Xeljanz – was ist das und wie wird es angewendet?

Xeljanz ist der Handelsname eines Arzneimittels zur Therapie der aktiven Psoriasis arthritis, der Rheumatoiden Arthritis und der Colitis ulcerosa. Der Wirkstoff darin heißt Tofacitinib. In ersten Tests hieß die Substanz CP-690,550, zwischendurch auch mal Tasocitinib.

Es handelt sich um eine runde weiße Tablette.

Das Medikament ist rezeptpflichtig.

Hersteller ist die Firma Pfizer Pharma.

Wirkmechanismus

Xeljanz ist kein Biologikum, sondern gehört eher zu den Basismedikamenten und da zu den neueren Januskinase-Hemmern, kurz: JAK-Hemmern.

Im menschlichen Körper sind mehrere Eiweiße aktiv, die Januskinasen heißen und durchnumeriert sind. Vereinfacht gesagt verhalten sie sich wie Türsteher, wobei jeder für andere Dinge zuständig ist. Kommt zum Beispiel ein Bote mit einem Entzündungsstoff, nimmt der Türsteher die Botschaft entgegen und leitet sie in die Zellen weiter.

Tofacitinib kümmert sich um JAK1 bis JAK3 – konkreter: Es blockiert die drei. Die Botschaft versackt also einfach und kommt nicht in die Zellen.

Anwendung

Bei Psoriasis arthritis wird Xeljanz üblicherweise zweimal täglich eingenommen – morgens und abends je eine Tablette mit 5 mg. Hinzu kommt einmal wöchentlich die Therapie mit MTX – außer, es gibt dagegen andere Bedenken. Dann kann Xeljanz auch allein genommen werden.

Ob man das Medikament zum Essen nimmt oder nicht, ist egal.

Wer Probleme mit dem Schlucken hat, kann die Tabletten auch zerkleinern und mit Wasser einnehmen.

Wann darf Xeljanz nicht eingenommen werden?

Menschen mit einer schweren Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Klasse C) dürfen das Medikament nicht einnehmen. Das gleiche gilt für alle mit aktiver Tuberkulose, schweren Infektionen wie einer Sepsis oder opportunistischen Infektionen.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Der Wirkstoff Tofacitinib wird im Körper auf dem gleichen Weg abgebaut wie viele andere Medikamente, darunter so verbreitete wie Ketoconazol oder Fluconazol. Das heißt auch: Alle diese Medikamente drängeln sich auf dem gleichen Weg und es kann zu einem Stau oder zu Raserei kommen – bildlich gesprochen. Dann bleibt unter Umständen zu viel Tofacitinib im Körper oder es wird zu schnell abgebaut. Deshalb sollten Patienten, die eines dieser anderen Medikamente nehmen müssen, nur einmal am Tag eine Tablette Xeljanz nehmen. Welche Medikamente das sind, auf die zu achten ist, weiß der Arzt.

Xeljanz in Schwangerschaft und Stillzeit

Für die Anwendung in der Schwangerschaft oder in der Stillzeit gibt es keine guten Studien. Man hat den Wirkstoff bei Kaninchen und Ratten getestet und gesehen, dass er dort fruchtschädigend wirkte. Außerdem ging er – bei den Tieren – in die Muttermilch über, und da weiß man nicht, wie er sich im Nachwuchs auswirkt. Kurz und gut: Aus Vorsichtsgründen ist Xeljanz in der Schwangerschaft und in der Stillzeit keine Option.

Nebenwirkungen

Die häufigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen waren schwere Infektionen wie Pneumonie, Zellulitis, Herpes Zoster, Harnwegsinfekt, Divertikulitis und Appendizitis. Auch andere Infektionen traten auf.

Während der klinischen Studien traten in den ersten drei Monaten am häufigsten diese Nebenwirkungen auf:

  • Kopfschmerzen
  • Infektionen der oberen Atemwege
  • Nasopharyngitis
  • Durchfall
  • Übelkeit und
  • Bluthochdruck

Fast vier Prozent der Teilnehmer mit Tofacitinib brachen die Studie wegen Nebenwirkungen ab. Häufigste Gründe unter den Infektionen waren Herpes zoster und Lungenentzündung.

Die Werte der Lipide – sowohl vom Cholesterin insgesamt als auch beim HDL- und beim LDL-Cholesterin – stiegen in Studien an. Sie blieben auch während der Behandlung weiter so hoch. Wenn Xeljanz abgesetzt wurde, gingen die Werte wieder zurück.

Nicht in klinischen Studien, aber später berichteten Anwender von Pilzinfektionen.

Was bringt Xeljanz?

Bei allem Wichtigen, was es über die Nebenwirkungen zu wissen gibt, muss natürlich die Chance gesehen werden: Mit Xeljanz kann die Psoriasis arthritis besser werden. Ja, wirklich 🙂

Wie groß die Chancen stehen, wurde vor der Zulassung des Medikamentes in mehreren Studien untersucht.

Ein Ausflug in die Welt der Fachbegriffe

Rheumatologen machen den Erfolg einer Therapie an den sogenannten ACR-Kriterien fest. Damit wird beurteilt, wie sehr sich Schmerzen, Schwellung und Funktionsbeeinträchtigung der Gelenke verbessert haben.

ACR20 heißt dann:

  • Mindestens 20 Prozent weniger Gelenke sind schmerzhaft. Mindestens 20 Prozent weniger Gelenke sind geschwollen.
  • Mindestens drei der fünf folgenden Werte haben sich um 20 Prozent verbessert:
    • die Beurteilung des Arztes, wie aktiv die Krankheit ist
    • die Beurteilung des Patienten, wie aktiv die Krankheit ist
    • der Wert, den der Patient auf einer Schmerz-Skala einordnet
    • ein Wert, der die Funktionsbeeinträchtigungen angibt (HAQ)
    • der Laborwert CRP, der zum Beispiel Entzündungen zeigt

Bei ACR50 bzw. ACR70 wird die 20 immer durch 50 oder 70 ersetzt. Klingt kompliziert, geht für geübte Rheumatologen und ihre Patienten aber ganz schnell, wenn es ausgefüllt werden muss.

In der Studie OPAL BROADEN bekamen einige Teilnehmer ein Scheinmedikament (Placebo), anderen Tofacitinib und weitere Adalimumab. Nach drei, sechs und zwölf Monaten wurde geschaut, wie sehr sich die Symptome der Psoriasis arthritis verbessert hatten.

Eine Besserung ihrer Psoriasis arthritis um 20 Prozent verspürten von den……Teilnehmern mit Tofacitinib…Teilnehmern mit Adalimumab
Nach 3 Monaten50%52 %
Nach 6 Monaten59 %64 %
Nach einem Jahr68 %68 %
Eine Besserung ihrer Psoriasis arthritis um 50 Prozent verspürten von den……Teilnehmern mit Tofacitinib…Teilnehmern mit Adalimumab
Nach 3 Monaten28%33%
Nach 6 Monaten38%42%
Nach einem Jahr45%41%
Eine Besserung ihrer Psoriasis arthritis um 70 Prozent verspürten von den……Teilnehmern mit Tofacitinib…Teilnehmern mit Adalimumab
Nach 3 Monaten17%19%
Nach 6 Monaten18%30%
Nach einem Jahr23%29%
Quelle: Fachinformation

Tipps zum Weiterlesen

Über Tofacitinib allgemein

Über die Anwendung bei Schuppenflechte

Über die Anwendung bei Psoriasis arthritis

Neues über Tofacitinib in Kürze

  • März 2020: Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft warnt in einem „Rote-Hand-Brief“ vor dem Einsatz der hohen Dosis Xeljanz (10 mg zweimal pro Tag). „Bei rheumatoider Arthritis und Psoriasis arthritis sollte die Dosierung von zweimal täglich 5 mg nicht überschritten werden“ heißt es. Grund sind. häufigere Thrombosen in tiefen Venen und in der Lunge. Außerdem sollen Patienten über 65 Jahren das Medikament nur bekommen, „wenn keine geeignete Alternative zur Verfügung steht“. Hier ist der Grund ein zusätzlich erhöhtes Risiko für schwere Infektionen [Quelle].
  • November 2019: Ein Expertengremium hat sich Daten aus einer noch laufenden Studie angesehen und dabei bemerkt, dass die, die neben einer rheumatischen Erkrankung auch ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, unter Xeljanz öfter Thrombosen in tiefen Venen und in der Lunge bekamen – egal, welche Dosis Xeljanz sie nahmen. Diejenigen, die zweimal pro Tag je 10 Milligramm nahmen, hatten ein erhöhtes Risiko, ein Blutgerinnsel zu entwickeln. Leute über 65 entwickelten häufiger tödliche Infektionen. Schlussendlich rät dieses Expertengremium, Xeljanz mit Vorsicht bei Personen mit erhöhtem Thromboserisiko einzusetzen. [Quelle]
  • Frühjahr 2019: Das Medikament kann auch gegen Colitis ulcerosa eingesetzt werden. [Beschluss vom Gemeinsamen Bundesausschuss]
  • Oktober 2015: Die US-Arzneimittelbehörde FDA verweigert dem Hersteller Pfizer im Oktober 2015 die Zulassung für die Behandlung der Schuppenflechte mit Xeljanz, bis weitere Informationen zur Sicherheit des Medikamentes vorliegen. Im August 2016 zog der Hersteller den Antrag auf Zulassung von Xeljanz (für die Psoriasis) in den USA zurück.
  • Juli 2013: In einer Studie wurde die Anwendung von Tofacitinib in einer Salbe getestet. Ergebnis: Sie wurde gut vertragen und wirkte gut.

Quellen:

  • Fachinformation zu Xeljanz (abgerufen im April 2020)

Bildquellen

  • Xeljanz – Wirkstoff: Tofacitinib: Hersteller

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