Was Psoriasis-Patienten zur Corona-Impfung wissen sollten

Impfstoffe gegen Covid-19 sind da oder bald auf dem Markt. Können Menschen mit Schuppenflechte genauso geimpft werden wie alle anderen? Für den Berufsverband der Deutschen Dermatologen hat Dr. Ralph von Kiedrowski eine Stellungnahme abgegeben. Er arbeitet als Hautarzt in Selters.

Wer eine chronisch-entzündlichen Hauterkrankung hat, sollte demnach alle Impfungen haben, die die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Institutes empfiehlt. Das gilt für alle Patienten, ob nun mit oder ohne Therapie. Optimal ist, wenn man mit der Impf-Runde durch ist, bevor die Behandlung mit einem Medikament beginnt. Aber auch während der Therapie kann die Impf-Serie fortgesetzt oder begonnen werden, so lange es sich um einen Totimpfstoff handelt.

Besonders wichtig sind die Pneumokokken- und die Grippeschutz-Impfung. Der Grund: Beide Krankheiten können sehr schwer verlaufen, und sogenannte Sekundärinfektionen haben dann leichteres Spiel. Das heißt: Eine bakterielle Infektion der Atemwege kann sich auf die Grippe obendraufsetzen. Laut Dr. von Kiedrowski gibt es sogar Hinweise darauf, dass Menschen mit Grippe-Impfung ein geringeres Risiko haben, sich mit Corona-Viren zu infizieren, als die, die nicht geimpft wurden.

Totimpfstoffe sind einsetzbar

Vor der Zulassung der Covid-19-Impfstoffe wurden mehrere zehntausend Personen kontrolliert geimpft. Aber natürlich kann es noch keine Daten geben, wie sicher und wirksam die Impfstoffe bei Menschen mit chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen im Allgemeinen und innerlicher Therapie im Besonderen sind. So kann also nur das gelten, was schon bekannt ist: Totimpfstoffe sind laut Dr. von Kiedrowski „uneingeschränkt geeignet und einsetzbar“. Und ganz klar sagt er: „Ein mRNA-Impfstoff wie der von den Firmen Biontech und Pfizer ist keine Lebendimpfung. Es handelt sich auch nicht um eine ,Gentherapie‘.“

Eine mRNA beeinflusst oder verändert nicht die menschliche DNA (= das Genom), sondert liefert nur eine Art Bauanleitung für Virus-Bestandteile, zum Beispiel für Oberflächenproteine wie das Spike-Protein. Der geimpfte Mensch kann so vorübergehend selbst Virus-Eiweiß-Teile produzieren, aber kein komplettes Virus, gegen die das eigene Immunsystem dann schützende Antikörper bilden kann.

Dr. Ralph von Kiedrowski, Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V.

Grundsätzlich sollte die Immunsupression – also die Unterdrückung des Immunsystems durch Medikamente – so gering wie möglich sein, damit die Impfung so gut wie möglich wirkt. Gemeint sind damit Medikamente, die bei der Behandlung der Schuppenflechte ohnehin nicht mehr so weit verbreitet sind – innerliches Kortison oder Ciclosporin A zum Beispiel.

Bei immunmodulierenden Wirkstoffen dagegen ist die Wirkung des Impfstoffes nicht beeinträchtigt. Zu diesen Medikamenten zählen die Biologika.

Alles in allem sollte eine aktuelle Behandlung der Schuppenflechte nicht verändert werden, empfiehlt der Berufsverband.

Wann sollte die Impfung stattfinden?

Wenn die Schuppenflechte-Behandlung schon läuft, sollte die Impfung in die Mitte zwischen zwei Spritzen-Terminen gelegt werden. Die Psoriasis-Therapie sollte dann frühestens zwei, besser aber erst vier Wochen nach dem letzten Impf-Pieks weitergeführt werden.

Bei Therapien, die wöchentlich, täglich oder sogar mehrmals täglich angewendet werden, gibt es keine speziellen Empfehlungen. Dr. von Kiedrowski empfiehlt, dann vor und nach der Impfung die gleiche Zeit vergehen zu lassen. Das heißt: Vor der Impfung sollten zwei bis vier Wochen Therapie-Pause liegen, danach ebenso.

Beispiele aus der Praxis

MTX, Cosentyx oder Taltz

Bei MTX und Biologika, die im Abstand von vier Wochen gegeben werden, erfolgt die Corona-Impfung zwei Wochen nach der letzten Medikamenten-Gabe. Drei weitere Wochen später steht die zweite Impfung an. Nach zwei bis vier weiteren Wochen ist die nächste Psoriasis-Therapie dran.

Stelara, Skyrizi oder Ilumetri

Für Biologika, die im Abstand von 12 Wochen gegeben werden, erfolgt die Corona-Impfung sechs Wochen nach der letzten Medikamenten-Gabe. Drei weitere Wochen später steht die zweite Impfung an. Die Psoriasis-Therapie ist dann zum gewohnten Zeitpunkt dran oder wird noch um eine Woche nach hintern verschoben, wenn man vier Wochen Abstand zwischen Impfung und Biologikum haben will.

Für andere Medikamente gibt es kein Rechen-Beispiel. Jeder Hautarzt oder Rheumatologe kann aber bei seinem Berufsverband nachfragen, wenn er unsicher ist.

Tipps zum Weiterlesen

  • Die Allgemeinärztin Dr. Ulrike Koock hat in ihrem Blog „Schwesterfraudoktor“ 10 Fragen aufgeschrieben und beantwortet, die ihre Patienten immer wieder stellen.
  • Dr. Marc Hanefeld hat sich mit der Kritik an der mRNA-Impfung beschäftigt.
  • Martin Moder von den Science Busters macht ohnehin großartige Videos. Inzwischen hat er auch allerlei rund um das Thema Corona sehr griffig erklärt. Ein Ausflug zu seinem YouTube-Kanal ist deshalb sowieso alle paar Tage zu empfehlen.

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