Ilumetri – was ist das und wie wird es angewendet?

Ilumetri ist ein Medikament zur Behandlung der Schuppenflechte. Sein Wirkstoff heißt Tildrakizumab. Es laufen Studien, in denen untersucht wird, ob das Medikament auch bei Psoriasis arthritis angewendet werden kann.

Ilumetri ist seit September 2018 in der EU für die mittelschwere bis schwere Psoriasis vulgaris zugelassen. Hersteller ist die Firma Almirall.

Der Wirkstoff Tildrakizumab zielt auf das Interleukin-23 – wie auch Tremfya bzw. dessen Wirkstoff Guselkumab. Anfangs hieß die Substanz auch MK-3222 oder SCH-900222. Es handelt sich dabei um eine Injektion.

Ilumetri wird am Anfang einmal, noch einmal nach vier Wochen und im „Dauerbetrieb“ alle drei Monate gespritzt.

Vor der Therapie

Tuberkulose: Vor der Behandlung mit diesem Medikament sollte ein Tbc-Test gemacht werden. Besteht eine latente Tuberkulose, muss die zuerst behandelt werden. Erst danach kann mit der Ilumetri-Therapie begonnen werden. Während der Behandlung muss auf Anzeichen von Tbc geachtet werden. Patienten mit einer aktiven Tuberkulose sollen Ilumetri nicht bekommen.

Impfungen: Vor Beginn einer Behandlung mit Tremfya sollten alle Impfungen absolviert werden, die üblich sind. Während der Therapie sollte eine Impfung mit Lebendimpfstoffen vermieden werden.

Anwendung

Ilumetri wird unter die Haut gespritzt. Dabei sollte nicht jedesmal die gleiche Stelle des Körpers gewählt werden. Es wird nicht direkt in Psoriasis-Stellen injiziert und auch nicht in schmerzempfindliche, entzündete, rote, dicke oder schuppige Bereiche.

Wenn einem die Anwendung einmal vom Arzt oder einer sachkundigen Person gezeigt wurde, kann man Ilumetri selbst spritzen.

Aber Achtung: Die Spritze darf nicht geschüttelt werden! Und: Jede Spritze wird nur einmal benutzt.

Dosierung

Empfohlen wird eine Dosis von 100 mg Ilumetri pro Anwendung. Bei einer sehr starken Schuppenflechte oder bei Menschen mit Gewicht von mehr als 90 Kilogramm könnte eine Dosis von 200 mg wirksamer sein.

Ist die Psoriasis nach 28 Wochen noch nicht überzeugend besser geworden, ist Ilumetri vermutlich nicht das richtige Medikament. Dann sollte man mit dem Arzt über ein Absetzen der Therapie sprechen. Aber: Eine nur leichte Besserung könnte sich noch steigern, wenn die Behandlung doch weitergeführt wird.

Nebenwirkungen von Ilumetri

In den Studien mit Ilumetri traten Fälle von Angioödemen und Urtikaria auf. Wer die bei sich beobachtet, sollte das Medikament absetzen und diese Erkrankungen behandeln.

Ilumetri kann auch das Infektionsrisiko erhöhen, insbesondere an den oberen Atemwegen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören auch eine Reaktion an der Injektionsstelle und Durchfall. Davon berichteten mehr als 1 Prozent der Studienteilnehmer. Bei einer geringeren Zahl der Teilnehmer traten auch Schwindel und Schmerzen in den Extremitäten auf.

Die Nebenwirkungen von Ilumetri bzw. Tildrakizumab in Tabellenform:

Sehr häufigInfektionen der oberen Atemwege
HäufigKopfschmerzen
Gastroenteritis
Übelkeit
Durchfall (Diarrhö)
Schmerzen an der Injektionsstelle
Rückenschmerzen

Entwicklung und Zulassung von Tildrakizumab

Entwickelt wurde Tildrakizumab zunächst von der Firma Merck. Im September 2014 kaufte die Firma Sun Pharma die Rechte (nicht nur an Tildrakizumab). Für Europa hat die Firma Almirall die Rechte an der Entwicklung und dem Vertrieb von Tildrakizumab erworben.

Einzelheiten über die aktuellen Studien sind im Verzeichnis von klinischen Studien in Europa zu finden.

Im November 2015 war der Wirkstoff auch Thema in der Sendung „Hauptsache gesund“ im mdr.

Im März 2018 wurde das Medikament in den USA unter dem Namen Ilumya zugelassen. In Europa wird es Ilumetri heißen. Mit einer Zulassung in Europa wird Ende 2018 gerechnet. Die Empfehlung sprach das Beratergremium der EMA Ende Juli aus.

Studien zu Ilumetri

Die wichtigsten Studien, mit denen die Zulassung beantragt wurde, hießen reSURFACE 1 und reSURFACE 2.

An reSURFACE 1 nahmen 1772 Patienten teil. Ein Teil bekam 200 mg Tildrakizumab, ein anderer die Hälfte. Eine dritte Gruppe bekam ein Placebo.

Eine 75-prozentige Besserung ihrer Schuppenflechte hatten nach 12 Wochen

  • 62 Prozent der Teilnehmer mit 200 mg
  • 64 Prozent der Teilnehmer mit 100 mg
  • 6 Prozent der Teilnehmer mit einem Placebo

An reSURFACE 2 nahmen 1090 Patienten teil. Wieder bekam ein Teil 200 mg Tildrakizumab, ein anderer 100 mg und ein dritter ein Placebo. Außerdem bekamen diesmal weitere Teilnehmer den Wirkstoff Etanercept, der zum Beispiel in Enbrel arbeitet.

Eine 75-prozentige Besserung ihrer Psoriasis bemerkten nach 12 Wochen

  • 66 Prozent der Teilnehmer mit 200 mg
  • 61 Prozent der Teilnehmer mit 100 mg
  • 48 Prozent der Teilnehmer mit Etanercept
  • 6 Prozent der Teilnehmer mit einem Placebo

Während dieser Studie starb ein Patient. Der hatte eine alkoholische Herzmuskel-Erkrankung. Letztendlich konnte der genaue Grund für seinen Tod nicht ermittelt werden.

Preis

Die Kosten für eine Packung mit einer Spritze Ilumetri bzw. 100 mg Tildrakizumab belaufen sich auf 5110,81 Euro (Stand März 2020).

Kurz gemeldet

  • Oktober 2019: Hersteller Almirall hat Langzeitdaten zu Tildrakizumab vorgelegt. Demnach zeigten sich auch bis zu fünf Jahre nach Beginn einer Therapie keine anderen Sicherheitsprobleme als in den „kurzen“ ersten Studien. Auch die Wirkung war nach vier Jahren ähnlich wie zu Beginn. [Quelle]
  • November 2018: Die Markteinführung von Ilumetri startet. (Quelle: apotheke adhoc)

Tipps zum Weiterlesen

Quellen

Bildquellen

  • Ilumetri – Packung und Spritze: Hersteller
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4 Kommentare

  1. Noch eine Spritze? Wieviele Spritzen/Mittelchen gegen Schuppenflechte gibt es inzwischen eigentlich? Und hat man denn inzwischen etwas zu den Ursachen veröffentlicht???
    „Während dieser Studie starb ein Patient.“ Für mich ein Grund, genau abzuwägen, ob man sich diese Substanz in den Organismus injiziert. „Der hatte eine alkoholische Herzmuskel-Erkrankung.“ Aha. „Letztendlich konnte der genaue Grund für seinen Tod nicht ermittelt werden.“ Ein Grund mehr abzuwägen, da die Spritze als Ursache nicht ausgeschlossen wurde.

    • Ja, es gibt einige Spritzen und „Mittelchen“ gegen Schuppenflechte, und das ist auch sehr, sehr gut so. Ja, die Medikamente behandeln „nur“ die Symptome, die die Folge einer übersteigerten Reaktion des Immunsystems sind. *Warum* das Immunsystem so reagiert, das ist noch immer (nach unserem Wissen) nicht klar.

      Ja, jeder muss abwägen, für welches Medikament oder für welche Therapie er sich entscheidet oder welches Risiko er eingeht. Übrigens geht man auch ein Risiko ein, wenn man die (schwere) Psoriasis nicht behandelt.

  2. Ich bekomme Illumetri seit Mai 2019. Zuerst hat sich rein gar nichts getan, aber jetzt werden meine Stellen immer heller. Die Nebenwirkungen sind kaum vorhanden. Ich habe vorher MTX gespritzt. Da hatte ich bedeutend mehr. Ich hoffe das sich nach der dritten Spritze die Haut komplett erholt und abheilt und die Wirkung nicht nachlässt.

    • Ich habe Psoriasis vulgaris Pasi 10. Seit 2006 wurde ich Fumaderm behandel, anfangs mit guten Ergebnissen, dann aber kam es zu einem Wirkverlust.
      4 Jahre wurde ich mit Tildrakizumab jetzt Ilumetri im Rahmen einer Klinischen Studie Phase 3 behandelt.
      Nach ca. einem 1/2 Jahr war ich so gut wie frei. Alle 12 Wochen eine Spritze,, bei mir sehr gut Verträglichkeit.
      Wie neu geboren.
      Die Studie wurde regulär beendet und das Medikament ist nun auf dem Markt.
      Nach einem 1/2 Jahr fing die Haut wieder an und nun lass ich mir die Spritze ca. alle 6 Monate verschreiben. Meine Krankenkassse übernimmt zum Glück die Kosten.

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