Helfende Hand am Baum

Psychotherapie bei Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis – so geht’s

Manchmal sind die Schuppenflechte oder die Psoriasis arthritis so stark, dass die Psyche ebenfalls erkrankt – oder die Erkrankung und das psychische Problem bestehen parallel. Hier erklären wir, wie du zu mehr Entspannung oder zu einer Psychotherapie kommst.

Entspannungs-Übungen – in jedem Stadium gut

Entspannungsübungen können den Alltag mit Schuppenflechte erleichtern. Leider gibt es nicht das eine Entspannungsverfahren, das besonders angeraten ist. Wer so gar nicht weiß, welche Methoden es gibt und wie sie ungefähr funktionieren, kann sich einen Überblick zum Beispiel in Kursen an Volkshochschulen verschaffen oder bei seiner Krankenkasse nach einem Anbieter für entsprechende Kurse fragen. So manche Krankenkasse zahlt dafür einen Zuschuss. Erlernen kannst du sie in Kursen oder oft auch während einer Reha-Maßnahme.

Inzwischen gibt es auch gute, seriöse Apps fürs Smartphone mit Anleitungen – und auch hier zahlt manche Krankenkasse. Ein Anruf dort oder ein Besuch auf der Internetseite lohnen sich.

Bekannte Verfahren sind zum Beispiel das Autogene Training oder die Progressive Muskelentspannung.

Beim Autogenen Training stellt man sich etwas vor und verändert damit Körperfunktionen. „Ich atme gleichmäßig und ruhig“ zum Beispiel kann die Atmung beruhigen. Die Formel „Meine Haut ist ganz ruhig und angenehm kühl“ ist für Menschen mit Schuppenflechte wohl greifbarer.

Bei der progressiven Muskeltentspannung spannt man die Muskeln verschiedener Körperbereiche an und lässt sie langsam wieder locker. Am Ende entspannt das nicht nur das gerade bearbeitete Körperteil, sondern den ganzen Menschen.

Das sind nur zwei Beispiele von vielen.

Psychotherapie

Neben der „physischen“ Behandlung der Schuppenflechte kann eine psychotherapeutische Behandlung für eine Besserung sorgen. Am besten sprichst du darüber mit dem Arzt, mit dem du am besten „kannst“ – das kann der Hausarzt sein, aber auch der Hautarzt. Einige Hautärzte haben eine psychologische Zusatzqualifikation – das ist natürlich eine perfekte Kombination für diesen Fall. Doch es sind nicht viele.
Mit der Suche kann Du bei der Kassenärztlichen Vereinigung deiner Region beginnen. Telefonisch oder auf deren Internetseiten kann man sich zum Beispiel alle Hautärzte mit der Zusatzbezeichnung „Psychotherapie“ nennen lassen. Manchmal heißen die Titel etwas anders, aber die Richtung dürfte klar sein. Auch Krankenkassen haben entsprechende Verzeichnisse, in die die Mitarbeiter bei einem Anruf gucken können.

Wenn du deine Probleme in aller Ruhe abseits des Alltags angehen willst, kannst du auch eine Klinik mit psychosomatischem Schwerpunkt suchen. Wenn dort auch noch die Psoriasis nicht nur nebenbei, sondern gleichwertig behandelt werden soll, wird die Suche schon aufwändiger. Doch es gibt solche Kliniken.

Verfahren der Psychotherapie

Eine Möglichkeit ist eine psychoanalytische Therapie. Dabei werden frühere Erfahrungen aufgearbeitet, die einem als Erwachsener vielleicht immer wieder auf die Füße fallen. Diese Art der Therapie dauert meist sehr lange.

Bei der tiefenpsychologischen Therapie geht es quasi um dasselbe, nur sind die Gesamt-Dauer und die Häufigkeit der Therapiesitzungen begrenzt, weil man sich auf ein bestimmtes Problem und die Muster dahinter beschränkt.

Eine Verhaltenstherapie versucht Muster zu durchbrechen, indem neue Verhaltensweisen erlernt werden.

Welche Form am Ende für dich die richtige ist, wird im Gespräch mit einem Therapeuten ermittelt.

Wie komme ich zu einer Psychotherapie?

Erkläre deinem „Lieblings-Arzt“, dass du gern mit einem psychologisch geschulten Menschen über deine Schuppenflechte reden möchtest. Vielleicht kennt er ja einen Spezialisten. Aber: Du brauchst keine Überweisung von irgendwem – du musst also nicht vorher mit einem Arzt sprechen.

Der Weg zur Psychotherapie

  1. Wenn du gesetzlich versichert bist, lies bei Schritt 2 weiter. Wenn du privat versichert bist, frage bei deiner Krankenkasse nach, ob sie die Therapie bezahlt. Möglicherweise steht das auch in deinen Versicherungsunterlagen.

  2. Suche nach einem Psychotherapeuten mit Kassenzulassung. Ja, das ist einfacher geschrieben als getan. Die Kassenärztliche Vereinigung deiner Region hat entsprechende Listen auch im Internet, es gibt darüber hinaus Angebote wie den Psychotherapieinformationsdienst, den du auch unter Telefon 030 / 2 09 16 63 30 erreichst.

  3. Frage beim Therapeuten deiner Wahl nach einem Termin für die Sprechstunde. Der erste kann maximal 150 Minuten dauern. Bei dem wird alles Weitere besprochen – welche Art der Therapie gut wäre, ob Probesitzungen vereinbart werden sollen oder ob eine Akutbehandlung angeraten ist. Hat der Therapeut gerade keinen Therapieplatz für dich, kannst du zu einem anderen gehen und dort Probesitzungen vereinbaren.

  4. Nutze die Probesitzungen. Schließlich kommt man im restlichen Leben auch nicht mit jedem Menschen gleich gut zurecht. Du hast Anspruch auf zwei bis vier solcher Sitzungen, bevor du dich auf den Therapeuten festlegst. Es ist übrigens gar nicht unüblich, sich bei mehreren Psychotherapeuten auf die Warteliste setzen zu lassen. Das erhöht zum einen deine Chance auf einen Termin und du kannst zum anderen mehrere Therapeuten kennenlernen.

  5. Nach den Probesitzungen nennt der Psychotherapeut die Diagnose. Jetzt wird bei der Krankenkasse eine Kostenübernahme beantragt. Soll die Therapie länger dauern, muss ein Gutachter der Krankenkasse auf den Antrag gucken. Den Bericht erhält der Gutachter übrigens separat in einem verschlossenen Umschlag. So erfahren die Krankenkassenmitarbeiter nichts über deine Krankheitsgeschichte. Eine Kurzzeittherapie wird ohne diesen Gutachter beantragt.

  6. Ebenfalls nach den Probesitzungen wird noch ein Besuch bei einem anderen Arzt nötig. Der soll in einem sogenannten Konsiliarbericht bescheinigen, ob du noch eine andere Krankheit hast, die zusätzlich behandelt werden muss. Hier kommt dann sicherlich deine Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis ins Spiel.

  7. Ist der Antrag bewilligt, kann es losgehen. Denke daran: Du tust das für dich und deine Haut oder Gelenke – für niemanden sonst.

Tipps zum Weiterlesen

Im Arbeitskreis Psychosomatische Dermatologie haben sich Experten zusammengefunden, die Haut und Psyche gleichermaßen auf dem Schirm haben. Auf deren Internetseite gibt es auch Antragshilfen auf eine psychosomatisch-dermatologische Rehabilitation.

Psychotherapie bei Psoriasis (Schuppenflechte)
Informationen von Psychotherapeut Wolfgang Albrecht, Berlin

Der Weg zu einer Psychotherapie
beschrieben beim Psoriasis Forum Berlin e.V.

Über die Psoriasis sprechen – das kann helfen (englisch)
(Daily Mail, 25.03.2014)
Gut, die Überschrift ist etwas plakativ: „Vergiss die Medikamente: Du kannst die Psoriasis besiegen, indem Du drüber sprichst“. Vorgestellt wird Toby Hadoke – ein Betroffener, der die Schuppenflechte mit einer kognitiven Verhaltenstherapie in den Griff bekommen hat. Nebenbei: Der Comedian geht erfreulich offensiv damit um und bloggt auf seiner eigenen Seite darüber.

Psychotherapie kann Hauterkrankungen lindern
(nachrichten.ch, 03.09.2012)
Erkrankungen wie Schuppenflechte können bei Patienten besser werden, wenn sie eine Psychotherapie hinter sich bringen. Das haben britische Forscher aus Daten von 900 Probanden geschlossen.

Kostenerstattung für Psychotherapie: So zahlt die Kasse
(berlin.de, 10.01.2012)
Ist kein Termin bei einem Psychotherapeuten mit Kassenzulassung zu bekommen, dürfen sich Versicherte auch an einen Therapeuten ohne Kassenzulassung wenden.

Wiener Modell: Dermatologen und Psychiater agieren gemeinsam
(Die Presse.at, 25.01.2000)

Wenn die Haut krank ist, leidet oft auch die Seele. Psychodermatologische Patienten werden nach dem „Wiener Modell“ von Dermatologen und Psychiatern gemeinsam betreut. (…) An der Abteilung für Allgemeine Dermatologie der Wiener Universitäts-Hautklinik gibt es eine Liaison-Ambulanz für Dermatologie, Parasitologie und Psychiatrie. (…) Dieses vorbildliche Konzept läuft unter dem Titel „Wiener Modell“. (…)
Ein erhöhtes Stimmungsbarometer hat für Patienten, die unter ihrem Erscheinungsbild leiden, wie etwa Akne- oder Psoriasis-Patienten, auch einen weiteren positiven Effekt: Durch die Verbesserung des psychischen Zustandes kann sowohl eine bessere Compliance im Therapieverlauf und damit eine Besserung des Hautbildes erreicht werden als auch die Bereitschaft, sich selbst zu akzeptieren.

Bücher

Psychotherapie: Angebote sinnvoll nutzen
Die verschiedenen Verfahren, die Kostenübernahme und der Weg zum Therapeuten werden erklärt. Und es gibt Checklisten.

Die Haut und die Sprache der Seele: Hautkrankheiten verstehen und heilen
Experten stellen verständlich und mit Blick auf neuere Forschungen die wichtigsten psychosomatischen Hautkrankheiten vor – darunter die Schuppenflechte. Es gibt viele Fallgeschichten, unterschiedliche Behandlungsformen und Medikamente werden erklärt und Betroffenen werden Wege der Selbsthilfe und der Heilung gezeigt.

Hauterkrankungen als Botschaften der Seele (2003)
Die Psychoanalytikerin und Dermatologin Anne Maguire erklärt die seelischen Ursachen von Hauterkrankungen. Sie erklärt, warum die Haut eine Botschafterin der Seele ist und schlägt Behandlungen vor.

Kliniken für Psyche & Haut

Bei rehakliniken.de haben wir bei der Suche die Indikationen „Psychosomatische und psychovegetative Erkrankungen“ und „Hauterkrankungen“ angegeben. Derzeit (27.05.20) werden neun Kliniken „ausgespuckt“:

Wir kennen außerdem das Krankenhaus Lahnhöhe und die Rothaar-Klinik.

👉 Hast du deine Schuppenflechte oder Psoriasis arthritis schon einmal mit einer Psychotherapie bearbeitet? Wie war das? Wem würdest du das empfehlen? Schreib uns – oder unten in den Kommentaren oder in unserer Community.

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