Taltz – was ist das und wie wird es angewendet?

Taltz

Das Medikament Taltz ist seit April 2016 in Europa zugelassen. In Deutschland kam es im Frühjahr 2017 auf den Markt. Der Grund für die Verzögerung waren noch laufende Studien, in denen Taltz gegen andere Medikamente antreten musste, um einen Vergleich ziehen zu können.

Taltz ist ein Medikament aus der Gruppe der Biologika. Bei Taltz handelt es sich um einen gentechnisch hergestellten humanen Antikörper gegen Interleukin-17A. Der Wirkstoff in Taltz heißt Ixekizumab. Das Medikament wird als Injektion unter die Haut verabreicht – also in einer Spritze oder einem Pen.

Bei welcher Erkrankung wird Taltz angewandt?

Das Medikament ist für die Therapie einer mittelschweren bis schweren Schuppenflechte bei Erwachsenen zugelassen.

Wirkmechanismus

Der Wirkstoff Ixekizumab hemmt das Interleukin 17A, das ansonsten bei der Schuppenflechte immer und immer wieder für Entzündungen sorgt.

Wie wird Taltz angewandt?

Beim ersten Mal werden zwei Spritzen bzw. Pens verabreicht, danach geht es mit einer Spritze bzw. einem Pen weiter. Anfangs wird Taltz siebenmal alle zwei Wochen gegeben. Danach, also nach etwa einem viertel Jahr, ist die Prozedur alle vier Wochen nötig.

Wann darf Taltz nicht eingenommen werden?

Das Medikament soll nicht eingenommen, wenn „klinisch relevante aktive Infektionen“ vorliegen. Eine aktive Tuberkulose schließt die Anwendung von Taltz deutlich aus. Wer eine latente Tuberkulose hat, sollte vor der Anwendung von Taltz eine Anti-TB-Therapie absolvieren.

Worauf müssen Arzt und Betroffener besonders achten?

Arzt und Patient müssen vor allem auf die oben schon genannten Infektionen achten. In den Studien zur Zulassung des Wirkstoffs traten mehr Infektionen auf, zum Beispiel solche der oberen Atemwege oder eine Pilzinfektion an der  Mundschleimhaut. Auch eine Entzündung der Bindehaut (Konjunktivitis) und eine Pilzinfektion an Haaren, Nägeln oder der Haut (Tinea) wurden öfter beschrieben.

Taltz in Schwangerschaft und Stillzeit

In Sachen Schwangerschaft ist die Fachinformation zu Taltz deutlich:

Schwanger werden: „Frauen im gebärfähigen Alter sollen während und für mindestens 10 Wochen nach der Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.“

Schwanger sein: „Als Vorsichtsmaßnahme soll die Anwendung von Taltz während der Schwangerschaft möglichst vermieden werden.“

Stillen: „Es muss eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob entweder das Stillen oder die Behandlung mit Taltz zu unterbrechen ist. Dabei ist sowohl der Nutzen des Stillens für das Kind als auch der Nutzen der Therapie für die Frau zu berücksichtigen.“

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Sehr häufig (mehr als einer von 10 Behandelten)

  • Infektionen der oberen Atemwege
  • Reaktionen an der Injektionsstelle

Häufig (mehr als einer von 100 Behandelten)

  • Tinea-Infektion
  • Oropharyngeale Schmerzen
  • Übelkeit

Gelegentlich (mehr als einer von 1000 Behandelten)

  • Influenza
  • Rhinitis
  • Orale Candidose
  • Konjunktivitis
  • Phlegmone
  • Neutropenie
  • Thrombozytopenie
  • Urtikaria

Wechselwirkungen

Der Wirkstoff in Taltz kann die Arbeit des Enzyms CYP450 im Körper beeinflussen. Wer Medikamente nimmt, die mit diesem Enzym „zusammenarbeiten“, sollte seinen Arzt fragen, ob deren Dosis angepasst werden muss oder kann. Das kann zum Beispiel bei Gerinnungshemmern so sein.

Was sollte man sonst noch wissen?

Fragen Sie Ihren Arzt nach den notwendigen Laboruntersuchungen – und gehen Sie zu diesen auch hin. Der Grund: 9 Prozent der Patienten, die in Studien mit Taltz behandelt wurden, entwickelten eine Neutropenie – eine Verminderung von Verminderung der neutrophilen Granulozyten im Blut. Im Allgemeinen musste Taltz trotz der Neutropenie nicht abgesetzt werden. Trotzdem: Eine Laboruntersuchung kann wichtig sein, um eine Neutropenie zu erkennen. Und: Bei 3 Prozent der Patienten, die mit Taltz behandelt wurden und vorher einen normalen Ausgangswert der Thrombozytenzahl hatten, verminderte sich diese Zahl deutlich.

Ungefähr 9 bis 17 Prozent der Patienten entwickelten in Studien Antikörper gegen den Wirkstoff Ixekizumab. Die Mehrzahl dieser Patienten sprach trotzdem auf Taltz an. Bei einem Prozent allerdings führten diese Antikörper dann doch dazu, dass die Konzentration des Wirkstoffs und das Ansprechen auf die Therapie gering waren.

Lagerung

Die Spritze bzw. der Pen gehört in den Kühlschrank bei 2 bis 8 °C. Das Tiefkühlfach ist allerdings der falsche Ort fü die Aufbewahrung. Das Medikament sollte in seiner Originalverpackung in den Kühlschrank gelegt werden, damit es vor Licht geschützt ist. Wer Taltz zum Beispiel mit auf Reisen nimmt, kann es bis zu fünf Tage ungekühlt aufbewahren, dann aber maximal bei 30 °C.

Wissenswertes zum Medikament

Der Hersteller erzielte im Jahr 2016 mit Taltz weltweit 113,1 Millionen US-Dollar Umsatz.

Die Kosten für eine Packung mit zwei Pens oder Spritzen belaufen sich in Deutschland auf 3900 Euro. Dieser Preis kann und wird am Ende durch spezielle Verträge oder Vereinbarungen etwas anders sein – er soll auch nur eine ungefähren Einordnung dienen.

Studiendaten zu Taltz

Für die Zulassung von Taltz wurden Studien mit mehr als 3800 Patienten in 21 Ländern durchgeführt. Einmalig zum Start kam die doppelte Dosis zum Einsatz, danach bekamen die Probanden den Wirkstoff entweder alle 2 oder alle 4 Wochen. Taltz wurde mit der Wirkung einer Placebo-Spritze und mit Etanercept (Enbrel; 50 mg zweimal pro Woche) verglichen.

Der Wirkstoff Ixekizumab zeigte in beiden Vergleichsgruppen nach drei Monaten „statistisch deutliche und klinisch relevante Wirkungen“, schreibt der EMA-Ausschuss in einer Mitteilung. Er macht das am PASI 75 und am PGA fest. Auch eine 90- oder gar 100-prozentige Besserung der Psoriasis-Symptome war demnach statistisch häufiger zu sehen als beim Placebo oder bei Enbrel.

In den Studien mit dem Titel „UNCOVER-2“ und „Uncover-3“ wurde unter anderem ermittelt, um wie viel Prozent die Psoriasis nach drei Monaten besser geworden war:

Quelle: „Comparison of ixekizumab with etanercept or placebo in moderate-to-severe psoriasis (UNCOVER-2 and UNCOVER-3): results from two phase 3 randomised trials“; Professor Christopher E. M. Griffiths et.al. in „The Lancet“, 08.08.2015 bzw. Angaben des Herstellers

Im Januar 2016 meldete der US-Konzern seine (Finanz-)Ergebnisse. Unter anderem wurde erklärt, dass Patienten mit Psoriasis arthritis in einer 24 Wochen langen Studie mit Ixekizumab eine deutliche Verbesserung der Anzeichen und Symptome verspürten – verglichen mit einem Placebo-Medikament. Die Gelenkzerstörungen wurden langsamer, die physischen Funktionen und „nebenbei“ die Hauterscheinungen besser.

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