Kurkuma: Am Ende zählt nur, was im Körper ankommt

Kurkuma mit Curcumin

Wer nach pflanzlichen Alternativen sucht, wird irgendwann auf Kurkuma stoßen. Anbieter behaupten, es sei bei schwerwiegenden Hautkrankheiten wie Schuppenflechte ein „potenzielles Heilmittel“. Schwierig wird es, wenn man unter den Angeboten auswählen soll: Jedes Präparat behauptet von sich, besser als Konkurrenzprodukte vom Körper aufgenommen zu werden. Was ist also dran am „Curry-Gewürz“?

Was ist Kurkuma?

Kurkuma ist ein Ingwer-Gewächs, das ursprünglich aus Indien stammt. Es hat sich in den Tropen und Subtropen verbreitet. Kommerziell angebaut wird es in Südostasien. Auf Deutsch heißt es unter anderem Gelbwurzel, Gelber Ingwer oder Safranwurzel. Geschält werden die gelben Wurzeln als Gewürz und Aroma sowie als Lebensmittel-Farbstoff (E 100) verwendet. Sie geben dem Curry die typische gelbe Farbe. Biologisch aktiv sind die so genannten Curcuminoide. Im Pulver sind davon 75 Prozent Curcumin, 20 Prozent Demethoxy-Curcumin und 5 Prozent Bis-Demethoxy-Curcumin enthalten.

Wirkung nicht bewiesen

Kurkuma wird in der traditionellen Heilkunst der Inder und Chinesen innerlich wie äußerlich bei den unterschiedlichsten Krankheiten eingesetzt. Dass es hilft, ist überliefert. Trotzdem sind subjektive Erfahrungen kein objektiver Wirksamkeitsnachweis. Deshalb muss heutzutage auch für Stoffe der traditionelle (Volks-) Medizin seriös und wissenschaftlich belegt werden, ob und wie sie wirken.

Professor Jan Frank von der Uni Hohenheim ist Ernährungsforscher und der ausgewiesene Curcumin-Experte. Er ist misstrauisch gegenüber den zahlreichen Erfolgsberichten von Kurkuma-Präparaten: „Es gibt viele Studien mit Curcumin an Tieren, aber nur eine kleine Zahl an Menschen – meist mit nur wenig Probanden“, sagt er. „Effekte dürfen aber nur dann behauptet werden, wenn sie im Vergleich zu einer Kontrollgruppe beobachtet wurden. Leider trifft das aber auf viele Studien nicht zu.“ Auch reine Laboruntersuchungen (in-vitro) oder Erkenntnisse aus Tierversuchen seien nicht ohne weiteres auf Menschen übertragbar.

Es gibt nur wenige Studien, in denen die Wirkung von Curcumin auf die Psoriasis untersucht wurde. Die bestätigen abheilende Effekte. Sie sind aber nach heutigen Maßstäben nicht aussagekräftig genug: Erforderlich wären größere Teilnehmerzahlen und eine zufällig zusammengestellte Placebo-Gruppe, ohne dass Arzt und Patient wissen, wer was bekommt.

Curcumin und Psoriasis

Zwei Studien versuchten, diese Anforderung teilweise zu erfüllen.

Studie im Iran

Eine ist 2014 im Iran durchgeführt worden: 34 Patienten mit leichter bis mittelschwerer Psoriasis wurden neun Wochen lang mit einem äußerlichen Curcumin-Mikro-Emulgel behandelt. Im Rechts-/Links-Vergleich verbesserte das Emulgel die Psoriasis „moderat bis akzeptabel“. In einigen Fällen verschwanden die Psoriasis-Stellen völlig.

Studie in Italien

An einer italienischen Studie von 2015 nahmen 63 Probanden mit einer leichten oder mittelschweren Psoriasis teil. Sie wurden weiterhin äußerlich mit einem Kortisonpräparat behandelt. Zusätzlich bekamen alle ein innerliches Präparat: die eine Hälfte ein Curcumin, eingepackt in Soja-Lipid-Nanopartikel; die andere ein Placebo. Nach 12 Wochen waren noch 49 Probanden dabei. In der Gruppe, die zusätzlich Curcumin bekam, hatte sich der PASI-Wert deutlich höher verbessert als in der Placebo-Gruppe.

Die Substanz wird von den Autoren als „ergänzende oder unterstützende Therapie“ empfohlen. Zu bedenken ist, dass die Teilnehmer-Zahl statistisch gesehen gering war. Außerdem wurde diese Studie von einem Anbieter pharmazeutischer Pflanzen-Extrakte in Auftrag gegeben. Kritiker bestreiten, dass Industrie gesponserte Studien objektive Ergebnisse liefern können.

Curcumin wirkt wie Kortison

Wissenschaftlich unangreifbar dagegen ist das Forschungsergebnis von Prof. Alexandra K. Kiemer und Jessica Hoppstädter (Uni-Saarbrücken). Sie haben im Labor an Zellkulturen herausgefunden, wie genau Curcumin wirkt: Es regt das Protein GILZ dazu an, Entzündungsreaktionen zu unterbinden. Der vollständige Name dieses Eiweißes, Glucocorticoid induzierter Leuzin-Zipper weist auf seine Funktion hin: Genau wie Glucocortioide (Kortisone) wirkt GILZ entzündungshemmend. Das Protein hat aber nicht die Kortison-typischen Nebenwirkungen, d.h. es verändert nicht die Zellen. Die beiden Pharmazeutinnen erhoffen sich, dass ihr Forschungsergebnis dazu führt, entzündungshemmende Medikamente ohne Kortison zu entwickeln.

Lebensmittel und Gewürz

Speisen mit reichlich Curry zu essen nutzt leider nichts. Curry ist eine Gewürzmischung, in der nur ein wenig Kurkuma enthalten ist. Das reine Kurkuma enthält auch nur 2 bis 4 Prozent des tatsächlichen Wirkstoffs. Über Lebensmittel kann man also nur verschwindend geringe Mengen Curcumin aufnehmen. Obwohl manche Ernährungsberater anderes verkünden.

Fakt: Körper nimmt Curcumin schlecht auf

Selbst wenn man natürliches Curcumin-Pulver in größerer Menge schlucken würde, kommt davon nicht viel im Körper an. Denn es hat eine extrem niedrige Bioverfügbarkeit. Das bedeutet, von der Substanz wird nur wenig im Körper aufgenommen. Es wird fast vollständig wieder abgebaut (verstoffwechselt) und schnell wieder ausgeschieden. Die Körperzellen können reines Curcumin schlecht aufnehmen. Es ist zwar fettlöslich, löst sich aber unter sauren oder neutralen Bedingungen praktisch nicht im Wasser auf. Prof. Frank weist darauf hin, dass Pflanzenstoffe wie Curcumin trotzdem sehr häufig Gesundheitswirkungen zeigen. „Man weiß nur nicht genau, ob das die Substanzen selber sind oder Stoffwechselprodukte davon“. 

Lösung: Wie Curcumin besser aufgenommen werden kann

Professor Frank hat mit seinem Team erforscht, wie man deutlich mehr Curcumin in die Zellen schaffen könnte, damit es pharmakologisch wirkt. Als sehr erfolgreich hat sich die Idee gezeigt, das fettlösliche Curcumin in kleine, wasserlösliche Bläschen (Mizellen) zu verpacken. In dieser Form kann es als Flüssigkeit ungehindert den Magen-Darm-Trakt passieren, um dann in wässriger Umgebung, wie dem Zell-Inneren, aufgenommen zu werden. 

Seit längerem sind weitere Verfahren auf dem Markt (siehe nächster Absatz). Alle behaupten, die aufgenommene Menge von Curcumin im Körper und ihre Verweildauer zu verbessern. Professor Frank verweist darauf, dass solche Angaben nicht nachprüfbar sind. Zum einen ist der behauptete „Bioverfügbarkeitsfaktor“ („x-mal besser als reines Curcumin“) abhängig von der eingenommenen Menge des Präparats. Je mehr man einnimmt, desto mehr bleibt im Körper. Zum anderen konnte die Wirkdauer bisher in keiner Studie wissenschaftlich stabil gemessen werden. Schließlich, so Frank, sei bisher nur im Tiermodell beobachtet worden, dass eine verbesserte Aufnahme von Curcumin auch zu einer gesteigerten biologischen Wirkung führt. Für Menschen lägen noch keine Ergebnisse vor. Es sei aber bekannt, dass Frauen Curcumin besser aufnehmen würden als Männer. Warum das so ist, sei noch nicht erforscht.

Die Aufnahme von Curcumin soll gesteigert werden durch

  • Ummantelung mit so genannten Mizellen – wasserlöslichen Bläschen (wie in Acurmin Plus, Nova Sol),
  • Ummantelung mit Phospholipiden unterschiedlicher Pflanzen (wie in Meriva, Longvida),
  • Kombination mit Gummi Ghatti und Zerkleinerung in Nanopartikel (wie in Theracurmin Super),
  • Kombination mit Piperin, d.h. schwarzen Pfeffer (wie in Curcuma Piperin forte und viele andere),
  • Kombination mit ätherischen Kurkuma-Ölen (wie in BCM-95),
  • Kombination mit Pepsin (wie in Betaine HCl)

Was bei der Einnahme zu beachten ist

Bei Curcumin-Präparaten muss man einiges bedenken:

  • Sie verursachen bei manchen Magen-Darm-Probleme (Übelkeit, Durchfall). Andere reagieren allergisch darauf.
  • Sie dürfen sie nicht von Menschen eingenommen werden, die zu Gallensteinen neigen.
  • Vorsicht ist geboten, wenn man Medikamente einnimmt, die natürlicherweise nicht-wasserlöslich sind. Curcumin könnte deren Effekte verändern oder Wechselwirkungen hervorrufen.
  • Ebenfalls aufpassen muss man, dass man nicht überdosiert: Die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat festgelegt, wie viel Curcumin man pro Tag maximal aufnehmen sollte: 3 mg pro kg Körpergewicht. Dieser Höchstwert kann mit einigen Präparaten schnell überschritten werden.

Wer also regelmäßig Curcumin einnehmen will, sollte das vorher mit einem Arzt oder Apotheker genau absprechen. 

Zukunftsmusik

Professor Jan Frank ist optimistisch: „Curcumin könnte bei der Vorbeugung und Behandlung einer Vielzahl von degenerativen Erkrankungen, die in der späteren Lebensphase des Menschen auftreten, wirksam sein.“ Dazu zählt er Krebs und Alzheimer. Die Forschung stehe aber erst am Anfang.

Dieser Text erschien in geänderter Form erstmals in der Zeitschrift PSOaktuell 3/2017.

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Über Rolf Blaga 154 Artikel
Rolf Blaga hat bis 2012 als Studienrat in Berlin am Oberstufenzentrum Gesundheit unterrichtet. Seit 1993 ist er aktiv in der Psoriasis-Selbsthilfe tätig, sowohl regional im Psoriasis Forum Berlin als auch überregional in der Psoriasis Selbsthilfe Arbeitsgemeinschaft.

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