Jump to content
  • Claudia Liebram
    Claudia Liebram

    Kortison – sind Angst und Ablehnung begründet?

    Unter den Salben sind solche mit Kortison bei den meisten Psoriatikern am wirksamsten – aber auch am meisten gefürchtet. Schuppenflechte-Stellen gehen mit Kortisonsalben schnell weg. Die Salben sind – richtig angewandt – ein gutes Mittel und vor allem wichtig, um erst einmal die Entzündung der Haut abzuschwächen. Doch die Angst vor Nebenwirkungen ist groß, und sehr oft sagen Betroffene Nein zum Kortikoid – aus eben jener diffuser Angst.

    Die Angst stammt nicht von ungefähr: Als Kortisonsalben in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts aufkamen, waren sie "Wunderwaffen", noch mit wenig Erfahrung eingesetzt, die Nebenwirkungen vernachlässigt, weil der Erfolg ja so gut war. Mittlerweile sind Kortisonsalben der sogenannten vierten Generation auf dem Markt. "Diese Kortisonsalben bringen heute kaum noch Nebenwirkungen", versichert Professor Roland Niedner. "Nur im Gesicht muss man sehr, sehr vorsichtig damit sein."

    Die "Ärzte Zeitung" widmete dem Thema im Jahr 2003 einen Artikel. Danach wurden in den 60-er und 70-er Jahren immer stärkere Kortisonsalben entwickelt. Die damalige falsche Anwendung hätte die Kortisonsalben-Therapie bei Patienten und auch bei vielen Ärzten "in Misskredit gebracht". Seit Mitte der 80-er Jahre stünden aber Kortisonsalben der inzwischen vierten Generation zur Verfügung. Die würden nicht mehr zur gefürchteten "Verdünnung" der Haut (fachmännisch: Atrophie) führen.

    Ärzte müssten vor der Verordnung wissen:

    • Wie stark ist das Kortikoid?
    • Wie stark ist die Konzentration?
    • Welche Trägersubstanz kommt zum Einsatz? (Heißt: Worin ist das Kortison untergemischt?)
    • Wie groß sind die Hautstellen, wo die Salbe hinkommt?
    • Wie lange soll die Kortisonsalbe angewendet werden?

    Kortisonsalben – wie lange?

    Roland Niedner war Deutschlands "Kortisonpapst". Er forschte daran, kann die Stärke der verschiedenen Kortison-Präparate und -Wirkstoffe vermutlich im Schlaf sagen und ist dennoch realistisch: "Kortisonsalben sollten nicht zu lange angewendet werden, sonst ist die Psoriasis schwerer weiterzubehandeln."

    Der Arzt und Wissenschaftler, der am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam arbeitete, hat jahrelang von seinen Kollegen keine Nebenwirkungen berichtet bekommen. Dennoch kennt er sie und weiß sie einzuschätzen:

    Die Verdünnung der Haut geht nach der Anwendung wieder weg. Das gleiche gilt für eine Akne oder eine periorale Dermatitis, die der Akne ähnelt. Eine übermäßige Behaarung der Stellen, wo Kortison geschmiert wurde, verschwindet ebenfalls nach einiger Zeit. Andere Nebenwirkungen wie Pseudo-Narben oder eine Hyperpigmentierung sind ebenfalls später nicht mehr zu sehen. Die schwerste Nebenwirkung von zuviel Kortison ist eine Ausweitung der kleinen Blutgefäße unter der Haut, die meist auch deutlich zu sehen ist. Die sind nur mit Laserverfahren zu entfernen. "Glück" für alle Menschen mit einer Psoriasis auf dem Kopf: Dort wurden noch nie Nebenwirkungen von Kortisonsalben oder -lösungen beobachtet. Gaaaaaanz vorsichtig sollte man aber mit der Anwendung von Kortisonsalben an den Ohren sein: Die zählen noch zum Gesicht, wo mit Kortison sehr, sehr, sehr sparsam umgegangen werden sollte.

    Grundregeln für Kortison

    Grundregeln von Roland Niedner sind:

    • Beginne mit dem stärksten Präparat. (Zur Stärke siehe Übersicht)
    • Lass dir von jedem Wirkstoff (siehe Übersicht) ein bis zwei Präparate verschreiben, um testen zu können, was am besten wirkt.
    • Berücksichtige dein Alter. Je älter man ist, um so dünner ist die Haut schon an sich. Dann sind die Blutgefäße auch brüchiger.
    • Begrenze die Therapiedauer.
    • Schleich dich aus der Behandlung aus. Setze Kortisonsalben nach längerer Anwendung, also vier Wochen und länger, nie, nie und niemals nie auf einmal ab. Das heißt: Nimm die Salben dann zunächst nur noch jeden zweiten Tag, später jeden dritten, dann jeden vierten und so weiter und so fort.

    Für Roland Niedner liegt die durchschnittliche Grenze der Behandlung mit Kortisonsalben bei vier Wochen.

    Sein Tipp für das Präparat Daivobet, eine Mischung aus Kortison und Vitamin D3 (Calcipotriol): Man nehme 14 Tage Daivobet, dann längere Zeit Daivonex, und dann noch einmal eine Woche Daivobet.

    In der Genitalgegend ist Kortisonsalbe immer Abwägungssache. Eine Patientin berichtete von guten Erfolgen mit Linoladiol. Mit einer Tube davon sei sie über ein Vierteljahr gekommen, und sie habe es angewendet, obwohl sie ansonsten felsenfest Kortison ablehnt. An dieser empfindlichen Stelle aber wollte sie "Klarheit".

    Salbe oder Creme?

    Kennst du die Frage vom Arzt: "Wollen Sie 'ne Salbe oder 'ne Creme"? Dahinter verbirgt sich nicht nur eine Frage nach einer Annehmlichkeit. Denn: Kortison wirkt, in gleicher Konzentration in Salben eingearbeitet, besser als in Creme. In (alkoholischer) Lösung eingearbeitet, ist die Wirkung noch schwächer.

    Wer auf seine Stellen zunächst die Kortisonsalbe aufträgt und sie dann mit Folie abdeckt, erhöht die Wirkung um das fünf- bis zehnfache. Insbesondere an Händen und Füßen ist die Wirkung enorm, weil dort Kortisonsalben schlechter eindringen als an anderen Körperteilen. Aber: Das ist schon eine "Holzhammer-Methode", mit der man vorsichtig umgehen sollte. Sie sollte höchstens einige Tage (vorzugsweise Nächte) angewendet werden und dann auch mit dem "Ausschleichen" der Kortisonsalbe beendet werden. Ein Tipp für die Hände: Es gibt in der Apotheke Folien-Handschuhe, die die Behandlung "bequemer" machen.

    Kortisonsalben der "vierten Generation"

    • Wirkstoff: Hydrocortison-Aceponat; Handelsname: Retef
    • Wirkstoff: Hydrocortison-Buteprat; Handelsname: Pandel
    • Wirkstoff: Hydrocortison-Butyrat; Handelsname: Alfason
    • Wirkstoff: Methylprednisolon-Aceponat; Handelsname: Advantan
    • Wirkstoff: Prednicarbat; Handelsname: Dermatop

    Kortison kann Allergien auslösen

    Kontaktekzem, Quaddeln, Juckreiz und zunehmende Rötung oder anaphylaktischer Schock – das Spektrum der Allergie-Symptome ist breit. Verschiedene Kortison-Arten reagieren dabei auch noch untereinander. Wer mehr darüber wissen möchte, lese den kompletten Bericht der Medical Tribune Online.

    Wie gut dringt Kortison-Salbe wo ein?

    (fachmännisch: Penetrationsverhältnisse und Atrophieverhältnisse für Dermokortikoide, nach Feldmann/Maibach)

    Wo? Wie stark?

    • Kopfhaut: 3,5
    • Stirn: 6,0
    • Kieferwinkel: 13
    • Rücken: 1,7
    • Achselhöhle: 3,6
    • Unterarm dorsal (außen): 1,1
    • Unterarm ventral (innen): 1
    • Handfläche: 0,8
    • Skotum (Geschlechtsteilgegend): 43,0
    • Knöchel: 0,4
    • Fußsohle: 0,1

    Quellen:

    • Forschung und Praxis (177/1994)
    • Vortrag von Professor Niedner in Berlin (Januar 2003) u.v.a.

    Du möchtest mehr wissen?

    Unsere Arbeit wird fast ausschließlich durch freiwillige Spenden unserer Leser und Nutzer finanziert. Das ermöglicht es uns, über all das zu berichten, was einen Menschen mit Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis interessieren könnte und dabei auf Sponsoring oder Werbung zu verzichten. Mit Deiner Unterstützung können wir noch mehr recherchieren, mehr Hintergründe liefern - und uns stärker für die Belange von Hautkranken einsetzen.

    Unterstütze unsere Arbeit jetzt mit Deiner Spende.

    User Feedback

    Recommended Comments

    es ist weniger ein kommentar als eine frage: mir wurde kortison im gesicht verordnet, da ich dort einen ausschlag hatte. es half sehr und er meinte ich solle die creme solange nehmen bis es nicht mehr zu sehen ist. ich nehme sie jetzt schon ca 2 monate, 2 mal pro tag. heute bin ich zu einem anderen arzt gegenagne und er meinte ich müsse sie sofort absetzten und das danach zwar der auschlag doppelt so schlimm sei ich da aber durch muesse. er sagte dieser ausschlag kann auch fuer immer bleiben, er vermutet die stuardessen krankheit bei mir. ich bin 17 und würde ungern so rumlaufen. da wollte ich fragen ob es irgendetwas gibt was dies verhindert. ich bin es satt von arzt zu arzt zu laufen wo jeder etwas anderes sagt.

    Link to comment
    Share on other sites

    "Sofort absetzen" ist vielleicht nicht ganz die richtige Lösung - ein so genanntes Ausschleichen kann verhindern, dass der Ausschlag doppelt so schlimm wiederkommt. ("Ausschleichen" heißt in diesem Fall: für einige Tage nur noxh 1x/Tag, dann nur noch alle 2 Tage, dann nur noch alle 3 Tage...)

    Gab es denn die eindeutige Diagnose "Schuppenflechte"? Gibt es in der Familie Menschen, die Schuppenflechte haben?

    Link to comment
    Share on other sites

    Ich habe auch noch eine Frage zu Cortison. Ich hatte vor 3 Monaten eine starke vaginalpilzinfektion und habe von meiner Hautärztin vobaderm verschrieben bekommen (cortison: flupredniden). Diese Creme habe ich 5 Tage lang angewendet und leider auch immer ein bisschen zu dick aufgetragen. Jetzt fühlt sich meine Schleimhaut und die umgebende Haut sehr dünn an und ist sehr Kälteempfindlich. Seit 3 Monaten hat sich das Ganze leider auch nicht wirklich verbessert. Ich habe solche Angst, dass ich jetzt einebbleibende Hautathrophie habe, die sich nicht mehr regeneriert. Bleibt die jetzt mein ganzes Leben so?

    Link to comment
    Share on other sites



    Join the conversation

    You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.
    Note: Your post will require moderator approval before it will be visible.

    Guest
    Add a comment...

    ×   Pasted as rich text.   Paste as plain text instead

      Only 75 emoji are allowed.

    ×   Your link has been automatically embedded.   Display as a link instead

    ×   Your previous content has been restored.   Clear editor

    ×   You cannot paste images directly. Upload or insert images from URL.


  • Welcome!

    psoriasis-netz-icon.pngDo you feel alone with your psoriasis? Does psoriasis arthritis still bother you? Get support and tips from people like you.

  • Similar Content

    Enstilar ist ein Schaum zur Behandlung der Schuppenflechte. Er enthält die Wirkstoffe Calcipotriol und Betamethason –...
    MomeGalen Creme
    Arzneimittel
    Die MomeGalen Creme 1 mg/g ist zur Behandlung von Stellen der Schuppenflechte oder bei Dermatitis gedacht. Der wichti...
    Guten Tag, seit gut 3 Jahren habe ich leichte Probleme mit Schuppenflechte. Ich hatte zwei kleine Stellen auf dem Kop...
    "Im Herbst geht es immer richtig los", weiß Simone (35). Neben der Psoriasis diagnostizierten die Ärzte bei ihr auch ...

Willkommen

Willkommen in der Community für Menschen mit Schuppenflechte und Psoriasis arthritis. Ohne Werbung, ohne Tracking, aber mit ganz viel Herz 💛

×
×
  • Create New...

Important Information

We have placed cookies on your device to help make this website better. You can adjust your cookie settings, otherwise we'll assume you're okay to continue.