Psoriasis arthritis – wenn Gelenke wehtun

Psoriasis arthritis

Psoriasis ist eines der Paradebeispiele für Erkrankungen, bei denen spezialisierte Ärzte – in diesem Fall die Hautärzte – über den Tellerrand ihres Fachgebietes hinausblicken sollten. Denn wegen der charakteristischen Erscheinungen an der Haut und oft auch den Fuß- und Fingernägeln werden Patienten mit Schuppenflechte von ihrem Hausarzt in aller Regel an einen Dermatologen überwiesen. Die Krankheit kann aber auch „unter die Haut gehen“ und Sehnen und Gelenke angreifen. Rechtzeitig erkannt und behandelt, lassen sich bleibende Schäden meist verhindern.

Häufigkeit

Ging man früher davon aus, dass etwa fünf Prozent der Psoriatiker an einer Psoriasis arthritis leiden, kommen neuere Untersuchungen auf einem Anteil von zwanzig oder sogar bis zu 40 Prozent – möglicherweise wegen gestiegenen Bewusstseins der Ärzte für die Erkrankung. Bei rund 80 Prozent dieser Patienten treten zuerst die Hautsymptome und meist Jahre oder Jahrzehnte später die Gelenkveränderungen in Erscheinung. Bei den übrigen 20 Prozent bricht die Psoriasis Arthritis je zur Hälfte gleichzeitig mit oder sogar noch vor der Schuppenflechte aus. Im Durchschnitt aller Patienten gehen die Hautsymptome den Gelenksymptomen zehn Jahre voraus. Bei etwa jedem fünften Patienten mit Psoriasis Arthritis kommt es unbehandelt zu einer fortschreitenden Zerstörung der betroffenen Gelenke.

Gelenkschäden oft nicht bekannt

Engagierte Rheumatologen bemühen sich deshalb intensiv um Aufklärung unter Dermatologen. Denn gerade sie können Sorge dafür tragen, ihre Psoriatiker mit Gelenkbeteiligung einer fachgerechten Therapie zuzuführen. Zumindest 2007 war das Bewusstsein aber offensichtlich noch nicht sehr ausgeprägt. Dies jedenfalls lassen Daten vermuten, die Rheumatologen damals in Deutschland erhoben haben. Bei etwa jedem fünften der untersuchten Patienten, die wegen einer Plaque-Psoriasis an einem dermatologischen Zentrum in Behandlung waren, diagnostizierten sie eine Psoriasis Arthritis. Was zu denken geben sollte: Bei weniger als 20 Prozent war die Gelenkbeteiligung bereits bekannt – und das, obwohl bei etwa jedem zweiten Patienten fünf oder mehr Gelenke betroffen waren.

Beschwerden abklären lassen

Sollten Sie also unter Plaque-Psoriasis leiden und das Gefühl haben, dass mit Ihren Gelenken etwas „nicht stimmt“: Lassen Sie sich von ihrem Haut- oder Hausarzt zur Abklärung umgehend an einen Rheumatologen überweisen. Umgekehrt sollten Patienten mit unklaren rheumatischen Beschwerden ohne Psoriasis-Diagnose einen Dermatologen konsultieren, wenn unter Umständen nur minimale psoriatische Veränderungen an der Haut, den Nägeln oder irgendwo sonst am Körper erkennbar sind.

Dr. rer. nat. Matthias Herrmann

Bildquellen

  • Psoriasis arthritis: reineg / Fotolia

5 Kommentare

  1. Hallo!
    Ich finde es ist eine Krankheit die zu oft verkannt wird. Und leider sind die heutigen Mediziner zu spezialisiert in ihrem Fach und ich weiß nicht, wird das „über den Tellerrand zu schauen“ noch gelehrt. Oder liegt es daran, dass das Wissen der Medizin so umfangreich ist, dass man sich darin verliert. Teilweise hört man oft, „man glaube“, „ein Verdacht auf“… Bloß nicht festlegen. Die Angst vor Fehlern und Fehleinschätzungen ist wohl doch zu groß und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten schwindet immer mehr. Dazu kommt der Stress und der Zeitdruck. Ein Kreis ohne Ende.

  2. Hallo,
    Ich habe seit Jahrzehnten Psoriasis und in der Zeit, habe ich zig Ärzte durch und bei keinem Arzt, hatte ich das Gefühl
    „Ja,der kennt sich aus!“ Bei jedem Arzt, bekam ich Mixturen, die linderten aber nicht halfen, fast hätte ich mich aufgegeben!
    Ich versuche jetzt nochmal einen spezialisierten Hautarzt für Psoriasis und bin gespannt! Leider ist bei mir der nächste Spezialist 100km entfernt aber egal!

  3. Hallo Tina,
    ich habe auch seit einigen Jahren Psoriasis + P-Arthritis. Mir ging es mit den Ärzten genauso, jetzt bin ich bei einem Wahlarzt und er hat mir ein neues Medikament verschrieben, welches offensichtlich in Europa neu zugelassen ist – Name : OTEZLA.Soll in ca. 16 Wochen tatsächlich gute Erfolge bringen. Sprich Deinen Arzt darauf an ! LG Ingrid

  4. Hallo, Otezla kam auch bei mir ins Gespräch so ganz nebenbei beim Hautarzt. Bei all den im Prospekt genannten häufigen Nebenwirkungen frage ich mich, obs das ist, denn es gibt überhaupt noch keine Erfahrungswerte zur Langzeittherapie, also wird man zum Versuchskaninchen. Ausserdem kann mir niemand sagen, ob das auch noch hilft, wenn man schon bald 80 ist und seit vielen Jahren schon Schäden an Gelenken etc., ohne das man das zunächst angesprochen hat und dann vor Jahren einige Medikamente auch wegen der Nebenwirkungen abgesetzt wurden. FG IGO, weiss nicht weiter

  5. Hallo, habe auch einen langen Weg bis zur endgültigen Diagnose Psoriasisarthritis hinter mir. Obwohl ich eindeutige Symptome inklusive Psoriasis der Haut hatte, war es sehr schwierig zu diagnostizieren. Die Psoriasisarthritis ist ein Chamäleon und bei mir auch nicht über Blutwerte zu entdecken. Habe vor ca. 9 Monaten Otezla verordnet bekommen und endlich bessern sich meine Symptome, sowohl Haut als auch Gelenke! Die anfänglichen Nebenwirkungen haben sich gelegt und ich bin froh, dass es dieses Medikament gibt. Habe bereits erfolglos Humira hinter mir und nehme auch noch zusätzlich Arcoxia uns Predni.

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