Kortison in angeblich rein pflanzlichen Salben aus China gefunden

Das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz warnt vor dem Kauf von Cremes und Salben auf dubiosen ausländischen Internetseiten. Der Grund: In zwei chinesischen Salben wiesen Fachleute des Amtes Wirkstoffe nach, die der Anbieter verschwiegen hatte. Dabei handelte es sich um kortisonähnliche Stoffe, die bei längerer Anwendung für Verbraucher zum Problem werden können. Damit sind die Cremes illegale Arzneimittel ohne Zulassung.

Die Fachleute des Landesuntersuchungsamts (LUA) wurden aufmerksam, weil einem der beiden Produkte namens „Focallure Herbal Cream“ eine Gebrauchsinformation beilag, die besagte, dass die Salbe bei den chronischen Hauterkrankungen Neurodermitis und Schuppenflechte angewandt werden könne.

Bei der Laboranalyse stellte sich dann heraus, dass die Salben die Wirkstoffe Clobetasol-17-propionat bzw. Betamethason-17-valerat enthalten. Dabei handelt es sich um topische Glucokortikoide der Klasse III („stark wirksam“) bzw. der Klasse IV („sehr stark wirksam“), die zur Behandlung von entzündlichen oder allergischen Hauterkrankungen angewendet werden.

Tipp: Wir haben auch eine Tabelle mit Kortison-Wirkstoffen und ihren Stärken.

Das Problem: Salben mit diesen Wirkstoffen sind rechtlich als Arzneimittel einzustufen und müssen zugelassen werden – was bei beiden Produkten offenkundig nicht der Fall ist. Beide Wirkstoffe sind in Deutschland verschreibungspflichtig.

Auf der Verpackung deklariert sind die kortisonähnlichen Stoffe nicht. Ahnungslose Anwender wissen also nicht, dass sie ein hochwirksames Arzneimittel benutzen – und eines, das nicht harmlos ist, wenn man es falsch anwendet.

Bei beiden Wirkstoffen drohen Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln. Und: Sie dürften zum Beispiel etwa während der Schwangerschaft oder bei bereits vorhandenen Infekten oder chronischen Entzündungen der Haut gar nicht erst angewendet werden.

Wichtig zu wissen:

  • Bei Clobetasol-17-propionat kann es vor allem bei längerer oder großflächiger Anwendung zu starken Nebenwirkungen wie dem Cushing-Syndrom kommen. Dabei wird vermehrt Fettgewebe angesammelt. Die Gliedmaßen werden durch Muskelschwund dünner.
  • Bei Betamethason-17-valerat droht als starke Nebenwirkung eine Hautatrophie, also eine dauerhafte Verkümmerung des Gewebes.

Das Landesuntersuchungsamt rät Verbrauchern grundsätzlich davon ab, Salben oder Kapseln auf ausländischen Internetseiten unklarer Herkunft zu bestellen. Legale und kontrollierte Arzneimittel gibt es im Internet nur über zugelassene Versandapotheken. Skepsis ist angebracht, wenn angeblich rein pflanzliche Mittel mit konkreten Wirkungsversprechen beworben werden oder wenn Hersteller und Vertreiber anhand des Impressums nicht eindeutig zu identifizieren sind. Der Kauf auf solchen Internetseiten gleicht dem Griff in eine Blackbox: Im harmloseren Fall fließt Geld für wirkungslose Produkte, im schlimmsten Fall kann die Gesundheit dauerhaft Schaden nehmen.


Ein Tipp nicht nur für die Experten vom Landesuntersuchungsamt: Es müssen nicht dubiose ausländische Internetseiten sein. Auch auf Amazon und Ebay werden derartige Produkte sehr erfolgreich verkauft. Die hier angesprochene Focallure Herbal Cream wurde bei Amazon sehr direkt als Nachfolgerin der Yiganerjing-Creme beworben – einer der wenigen derartigen Cremes, bei denen es mal gelungen war, sie aus dem Verkehr zu ziehen.

Weitere Kandidaten für eine eingehende Untersuchung durch Ämter dürften zum Beispiel hier und hier zu finden sein.

Bildquellen

  • Warnung vor der Focallure Herbal Cream: Bildrechte beim Autor

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