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  • Claudia Liebram
    Claudia Liebram

    Micanol wurde vom Markt genommen

    Das Medikament Micanol wird seit Anfang 2017 nicht mehr hergestellt. Anfangs waren noch Restbestände mit der 1-prozentigen Creme im Handel; dies scheint vorbei zu sein. Die Version mit 3 Prozent war sofort nicht mehr verfügbar.

    Der wichtigste Wirkstoff in Micanol war Dithranol, manchmal auch als Cignolin oder seltener als Anthralin bezeichnet. Er wird vor allem noch in Kliniken angewendet. Sein größter Nachteil: Er verschmutzt alles – und wirklich alles –, mit dem er in Berührung kommt. Sein größter (und aus unserer Sicht überwiegender) Vorteil aber ist, dass er nebenwirkungsfrei helfen kann, wenn man ihn richtig anwendet.

    Unser Leser Gerhard S. hatte uns auf die Einstellung von Micanol aufmerksam gemacht und berichtet:

    Micanol ist für mich als Psoriatiker eigentlich unverzichtbar: Das darin enthaltene Dithranol ist hoch wirksam, hat keine Nebenwirkungen, die Anwendung von Micanol ist einfach.

    In unserer Community tauschen sich Betroffene über Alternativen zu Micanol aus.

    Vom Hersteller Riemser heißt es:

    Wir können Ihnen leider keine konkreten Alternativen nennen. Es existieren jedoch Rezepturvorschriften für die Herstellung einer 0,05- bis 2%-igen Dithranol-haltigen abwaschbaren Salbe. Diese sind im DAC/NRF – einem Rezeptur-Nachschlagewerk – hinterlegt und können nach Verordnung des Arztes in einer Apotheke hergestellt werden.

    Eine Dithranol-Salbe kann von jedem Hautarzt per Rezept verschrieben werden. Sie wird dann in einer Apotheke angerührt. Wer auf Micanol schwört, kann und muss Arzt und Apotheker also auf das DAC/NRF verweisen.

    Micanol – Medikament mit Vorzügen

    Micanol war seit 1999 auf dem Markt. Hersteller war lange die Firma Bioglan in Gießen.

    Der Name des Medikaments Micanol setzte sich aus dem Begriff "microverkapseltes Dithranol" zusammen – was heißt, dass der Wirkstoff Dithranol in Fettkügelchen verpackt wird.

    "Die menschliche Haut hat an der Oberfläche eine Temperatur von etwa 29 °C", erklärt Karlheinz Nocker. "Kommt die Salbe darauf, beginnen die Fettschichten (der Salbe) zu schmelzen." Ergebnis: Das Dithranol kann in die Haut eindringen.

    Der größte Vorteil von Micanol aber sollte eine fehlende Eigenschaft sein: Wäsche und Badezimmer färbten sich nicht mehr braun – solange man die Salbe nach der Anwendung mit kalten bis höchsten "laukaltem" Wasser abwäscht.

    Weitere Vorzüge waren laut Karlheinz Nocker

    • antibakterieller Langzeitschutz
    • keine Anwendung von Emulgatoren (Haltbarmachern; Stabilisierung von Emulsionen)
    • keine Anwendung von Konservierungsstoffen
    • die Möglichkeiten zur großflächigen Anwendung

    Gegenüber herkömmlichem Dithranol gab es weitere Vorteile.

     MicanolDithranol, meist aus der Apotheke
    Geruchindifferentz.T. ranzig
    Galenikangenehm kühlfett klebrig
    Haltbarkeit2 Jahre bzw. 28 Tage nach Anbruchsechs Monate

    Anwendung von Micanol

    Beim Hautarzt gab es für den Patienten, der Micanol ausprobieren wollte, ein "Einstellset". Darin war neben einer Musterpackung Micanol 1% ein Schwamm enthalten, mit dem die Salbe abgewaschen werden konnte. Wichtig war jedoch das Informationsheftchen. Darin stand, wie oft und wie lange Micanol aufzutragen ist. In einem Behandlungsplaner konnte jeder Behandlungstag abgehakt werden. Die Frage "Wie lange war die Salbe eigentlich gestern drauf?" gehörte also der Vergangenheit an.

    Micanol wurde einmal täglich dünn aufgetragen. Begonnen wurde mit der einprozentigen Salbe. Am ersten Tag blieb sie für fünf Minuten auf der Haut. Blieb die Haut friedlich, traten keine Reizungen auf, uerden jeden Tag fünf Minuten dazugegeben. Die Höchstgrenze lag laut Hersteller bei 30 Minuten.

    Wurden die erreicht und die Stellen schon etwas besser, konnte der Hautarzt Micanol 3% verordnen. Damit wurde wieder bei fünf Minuten begonnen. Die "Steigerungsrate" lag analog zu der 1%-igen Salbe bei fünf Minuten täglich und maximal 30 Minuten. Waren die erreicht, wurde so lange weiter gesalbt, bis die Stellen weg waren.

    Wichtig war das Abwaschen: Das Wasser durfte maximal 30 °C kalt sein. Man sollte aber der Sicherheit halber nur mit kaltem Wasser ans Werk gehen. Seife hatte beim Abwaschen der Salbe nichts zu suchen. Nur dann blieben die braunen Flecken in Wäsche und Bad aus.

    Karlheinz Nocker vom Hersteller Bioglan empfahl sogar: "Wäsche und Handtücher, mit denen der Patient zu tun hatte, sollten nicht mit Weichspüler behandelt werden." Und: Sie sollten möglichst kalt bis lauwarm ausgewaschen werden. Der Waschlappen sollte nicht achtlos in die normale Wäsche gegeben werden.

    Einschränkungen und Empfehlungen

    Eine akute pustulöse Psoriasis oder eine Schuppenflechte im Gesicht durfte nicht mit Micanol behandelt werden. Lippen, Mund, Genitalien, Hautfalten z.B. unter der Brust oder in den Achselhöhlen, Wunden und Geschwüre sollten auch besser nichts von Micanol mitbekommen.

    Die Wirkung von Micanol auf dem Kopf war nicht untersucht worden. Bioglan empfahl die Anwendung dort deshalb auch nicht. Gerhard Leibold schließt die Anwendung auf dem Kopf indes nicht aus: In seinem Buch "Schuppenflechte - Ursachen, Symptome, ganzheitliche Behandlung" warnte er zwar vor Überdosierung und daraus folgender Verfärbung der Haare. Aber: "Das vermeidet man, indem man vorsichtig die individuell richtige Konzentration ermittelt", schrieb er weiter.

    Kinder ab zwei Jahren durften Micanol durchaus anwenden.

    Bei einer Schwangerschaft musste der Hautarzt abwägen, ob ihm die Behandlung mit Dithranol möglich erschien. Während der Stillzeit stand Micanol allerdings auf dem Index, weil noch nicht geklärt war, ob Dithranol in die Muttermilch übergeht.

    Vorsichtig sollten Patienten sein, die neben der Psoriasis eine Niereninsuffizienz mit sich herumtragen.

    Micanol und Dithranol sollten nicht mit Schleimhäuten in Berührung kommen.

    Nach der Anwendung von Micanol und Dithranol sollten die Fingernägel gründlich gereinigt werden.

    Männliche Patienten berichteten davon, dass sie die Dithranol-Behandlung angenehmer fanden, wenn Haare z.B. auf der Brust zuvor abrasiert worden waren.

    Die Behandlung der schwierig in den Griff zu bekommenden Psoriasis an Händen und Füßen kann durchaus gelingen, wenn die Stellen vorher sehr gut entschuppt wurden.

    Micanol solltr in die Haut eingerieben und -massiert werden, damit genügend Wärme entsteht, die (siehe oben) den Wirkstoff erst richtig freisetzt. Eingerieben wurde solange, bis keine Reste der Creme mehr sichtbar waren. Um gesunde Haut zu schonen, war es ratsam, beim Auftragen einen Gummi- oder Folien-Handschuh zu tragen. Wem das so gar nicht behagt, der sollte die Hände nach dem Eincremen sofort mit kaltem Wasser waschen. Vor einigen Jahren gab es einen Dithranol-Stift in Apotheken, der das Auftragen sehr leicht machte. Er ist inzwischen leider nicht mehr zu haben.

    Für die abendliche Fettsalbe war eine Pflegecreme mit 12% Urea (Harnstoff) zu empfehlen.


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    • Micanol: Bildrechte beim Autor

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    • Claudia Liebram
      By Claudia Liebram
      Wir gehen in die Geschichte und haben die Medikamente gegen Schuppenflechte in einen Zeitstrahl getan. Welches Medikament wurde eigentlich wann zugelassen? Dabei tun sich deutliche Lücken auf. Jahrzehntelang tat sich wenig, doch in den letzten Jahrzehnten ging es Schlag auf Schlag.
      Wenn du dir diese Zeitreise größer ansehen willst – hier findest du sie in einer anderen Ansicht: Psoriasis-Medikamente seit 1916
      1916: Der künstlich nachgebaute Teer-Abkömmling Dithranol wird von E. Galewski und P. G. Unna beschrieben und eingeführt. Dithranol wird bis Anfang der 1980-er Jahre bei der Psoriasis-Therapie das Mittel der Wahl sein, wenn eine Schuppenflechte äußerlich behandelt werden soll.
      1925: William H. Goeckermann erwähnt erstmals die Anwendung von Steinkohlenteer gegen Psoriasis. Bis heute gibt es Patienten und Kliniken, die auf diesen Wirkstoff schwören. Gut, dass bis heute die Übertragung von Gerüchen über das Internet noch nicht erfunden ist.
      1956: Kortison-Präparate zum Auftragen auf die Haut kommen auf den Markt.
      1983: Mit Psoralon kommt eine Fertigarznei mit Dithranol in Deutschland auf den Markt.
      1991: Das erste Medikament mit dem Wirkstoff Methotrexat wird in Deutschland zugelassen – als Lantarel.
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      1992: Der Wirkstoff Acitretin wird für die Behandlung der Psoriasis zugelassen – ein Vitamin-A-Abkömmling. Eingesetzt wird er allerdings schon seit den 1970-er Jahren.
      1992: Rubisan, die homöopathische Salbe mit dem Wirkstoff Mahonia aquifolium, erhält ihre Zulassung.
      1993: Der Wirkstoff Ciclosporin kommt offiziell in der Behandlung der Psoriasis zum Einsatz. Da hat er schon 10 Jahre in der Transplantationsmedizin hinter sich.
      1994: Psoradexan – das nächste Medikament mit dem Wirkstoff Dithranol – ist in Apotheken zu haben.
      1994: Der zweite Vitamin-D3-Wirkstoff kommt auf den Markt: Tacalcitol.
      1995: Eine Schweizer Entwicklung mit einem Fumarsäureester wird in Deutschland zur Behandlung der Psoriasis zugelassen: Fumaderm.

      1997: Das Medikament Micanol vereinfachte die Therapie mit Dithranol. Bei richtiger Anwendung und vor allem beim richtigen Abwaschen färbte es Haut und vor allem das Umfeld nicht mehr so stark wie andere Dithranol-Mittel. Im Jahr 2017 wurde Micanol vom Markt genommen.
      1997: Tazaroten-Gel wird mit 0,05% und 0,1% in Deutschland zur Behandlung der Psoriasis zugelassen.
      1999: Der dritte Vitamin-D3-Wirkstoff ist da: Calcitriol.
      2002: Calcipotriol und Betamethason werden kombiniert.
      2004: Raptiva mit dem Wirkstoff Efalizumab wird für die Behandlung der Psoriasis zugelassen. Allerdings wird es fünf Jahre später schon wieder vom Markt genommen – wegen Nebenwirkungen, die andere Medikamente dieser Art später auch zeigen.
      2004: Enbrel heißt das nächste Biologic, mit dem die Psoriasis behandelt werden kann. Es enthält den Wirkstoff Etanercept. Auch dieses Biologic war zuvor schon zwei Jahre bei Psoriasis arthritis aktiv.
      2005: Remicade kommt auf den Markt. Der Wirkstoff darin heißt Infliximab.
      2007: Das nächste Biologic mit dem Einsatzziel Psoriasis kommt auf den Markt – Humira mit dem Wirkstoff Adalimumab. Zwei Jahre zuvor war es bereits zur Behandlung der Psoriasis arthritis zugelassen worden.
      2009: Stelara mit dem Wirkstoff Ustekinumab reiht sich in die noch übersichtliche Riege der Biologics ein.
      2011: Ein Nagellack speziell zur Behandlung der Psoriasis an den Nägeln kommt auf den Markt. Er heißt Onypso. Er enthält 15 Prozent Harnstoff (Urea). Nach sechs Monaten soll die Nageldicke verringert sein.
      2015: Das Medikament Otezla mit dem Wirkstoff Apremilast erhält die Zulassung zur Behandlung der Psoriasis und der Psoriasis arthritis.
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