Ilumetri – was ist das und wie wird es angewendet?

Spritze an Bauch

Ilumetri ist ein Medikament zur Behandlung der Schuppenflechte. Sein Wirkstoff heißt Tildrakizumab.

Ilumetri ist seit September 2018 in der EU für die mittelschwere bis schwere Psoriasis vulgaris zugelassen. Der Hersteller geht davon aus, dass das Biologikum spätestens Mitte November 2018 in Deutschland auf dem Markt sein wird und dann verschrieben werden kann. Der Wirkstoff zielt auf das Interleukin-23 – wie auch Tremfya bzw. dessen Wirkstoff Guselkumab. Anfangs hieß die Substanz auch MK-3222 oder SCH-900222. Es handelt sich dabei um eine Injektion. Sie wird am Anfang einmal, noch einmal nach vier Wochen und im „Dauerbetrieb“ alle drei Monate gespritzt.

Studien zu Ilumetri

Die wichtigsten Studien, mit denen die Zulassung beantragt wurde, hießen reSURFACE 1 und reSURFACE 2.

An reSURFACE 1 nahmen 1772 Patienten teil. Ein Teil bekam 200 mg Tildrakizumab, ein anderer die Hälfte. Eine dritte Gruppe bekam ein Placebo.

Eine 75-prozentige Besserung ihrer Schuppenflechte hatten nach 12 Wochen

  • 62 Prozent der Teilnehmer mit 200 mg
  • 64 Prozent der Teilnehmer mit 100 mg
  • 6 Prozent der Teilnehmer mit einem Placebo

An reSURFACE 2 nahmen 1090 Patienten teil. Wieder bekam ein Teil 200 mg Tildrakizumab, ein anderer 100 mg und ein dritter ein Placebo. Außerdem bekamen diesmal weitere Teilnehmer den Wirkstoff Etanercept, der zum Beispiel in Enbrel arbeitet.

Eine 75-prozentige Besserung ihrer Psoriasis bemerkten nach 12 Wochen

  • 66 Prozent der Teilnehmer mit 200 mg
  • 61 Prozent der Teilnehmer mit 100 mg
  • 48 Prozent der Teilnehmer mit Etanercept
  • 6 Prozent der Teilnehmer mit einem Placebo

Während dieser Studie starb ein Patient. Der hatte eine alkoholische Herzmuskel-Erkrankung. Letztendlich konnte der genaue Grund für seinen Tod nicht ermittelt werden.

Nebenwirkungen von Ilumetri

In den Studien mit Ilumetri traten Fälle von Angioödemen und Urtikaria auf. Wer die bei sich beobachtet, sollte das Medikament absetzen und diese Erkrankungen behandeln.

Ilumetri kann auch das Infektionsrisiko erhöhen, insbesondere an den oberen Atemwegen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören auch eine Reaktion an der Injektionsstelle und Durchfall. Davon berichteten mehr als 1 Prozent der Studienteilnehmer. Bei einer geringeren Zahl der Teilnehmer traten auch Schwindel und Schmerzen in den Extremitäten auf,

Vor der Therapie

Tuberkulose: Vor der Behandlung mit diesem Medikament sollte ein Tbc-Test gemacht werden. Besteht eine latente Tuberkulose, muss die zuerst behandelt werden. Erst danach kann mit der Ilumetri-Therapie begonnen werden. Während der Behandlung muss auf Anzeichen von Tbc geachtet werden. Patienten mit einer aktiven Tuberkulose sollen Ilumetri nicht bekommen.

Impfungen: Vor Beginn einer Behandlung mit Tremfya sollten alle Impfungen absolviert werden, die üblich sind. Während der Therapie sollte eine Impfung mit Lebendimpfstoffen vermieden werden.

Entwicklung und Zulassung

Entwickelt wurde Tildrakizumab zunächst von der Firma Merck. Im September 2014 kaufte die Firma Sun Pharma die Rechte (nicht nur an Tildrakizumab). Für Europa hat die Firma Almirall die Rechte an der Entwicklung und dem Vertrieb von Tildrakizumab erworben.

Einzelheiten über die aktuellen Studien sind im Verzeichnis von klinischen Studien in Europa zu finden.

Im November 2015 war der Wirkstoff auch Thema in der Sendung „Hauptsache gesund“ im mdr.

Im März 2018 wurde das Medikament in den USA unter dem Namen Ilumya zugelassen. In Europa wird es Ilumetri heißen. Mit einer Zulassung in Europa wird Ende 2018 gerechnet. Die Empfehlung sprach das Beratergremium der EMA Ende Juli aus.

Weiterlesen

Quellen

Bildquellen

  • Spritze an Bauch: jes2uphoto / Fotolia

2 Kommentare

  1. Noch eine Spritze? Wieviele Spritzen/Mittelchen gegen Schuppenflechte gibt es inzwischen eigentlich? Und hat man denn inzwischen etwas zu den Ursachen veröffentlicht???
    „Während dieser Studie starb ein Patient.“ Für mich ein Grund, genau abzuwägen, ob man sich diese Substanz in den Organismus injiziert. „Der hatte eine alkoholische Herzmuskel-Erkrankung.“ Aha. „Letztendlich konnte der genaue Grund für seinen Tod nicht ermittelt werden.“ Ein Grund mehr abzuwägen, da die Spritze als Ursache nicht ausgeschlossen wurde.

    • Ja, es gibt einige Spritzen und „Mittelchen“ gegen Schuppenflechte, und das ist auch sehr, sehr gut so. Ja, die Medikamente behandeln „nur“ die Symptome, die die Folge einer übersteigerten Reaktion des Immunsystems sind. *Warum* das Immunsystem so reagiert, das ist noch immer (nach unserem Wissen) nicht klar.

      Ja, jeder muss abwägen, für welches Medikament oder für welche Therapie er sich entscheidet oder welches Risiko er eingeht. Übrigens geht man auch ein Risiko ein, wenn man die (schwere) Psoriasis nicht behandelt.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*