundheitliche Risiken zu verhindern oder Krankheitsfolgen zu minimieren bedürfen im Grundsatz der Prävention. Wie bereits festgestellt wurde, sind chronische Krankheiten prinzipiell nicht heilbar. Die Linderung der Beschwerden oder um ein Fortschreiten der Erkrankung einzudämmen erfordert in den meisten Fällen die obligate Einnahme nebenwirkungsbehafteter Medikamente, die regelmäßig durch alternative Arzneimittel oder dubiose Wunderkuren nicht zu ersetzen sind. Eine Möglichkeit die konventionelle Behandlungsmethode mit einer komplementären bzw. naturheilkundlichen Methode zu kombinieren, bietet nach individueller Abwägung die eingangs geschilderte immunologische Konditionierung, in Bezug auf eine Reduzierung der Medikamentendosis und damit verbundener Nebenwirkungen. Der Pillenhörigkeit zum Trotz, beschränken sich chronische Prozesse allerdings nicht nur auf medikamentös zu behandelnde biologische Regelkreise, vielmehr verlangen auch die psychischen und sozialen Aspekte nach einer normativen und funktionalen Stabilisierung. Eine Umstrukturierung des Lebensstils unter therapeutischer Anleitung ist daher angebracht. Lebensstilorientierte Empfehlungen streben die Förderung von körperlichen und geistigen Ressourcen an, die zur Befähigung der Stressbewältigung (Coping) und dem Aufbau einer psychischen Widerstandskraft gegen negative Einflüsse (Resilienz) beitragen. Zudem tragen sie zur Entwicklung einer immer wichtiger werdenden gesundheitlichen Kompetenz bei.  Ein bewährtes Verfahren stellt hierbei die Ordnungstherapie dar, deren Elemente bereits von den Heilkundigen der Antike thematisiert wurden und mittlerweile Gegenstand wissenschaftlicher Forschung sind. Als Mind-Body-Medizin legt sie nunmehr den Fokus auf die Entwicklung gesundheitsfördernder Haltungen und Verhaltensweisen. 
Eine gesundheitsförderliche Lebensgestaltung berücksichtigt neben der Vermeidung von Risikofaktoren die gesundheitlichen Einflüsse  
 Biologischer Rhythmus (Synchronisation des menschlichen Biorhythmus mit den von der Natur vorgegebenen Rhythmen, v.a. Tag-Nacht-Rhythmus),  Ernährung (zu bevorzugen sind regionale und saisonale naturbelassene Lebensmittel,  industriell verarbeitete Nahrungsmittel sollten die Ausnahme sein. Die Nahrungs- und Energieaufnahme sollte berücksichtigend der natürlichen bzw. körperlichen Periodik von Aktivphasen und Erholungsphasen erfolgen. Und bedenken Sie, was dem Schmied bekommt, zerreißt den Schneider.),  Aktivität (in Bezug auf die individuelle Konstitution und oben genannte Periodik vernünftige, regelmäßige körperliche Aktivität. Am besten im Wald!),  Stressbewältigung (mit fachlicher Begleitung, die zugrundeliegende Problematik erfordert eine individuelle Methode),  Soziale Beziehungen (zwischenmenschliche Kontakte pflegen, denn „der Mensch wird am Du zum Ich“. Martin Buber).

Unser Referent: Alexander Fieber, Jg. 1974, Hochschulstudium mit Schwerpunkt Biopsychosoziale Medizin. Heilpraktiker in eigener Praxis und wissenschaftliche Beratertätigkeit für Organisationen und Unternehmen in den Bereichen Salutogenese und Biopsychosoziale Gesundheit.

 

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Margitta

Hängen Haut und Seele zusammen

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      wie geht ihr damit um?
       
      Ich habe jetztt nicht alle punkte reingeschrieben die mich mit der krankheit belasten sonst wäre es noch mehr geworden.
       
       
      liebe grüsse
       
      Anne
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