Ein Allergie-Medikament kann bei Schuppenflechte den Juckreiz lindern

Für viele Menschen mit Schuppenflechte ist der Juckreiz nur schwer zu ertragen. Spezielle Medikamente zu dessen Linderung gibt es nicht – also sucht so mancher Erleichterung bei Antihistaminika, sprich: Allergietabletten.

Schweizer und britische Forscher haben einen ganz speziellen Wirkstoff ausgemacht, der ihrer Meinung nach helfen kann, und das relativ schnell. Er heißt Levocetirizin und ist bislang zur Symptom-Behandlung der allergischen Rhinitis und Urtikaria zugelassen. Das bekannteste Medikament damit heißt Xusal, doch es gibt auch preiswertere Versionen. Levocetirizin gehört zu den Antiallergika der zweiten Generation – also zu denen, die nicht mehr so müde machen sollten und nicht so oft genommen werden mussten.

Zum Nutzen von Levocetirizin beim Schuppenflechte-Juckreiz gab es zunächst eine Pilot-Studie. Nach der war klar: Der Wirkstoff kann den Juckreiz deutlich reduzieren und die juckreizbedingte Lebensqualität bei Psoriasis-Patienten innerhalb von 5 Tagen verbessern. In der zweiten Studie, um die es hier geht, sollte das Medikament mehr zeigen: Die Mediziner wollten wissen, wie es sich auf die dermatologisch bedingte Lebensqualität, das globale Funktionsniveau (1), Stress, Depressionen und Angstzustände bei Psoriasis-Patienten auswirkt.

In die Studie wurden 32 Patienten mit mittelschwerem bis schwerem Juckreiz aufgenommen. 29 von ihnen füllten alle nötigen Fragebögen aus. Danach bekamen sie fünf Tage lang besagtes Levocetirizin. Nach erneuter Untersuchung hatten sich alle Werte verbessert – außer die der Depression.

Positiver Effekt auch auf den Schlaf

Das Fazit: Nach fünf Tagen mit Levocetirizin war der Juckreiz weniger intensiv, die Lebensqualität, das globale Funktionsniveau, Stress und Angst besser. „Diese Vorteile können in erster Linie aus der Verbsserung des Juckreizes resultieren“, schreiben die Autoren der Studie.

Viele Teilnehmer der Studie berichteten noch über einen positiven Nebeneffekt: Ihre Schlafqualität hatte sich verbessert – dabei hatten die Forscher in ihren Fragebögen gar nicht danach gefragt.

„Unsere Ergebnisse müssen durch eine randomisierte plazebokontrollierte Studie bestätigt werden“, so die Mediziner. Dass das Medikament nicht auf depressive Symptome wirkte, verwunderte sie nicht: Das ist in so kurzer Zeit von kaum einem Arzneimittel zu schaffen.

Was man sagen muss: Die Zahl der Teilnehmer war mit 29 wirklich nicht groß. Eine Studie nach allen Regeln der evidenzbasierten Kunst war es ebensowenig. Aber sie macht Hoffnung, dass Betroffene den Juckreiz nicht ertragen müssen.

Ein praktischer Tipp: In der Studie bekamen die Psoriasis-Patienten 5 bis 10 Milligramm Levocetirizin am Tag. In Apotheken gibt es rezeptfrei Tabletten von Generika-Herstellern mit 5 mg. Eine 50er-Packung kostet um die 14 bis 17 Euro (Stand November 2020).

Aber Achtung: 

  • Ältere Menschen mit einer mittelschwer bis schwer eingeschränkten Nierenfunktion müssen die Dosis anpassen.
  • Wer einen Allergie-Hauttest machen will, sollte Levocetirizin mindestens drei Tage davor absetzen.
  • In anderen Studien mit Levocetirizin zeigten sich vermehrt Nebenwirkungen wie Benommenheit (bei 5,2 Prozent der Teilnehmer), Mundtrockenheit (bei 2,6 Prozent) und Müdigkeit (bei 2,5 Prozent).

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(1) Das globale Funktionsniveau ist ein Messwert aus der klinischen Psychologie und Psychiatrie. Damit werden die psychischen, sozialen und beruflichen Fähigkeiten eines Menschen von einem Experten eingeschätzt.

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