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  • Matthias Herrmann
    Matthias Herrmann

    Psoriasis arthritis – wenn Gelenke wehtun

    Psoriasis ist eines der Paradebeispiele für Erkrankungen, bei denen spezialisierte Ärzte – in diesem Fall die Hautärzte – über den Tellerrand ihres Fachgebietes hinausblicken sollten. Denn wegen der charakteristischen Erscheinungen an der Haut und oft auch den Fuß- und Fingernägeln werden Patienten mit Schuppenflechte von ihrem Hausarzt in aller Regel an einen Dermatologen überwiesen. Doch die Krankheit kann auch „unter die Haut gehen“ und Sehnen und Gelenke angreifen oder sich mit Fersenschmerzen zeigen. Rechtzeitig erkannt und behandelt, lassen sich bleibende Schäden bei einer Pso arthritis meist verhindern.

    Wie oft gibt es sie?

    Ging man früher davon aus, dass etwa fünf Prozent der Psoriatiker an einer Psoriasis arthritis leiden, kommen neuere Untersuchungen auf einem Anteil von zwanzig oder sogar bis zu 40 Prozent – möglicherweise wegen gestiegenen Bewusstseins der Ärzte für die Erkrankung. Bei rund 80 Prozent dieser Patienten treten zuerst die Hautsymptome und meist Jahre oder Jahrzehnte später die Gelenkveränderungen in Erscheinung. Bei den übrigen 20 Prozent bricht die Psoriasis Arthritis je zur Hälfte gleichzeitig mit oder sogar noch vor der Schuppenflechte aus. Im Durchschnitt aller Patienten gehen die Hautsymptome den Gelenksymptomen zehn Jahre voraus. Bei etwa jedem fünften Patienten mit Psoriasis Arthritis kommt es unbehandelt zu einer fortschreitenden Zerstörung der betroffenen Gelenke.

    Engagierte Rheumatologen bemühen sich deshalb intensiv um Aufklärung unter Dermatologen. Denn gerade sie können Sorge dafür tragen, ihre Schuppenflechte-Patienten mit Psoriasis arthritis einer fachgerechten Therapie zuzuführen. Zumindest 2007 war das Bewusstsein aber offensichtlich noch nicht sehr ausgeprägt. Dies jedenfalls lassen Daten vermuten, die Rheumatologen damals in Deutschland erhoben haben. Bei etwa jedem fünften der untersuchten Patienten, die wegen einer Plaque-Psoriasis an einem dermatologischen Zentrum in Behandlung waren, diagnostizierten sie eine Psoriasis Arthritis. Was zu denken geben sollte: Bei weniger als 20 Prozent war die Gelenkbeteiligung bereits bekannt – und das, obwohl bei etwa jedem zweiten Patienten fünf oder mehr Gelenke betroffen waren.

    Solltest du also unter Plaque-Psoriasis leiden und das Gefühl haben, dass mit deinen Gelenken etwas „nicht stimmt“: Lass dich von ihrem Haut- oder Hausarzt zur Abklärung umgehend an einen Rheumatologen überweisen. Umgekehrt sollten Patienten mit unklaren rheumatischen Beschwerden ohne Psoriasis-Diagnose einen Dermatologen konsultieren, wenn unter Umständen nur minimale psoriatische Veränderungen an der Haut, den Nägeln oder irgendwo sonst am Körper erkennbar sind. Auch dann kann eine Psoriasis arthritis auftreten.

    Risikofaktoren

    Psoriasis arthritisUnter dem Begriff „Psoriasis Arthritis“ werden alle mit Schuppenflechte einhergehenden Veränderungen an Gelenken und auch Sehnen zusammengefasst. Der Verlauf ist dabei von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Ein erhöhtes Risiko, eine Psoriasis arthritis zu entwickeln, besteht bei

    • schwerer Hauterkrankung
    • Beteiligung der Nägel und/oder
    • Beteiligung der Kopfhaut sowie bei
    • Schuppenflechte in der Gesäßfalte oder um den After.

    Je ausgeprägter die Hautsymptome, desto wahrscheinlicher muss mit einer Psoriasis Arthritis gerechnet werden. Ein Zusammenhang zwischen dem Schweregrad der Hautsymptome und der Gelenkbeschwerden besteht aber nicht.

    Untergruppen

    Die Einteilung der Psoriasis arthritis in so genannte Subtypen ist komplex und wird dadurch erschwert, dass ein Patient nacheinander verschiedene Formen durchlaufen kann oder mehrere Subtypen gleichzeitig vorliegen können. So sind bei manchen Patienten zunächst wenige Gelenke („Oligoarthritis“) und später viele Gelenke („Polyarthritis“) entzündet – etwa die Fingergelenke und zusätzlich ein großes Gelenk wie das Kniegelenk. Bei bis zu 40 Prozent der Patienten ist neben Gelenken der Extremitäten auch die Wirbelsäule betroffen.

    Ein charakteristisches Zeichen der Psoriasis Arthritis ist die so genannte Daktylitis, d.h. eine Entzündung der Finger, bei der neben den Gelenken auch die Weichteile betroffen sind und anschwellen („Wurstfinger“). Im Unterschied zur Arthrose treten die Gelenkentzündungen oft asymmetrisch auf, zum Beispiel an Fingergelenken der rechten Hand und gleichzeitig dem linken Knie. Die Übergangsstellen zwischen Sehnen und Knochen können sich ebenfalls entzündlich verändern. Eine solche „Enthesitis“ ist dann zum Beispiel an einer Schwellung im Bereich der Achillessehne erkennbar.

    Wie groß der Anteil der Patienten mit bestimmten Symptomen ist, lässt sich kaum sagen. Denn die vielen hierzu durchgeführten Studien kommen teilweise zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

    Symptome

    Eine Psoriasis Arthritis verläuft oft viele Jahre unbemerkt, bevor die ersten Symptome auftreten. Zu ihnen zählen Schmerzen, Rötungen und Schwellungen über einem Gelenk, Morgensteifigkeit, Funktionseinschränkungen und – in fortgeschrittenen Stadien – sichtbare Verformungen der Gelenke. Ist das Kreuz-Darmbein betroffen, kann sich dies durch Schmerzen im Bereich des unteren Rückens und des Gesäßes äußern. Sie sind nachts besonders stark ausgeprägt und bessern sich am Tage unter Bewegung. Eine Beteiligung der Wirbelsäule kann ebenfalls mit Schmerzen verbunden sein. Oft macht sie sich auch durch eine eingeschränkte Beweglichkeit bemerkbar, etwa beim Drehen des Kopfes.

    Dies alles kann die Lebensqualität Betroffener erheblich beeinträchtigen – zusätzlich zur Belastung durch die Psoriasis selbst.

    Ursachen

    Die Ursachen der Psoriasis Arthritis sind im Detail noch nicht geklärt. Sie wird jedoch – ebenso wie zum Beispiel die rheumatoide Arthritis und die Plaque-Psoriasis – den immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen zugeordnet. Aus noch ungeklärten Gründen kommt es demnach zu einer Aktivierung des Immunsystems, das sich dann gegen körpereigene Strukturen richtet und Entzündungsprozesse an den Gelenken in Gang setzt. Mediziner und Grundlagenforscher haben noch keine Erklärung dafür, warum einige Psoriatiker eine Psoriasis Arthritis entwickeln und andere nicht – und warum das Krankheitsbild individuell so unterschiedlich verläuft. Da die Erkrankung familiär gehäuft auftritt, ist ein Einfluss genetischer Faktoren aber wahrscheinlich. Umweltfaktoren wie zum Beispiel bakterielle Infekte könnten ebenfalls eine Rolle spielen.

    Diagnose

    Diagnostik bei Psoriasis arthritisEbenso wie die rheumatoide Arthritis kann Psoriasis Arthritis unbehandelt teils schwere und bleibende Schäden an den Gelenken verursachen. Die frühzeitige Diagnose und Therapie ist deshalb von entscheidender Bedeutung – möglichst in interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Rheumatologen, Dermatologen und Radiologen. Sollten Sie bei sich selbst den Verdacht auf eine Psoriasis Arthritis hegen, sprechen Sie ihren Arzt umgehend darauf an.

    Anamnese und körperliche Untersuchung

    Am Anfang der Diagnose steht das Befragen des Patienten nach seiner Krankengeschichte (Anamnese). Hilfreich sind hier Fragebögen wie zum Beispiel der GEPARD-Fragebogen. Entscheidend ist anschließend die körperliche Untersuchung, bei der der Arzt die Gelenke sowie die Übergangsstellen zwischen Sehnen und Knochen besonders gründlich begutachten sollte. Stößt er bei einem Psoriatiker auf Auffälligkeiten, ist aber nicht zwangsläufig auf eine Psoriasis Arthritis die Ursache. Denn unabhängig von der Schuppenflechte kann eine andere Erkrankung wie zum Beispiel eine verschleißbedingte Arthrose vorliegen. Deshalb sind weitere Untersuchungen notwendig.

    Bildgebende Untersuchungen

    An erster Stelle steht meist eine Röntgenuntersuchung der Hände und Füße bzw. der auffälligen Gelenke oder der Wirbelsäule. Zeigen sich in dieser „bildgebenden“ Untersuchung Gelenkschäden, lässt sich anhand bestimmter Charakteristika zum Beispiel zwischen rheumatoider Arthritis und Psoriasis Arthritis unterscheiden. Auch die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) kann wichtige Informationen liefern. Bei besonderen Fragestellungen kommen die Magnetresonanztomographie, die Szintigraphie oder die Computertomographie zum Einsatz. Im Frühstadium der Psoriasis Arthritis sind allerdings noch keine so genannten „radiologischen Zeichen“ an Knorpel und Knochen vorhanden.

    Laboruntersuchungen

    Im Blut messbare Marker, mit deren Hilfe sich eine Psoriasis Arthritis sicher nachweisen oder ausschließen lässt, existieren nicht. Der Test auf den bei Patienten mit rheumatoider Arthritis nachweisbaren Rheumafaktor fällt meist negativ aus. Ein positives Ergebnis schließt eine Psoriasis Arthritis aber nicht aus. In Studien weist nur etwa jeder zweite Patient erhöhte Entzündungswerte auf. Andere Ursachen der Gelenkbeschwerden wie Gicht oder eine Borreliose können mittels bestimmter Bluttests mehr oder weniger sicher ausgeschlossen werden.

    Therapie mit Medikamenten

    Medikamente bei Psoriasis arthritisEmpfehlungen zur Behandlung von Patienten mit Psoriasis Arthritis finden sich in der Leitlinie „Therapie der Psoriasis vulgaris“, die mit Unterstützung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und dem Berufsverband der Deutschen Dermatologen erstellt wurde. Empfehlungen einer deutschen rheumatologischen Fachgesellschaft speziell zu ihrer Behandlung existieren nicht. Im April 2014 wurden jedoch Empfehlungen der Europäischen Rheumaliga EULAR („European League Against Rheumatism“) zur medikamentösen Therapie der Psoriasis Arthritis veröffentlicht.

    Bei der Auswertung der verfügbaren Studien berücksichtigten die Experten vier Medikamentengruppen:

    • nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR; z.B. Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac)
    • Glukokortikoide
    • synthetische krankheitsmodifizierende antirheumatische Medikamente (engl.: disease-modifying antirheumatic drugs, DMARDs)
    • biologische DMARDs („Biologika“)

    Einige dieser Medikamente wie bestimmte Tumor-Nekrose-Faktor (TNF)-alpha-Hemmer sind dabei sowohl zu Behandlung der Psoriasis arthritis als auch der Plaque-Psoriasis und der Rheumatoiden Arthritis zugelassen.

    Seit dieser Empfehlung hat sich in der Medikamenten-Entwicklung einiges getan. Weitere Biologika können auch bei Psoriasis arthritis eingesetzt werden. Noch jung ist die Anwendung von sogenannten JAK-Hemmern. Aus dieser Klasse ist Xeljanz für die Behandlung der Pso arthritis zugelassen.

    Was eine Expertengruppe sagt

    Fünf Grundprinzipien

    Die EULAR hat ihre detaillierten Empfehlungen kompakt in fünf Grundprinzipien und zehn Empfehlungen zusammengefasst. In teils verkürzter Form lauten sie wie folgt

    1. Psoriasis arthritis ist eine heterogene und potenziell schwere Erkrankung, die der multidisziplinären Behandlung bedarf.
    2. Rheumatologe und Patient müssen Entscheidungen gemeinsam treffen.
    3. Primär sollte sich ein Rheumatologe um die Behandlung der Beschwerden an Muskeln und Gelenken kümmern und bei gleichzeitigem Vorliegen von Hautsymptomen oder Nagelpsoriasis mit einem Dermatologen kooperieren.
    4. Oberstes Behandlungsziel ist eine möglichst gute Lebensqualität. Dies lässt sich dadurch erreichen, die Symptome zu kontrollieren, Gelenkschäden zu verhindern, die Funktionalität der Gelenke zu erhalten und die Teilhabe der Patienten am sozialen Leben zu ermöglichen. Die entzündlichen Krankheitsprozesse sollten dabei möglichst vollständig zum Stillstand gebracht werden.
    5. Bei regelmäßigen Kontrollen durch den Rheumatologen muss die Therapie den jeweiligen Bedürfnissen angepasst werden.

    Zehn Therapieempfehlungen

    1. Zur Linderung der Symptome können (entzündungshemmende und zugleich schmerzlindernde) NSAR eingesetzt werden (z.B. Ibuprofen, Diclofenac).
    2. Vor allem wenn viele Gelenke geschwollen sind, sollte schon in frühen Krankheitsstadien der Einsatz eines (synthetischen) DMARD erwogen werden (z.B. Methotrexat, Sulfasalazin).
    3. Bei gleichzeitig vorliegenden Hautsymptomen ist ein Medikament zu bevorzugen, das auch diese verbessert.
    4. Bei Psoriasis Arthritis können zusätzlich lokale Kortisoninjektionen in das Gelenk erwogen werden. Bei einer in möglichst niedriger Dosierung durchzuführenden oralen Kortisontherapie ist Vorsicht geboten.
    5. Patienten mit aktiver Erkrankung, die auf mindestens ein synthetisches DMARD wie Methotrexat nicht angesprochen haben, sollten mit einem TNF-alpha-Hemmer behandelt werden.
    6. In Betracht gezogen werden kann die Behandlung mit einem TNF-alpha-Hemmer auch bei Patienten mit Daktylitis (Entzündung aller Strukturen des Fingers, „Wurstfinger“) und/oder Enthesitis (Entzündung an der Übergangsstelle zwischen Sehne und Knochen), wenn sie auf NSAR oder lokale Kortisoninjektionen nur unzureichend ansprechen.
    7. In Betracht gezogen werden sollte ein TNF-alpha-Hemmer bei Patienten mit Beteiligung der Wirbelsäule und unzureichendem Ansprechen auf NSAR.
    8. Bei Patienten mit sehr starker Krankheitsaktivität kann ein TNF-alpha-Hemmer in Ausnahmefällen auch sofort eingesetzt werden, ohne zuvor eines der anderen Medikamente auszuprobieren.
    9. Spricht ein Patient auf einen bestimmten TNF-alpha-Hemmer nicht an, kann die Umstellung auf einen anderen TNF-alpha-Hemmer erwogen werden.
    10. Bei jeder Anpassung der Therapie sollte der Arzt eventuell vorliegende Begleiterkrankungen sowie mögliche Nebenwirkungen der Medikamente berücksichtigen.

    Eine Anmerkung zu NSAR

    NSAR wie Ibuprofen und Diclofenac sind frei verkäuflich. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre Anwendung aufgrund der Nebenwirkungen nicht unproblematisch ist. So weist die Europäische Arzneimittelbehörde zum Beispiel darauf hin, dass Diclofenac bei Patienten mit bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie einer mittleren bis schweren Herzinsuffizienz oder zerebrovaskulären (d.h. die Blutgefäße des Gehirns betreffenden) Erkrankungen, etwa nach einem Schlaganfall, gar nicht eingesetzt werden sollte. Menschen mit Bluthochruck oder Diabetes sowie Raucher sollten es aufgrund des erhöhten Risikos für Nebenwirkungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall erst nach sorgfältiger Abwägung einnehmen. Selbst Menschen ohne Risikofaktoren sollten auf eine möglichst niedrige Dosierung achten und Diclofenac oder ein anderes NSAR nur so kurz wie unbedingt nötig nehmen. Auch viele schwere oder sogar tödliche Magen-Darm-Blutungen werden den NSAR zugeschrieben.

    Solltest du dir NSAR in der Apotheke kaufen, vergiss deshalb nicht, es deinem Arzt gegenüber zu erwähnen und besprich mit ihm die Alternativen.

    Was außerdem helfen kann

    Neben verschreibungspflichtigen Medikamenten und rezeptfrei erhältlichen Schmerzmitteln gibt es weitere Maßnahmen, mit deren Hilfe sich der Verlauf der Psoriasis Arthritis günstig beeinflussen lässt.

    Den Körper in Schwung halten

    Schmerzen im HandgelenkEin ganzes Maßnahmenbündel gilt dabei für alle Menschen mit chronischen Schmerzen des Bewegungsapparates – zum Beispiel Rückenschmerzen oder Rheuma – und zielt darauf ab, Patienten körperlich zu aktivieren. So neigen Schmerzpatienten oft zu Schonverhalten. Dies aber kann dazu führen, dass das Zusammenspiel von Muskeln, Bändern und Gelenken aus dem Gleichgewicht gerät und sich die Schmerzen noch weiter verstärken. Krankengymnastik, gezieltes Muskelaufbautraining, Dehnungsübungen und eine allgemeine Steigerung der körperlichen Aktivität sind deshalb wichtige Bestandteile eines so genannten „multimodalen“ Therapiekonzepts.

    Eine Voraussetzung hierfür ist, dass Arzt und Patient die Schmerzen gemeinsam zumindest einigermaßen in den Griff bekommen. Doch auch wenn dies geling, sollten Patienten mit Psoriasis Arthritis nicht einfach „drauf los trainieren“. So weist Professor Uwe Lange in einem 2010 erschienenen Artikel darauf hin, dass vor dem Training die Belastbarkeit und die Beweglichkeit der Gelenke getestet werden sollte. Grundsätzlich befürwortete der Rheumatologe Übungsprogramme in Fitness-Studios. Er bezweifelt aber, dass deren Betreiber eine den speziellen Bedürfnissen der Patienten entsprechende Betreuung leisten können – etwa durch die Anpassung des Programms an den jeweiligen Krankheitszustand. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte sich deshalb besser nach Kursen an Reha-Kliniken, bei Selbsthilfegruppen oder in ambulanten Praxen mit rheumatologisch geschultem Personal umsehen.

    Gesunde Ernährung

    Eine spezielle Diät, die nachweislich das Erkrankungsrisiko reduziert oder den Verlauf der Psoriasis Arthritis verlangsamt, existiert nicht. Übergewicht sollte jedoch vermieden werden, da jedes Kilo mehr die Gelenke zusätzlich belastet. Zudem kommt es ihrer Gesundheit zu Gute, wenn Sie allgemeine Ernährungsempfehlungen beherzigen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zehn Regeln formuliert, unter ihnen die folgenden:

    • Reichlich Getreideprodukte und Kartoffeln; Brot, Getreideflocken, Nudeln, Reis am besten aus Vollkorn.
    • Fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag, möglichst frisch oder nur kurz gegart; gelegentlich auch als Saft oder Smoothie.
    • Milch- und Milchprodukte täglich, ein- bis zweimal in der Woche Fisch; Fleisch und Wurstwaren (zusammen nicht mehr als 300 – 600 g pro Woche) sowie Eier in Maßen; Geflügel sei unter gesundheitlichen Gesichtspunkten günstiger zu bewerten als Rind- oder Schweinefleisch.
    • Wenig Fett und fettreiche Lebensmittel; pflanzliche Öle und Fette (z.B. Raps- und Sojaöl sowie daraus hergestellte Streichfette) sind zu bevorzugen.
    • Lebensmittel schonend zubereiten.
    • Auf das Gewicht achten und in Bewegung bleiben.

    Vitamine

    Auf Vitaminpräparate können die meisten Menschen bei einer ausgewogenen Ernährung verzichten. Obst und Gemüse lassen sich wegen der in ihnen enthaltenen Mineralien und so genannten „sekundären Pflanzenstoffen“ durch Nahrungsergänzungsmittel auch nicht ersetzen.Es gibt allerdings zwei Ausnahmen: Vitamin E und das bei Schuppenflechte als Salbe angewendete Vitamin D.

    So kann Vitamin E eventuell dazu verhelfen, die Dosis an Schmerzmitteln zu reduzieren. Mit Vitamin D sind viele Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma, Multipler Sklerose sowie Schuppenflechte unterversorgt. Das bei Osteoporose schon seit Langem eingesetzte Vitamin ist dabei nicht nur für den Erhalt der Knochendichte notwendig. Mittlerweile werden ihm weitere positive Eigenschaften wie ein regulierender Eingriff in das Immunsystem zugeschrieben.

    Da der Körper Sonnenlicht benötigt, um Vitamin D in der Haut herzustellen, kommt es gerade in den Wintermonaten bei vielen Menschen zu einer Unterversorgung. Doch auch im Sommer sind die Blutspiegel oft erniedrigt. Scheuen Sie sich deshalb nicht, Ihren Arzt um einen Labortest zur Bestimmung des Vitamin D-Spiegels im Blut zu bitten.

    Liegt ein Defizit vor, reicht die üblicherweise empfohlene Dosis von 800 bis 1.000 I.E. (Internationale Einheiten) täglich bei Patienten mit bestimmten chronischen Erkrankungen wie Rheuma nicht aus. Auch wenn rheumatoide Arthritis und Psoriasis Arthritis nicht dasselbe sind: Aufgrund ähnlicher Krankheitsprozesse ist davon auszugehen, dass dies auch auf Patienten mit Psoriasis Arthritis zutrifft.

    Alternative Behandlungsmethoden

    Zu den alternativen Behandlungsmethoden zählen Homöopathie, Akupunktur und pflanzliche Produkte. Unter Letzteren gibt es für Zubereitungen aus Weihrauch Hinweise, dass sie entzündliche Haut- und Gelenkerkrankungen günstig beeinflussen könnten. Studien, die wissenschaftlichen Standards genügen, liegen hierzu jedoch nicht vor. Für Homöopathie und Akupunktur ist eine Wirksamkeit ebenfalls nicht zweifelsfrei belegt.

    Das bedeutet nicht, dass diese Verfahren im Einzelfall nicht wirken können. Hören Sie aber auf Ihren gesunden Menschenverstand, wenn Ihnen ein Anbieter Heilung verspricht. Was Sie ebenfalls beachten sollten: Naturprodukte sind nicht automatisch „sanfte Medizin“. So enthalten Pflanzenzubereitungen eine Vielzahl verschiedener Substanzen, die Wechselwirkungen mit synthetisch hergestellten Medikamenten haben können. Je nach Herkunftsland können aus Pflanzen hergestellte Produkte außerdem mit Pestiziden und anderen Schadstoffen belastet sein. Sprechen Sie solche Behandlungsversuche deshalb bitte immer mit Ihrem Arzt ab.

    Dr. rer. nat. Matthias Herrmann

    Bilder von Psoriasis arthritis an Händen und Füßen

    Hilfsmittel

    Für den Alltag und ein leichtes Training gibt es einige Hilfsmittel. Denen haben wir einen eigenen Artikel gewidmet:

    https://www.psoriasis-netz.de/themen/hilfsmittel-bei-psoriasis-arthritis-und-rheuma.html

    Tipps zum Weiterlesen

    • In unserer Community sind viele Betroffene mit Psoriasis arthritis zu finden. Dort kannst du sie fragen, wie sie ihre Gelenk-Schuppenflechte behandeln, ob ihnen eine spezielle Ernährung hilft oder was sie sonst noch dafür tun.
    • Es gibt mehrere Broschüren über Psoriasis arthritis. Die kannst du anfordern oder als PDF herunterladen.

    Das Wichtigste über Psoriasis arthritis bei

    Artikel anderswo

    PsA – die harmlosere „kleine Schwester der rheumatoiden Arthritis“?
    (Pharmazeutische Zeitung, 28.11.2013)
    Die Pharmazeutische Zeitung schreibt (für Apotheker) den aktuellen Stand des Wissens zur Psoriasis arthritis auf.

    Oft Mangel an Vitamin D bei Psoriasis arthritis
    (Ärzte Zeitung, 10.07.2011)
    Patienten mit Psoriasis arthritis haben oft zu niedrige Vitamin-D-Spiegel.

    Frühe Therapie bremst Erosionen bei Psoriasis arthritis
    (Ärzte Zeitung, 10.11.2008)
    Viele Fachärzte sind davon überzeugt, dass Methotrexat (MTX) bei Patienten mit Psoriasis arthritis (PsA) effektiv ist – obwohl es bisher kaum Studien gab. Nun besteht Klarheit. 

    Psoriasis arthritis: Oft falsche Diagnose Rheuma 
    (Rheinische Post, 26.05.2011)
    Bei chronisch entzündlichen Gelenkschmerzen verlassen viele Patienten mit der Diagnose einer rheumatoiden Arthritis die Arztpraxis. Doch in vielen Fällen stecke gar kein Rheuma hinter den Beschwerden, sagt Erika Gromnica-Ihle, Präsidentin der Deutschen-Rheuma-Liga in Bonn: „Oft sind die Gelenkentzündungen auch Folgen einer Psoriasis, also einer Schuppenflechte.“


    Bildquellen

    • Computerbild: reineg / Fotolia
    • Kombo: underdogstudios / Fotolia
    • Hände abtasten: wildworx / Fotolia
    • Medikamentensuche: Kadmy / Fotolia
    • Schmerzen im Handgelenk: dalaprod / Fotolia

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    • Redaktion
      By Redaktion
      Für eine Studie werden Menschen mit Psoriasis arthritis gesucht, die in Hamburg wohnen oder regelmäßig dort sind.
      Untersucht wird, wie ein bereits zugelassener Wirkstoff im Vergleich zu einem anderen ebenfalls schon zugelassenen Medikament wirkt und wie sicher und verträglich er ist.
      Wer teilnehmen will, muss
      18 Jahre alt sein seit mindestens 6 Monaten an Psoriasis arthritis bzw. an entzündeten, geschwollenen, schmerzhaften Gelenken leiden eine Schuppenflechte (der Haut) haben einen TNF-alpha-Blocker entweder nicht vertragen oder schon erfolglos bekommen haben Die Teilnehmer werden von Fachärzten betreut. Eine angemessene Aufwandsentschädigung gibt's auch.
      Interessenten können sich melden
      auf der Internetseite www.patientenstudien.de oder per Telefon unter 040 / 4 60 76 30 Sponsor der Studie ist die Firma Novartis Pharma, der Hersteller des Medikamentes Cosentyx.
    • elfe11
      By elfe11
      Guten Tag ,
      ich bin Jahrgang 1960 und habe mit 12 Jahren, nach der Pockenschutzimpfung , die PSO bekommen.Damals wurde ich erst auf Windpocken behandelt, was dazu führte, dass ich schlimmer aussah, als vorher..
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      So vergingen Jahrzehnte-ich bekam immer mehr Gelenkprobleme-mal das Knie-die Schulter..der Rücken ganz massiv-aber keiner brachte das mit meiner PSO in Zusammenhang. Dann fingen fast alle meine Nägel an ölig zu werrden , hoben sich aus dem Nagelbett..Mein rechter Daumennagel-musste in 4 Jahren, 5 mal gezogen werden, da sich dort eine Superinfektion breit machte..endlcih mal ein gescheiter Pathologe, der dann den Nagel untersuchte--PSO! Ich wurde sonst meist beim Hautarzt mit einer Pilzsalbe behandelt!!
      Dann wurden die FInger an der echten Hand krumm und total dick--meine Achilles Sehne wurde dick und entzündet--ich suchte einen neuen Rheumatolgen auf.Dieswer guckte sich nur den Finger an--meinte PSO Arthritis und verschrieb mir Ibuprofen--sei ja alles noch nicht so schlimm.Der Finger schmerzt höllisch--die Sehne ist kaum belastbar--da hilft IBU auch nicht mehr.
      Dann ein Gang zum Orthopäden--dieser machte als erster mal endlich ein MRT meiner Wirblesäule--nur was dann kam, schockte mich doch. Er meinte nur, wenn ich nun nichts tue, würde ich bald im Rollstuhl sitzen..Eine OP käme nicht mehr in Frage--nur Schmerzlindernde Spritzen.
      Er selber könnte nicht helfen--ich bekam eine Einweisung in die Rheumaklinik..und das ist nun der Supergau--Termine erst in 5 Monaten--okay , ich ließ mir den Termin geben für Mai 2021--dieser wurde mir nun gerade per sms storniert--der nächste ist dann erst im August oder September.
      Ich weiß vor lauter Schmerzen nicht wohin mit mir--bewege mich dennoch viel, so weit es geht--aber das ist doch kein Zustand.
      Ich habe zwar die Auswertung des MRT hier--aber verstehe nur Bahnhof. Ist hier jemand, der das evtl. schon mal entschlüsseln könnte--der Orthopäde ist iwie nicht förderlich, da wohl kein Interesse mehr an mir.
      Ich komme mir eh immer so seltsam vor bei den Docs--wirklich mal zuhören, ist nicht deren Stärke...
      Vielen Dank, fürs Lesen
      elfe
    • Claudia
      By Claudia
      Hallo Frau Dr. Allmacher, ich gebe hier eine Frage weiter, die uns über unsere Facebook-Seite erreicht hat:
      Was kann man bei Psoriasis arthritis tun?
      Ich erweitere mal die Frage: Wie wird denn die Psoriasis arthritis in Ihrer Klinik mitbehandelt?
    • NikoBo
      By NikoBo
      Hey an Alle.
      Ich hatte in letzter Zeit das Problem das mir "gefühlt alle" Gelenke im Körper schmerzen. 
      Ich bin jetzt 31, habe 18 Jahre lang Leistungssport betrieben. Mit 17 wurde meine Pso diagnostiziert. Meine Knie sind mehrfach operiert an den Menisken. (Das die Weh tun bin ich gewohnt) aber nun seit gut 3-4 Jahren gesellen sich die Hände und der Rücken ziemlich stark dazu... Meine Hautärztin meinte könnte gut sein das es PsA ist. Hat mich daraufhin zum MRT geschickt. Für beide Daumensattelgelenke und das ISG.
      Im MRT kam raus das besagte Gelenke alle chronisch entzündlich sind. JEDOCH kann man nicht sagen daß es wegen der PsA ist sondern es mein Beruf genauso gut sein könnte. (Physiotherapeut) und damit wurde Ich dann abgewimmelt..... Ich denke aber nicht das es mein Beruf ist weil selbst wenn ich lange raus bin habe ich die Schmerzen. Ich war Grade 4 Monate mit dem Baby zu Hause und das hat den Gelenken überhaupt nicht geholfen...
      Wir wurde die PsA bei euch "gefunden" bzw wie sehen eure Erfahrungen damit aus?
      Vielen Dank im Vorraus
      Niko
    • Sellü
      By Sellü
      Halli Hallo  
      Mir ist seit längerem etwas aufgefallen: Ich bin erst seit Montag diagnostiziert, aber meine Finger schwellen ja schon seit Januar 2020 (mit Pause im Sommer) regelmäßig an. Durch Hormonprobleme und eine Schilddrüsenunterfunktion muss ich regelmäßig zur Blutabnahme. Neuerdings ja auch wegen der Diagnose. Und mir fällt seit Längerem folgendes Muster auf: meine Symptome in den Fingern sind für einige Tage danach stärker ausgeprägt. Also geschwollener, teilweise auch stärkere Symptome der Haut, steifer etc. Hat noch jemand anderes diese Erfahrung gemacht? Oder bilde ich mir das ein? 🤪 
      Neugierige Grüße
      Svenja

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