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<rss version="2.0"><channel><title>Artikel &#xFC;ber Forschung</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/rss/14-artikel-ueber-forschung.xml/</link><description>Was tut sich bei Psoriasis und Psoriasis arthritis in der Forschung?</description><language>en</language><item><title>Studie untersucht Fr&#xFC;herkennung der Psoriasis arthritis &#x2013;&#xA0;und jeder kann online teilnehmen</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/forschung/studie-untersucht-frueherkennung-der-psoriasis-arthritis-%E2%80%93%C2%A0und-jeder-kann-online-teilnehmen-r1399/</link><description>F&#xFC;r die europ&#xE4;ische HPOS-Studie werden 25.000 Menschen mit Psoriasis gesucht, um durch einfache Online-Frageb&#xF6;gen und kleine Blutproben von zu Hause aus die Risikofaktoren f&#xFC;r eine Gelenkbeteiligung zu erforschen. Wer teilnimmt, profitiert dabei von einem automatischen Fr&#xFC;hwarnsystem. Das kann helfen, eine Psoriasis arthritis rechtzeitig zu erkennen und Sch&#xE4;den vorzubeugen.
 


	Das Leben mit Schuppenflechte ist ein st&#xE4;ndiges Auf und Ab zwischen Hautpflege, Arztterminen und der Hoffnung auf Besserung. Manchmal fragt man sich, ob die Erkrankung irgendwann weitere Kreise ziehen k&#xF6;nnte &#x2013; zum Beispiel, ob sich eine Psoriasis arthritis dazugesellt.
 


	Diese Ungewissheit ist f&#xFC;r viele belastend. Oft wird die Diagnose erst gestellt, wenn die Gelenke bereits schmerzen oder geschwollen sind. Genau an diesem Punkt setzt jetzt ein gro&#xDF;es europ&#xE4;isches Forschungsprojekt an. Das Projekt hei&#xDF;t HPOS (HIPPOCRATES Prospective Observational Study) und hat ein klares Ziel: Man m&#xF6;chte die Arthritis vorhersagen und verhindern, noch bevor die ersten Sch&#xE4;den entstehen.
 


	F&#xFC;r diese wegweisende Studie suchen Forscher aus ganz Europa derzeit 25.000 Menschen mit Psoriasis, die bisher keine diagnostizierte Gelenk-Schuppenflechte haben.
 


	Das Besondere an diesem Projekt: Es geht nicht um neue Medikamententests, sondern allein um das Verst&#xE4;ndnis unseres K&#xF6;rpers. Die Wissenschaftler m&#xF6;chten herausfinden, welche feinen Unterschiede im Blut oder in der Lebensweise dar&#xFC;ber entscheiden, ob jemand gesund bleibt oder Gelenkprobleme entwickelt.
 


	Dabei arbeiten renommierte Institutionen wie die Universit&#xE4;t Oxford und das University College Dublin Hand in Hand mit deutschen Experten vom Fraunhofer-Institut in Frankfurt. Sie alle sind sich einig, dass der Schl&#xFC;ssel zur Fr&#xFC;herkennung in unseren Erfahrungen und biologischen Daten liegt.
 


	Entspannt von zu Hause aus teilnehmen



	Aufwendige Klinikbesuche und Stunden im Wartezimmer sind nicht n&#xF6;tig: Die HPOS-Studie ist so konzipiert, dass sie sich gut in den Alltag integrieren l&#xE4;sst. Die gesamte Teilnahme findet online statt. Etwa alle sechs Monate m&#xFC;ssen bequem auf dem Sofa oder am Schreibtisch Frageb&#xF6;gen zum Befinden und zur Hautsituation ausgef&#xFC;llt werden.
 


	Wer die Forschung noch intensiver unterst&#xFC;tzen m&#xF6;chte, kann eine kleine Blutprobe per Post beitragen. Daf&#xFC;r bekommen die Teilnehmer ein kleines Set nach Hause geschickt. Damit kann man sich &#x2013; &#xE4;hnlich wie beim Blutzuckermessen &#x2013; einen kleinen Tropfen Blut aus der Fingerkuppe abnehmen. Ein paar Tropfen auf einem speziellen St&#xE4;bchen gen&#xFC;gen den Forschern f&#xFC;r umfangreiche Analysen.
 


	Was jeder pers&#xF6;nlich davon hat



	Nat&#xFC;rlich hilft deine Teilnahme der Gemeinschaft und der Forschung f&#xFC;r zuk&#xFC;nftige Generationen. Aber es gibt auch einen ganz direkten Nutzen f&#xFC;r jeden Teilnehmer: Die regelm&#xE4;&#xDF;igen Online-Frageb&#xF6;gen beinhalten spezielle Checks, die erste Anzeichen einer Arthritis oft fr&#xFC;her erkennen als wir selbst. Sollte das System Hinweise auf eine Gelenkbeteiligung finden, bekommen die Teilnehmer sofort eine R&#xFC;ckmeldung. Wir wissen schlie&#xDF;lich, dass Zeit bei den Gelenken der wichtigste Faktor ist.
 


	Sicherheit und Vertrauen



	Bei einem so gro&#xDF;en Projekt ist der Schutz der pers&#xF6;nlichen Daten nat&#xFC;rlich das oberste Gebot. Alle Angaben werden streng vertraulich behandelt und pseudonymisiert, versichern die Forscher. Sie arbeiten mit den Daten, ohne direkt auf die Identit&#xE4;t der Teilnehmer zu schlie&#xDF;en. Die Teilnahme kann zudem jederzeit beende werden, ohne dass Gr&#xFC;nde genannt werden m&#xFC;ssen.
 


	Das Wichtigste auf einen Blick



	Hier sind die Eckdaten zur Studie zusammengefasst:
 


	
		Wer wird gesucht? Menschen &#xFC;ber 18 Jahren mit diagnostizierter Psoriasis, die noch keine Psoriasis-Arthritis haben.
	
	
		Dauer der Studie: Die Beobachtung l&#xE4;uft &#xFC;ber 3 Jahre.
	
	
		Dein Aufwand: Du f&#xFC;llst nur alle 6 Monate online Frageb&#xF6;gen aus.
	
	
		Ort: Komplett von zu Hause aus ("Remote Studie"). Keine Klinikbesuche n&#xF6;tig.
	
	
		Freiwilliges Extra: Auf Wunsch kannst du ein kleines Kit f&#xFC;r eine Kapillarblutprobe (Fingerstich) per Post erhalten und zur&#xFC;cksenden.
	
	
		Kosten: Die Teilnahme ist kostenlos.
	



	Einige Infos kann man sich auch schon im Informationsblatt f&#xFC;r Studienteilnehmer anlesen.
 


	Alle Informationen zur HPOS-Studie
 


	Fachbegriffe erkl&#xE4;rt



	Biomarker: Man kann sich Biomarker wie winzige Spurenleser im K&#xF6;rper vorstellen. Es sind messbare Werte, zum Beispiel bestimmte Eiwei&#xDF;e im Blut oder Merkmale in den Genen, die uns etwas &#xFC;ber den Gesundheitszustand verraten. In der HPOS-Studie suchen die Forscher nach ganz bestimmten Biomarkern, die wie eine rote Warnlampe aufleuchten und anzeigen, dass eine Psoriasis arthritis im Anmarsch ist, noch bevor man den ersten Schmerz sp&#xFC;rt.
 


	Prospektive Beobachtungsstudie: Dieser Begriff klingt kompliziert, beschreibt aber ein ganz friedliches Verfahren. "Prospektiv" hei&#xDF;t, dass die Forscher in die Zukunft schauen, und "Beobachtung" bedeutet, dass sie nicht in deine Behandlung eingreifen. Du bekommst keine Test-Medikamente, sondern lebst dein Leben ganz normal weiter. Die Wissenschaftler begleiten dich dabei nur &#xFC;ber einen l&#xE4;ngeren Zeitraum und schauen sich an, wie sich deine Gesundheit nat&#xFC;rlich entwickelt.
 


	 
 


	&#x1F449; Willst du dich mit anderen Betroffenen &#xFC;ber Psoriasis arthritis austauschen? Dann schau doch in unserem Forum vorbei.</description><enclosure url="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2026_01/HPOS-Studie-Aufruf.jpg.7a7b54be9cf14f4b0ef6c1cd0f597648.jpg" length="142785" type="image/jpeg"/><pubDate>Mon, 19 Jan 2026 06:15:10 +0000</pubDate></item><item><title>Schuppenflechte und Gelenke: Warum manche Psoriasis arthritis bekommen &#x2013; und andere nicht</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/forschung/schuppenflechte-und-gelenke-warum-manche-psoriasis-arthritis-bekommen-%E2%80%93-und-andere-nicht-r1398/</link><description><![CDATA[Forscher haben entdeckt, dass spezielle Entzündungszellen von der Psoriasis-Haut in die Gelenke wandern und dort nur dann Psoriasis arthritis auslösen, wenn schützende Bindegewebszellen fehlen. Diese Erkenntnis könnte helfen, das Schuppenflechte-Rheuma durch Bluttests frühzeitig zu erkennen und durch Stärkung des körpereigenen Schutzschildes im Gelenk zu verhindern.
 


	In diesem Artikel erklären wir den entdeckten Mechanismus, wie Hautprobleme auf Gelenke übergreifen – zugegeben: mit ein bisschen Drama 😉
 


	Die stille Angst im Wartezimmer



	Du sitzt beim Hautarzt. Du kennst das Wartezimmer. Du kennst die Gedanken. Deine Haut juckt. Die roten Flecken sind da. Du hast gelernt, damit zu leben. Du hast deine Medikamente. Du hast deine Routinen. Aber da ist diese eine Statistik: 20 bis 30 Prozent. Das ist die Zahl. So viele von uns bekommen Gelenkprobleme. Man nennt es Psoriasis arthritis. Kurz PsA.
 


	Die Angst ist real. Jeder Schmerz im Finger lässt uns aufhorchen. Zwickt es im Rücken? Ist das nur Muskelkater? Oder geht es jetzt los? Die Ungewissheit belastet. Sie wiegt schwer. Ärzte können bis heute wenig sagen: Sie wissen nicht wirklich, wen es trifft. Sie wissen nicht, warum es passiert. Es ist wie ein Würfelspiel.
 


	Aber es gibt Neuigkeiten aus Erlangen. Dort arbeitet ein Team von Forschern. Sie sind Experten. Sie arbeiten an der Friedrich-Alexander-Universität. Sie haben tief in unsere Zellen geschaut. Sie haben etwas gefunden. Es ist wie ein fehlendes Puzzleteil. Sie haben den Weg der Entzündung entschlüsselt.
 


	Sie wissen jetzt, wie die Schuppenflechte wandert. Sie wissen, wie sie vom Fleck auf der Haut in das Gelenk kommt. Und sie wissen noch etwas Wichtigeres. Sie wissen, wer sie aufhalten kann. Oder wer sie aufhalten sollte.
 


	Dieser Bericht ist lang. Er ist ausführlich. Wir nehmen uns Zeit. Wir schauen uns jedes Detail an. Wir wollen verstehen. Denn Wissen hilft gegen Angst. Schritt für Schritt. Ohne komplizierte Fachsprache. Locker. Aber korrekt. Wir tauchen ein in die Welt deiner Zellen. Wir schauen uns die "Reisenden" an. Und wir besuchen die "Hausmeister" im Gelenk. Mach es dir bequem. Das hier ist wichtig für deine Zukunft.
 


	Teil 1: Das große Rätsel der zwei Krankheiten



	Warum Haut und Gelenk zusammenhängen



	Wir müssen vorne anfangen. Psoriasis ist nicht nur eine Hautsache. Das wissen wir heute. Es ist eine Entzündung im ganzen Körper. Das Immunsystem spielt verrückt. Es greift körpereigenes Gewebe an. Meistens ist es die Haut. Die Zellen teilen sich zu schnell. Es schuppt. Es entzündet sich.
 


	Aber das Immunsystem ist überall. Es fließt durch dein Blut. Es erreicht jeden Winkel. Warum greift es bei manchen nur die Haut an? Und bei anderen die Gelenke?
 


	Lange dachte man, es sei Zufall. Oder einfach Pech.
 


	Manche Ärzte sprachen von zwei verschiedenen Krankheiten. Die aber oft zusammen auftreten. Andere vermuteten eine Verbindung. Aber niemand konnte sie beweisen. Niemand konnte den Weg aufzeigen.
 


	Bis jetzt. Die Studie aus Erlangen zeigt einen Weg. Eine Straße. Sie führt von der Haut zum Gelenk. Die Krankheit breitet sich aus. Sie bleibt nicht stehen. Die Forscher vergleichen das mit Krebs. Das klingt erst mal hart. Krebs ist ein böses Wort. Aber der Mechanismus ist ähnlich. Bei Krebs wandern Zellen vom Tumor weg. Sie bilden Metastasen. Bei Psoriasis wandern Entzündungszellen weg. Sie bilden eine Arthritis. Das ist eine völlig neue Sichtweise. Sie hilft uns beim Verstehen.
 


	Die Statistik, die vielen Sorgen macht



	Lass uns kurz bei den Zahlen bleiben. 20 bis 30 Prozent. Das ist fast jeder Dritte. Das Risiko ist nicht klein. Eine Psoriasis arthritis ist kein Spaß. Sie tut weh. Gelenke schwellen an. Sie werden steif. Ohne Behandlung passiert Schlimmes. Knochen gehen kaputt. Knorpel verschwindet. Das Gelenk verformt sich. Das bleibt dann so. Man kann es nicht rückgängig machen. Deshalb ist Früherkennung so wichtig. Aber wie erkennt man etwas, das noch nicht da ist? Bisher ging das nicht. Wir mussten warten. Warten auf den Schmerz. Warten auf die Schwellung. Dann war die Entzündung schon da. Das Kind war in den Brunnen gefallen. Wir konnten nur reagieren. Wir konnten nicht agieren. Die Erlanger Forschung könnte das ändern. Sie gibt Hoffnung auf einen Test. Einen Test, bevor es wehtut. Dazu später mehr.
 


	Wer sind die Helden dieser Geschichte?
 


	Hinter dieser Entdeckung stecken Menschen. Es ist ein Es ist ein Team um Dr. Maria Gabriella Raimondo, Dr. Simon Rauber und Professor Andreas Ramming. Sie arbeiten an der Medizinischen Klinik 3 in Erlangen.
 


	Sie haben nicht allein gearbeitet. Es war ein riesiges Projekt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat geholfen. Der Europäische Forschungsrat war dabei. Das zeigt: Das Thema ist wichtig. Die Wissenschaft schaut auf Psoriasis. Wir werden nicht vergessen.
 


	Das Forscher-Team hat seine Ergebnisse veröffentlicht. In einem Fachblatt. Es heißt Nature Immunology. Das ist der Olymp der Wissenschaft. Wer dort veröffentlicht, hat etwas Wichtiges gefunden.
 


	Teil 2: Der erste Schritt – Der Aufbruch in der Haut



	Die Geburt der "Reisenden"



	Stell dir deine Haut vor. Dort ist ein Psoriasis-Herd. Es ist rot. Es ist aktiv. In dieser Entzündung ist viel los. Immunzellen kämpfen. Botenstoffe fliegen hin und her. In diesem Chaos entstehen neue Zellen. Die Forscher nennen sie "myeloische Vorläuferzellen". Das ist ein schweres Wort. Nennen wir sie "die Reisenden". Diese Zellen sind jung. Sie sind noch nicht fertig. Sie sind wie Rekruten. Sie wurden gerade eingezogen. Ihr Ausbildungsort ist die entzündete Haut. Dort bekommen sie ihre Prägung. Sie lernen dort: "Entzündung ist gut. Wir müssen kämpfen."
 


	Der Weg in den Blutstrom



	Aber sie bleiben nicht in der Haut. Das ist das Neue. Das wusste man vorher nicht so genau. Die Forscher erklären das mit ihrer Studie. Diese Zellen treten über. Sie gehen in den Blutkreislauf. Sie nutzen deine Adern als Autobahn. Sie schwimmen mit dem Strom. Durch den ganzen Körper. Das klingt gruselig. Entzündung, die durch den Körper schwimmt. Aber das ist erst mal normal. Das Immunsystem ist ja überall.
 


	Die Frage ist: Wo wollen sie hin? Haben sie ein Ziel? Ja, das haben sie. Ihr Ziel sind die Gelenke.
 


	Warum gerade die Gelenke?
 


	Das ist eine spannende Frage. Warum schwimmen sie nicht zur Leber? Oder zur Lunge? Es scheint eine Verbindung zu geben. Eine spezielle Anziehung.
 


	Vielleicht liegt es an der Struktur. Haut und Gelenk haben Ähnlichkeiten. Beides hat Bindegewebe. Beides wird mechanisch belastet. Die Reisenden fühlen sich dort wohl. Sie erkennen das Gewebe wieder. Es ist wie eine zweite Heimat für sie.
 


	Sie steigen also aus. Sie verlassen die Blutbahn. Sie wandern in das Gewebe um das Gelenk. Die Synovia. So heißt die Gelenkinnenhaut. Dort kommen sie an.
 


	Die Entdeckung mit den leuchtenden Mäusen



	Woher wissen die Forscher das so genau? Man kann ja nicht in einen lebenden Menschen hineinschauen. Zumindest nicht so tief. Sie haben einen Trick benutzt. Sie nutzten spezielle Mäuse. Man nennt sie "Kaede-Mäuse". Kaede ist ein Protein. Es leuchtet. Normalerweise leuchtet es grün. Aber man kann die Farbe ändern. Mit Licht. Nimmt man violettes Licht, wird es rot. Die Forscher haben nur die Haut der Mäuse beleuchtet. Alle Zellen in der Haut wurden rot. Alle anderen Zellen im Körper blieben grün. Das war der Startschuss.
 


	Dann haben sie gewartet. Sie haben geschaut: Wo tauchen rote Zellen auf? Finden wir rote Zellen im Herz? Finden wir sie im Gehirn? Nein. Aber sie fanden sie im Gelenk. Nach einiger Zeit tauchten dort rote Zellen auf.
 


	Das war der Beweis. Eindeutig. Diese Zellen kamen aus der Haut. Sie waren gewandert. Sie hatten ihre Farbe mitgebracht. Wie einen Stempel im Pass. "Ich komme aus der Haut." Das stand auf ihnen geschrieben. So konnten die Forscher die Reisenden identifizieren. Sie konnten sie zählen. Und sie konnten sehen: Bei Psoriasis wandern viele von ihnen.
 


	Teil 3: Der zweite Schritt – Die Ankunft und die Kontrolle



	Allein ankommen reicht nicht



	Jetzt wird es spannend. Die Reisenden sind da. Sie sind im Gelenk. Bedeutet das jetzt Arthritis? Geht jetzt die Entzündung los? Nein. Eben nicht. Das ist die große Überraschung der Studie. Dr. Rauber sagt: Die Einwanderung allein reicht nicht. Nur weil die Zellen da sind, wird man nicht krank. Das erklärt, warum viele Psoriasis-Patienten gesund bleiben. Auch bei ihnen wandern Zellen. Auch bei ihnen kommen die Reisenden an. Aber es passiert nichts. Warum nicht? Wer hält sie auf?
 


	Das Begrüßungskomitee: Die Fibroblasten



	Im Gelenk wohnen andere Zellen. Sie sind schon immer da. Es sind Bindegewebszellen. Die Fachleute sagen "Fibroblasten". Stell sie dir vor wie Hausmeister. Sie kümmern sich um das Gelenk. Sie bauen Knorpel auf. Sie schmieren das Gelenk. Sie sorgen für Ordnung. Und sie sind die Türsteher. Wenn neue Zellen kommen, prüfen sie diese. Sie schauen sich die Reisenden an. Sind das Freunde? Oder Feinde? Wollen die Ärger machen? Die Fibroblasten entscheiden über Krieg oder Frieden.
 


	Der geheime Handschlag: CD200



	Wie machen sie das? Die Zellen reden miteinander. Aber nicht mit Worten. Sie nutzen Moleküle. Die Forscher haben das Molekül gefunden. Es heißt CD200. Das ist wie ein Ausweis. Oder wie eine beruhigende Hand auf der Schulter. Die gesunden Hausmeister (Fibroblasten) haben viel CD200. Sie zeigen diesen Ausweis. Die Reisenden haben den passenden Empfänger. Er heißt CD200R1. Das ist wie ein Schloss für den Schlüssel. Wenn CD200 an den Empfänger andockt, passiert etwas Magisches. Ein Signal geht in die Reisende Zelle. Das Signal heißt: "Alles ruhig. Kein Angriff. Leg die Waffen weg."
 


	Die friedliche Koexistenz



	Das passiert in einem gesunden Gelenk.
 


	Die Reisenden kommen an. Sie sind vielleicht etwas aggressiv. Sie kommen ja aus der entzündeten Haut. Aber die Hausmeister sind stark. Sie zeigen ihren CD200-Ausweis.
 


	Die Reisenden beruhigen sich. Sie werden inaktiv. Sie lösen keine Entzündung aus. Das Gelenk bleibt gesund. 
	Du hast zwar Psoriasis. Deine Zellen wandern auch. Aber dein Gelenk schützt sich selbst. Das ist ein perfektes System. Es funktioniert bei den meisten von uns. Wir haben Glück. Unsere Hausmeister sind wachsam.
 


	Teil 4: Wenn das System versagt – Der Ausbruch der Arthritis



	Der fehlende Schutzschild



	Aber bei 30 Prozent geht es schief. Warum? Auch das erklären die Forscher. Bei diesen Menschen fehlt der Schutz. Die Hausmeister sind schwach. Oder es sind zu wenige da. Die Fibroblasten haben kein CD200 mehr. Oder viel zu wenig. Der Ausweis fehlt. Die beruhigende Hand fehlt. Das Gelenk ist schutzlos. Der "Boden" ist verändert. Er lässt die Entzündung zu.
 


	Die Eskalation



	Stell dir die Situation vor: Die Reisenden kommen an. Sie sind voller Energie aus der Haut. Sie sind bereit für Krawall. Sie treffen auf die Hausmeister. Aber die Hausmeister signalisieren nicht "Ruhe". Sie können es nicht. Ihnen fehlt das CD200. Die Reisenden warten vergeblich auf das Stopp-Signal. Da kommt nichts. Also machen sie das, was sie gelernt haben: Sie machen Entzündung. Sie werden aktiv. Sie rufen Verstärkung.
 


	Die Verwandlung in Brandstifter



	Die Reisenden verändern sich jetzt. Sie werden zu echten Fresszellen. Zu Makrophagen. Und sie aktivieren andere Zellen. Besonders die T-Zellen. T-Zellen sind die Spezialeinheiten des Immunsystems. Die Reisenden feuern die T-Zellen an. "Hier ist ein Feind! Greift an!" Die T-Zellen schütten Botenstoffe aus. Einer davon ist berüchtigt. Er heißt IL-17. Vielleicht kennst du den Namen. Viele moderne Medikamente blockieren IL-17. Jetzt wissen wir noch besser, warum das hilft. IL-17 ist wie Benzin im Feuer. Es heizt die Entzündung an.
 


	Das Feuer brennt



	Jetzt ist die Arthritis da. Das Gelenk wird heiß. Es schwillt an. Flüssigkeit sammelt sich. Das Immunsystem greift den eigenen Körper an. Es denkt, dort sei eine Infektion. Aber da ist keine.
 


	Es ist ein Fehlalarm. Ausgelöst durch die Reisenden. Und nicht gestoppt durch die Hausmeister. Der Knochen wird angegriffen. Er wird abgebaut. Gleichzeitig wuchert der Knochen an anderen Stellen. Das führt zu den typischen Verformungen. Und zu den Schmerzen, die wir kennen.
 


	Teil 5: Die Beweise – Von der Maus zum Menschen



	Hightech-Analyse der Zellen



	Die Forscher haben nicht nur Mäuse beobachtet. Sie haben die modernste Technik genutzt, die es gibt. Sie haben "Single Cell Sequencing" gemacht. Das heißt: Sie haben jede einzelne Zelle untersucht. Sie haben ihr Erbgut gelesen. Wie ein Tagebuch. Sie konnten sehen, welche Gene aktiv sind. So haben sie die Reisenden genau identifiziert. Sie haben einen komplizierten Namen: CD2+/MHC-II+/CCR2+ (das bedeutet, sie tragen alle drei Marker gleichzeitig). Lass uns bei "Reisende" bleiben. Aber dieser genetische Fingerabdruck ist wichtig. Er macht die Zellen unverwechselbar.
 


	Bestätigung beim Menschen



	Mäuse sind gut für die Forschung. Aber wir sind keine Mäuse. Funktioniert das bei uns auch so? Das Team hat Gewebeproben von Patienten untersucht. Von Menschen mit Psoriasis. Und von Menschen mit Psoriasis arthritis. Sie haben Hautproben genommen. Und Gelenkproben. Und sie haben verglichen. Das Ergebnis war eindeutig. Ja, es ist bei uns genauso. Auch in unseren Gelenken finden sich diese Reisenden. Und auch bei Arthritis-Patienten fehlen die CD200-Hausmeister.
 


	Der genetische Beweis der Wanderung



	Sie haben noch einen Beweis gefunden. Sie haben die Mitochondrien untersucht. Das sind die Kraftwerke der Zellen. Sie haben eigene kleine Gene. Diese Gene verändern sich leicht. Wie Muttermale. Wenn eine Zelle sich teilt, gibt sie diese Merkmale weiter. Die Forscher fanden die gleichen Merkmale in der Haut und im Gelenk. Bei denselben Patienten. Das beweist: Die Zellen im Gelenk stammen von den Zellen in der Haut ab. Sie sind wirklich gewandert. Es ist wie ein Vaterschaftstest. Nur für Zellen. Der Weg ist bewiesen.
 


	Teil 6: Der Blick in die Zukunft – Diagnose und Therapie



	Warum erzählen wir das so ausführlich? Weil es Hoffnung gibt. Wenn wir den Mechanismus kennen, können wir ihn stören. Bisher werden oft nur die Symptome behandelt. Oder wir unterdrücken das ganze Immunsystem. Oder einzelne Komponenten – was schon ziemlich gut ist. Aber: Jetzt können wir noch gezielter vorgehen.
 


	Die Erlanger Entdeckung öffnet zwei neue Türen: Eine Tür für die Diagnose. Und eine Tür für die Therapie.
 


	Die Chance auf einen Früherkennungstest



	Erinnerst du dich an die Reisenden im Blut? Sie sind da, bevor das Gelenk wehtut. Das ist die Chance. Man könnte einen Bluttest entwickeln. Der Arzt nimmt dir Blut ab. Er sucht nach genau diesen Zellen mit den Markern CD2+, MHC-II+ und CCR2+. Findet er viele davon? Dann ist dein Risiko hoch. Deine Haut schickt schon Truppen los. Dann muss man handeln. Findet er keine? Dann kannst du aufatmen. Dein Risiko ist gerade gering. Das würde die Angst nehmen. Die Ungewissheit wäre weg. Wir wüssten, woran wir sind.
 


	Die Vision der Prävention



	Wenn wir wissen, wer gefährdet ist, können wir vorbeugen. Das ist der Heilige Gral der Medizin. Krankheiten verhindern, bevor sie ausbrechen. Wie könnte das gehen? Es gibt zwei Strategien, die sich aus der Studie ergeben.
 


	
		Strategie 1 – Die Reise stoppen: Man könnte Medikamente entwickeln, die das Wandern verhindern. Man könnte die Autobahn sperren. Oder man könnte den Zellen den Austritt ins Gelenk verwehren. Wenn keine Reisenden ankommen, gibt es keine Entzündung. Die Psoriasis bliebe auf der Haut. Das Gelenk bliebe verschont.
	
	
		Strategie 2 – Die Hausmeister stärken: Das ist vielleicht noch cleverer. Wir wissen, dass das Fehlen von CD200 das Problem ist. Warum geben wir es nicht zurück?&amp; Man könnte Medikamente entwickeln, die CD200 ersetzen. Oder die die eigenen Fibroblasten anregen, es wieder zu produzieren. Wir würden den Schutzschild reparieren. Die Reisenden kommen an. Aber sie werden sofort beruhigt. "Alles gut. Kein Stress." Die Entzündung würde im Keim erstickt.
	



	Wann gibt es das beim Arzt?



	Ganz realistisch: Wenn, dann in einigen Jahren. Forschung braucht Zeit. Die Erlanger Ergebnisse stammen aus der Grundlagenforschung. Das ist der erste Schritt. Ein sehr wichtiger Schritt.
 


	Aber bis zur Pille in der Apotheke dauert es noch. Es müssen Wirkstoffe gefunden werden. Sie müssen getestet werden. Erst an Zellen. Dann an Tieren. Dann an Menschen. Das dauert Jahre.
 


	Der Bluttest ist derzeit nicht verfügbar. Die Studie zeigt lediglich, dass die Zellen prinzipiell im Blut nachweisbar sind. Die Erlanger Studie ist also ein Machbarkeitsnachweis. Die Forscher haben eine Forschungsmethode gewählt – und keine Routinediagnostik.
 


	Bis zu klinischen Anwendungen vergehen typischerweise zehn bis 15 Jahre.
 


	Bei etwa 20 Prozent der Patienten entwickelt sich eine Psoriasis arthritis ohne vorherige Hauterkrankung – für diese Gruppe greift der beschriebene Mechanismus nicht.
 


	Aber der Weg ist jetzt klarer. Die Richtung stimmt. Jetzt gibt es eine Karte.
 


	Teil 7: Was du jetzt tun kannst – Wissen ist Macht



	Du kannst jetzt noch keinen CD200-Booster kaufen. Aber du kannst dein Wissen nutzen.
 


	Beobachte dich. Achte auf deinen Körper. Die Studie sagt: Der Prozess beginnt schleichend. Hör auf kleine Signale. Morgensteifigkeit? Ein dickes Gelenk? Schmerzen in der Ferse? Das könnten Zeichen sein. Geh zum Rheumatologen. Nicht erst, wenn gar nichts mehr geht. Geh früh. Erzähl ihm von deinen Sorgen.
 


	Sprich mit deinem Arzt. Ärzte lesen Fachliteratur. Dein Rheumatologe kennt vielleicht diese Studie. Oder er liest bald davon. Frag ihn nach deinem Risiko. Lass deine Entzündungswerte checken – auch, um andere Erkrankungen auszuschließen.
 


	Eine gut behandelte Psoriasis der Haut senkt vielleicht auch den Nachschub an Reisenden. Das ist noch nicht bewiesen. Aber es klingt logisch. Wenn in der Haut Ruhe ist, entstehen weniger Vorläuferzellen. Also: Pflege deine Haut. Nutze die Medikamente, die es. heute schon gibt. Halte die Entzündung klein.
 


	Ein gesunder Lebensstil hilft den Hausmeistern



	Wir wissen noch nicht genau, warum die Fibroblasten schwach werden. Warum verlieren sie das CD200? Vielleicht spielt Stress eine Rolle. Oder Ernährung. Oder Rauchen. Rauchen ist Gift für Psoriasis. Das wissen wir. Vielleicht schadet es auch den Hausmeistern im Gelenk.
 


	Ein gesunder Lebensstil ist immer gut.
 


	Bewegung tut den Gelenken gut. Sie hält die Fibroblasten fit.
 


	Ernähre dich entzündungshemmend. Viel Gemüse. Gute Öle. Wenig Zucker. Das unterstützt dein Immunsystem. Und vielleicht auch deinen Schutzschild.
 


	Teil 8: Zusammenfassung und Ausblick



	Forscher der FAU Erlangen haben das Rätsel der Psoriasis arthritis ein Stück weit gelöst. Sie haben gezeigt: Es ist ein Prozess in zwei Schritten.
 


	Erstens: Zellen wandern aus der Haut ins Gelenk.
 


	Zweitens: Das Gelenk verliert seinen Schutz. Nur wenn beides zusammenkommt, werden wir krank. Das erklärt, warum es manche trifft und manche nicht.
 


	Die Analogie vom Samen und dem Boden



	Die Forscher nutzen ein Bild. Das Bild von Samen und Boden. Die Entzündungszellen sind die Samen. Sie fliegen durch die Luft (oder das Blut). Das Gelenk ist der Boden. Fällt der Samen auf Beton (gesundes Gelenk), passiert nichts. Er geht nicht auf. Fällt er auf fruchtbare Erde (Gelenk ohne CD200), fängt er an zu wachsen. Die Wurzeln schlagen aus. Die Entzündung blüht auf.
 


	Das Ziel muss es sein, den Boden wieder zu Beton zu machen. Für die Entzündung unbewohnbar. Aber für uns gesund und stabil.
 


	Diese Studie gibt Hoffnung. Hoffnung auf eine Zukunft ohne Gelenkschäden. Hoffnung auf eine Medizin, die verhindert statt nur zu reparieren.
 


	Die Arbeit in Erlangen und auf der ganzen Welt geht weiter. Forscher werden neue Wirkstoffe suchen. Sie werden Tests entwickeln.
 


	Bleib optimistisch



	Lass dich von der Statistik nicht entmutigen. 20 bis 30 Prozent heißt auch: 70 bis 80 Prozent bekommen es nicht! Die Mehrheit bleibt verschont. Und selbst wenn es dich trifft: Es gibt heute schon gute Medikamente.
 


	Biologika zum Beispiel greifen genau in diese Mechanismen ein. Sie blockieren IL-17 oder andere Botenstoffe. Sie löschen das Feuer, wenn es brennt. Die neue Forschung will verhindern, dass es überhaupt brennt. Das ist das nächste Level.
 


	Du bist nicht allein mit deiner Krankheit. Die Wissenschaft kämpft für dich. Und wir kämpfen mit. Mit Informationen. Mit Aufklärung. Mit Gemeinschaft.
 


	Kopf hoch. Achte auf deine Gelenke. Und bleib informiert.
 


	Fachbegriffe erklärt



	Fibroblasten: Stell dir Fibroblasten wie die Bauarbeiter und Hausmeister in deinem Körpergewebe vor. Sie sind Bindegewebszellen. Sie sorgen normalerweise dafür, dass alles stabil bleibt und Wunden heilen. In diesem Artikel lernst du eine besondere Gruppe von ihnen kennen. Diese speziellen „Hausmeister“ im Gelenk haben eine wichtige Aufgabe: Sie sollen ankommende Immunzellen beruhigen und Entzündungen verhindern. Sie nutzen dafür einen Ausweis, das Protein CD200. Fehlt dieser Ausweis, können Entzündungen entstehen.
 


	Myeloische Vorläuferzellen: Das sind junge, noch nicht fertig ausgebildete Zellen des Immunsystems. Sie entstehen zum Beispiel im Knochenmark oder direkt in entzündeter Haut. Denk an sie wie an Rekruten, die auf ihren Einsatz warten. Im Fall der Psoriasis reisen sie über das Blut in die Gelenke. Sie tragen komplizierte Namen wie CD2+ MHC-II+ CCR2+, aber ihre Funktion ist einfach: Sie sind Boten. Wenn sie im Gelenk nicht gestoppt werden, reifen sie zu aggressiven Entzündungszellen heran und greifen das Gelenk an.
 


	Dieses Thema zum Anhören



	Wer lieber hören als lesen will, kann hier einsteigen: Zwei Menschen unterhalten sich über die Studie und ihre Ergebnisse.
 


	
		psoriasis-haut-gelenke-erlangen.m4a
	
 


	Disclaimer: Wir haben uns für diese Audio-Datei von Künstlicher Intelligenz helfen lassen. Das Gesagte wurde von uns überprüft.
 


	Quellen
 


	
		"Skin-derived myeloid precursors and joint-resident fibroblasts spread psoriatic disease from skin to joints" in: Nature Immunology, Vol. 27, Januar 2026
	
	
		Wie Schuppenflechte auf die Gelenke übergreift – Presseerklärung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Zugriff am 14. Januar 2026)
	
	
		Synovial Shaping of Skin-derived Migrating Immune Cells Determines Initiation of Inflammation in Psoriatic Arthritis – ACR Meeting Abstracts (Zugriff am 14. Januar 2026)
	
	
		CD200 + fibroblasts form a pro-resolving mesenchymal network in arthritis – Nature Immunology, Vol. 25
	
	
		Blockade von Rezeptoren hemmt beziehungsweise fördert Krankheitsverlauf in: Deutsches Ärzteblatt, 05.02.2026]]></description><enclosure url="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2026_01/psoriasis-haut-gelenke-erlangen.jpg.3dfa061c498217d46659ceb1a92c228d.jpg" length="135374" type="image/jpeg"/><pubDate>Fri, 16 Jan 2026 10:16:00 +0000</pubDate></item><item><title>Aktuelles zur Versorgung von Psoriasis-Patienten in Deutschland 2025</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/forschung/aktuelles-zur-versorgung-von-psoriasis-patienten-in-deutschland-2025-r1387/</link><description><![CDATA[Im November 2025 fand die „15. Nationale Konferenz zur Versorgung der Psoriasis“ in Hamburg statt. Auf der wird immer berichtet, wie und mit welchem Erfolg im abgelaufenen Jahr Psoriasis-Patienten versorgt wurden und was noch erreicht werden soll. Die Zahlen und Zusammenhänge sind vor allem für Dermatologen und Pharmavertreter gedacht. Einiges ist aber auch für uns Patienten interessant.
 


	Die interessantesten Erkenntnisse für eilige Leser:
 


	
		Übersichten, welche Therapien und Wirkstoffe in welchen Fällen empfohlen werden, finden sich in der aktualisierten Behandlungs-Leitlinie, Seite 5-8.
	
	
		Schwer zu behandelnde Fälle werden meist an Uni-Kliniken überwiesen. Die behandelnden Dermatologen können sich aber von dort Therapieempfehlungen geben lassen; entweder anstelle der Überweisung oder, um den Patienten bis zum Ambulanz-Termin nicht unbehandelt zu lassen.
	
	
		Die Chance, ein Biologikum verschrieben zu bekommen, ist in Bremen und Mecklenburg-Vorpommern fast achtmal größer als in Baden-Württemberg.
	
	
		Vermutlich werden immer noch zu viele Betroffene mit Schuppenflechte entweder überhaupt nicht oder falsch behandelt. Wer schwer oder mittelschwer erkrankt ist, darf weder mit äußerlich wirkenden Mitteln (Cremes, Lotionen, Salben) behandelt werden, noch mit innerlich wirkenden Kortisonpräparaten (Glukocorticoiden).
	
	
		Mindestens einmal jährlich sollte überprüft werden, ob sich eine der typischen Begleiterkrankung entwickelt hat (Komorbiditäts-Screening).
	
	
		Im Register PsoBest werden inzwischen 26.084 Patienten geführt, die mit Biologika und Nicht-Biologika behandelt werden. Neben der Arzneimittelwirkung werden auch die Wünsche der Patienten an eine Therapie erfasst. Die meisten wollen von allem und möglichst schnell geheilt werden.
	
	
		Zukünftig wird es deutlich weniger Dermatologen geben, die Hautkranke versorgen. Deshalb sollen Betroffene mit Bagetellfällen (zum Beispiel Insektenstichen oder Warzen) damit zum Alllgemeinmediziner (Hausarzt) gehen – sofern sie einen finden.
	



	Update Psoriasis-Leitlinie



	Im August 2025 wurden die Empfehlungen aktualisiert, wie die Psoriasis vulgaris zu behandeln ist. Wir haben über diese Aktualisierung der Leitlinie an anderer Stelle ausführlich berichtet. Alles, was neu aufgenommen wurde, ist im Text in der Leitlinie blau geschrieben.
 


	Künftig soll mit einer Therapie erreicht werden, dass sich der Hautzustand um 90 Prozent gegenüber der Anfangssituation verbessert (PASI 90). Ziel ist ein absoluter PASI &lt; 2, das heißt, es gibt nur noch minimale Psoriasis-Stellen bei milder Krankheitsaktivität. Alternativ soll die Behandlung dazu führen, dass die Lebensqualität fast gar nicht mehr eingeschränkt ist, also ein DLQI ≤ 1 erreicht wird.
 


	Außerdem wird empfohlen, die Labor-Kontrollen gegenüber den Herstellerangaben einzuschränken.
 


	Expertenrat bei komplizierten Fällen



	Einzelne Unikliniken bieten ambulant tätigen Dermatologen an, sich bei ihnen fachlich eine Zweitmeinung einzuholen. Bei „Entzündungs-/Inflammationboards“ können sie schwer zu behandelnde Psoriasis-Fälle vorstellen, um sich emfehlen zu lassen, wie individuell vorgegangen werden sollte.
 


	Die Möglichkeiten bieten zum Beispiel Kliniken in Jena, Tübingen, Erlangen, Ulm und Berlin an, aber auch das Hautnetz Hamburg und das Psoriasis-Praxisnetz Südwest. So können Patienten versorgt werden, bis sie einen Termin in der Ambulanz der Universitätsklinik bekommen oder sie müssen nicht mehr überwiesen werden.
 


	Verschreibungs-Zahlen



	2024 wurden bundesweit in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) etwa 92.500 Psoriasis-Patienten mit Biologika bzw. Biosimilars behandelt. Das kostete die Kassen im Jahr ca. 0,85 Mrd. Euro. Ungefähr 122.000 Psoriasis-Patienten wurden andere innerliche Medikamente verschrieben. Das kostete die GKV etwa 85 Millionen Euro, also zehn Prozent der Ausgaben für Biologika. 
	(Quelle: Monatszahlen x12, CVderm Hamburg und IQVIA Pharmascope DocSplit;MAT Nov 2020 / (12/2018-08/2025); update 10/2025)
 


	Ob man als Patient ein Biologikum verschrieben bekommt, ist weiterhin abhängig vom Wohnort. Das gilt nicht nur für die Schuppenflechte, sondern für alle Hauterkrankungen. Wir berichteten davon, z.B. 2024 (Biologika und Biosimilars).
 


	
 


	Die Zahlen sind Euro-Beträge. In Bremen wurde demnach 7,7 x mehr pro Kopf für Biologika ausgegeben als in Baden-Württemberg. 
 


	Es gibt mehrere Erklärungen dafür, zum Beispiel die Angst der Ärzte vor Regress, also Rückzahlungsforderungen der Krankenkassen oder negative Einstellungen zur Biologika-Therapie. Regress kann ausgeschlossen werden, wenn sich die Praxen einem Psoriasis-Versorgungsvertrag anschließen (siehe unten). Fakt ist, dass in Mecklenburg-Vorpommern 50 Prozent der Dermatologen Biologika verschreiben, in Baden-Württemberg dagegen nur 5 Prozent. Deutschlandweit sind es unter 40 Prozent.
 


	Die Versorgungskonferenz hat sich als Ziel gesetzt, bis 2030 den Unterschied zwischen den Regionen bis auf den Faktor 3 anzugleichen. Dann würde in BaWü nach aktuellen Zahlen 8,73 Euro/GKV-Versicherten für Biologika ausgegeben, also ein Drittel der Bremer Ausgaben.
 


	Schwachstellen der Psoriasis-Behandlung



	Es gibt keine neuen Zahlen, wie viel Psoriasis-Betroffene gar nicht oder falsch behandelt werden. Es bleibt deshalb beim Appell, sich mit einer mittelschweren oder schweren Psoriasis unbedingt behandeln zu lassen – aber weder mit Cremes, Salben oder Sprays, noch mit cortisonhaltigen Tabletten. Wer langfristig Glukocorticoide schluckt, muss mit typischen Schäden rechnen. Vor allem riskieren Betroffene, die nicht oder falsch behandelt werden, schwere Begleiterkrankungen.
 


	Die Versorgungskonferenz hat sich als Ziel bis 2030 gesetzt, dass 80 Prozent der Psoriasis-Patienten leitliniengerecht behandelt werden.
 


	Begleiterkrankungen aufspüren



	Alle sind sich einig darin, dass Psoriasis-Patienten regelmäßig danach untersucht werden müssen, ob sich bei ihnen eine der typischen Begleiterkrankung herausbildet. Dazu werden Laborwerte erhoben, die Körpermasse ermittelt, psychische Auffälligkeiten und der Alkoholkonsum erfragt. Dafür gibt es eine kurze Risiko-Checkliste. Es wurde angekündigt, die Komorb-Screening-Empfehlungen 2026 auf den neuesten Erkenntnisstand zu bringen.
 


	Auf der Konferenz wurde deutlich, dass viele Praktiker das als notwendigen, aber zusätzlichen Aufwand verstehen. Bei Verdacht auf eine Begleiterkrankung werden die Patienten normalerweise an eine Fachpraxis überwiesen. Aber bei psychischen Problemen reiche es möglicherweise nicht aus, aufgrund der Antworten in der Risiko-Checkliste lediglich eine Überweisung für psychologische Behandlung auszustellen. Aber für mehr habe man selten Zeit und oft nicht das Wissen über entsprechende Angebote.
 


	Vergütet wird das Screening nach Begleiterkrankungen nur dann, wenn die Praxis sich einem der Versorgungsverträge angeschlossen hat (siehe unten) und der Patient Mitglied in einer der beteiligten Kassen ist. Für alle anderen sollte die Untersuchung möglichst zeitsparend in die Patientenbetreuung eingebaut werden („Best Practice in der dermatologischen Praxis“).
 


	Die Versorgungskonferenz hat sich als Ziel bis 2030 gesetzt, dass 80 Prozent der Pso-Patienten einmal im Jahr nach Begleiterkrankungen untersucht werden.
 


	Behandlung von Psoriasis-Patienten zahlt sich aus



	2022 wurde der erste „Versorgungsvertrag“ geschlossen, der den Praxen Schutz vor Regress und zusätzliche Einnahmen garantiert, wenn sie sich an das vereinbarte Behandlungsschema halten. Wir berichteten darüber. Zur Zeit wird den beteiligten Hautärzten die Behandlung von mittelschweren oder schweren Psoriasis-Patienten jährlich mit zusätzlich knapp 300 Euro vergütet.
 


	Für Psoriasis-Patienten kann das bedeuten, dass ihre Dermatologin oder ihr Dermatologe eher bereit ist, ihnen teure Präparate zu verschreiben. Aber: Nicht alle gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich an diesem Versorgungskonzept. Vor allem die AOKen sind nicht dabei. Das heißt, die Praxen profitieren nur dann davon, wenn ihre Psoriasis-Patientin oder ihr Psoriasis-Patient in einer der beteiligten Krankenkassen versichert ist. Zur Zeit sind etwas mehr als 50 Prozent der gesetzlich Versicherten einbezogen.
 


	Es gibt zwei Verträge, an denen sich unterschiedliche Krankenkassen beteiligen. Wer wissen will, ob seine dabei ist, kann das nachlesen: DermaOne und DermAktiv.
 


	Datensammlung im Register



	Mit dem Register PsoBest (Sicherheit durchs Psoriasis-Register) wird seit 2008 die Behandlung der Schuppenflechte und Psoriasis arthritis mit den innerlich wirkenden Medikamenten dokumentiert. Inzwischen beteiligen sich 1104 Zentren mit 26.084 Patienten daran. Das sind immerhin elf Prozent aller nach Leitlinien behandelten Patienten. Sie erhalten Biologika und Nicht-Biologika; die meisten Adalimumab und Secukinumab bzw. Methotrexat, Skilarence und Fumaderm.
 


	Ins Register werden zusätzlich die Wünsche der Patienten an eine Psoriasis-Therapie aufgenommen. In den vergangenen 15 Jahren haben sich diese Bedürfnisse verändert. So wird aktuell am meisten genannt,
 


	
		von allem geheilt zu werden,
	
	
		eine schnellere Hautverbesserung,
	
	
		die Wiedererlangung der Krankheitskontrolle,
	
	
		das Vertrauen in die Therapie,
	
	
		keinen Juckreiz mehr zu haben,
	
	
		eine klare Diagnose/Therapie zu erhalten,
	
	
		keine Angst vor Fortschreiten der Krankheit zu haben und
	
	
		schmerzfrei zu werden.
	



	Weniger bedeutend als früher ist es inzwischen für die Patienten, keine eigenen Ausgaben wegen der Psoriasis zu haben.
 


	Deutschlandweite Therapieziele



	Die Versorgungskonferenz hat sich als Ziel bis 2030 gesetzt, für die Psoriasis-Betroffenen in ganz Deutschland im Durchschnitt einen absoluten PASI &lt;5 oder einen DLQI ≤ 5 zu erreichen. Diese Zahlen weichen von denen in der aktuellen Leitlinie ab. Dort wird als Therapieziel ein absoluter PASI von &lt; 2 bzw, ein DLQI ≤1 genannt.
 


	Beides ist trotzdem nachvollziehbar: „Nationale Versorgungsziele“ berücksichtigen alle Psoriasis-Patienten, unabhäng davon, wie sie behandelt werden. Therapieziele in Leitlinien dagegen werden nur für diejenigen gesetzt, die entsprechend dieser Empfehlungen therapiert werden.
 


	Über die Nationale Versorgungskonferenz Psoriasis (NVKP)



	Das Treffen wird organisiert von den Ärzteverbänden BVDD, DDG, von PsoBest und CVderm sowie dem Patientenverband Deutscher Psoriasis-Bund. Teilnehmer sind Hautärzte, Fachleute aus der Pharmaindustrie und Patientenvertreter. Offizieller Veranstalter ist das Hautnetz Deutschland. Die Konferenz gibt es seit 2009.
 


	Seit 2024 folgt der NVKP direkt eine Nationale Versorgungskonferenz Haut, bei der es um weitere Hauterkrankungen geht.]]></description><enclosure url="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2025_11/menschen-muster.jpg.0a608d170aad26ce0faffac73cd1a6f3.jpg" length="216197" type="image/jpeg"/><pubDate>Sun, 23 Nov 2025 19:39:00 +0000</pubDate></item><item><title>Neues und Bew&#xE4;hrtes zur Psoriasis im Jahr 2025</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/forschung/neues-und-bewaehrtes-zur-psoriasis-im-jahr-2025-r1356/</link><description><![CDATA[Im Mai fand in Berlin die DDG-TAGUNG 2025 statt. Das ist ein Fortbildungskongress für Hautärzte. Vieles von dem, was wir schon in „Neues und Bewährtes zur Psoriasis im Jahr 2024“ berichtet haben, wurde aufgegriffen und vertieft. Dennoch gab es einige interessante Neuigkeiten für uns Betroffene mit Schuppenflechte.
 


	Im Mittelpunkt vieler Referate stand die Frage, ob man Psoriasis zukünftig wird heilen können. Das zielt auf Patienten, die erst seit 1-2 Jahren mittelschwer oder schwer an Psoriasis erkrankt sind.
 


	
 


	Ja, der Artikel ist lang! Aber du kannst in der Übersicht die Themen anklicken, die dich interessieren.
 


	Wesentliche Informationen für eilige Leser



	
		Bei Betroffenen, deren erste Psoriasis-Symptome nicht länger als zwei Jahre zurückliegen, können vermutlich lebenslange Krankheitsfolgen abgemildert werden, wenn sie frühzeitig mit wirkungsvollen Medikamenten behandelt werden.
	
	
		Auch für das IL-17a-Biologikum Secukinumab (Cosentyx) konnte nachgewiesen werden, dass diese Kurzerkrankten noch ein Jahr erscheinungsfrei blieben, wenn das Medikament abgesetzt wird. Dieses Phänomen kannte man bisher nur von IL-23-Biologika.
	
	
		Zukünftig gilt eine Therapie erst dann als erfolgreich, wenn die Patientin tatsächlich so gut wie erscheinungsfrei ist, d.h. beim absoluten PASI ≤ 2.
	
	
		Für immer mehr Psoriasis-Medikamente liegen Studien vor die belegen, dass sie auch nach mehreren Jahren ihre Wirkung nicht verlieren.
	
	
		Mit dem technischen Verfahren der „molekularen Diagnostik“ kann unterschieden werden, ob eine Psoriasis oder ein Ekzem bzw. eine Neurodermitis vorliegt. Das ist vor allem dann wichtig, wenn es um eine Anerkennung als Berufserkrankung geht. 
	
	
		Das Online-Projekt „HautKompass“ bietet an, Selbststigmatisierung wahrzunehmen und zu bewältigen. Für weitere Durchgänge können sich Interessierende melden.
	
	
		Für die Zukunft wird ein „enormer Schwund“ an Dermatologen vorhergesagt. Schon jetzt bieten nur noch 40 % der Hautarztpraxen eine Vollversorgung an.
	
	
		Für Betroffene mit leichter Psoriasis gibt es immer wieder interessante Produkte mit pflanzlichen Stoffen, wie z.B. Vitop Psoricur Akutpflegecreme oder Alnovat.
	



	Psoriasis-Gedächtnis auch genetisch gesteuert



	Bei klinischen Studien fielen die "Kurzerkrankten" auf, d.h. diejenigen, deren erste Psoriasis-Symptome nicht länger als zwei Jahre zurücklagen. Sie reagierten besser und schneller auf das Medikament („Super-Responder“). Darüber hinaus blieben sie deutlich länger erscheinungsfrei, wenn der Wirkstoff abgesetzt wurde. Das Immunsystem hatte bei ihnen noch nicht ausreichend viel Gedächtniszellen gebildet (TRM). Sie heißen so, weil sie sich gemerkt haben, auf bestimmte Trigger (Auslöser) mit einem Psoriasisschub zu reagieren. Darüber haben wir ausführlich 2024, 2023 und 2022 und 2019 berichtet. IL-23-Blocker können diese Gedächtniszellen bei Kurzerkrankten deutlich verringern. Das ist nachgewisen für Guselkinumab (Tremfya) in der GUIDE-Studie und für Risankizumab (Skyrizi) in der Knockout-Studie.
 


	Prof. Curdin Conrad wies darauf hin, dass es außerdem ein angeborenes Immungedächtnis gibt. Die Informationen dieser epigenetischen Gedächtniszellen (z.B. Monozyten) sind aber veränderbar (modifizierbar). Das dient der "Feinregulierung" und wird biochemisch z.B. durch eine DNA-Methylierung bewirkt. Bei Menschen mit Psoriasis hat man in den verhornten Hautzellen (Keratinozyten) ein typisches „epigenetisches Muster“ dieses Vorgangs festgestellt. Prof. Conrad berichtete, dass diese DNA-Methylierung rückgängig gemacht werden konnte. Bei Behandlung mit dem IL-17-Blocker Secukinumab (Cosentyx) verschwanden diese typischen Muster (STEPIn-Studie) – bei Kurzerkrankten fast vollständig, bei schon länger Erkrankten blieben "epigenetische Narben".  Nachdem der IL-17-Blocker abgesetzt wurde, waren die meisten Kurzerkrankten über ein Jahr lang erscheinungsfrei.
 


	Bei familiaren Vorbelastung Sport treiben



	Damit wird bestätigt, was 2014 italienische Wissenschaftler herausgefunden hatten: Sie bestimmten bei über 900 Probanden den DNA-Methylisierungs-Status der Leukozyten. Darunter waren gleichmäßig viele, die gefährdet waren, Psoriasis vererbt zu bekommen. In deren Familie waren schon andere daran erkrankt. In der Gruppe, die 6 Monate Krafttraining gemacht hatte, normalsierte sich dieser Status, der die Genom-Aktivitäten steuert. Dadurch so die Autoren, konnte das Risiko gesenkt werden, an einer Psoriasis zu erkranken.
 


	Frühzeitig behandelt verhindert schweren Verlauf



	Mehrere Referierende stellten zur Diskussion, ob Psoriasis in Zukunft zu verhindern oder sogar heilbar sein könnte. Dazu müsse man Patienten, die erst seit 1-2 Jahren erkrankt sind, „frühzeitig“ mit wirksamen Medikamenten behandeln. Denn nur dann würden langfristig deutlich weniger Psoriasis-Gedächtniszellen gebildet werden. So könne man den Verlauf der Krankheit ursächlich beeinflussen („Disease Modification“), damit sie dann eher mild verläuft oder gar nicht mehr auftritt. Zusätzlich würde man vermutlich Begleiterkrankungen vermeiden und könne möglicherweise Medikamente langfristig absetzen.
 


	Prof. Khusru Assadullah erläuterte, wer aus dieser Gruppe gemeint ist: Die schwer oder mittelschwer an Psoriasis Erkrankten und diejenigen, die besonders betroffen sind, z.B. im Gesicht oder an den Händen (Upgrade-Kriterien). Bei denen sollte nicht erst mit wirkungsschwachen Therapien herumprobiert werden. Sie sollten von Anfang an mit einem Medikament behandelt werden, das für ihren Fall die beste Wirkung hat. Nur so könne man einer lebenslangen „Psoriasis-Karriere“ entgegenwirken. Assadullah appellierte an die knapp 70 Prozent der Dermatologen, die keine Biologika verschreiben, diese wissenschaftliche Erkenntnis umzusetzen.
 


	Therapieziel wird jetzt absolut gesehen



	Der Erfolg einer Therapie wird daran gemessen, wie gut sich die Psoriasis zurückgebildet und wie positiv sich das Lebensgefühl verändert hat. Bisher wurde das daran gemessen, um wie viel Prozent der PASI sich verbessert hat. So bedeutet „PASI 75“, dass sich die Schuppenflechte am Ende gegenüber der Anfangssituation um 75 Prozent verbessert hat. Je nach Ausgangslage kann aber jemand nach dieser Messung immer noch hartnäckige Pso-Stellen haben. 
 


	Das soll sich zukünftig ändern, so Dr. Ralph von Kiedrowski. Dann solle eine Therapie als erfolgreich gelten, wenn ein (absoluter) PASI ≤ 2 erreicht ist, d.h. man fast erscheinungsfrei ist. Der PASI misst den Schweregrad der Plaque Psoriasis (Hautrötung, Plaque-Dicke, betroffene Körperoberfläche) auf einer Scala von 0-72. Ein weiteres Therapieziel, so von Kiedrowski sei, dass die Patienten „keinen Leidensdruck“ mehr haben. Beides würde in der Aktualisierung der Behandlungs-Leitlinien aufgenommen werden.
 


	Medikamente helfen dauerhaft



	Verschiedenste Langzeituntersuchungen zeigen, dass die Medikamente bei mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis langfristig wirksam sind:
 


	
		Cosentyx, Taltz, Kyntheum und Bimzelx wirken nach zwei Jahren besser als andere Biologika; (PSoHO study, finanziert von Eli Lilly)
	
	
		Sotyktu hielt die im ersten Jahr erreichten PASI-Verbesserungen der Haut, der Kopfhaut und der Fingernägel auch nach vier Jahren bei südost-asiatischen Patienten konstant; (Studie finanziert von Bristol Myers Squib)
	
	
		Bimzelx konnten die Verbesserungen aus der 16. Woche auch nach 4 Jahren aufrechterhalten. Besonders gut sprachen diejenigen an, die zuvor mit einem anderen Biologikum behandelt wurden (BE BRIGHT + BE RADIANT finanziert von UCB Pharma).
	
	
		Kyntheum wirkte bei Patienten mit einem BMI&gt;30 über zwei Jahre genau so gut, wie bei denjenigen mit einem BMI ≤30; (Studie finanziert von Ortho Dermatologics International)
	
	
		Tremfya wirkt auch nach fünf Jahren, unabhängig davon, wie schwer die Psoriasis zu Beginn der Behandlung war oder womit vorher behandelt wurde (Studie finanziert von Johnson &amp; Johnson).
	



	Psoriasis oder Ekzem/atopische Dermatitis (Neurodermitis)?



	Nicht immer ist eindeutig zu ermitteln, ob ein Hautsymptom eine Psoriasis oder eine atopische Dermatitis (AD) ist bzw. ein Ekzem oder eine Hand-/Fuß-Psoriasis. Dann wird eine Hautprobe (Biopsie) gemacht, um unter dem Mikroskop das Gewebe zu betrachten (Histologie). Da gibt es typische Muster für die jeweilige Erkrankung. Aber es gibt auch untypische, so dass sich die Histopathologen manchmal uneinig sind. Schließlich gibt es Patienten, die sowohl an Psoriasis wie auch an der AD erkrankt sind.
 


	10-50 % der Betroffenen mit Psoriasis oder AD werden falsch diagnostiziert, so Prof. Natalie Garzorz-Stark. Meist werden AD-Betroffene behandelt, als wären sie an Psoriasis erkrankt. Das ist dann aber eine falsche Therapie. In der weltweit größten berufsdermatologischen Studie an der Uni Heidelberg (P287) hatten anfangs fast 40 % der Teilnehmenden eine unklare Diagnose. Bei fast 32 % wurde dann mithilfe einer „molekularen Diagnostik“ ein Ekzem festgestellt.
 


	Das ist möglich, weil man inzwischen die Zellen im Immunsystem kennt, die bei der jeweiligen Erkrankung aktiv sind: Das sind bestimmte T-Helferzellen, Interferone (Proteine) und Leukozyten. Die können durch das Verfahren der molekularen Diagnostik identifiziert werden. Dazu bedarf es lediglich etwas entzündete Haut, entnommen mit einem Klebestreifen. Die Analyse, welche Moleküle des Immunsystems in welcher Anzahl vorhanden sind, lässt ziemlich genau bestimmen, ob es sich um eine Psoriasis oder eine AD bzw. ein Ekzem handelt. 
 


	Das Verfahren heißt „PsorX“ und ist ein Startup aus öffentlicher Forschung. Die Analyse wird nicht von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt und kann bis zu 450 Euro kosten. Die richtige Diagnose ist vor allem dann wichtig, wenn es darum geht, ob die Berufsgenossenschaft die Behandlung bezahlt. Handekzeme sind meist als Berufserkrankung anerkannt, Psoriasis an Händen dagegen eher selten.
 


	Mit Stigmatisierung und Selbststigmatisierung umgehen



	Ein wichtiges Thema in den vergangenen Jahren war die Erkenntnis, dass Menschen mit Hauterkrankungen immer wieder Vorurteilen ausgesetzt sind und deshalb von ihrer Umwelt abgelehnt und ausgrenzt (stigmatisiert) werden. Viele verinnerlichen diese Erfahrung, bekommen psychische Probleme und ziehen sich zurück (Selbst-Stigmatisierung). Zu diesem Thema gab es Befragungen der Betroffenen ( Psoriasis-Netz , FORSA ) und Projekte mit Berufsgruppen. Was bisher fehlte, war ein Bewältigungskonzept für die Betroffenen. 
 


	Den ersten Versuch dazu stellten Juliane Traxler und Dr. Rachel Sommer vor: Mit ihrem Online-Programm „HautKompass“ sollten die Teilnehmenden lernen, Selbst-Stigmatisierung wahrzunehmen und damit umzugehen. Daran beteiligten sich knapp 300 Betroffene mit unterschiedlichen Hauterkrankungen. Sechs Monate später wurde überprüft, wie das Programm sich ausgewirkt hatte. Gegenüber der ersten Befragung war die Selbst-Stigmatisierung bei den Teilnehmenden zurückgegangen, während das Selbstmitgefühl zugenommen hat. Auch die Depression hat nachgelassen, und das eigene Körperbild hat sich verbessert. Die Veränderungen waren deutlich messbar, wenn auch nicht überragend.
 


	Das Projekt wird demnächst weitergeführt. Wenn es Dich interessiert mitzumachen, kannst Du Dich anmelden.
 


	In Kürze



	
		Bei der palmoplantaren pustulösen Psoriais haben sich Apremilast (Otezla) und Guselkumab (Tremfya) in Japan erfolgreich gezeigt, so Prof. Rotraut Mössner. In Deutschland können sie nur außerhalb der Zulassung („off-label“) eingesetzt werden.
	
	
		Bei erythrodermischer, guttata oder instabiler Psoriasis hat sich Deucravaticinib (Sotyktu) bewährt, weil es auch den wesentlichen Botenstoff IFN-α blockiert, so Prof. Curdin Conrad. In Deutschland kann das nur außerhalb der Zulassung („off-label“) eingesetzt werden.
	
	
		Pro- und Präbiotika haben bei Patienten mit Psoriasis im Placebovergleich nach 12 Wochen keinen wesentlichen Einfluss auf die Hautläsionen sowie auf die Mikrobiota der Haut und des Darms gehabt (P190).
	
	
		Das Biologikum als Tablette lässt auf sich warten: Die Phase 3-Studie mit dem oralen IL-23-Hemmer Icotrokinra läuft noch. Es ist nicht absehbar, wann er verfügbar sein wird.
	
	
		Corona-Infektion wie auch Corona-Impfung können dazu führen, dass eine Psoriasis neu auftritt. Nach einer Ansteckung erkrankten deutlich mehr erstmals an Psoriasis als nach einer Impfung. Besonders häufig traten Psoriasis-Arthritis und palmoplantare pustulöse Psoriasis auf (Abstract FV03/05).
	
	
		In Deutschland steigt die Zahl derjenigen, die sich in „Barber-Shops“ mit einer Pilzerkrankung infizieren (P137). Berichtet wurde von einem Fall, bei dem man zuerst eine Psoriasis vermutete.
	
	
		Es gibt einen deutlichen Rückgang an Dermatologen, so dass es theoretisch in 20 Jahren keine mehr geben könnte. Schon heute behandeln nur noch 40 % alle Hautkrankheiten. In einigen deutschen Regionen, so Prof. Matthias Augustin, würden Hautpatienten so schlecht „wie auf dem Balkan“ versorgt.
	



	Produkte mit natürlichen Wirkstoffen



	Für Patienten, die nach pflanzlichen Wirkstoffen suchen, gibt es immer mal wieder neue Angebote. Wir empfehlen sie aber nur bei einer leichter Psoriasis. Da kann man unbedenklich alles ausprobieren! 
	In schwereren Fällen gilt Psoriasis als umfassende Entzündungskrankheit mit möglichen Auswirkungen auf andere Organe. Da geht es dann um mehr als lediglich um Hautsymptome. Dann muss mit innerlich wirkenden Medikamenten behandelt werden. 
 


	
		DERMASENCE bietet zwei Produkte an, die speziell für die Psoriasis gedacht sind:  
		Vitop Psoricur Akutpflegecreme enthält Färberwaid-Extrakt mit dem Wirkstoff Indirubin. In einer Studie haben 200 Mikrogramm pro Gramm Indirubin die Schuppenflechte deutlich verbessert. Wie viel davon in dieser Creme enthalten ist, wird nicht veröffentlicht. Die Menge orientiere sich aber an der genannte Studie, so ein Firmensprecher. 
		Adtop 40 % Urea Oleogel hat einen extrem hohen Anteil an Harnstoff und kann damit starke Verhornungen an Plaques und Nägeln auflösen.
	
	
		Alnapharm hat noch einmal auf das Medizinprodukt Alnovat zur Behandlung der Psoriasis hingewiesen. Das enthält Ölextrakte aus Haselnüssen, Kokosnüssen, Mandeln, Brennnessel und Bittermandel. Von keinem dieser Wirkstoffe ist bekannt, dass er auf die Psoriasis wirkt. Trotzdem schnitt diese Kombination pflanzlicher Öle in einer seriösen Studie vergleichsweise besser ab als Calcipotriol. Die Creme kann im Gesicht angewendet werden.
	
	
		VICHY bietet das Pflegeshampoo PSOlution speziell für die Schuppenflechte auf dem Kopf an. Es enthält 5% Harnstoff (bildet Feuchtigkeit), 2% Salicylsäure (löst Schuppen) und 1% Pirocon Olamin (verringert Schuppenbildung).]]></description><enclosure url="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2025_05/ddg-tagung-citycube-berlin-2025.jpg.67a412bd1f50aeaf07cd16e52e7e7150.jpg" length="144164" type="image/jpeg"/><pubDate>Fri, 23 May 2025 13:52:00 +0000</pubDate></item><item><title>Neue und bekannte Exzellenzcluster: Viel Geld auch f&#xFC;r Psoriasis-Forscher</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/forschung/neue-und-bekannte-exzellenzcluster-viel-geld-auch-fuer-psoriasis-forscher-r1355/</link><description>Am Donnerstagabend verk&#xFC;ndete die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), welche Projekte in den n&#xE4;chsten Jahren mit viel Geld gef&#xF6;rdert werden. Auch in der neuen F&#xF6;rderrunde f&#xFC;r sogenannte Exzellenzcluster sind Projekte aus der Psoriasis-Forschung dabei.
 


	Wer an Psoriasis leidet, wei&#xDF;, wie sehr diese chronische Hautkrankheit den Alltag beeinflussen kann. Die Symptome sind nicht nur &#xE4;u&#xDF;erlich sichtbar, sondern belasten oft auch das Selbstbewusstsein und die Lebensqualit&#xE4;t. Viele Betroffene fragen sich: Wann gibt es endlich noch bessere Therapien? Wie entstehen eigentlich neue Medikamente? Und warum dauert das alles so lange?
 


	Ein entscheidender Motor f&#xFC;r Fortschritte in der Behandlung von Psoriasis sind gro&#xDF;e Forschungsverb&#xFC;nde, sogenannte Exzellenzcluster, die von Bund und L&#xE4;ndern gef&#xF6;rdert werden. In diesen Clustern arbeiten Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen eng zusammen, um die Ursachen und Mechanismen von Krankheiten wie Psoriasis besser zu verstehen &#x2013; und daraus neue Therapien zu entwickeln.
 


	Was sind Exzellenzcluster &#xFC;berhaupt?



	Exzellenzcluster sind gro&#xDF;e, meist an Universit&#xE4;ten angesiedelte Forschungsverb&#xFC;nde, die von der DFG und den Bundesl&#xE4;ndern mit besonders viel Geld gef&#xF6;rdert werden. Die Idee dahinter: Wenn viele kluge K&#xF6;pfe aus verschiedenen Fachrichtungen gemeinsam an einem Thema arbeiten, geht die Forschung schneller voran und die Ergebnisse sind besser. In Deutschland gibt es immer wieder Ausschreibungen, bei denen Universit&#xE4;ten ihre besten Ideen einreichen &#x2013; und nur die &#xFC;berzeugendsten Cluster werden dann ausgew&#xE4;hlt und f&#xFC;r mehrere Jahre gef&#xF6;rdert.
 


	F&#xFC;r die Psoriasis-Forschung besonders wichtig waren und sind die Cluster aus Norddeutschland: zuerst der Exzellenzcluster &#x201E;Entz&#xFC;ndungsforschung an Grenzfl&#xE4;chen&#x201C; (Inflammation at Interfaces, 2007&#x2013;2018) und aktuell noch der Nachfolger &#x201E;Precision Medicine in Chronic Inflammation&#x201C; (PMI, seit 2019). 
 


	Der Exzellenzcluster PMI wird gemeinsam von der Christian-Albrechts-Universit&#xE4;t zu Kiel (CAU) und der Universit&#xE4;t zu L&#xFC;beck (als Mitantragstellerin) getragen. Die Forscher erhalten nun in der Wettbewerbsrunde der Exzellenzstrategie erneut eine F&#xF6;rderzusage. Die F&#xF6;rderrunde l&#xE4;uft ab 1. Januar 2026 &#xFC;ber sieben Jahre bis Ende 2032. Die beantragte F&#xF6;rdersumme liegt bei fast 70 Millionen Euro.
 


	Dies ist bereits die dritte aufeinanderfolgende F&#xF6;rderzusage f&#xFC;r den Cluster bzw. seine Vorg&#xE4;ngerinitiativen. Das ist &#xE4;u&#xDF;erst selten und kann als Beleg f&#xFC;r die exzellente Forschung und erfolgreiche interdisziplin&#xE4;re Zusammenarbeit verstanden werden.
 


	Warum ist Psoriasis ein Thema f&#xFC;r die Spitzenforschung?



	Psoriasis ist viel mehr als &#x201E;nur&#x201C; eine Hautkrankheit. Sie ist eine chronisch-entz&#xFC;ndliche Erkrankung, bei der das Immunsystem fehlgeleitet ist und die Haut angreift. Au&#xDF;erdem wissen wir heute, dass Menschen mit Psoriasis ein erh&#xF6;htes Risiko f&#xFC;r andere Krankheiten haben, zum Beispiel f&#xFC;r Gelenkentz&#xFC;ndungen (Psoriasis-Arthritis), Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Das macht die Erforschung dieser Krankheit besonders spannend &#x2013; und wichtig.
 


	Die Exzellenzcluster in Norddeutschland haben sich darauf spezialisiert, die Entstehung und den Verlauf chronisch-entz&#xFC;ndlicher Erkrankungen an sogenannten Barriereorganen zu erforschen. Dazu geh&#xF6;ren neben der Haut auch der Darm und die Lunge. Die Forscher wollen herausfinden, warum das Immunsystem bei manchen Menschen aus dem Gleichgewicht ger&#xE4;t und wie man diese Prozesse gezielt beeinflussen kann.
 


	Bisherige Erfolge vom Exzellenzcluster im Norden



	Die Erfolge der letzten Jahre k&#xF6;nnen sich sehen lassen &#x2013; auch wenn sie f&#xFC;r Au&#xDF;enstehende manchmal unsichtbar bleiben. Hier ein paar Beispiele:
 


	Neue Risikogene entdeckt



	Im Rahmen des Exzellenzclusters &#x201E;Entz&#xFC;ndungsforschung an Grenzfl&#xE4;chen&#x201C; haben Forscher aus Kiel und L&#xFC;beck in einer riesigen internationalen Studie zehn neue Risikogene f&#xFC;r Psoriasis entdeckt. Das bedeutet: Sie haben Genvarianten gefunden, die das Risiko erh&#xF6;hen, an Psoriasis zu erkranken. Besonders spannend war die Entdeckung einer Variante im Gen TRAF3IP2, die einen wichtigen Einfluss auf die Krankheitsentstehung hat.
 


	Solche Erkenntnisse sind wichtig, weil sie helfen, die Ursachen der Krankheit besser zu verstehen. Sie zeigen, dass Psoriasis nicht &#x201E;selbstverschuldet&#x201C; ist, sondern eine starke genetische Komponente hat &#x2013; und dass man gezielt nach neuen Therapien suchen kann, die genau an diesen molekularen Schaltstellen ansetzen.
 


	Neue Medikamente &#x2013; auch als Tablette



	Ein weiteres Highlight: Die Entwicklung und klinische Erprobung neuer Medikamente, die gezielt in die Entz&#xFC;ndungsprozesse eingreifen. Ein Beispiel ist das neue Medikament mit dem Wirkstoff Icotrokinra, das auf den Botenstoff Interleukin-23 (IL-23) abzielt und erstmals als Tablette eingenommen werden kann. In einer klinischen Studie, an der auch Patienten aus Schleswig-Holstein teilgenommen haben, zeigte das Medikament eine sehr gute Wirksamkeit bei Psoriasis &#x2013; und das bei geringen Nebenwirkungen. Die Ergebnisse wurden sogar im renommierten New England Journal of Medicine ver&#xF6;ffentlicht.
 


	F&#xFC;r viele Betroffene ist das eine echte Hoffnung: W&#xE4;hrend viele moderne Biologika (z. B. Antik&#xF6;rper-Therapien) bisher nur als Spritze verabreicht werden k&#xF6;nnen, k&#xF6;nnte es in Zukunft auch wirksame Tabletten gegen Psoriasis geben.
 


	Personalisierte Medizin



	Die Forscherinnen im Exzellenzcluster PMI arbeiten daran, die Behandlung von Psoriasis immer individueller zu machen. Das Ziel: Nicht mehr &#x201E;one size fits all&#x201C;, sondern Therapien, die genau zu den jeweiligen Patientinnen passen. Daf&#xFC;r werden gro&#xDF;e Mengen an Daten ausgewertet &#x2013; von genetischen Informationen &#xFC;ber Blutwerte bis zu klinischen Symptomen. Mit Hilfe von k&#xFC;nstlicher Intelligenz und modernen Analysemethoden sollen so Biomarker gefunden werden, die vorhersagen, welche Therapie bei wem am besten wirkt.
 


	Exzellenzcluster auch an anderen Universit&#xE4;ten



	ImmunoSensation3 ist ein weiteres Projekt mit Bezug zu immunologischer Forschung, das als Exzellenzcluster weiter gef&#xF6;rdert wird. Das Exzellenzcluster widmet sich der Erforschung der Vielfalt des Immunsystems &#x2013; der sogenannten Immundiversit&#xE4;t. Das Immunsystem ist bei jedem Menschen einzigartig und ver&#xE4;ndert sich im Laufe des Lebens. Diese Unterschiede beeinflussen, wie wir auf Krankheitserreger, Entz&#xFC;ndungen oder auch auf Therapien reagieren. ImmunoSensation3 bringt &#xFC;ber 80 Forschungsgruppen aus Immunologie, Neurowissenschaften, Systembiologie und weiteren Disziplinen zusammen, um die individuellen Unterschiede im Immunsystem zu entschl&#xFC;sseln. Ziel ist es, besser zu verstehen, warum manche Menschen anf&#xE4;lliger f&#xFC;r chronische Entz&#xFC;ndungen oder Autoimmunerkrankungen sind &#x2013; und wie sich daraus k&#xFC;nftig personalisierte Therapien und Pr&#xE4;ventionsstrategien entwickeln lassen. Die Ergebnisse k&#xF6;nnten langfristig auch die Behandlung und Vorbeugung von Erkrankungen wie Psoriasis beeinflussen, indem sie helfen, ma&#xDF;geschneiderte Therapien f&#xFC;r einzelne Patienten zu entwickeln
 


	Neu ist ein Projekt namens ImmunoPreCept. Darin wollen Berliner Forscher herausfinden, was uns gesund h&#xE4;lt &#x2013; auf zellul&#xE4;rer und molekularer Ebene. Sie wollen verstehen, welche biologischen Prozesse den menschlichen K&#xF6;rper gesund halten &#x2013; und was diese aus dem Gleichgewicht bringt. Dazu analysieren sie zellul&#xE4;re Signalwege, also die Kommunikation in und zwischen den Zellen in Geweben. Langfristig sollen individuelle pr&#xE4;ventive Behandlungsans&#xE4;tze entstehen, die Krankheiten verhindern, schon bevor erste Symptome auftreten.</description><enclosure url="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2025_05/forscherin-exzellenzcluster.jpg.c8949d1804d4a9eea2b2322a68606580.jpg" length="144211" type="image/jpeg"/><pubDate>Fri, 23 May 2025 10:25:00 +0000</pubDate></item><item><title>Luftverschmutzung und Psoriasis: Neue Erkenntnisse</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/forschung/luftverschmutzung-und-psoriasis-neue-erkenntnisse-r1318/</link><description>Luftverschmutzung und genetische Anf&#xE4;lligkeit &#x2013; das ist f&#xFC;r Menschen mit Psoriasis kein gutes Duo. Eine Studie zeigt, wie Umweltfaktoren und unsere Gene zusammen das Risiko f&#xFC;r Schuppenflechte erh&#xF6;hen k&#xF6;nnen. Forscher haben daf&#xFC;r Daten von fast einer halben Million Menschen untersucht. Doch es gibt Einschr&#xE4;nkungen, die die Ergebnisse beeinflussen k&#xF6;nnten.
 


	Warum die Forscher die Studie gemacht haben



	Soviel ist klar: Psoriasis ist eine h&#xE4;ufige, entz&#xFC;ndliche Hautkrankheit, die durch genetische und Umweltfaktoren beeinflusst wird. Die Rolle der langfristigen Luftverschmutzung bei der Entstehung von Psoriasis ist jedoch noch wenig erforscht.
 


	Welches Ziel die Studie hatte



	Die Forscher aus China wollten herausfinden, ob langfristige Luftverschmutzung das Risiko f&#xFC;r Psoriasis erh&#xF6;ht und ob genetische Anf&#xE4;lligkeit diesen Zusammenhang beeinflusst.
 


	Wie die Studienautoren vorgegangen sind



	Die Studie nutzte Daten von 474.055 Teilnehmern der UK Biobank, die zu Beginn der Studie keine Schuppenflechte hatten. Die Forscher analysierten die Exposition gegen&#xFC;ber verschiedenen Luftschadstoffen und berechneten genetische Risikowerte f&#xFC;r Psoriasis. Sie verwendeten Cox-Modelle, um den Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Psoriasis-Risiko zu untersuchen.
 


	Welche Ergebnisse die Forscher fanden



	Die Studie zeigte, dass eine h&#xF6;here Exposition gegen&#xFC;ber Feinstaub (PM2.5 und PM10), Stickstoffdioxid (NO2) und Stickoxiden (NOx) mit einem erh&#xF6;hten Risiko f&#xFC;r Psoriasis verbunden ist. Personen mit hoher genetischer Anf&#xE4;lligkeit und hoher Luftverschmutzung hatten ein besonders hohes Risiko.
 


	Zu welcher Schlussfolgerung die Forscher kommen



	Langfristige Luftverschmutzung erh&#xF6;ht das Psoriasis-Risiko, und genetische Anf&#xE4;lligkeit verst&#xE4;rkt diesen Effekt. Dies deutet darauf hin, dass Umwelt- und genetische Faktoren gemeinsam zur Entstehung von Psoriasis beitragen.
 


	
		
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	Welche Einschr&#xE4;nkungen die Forscher f&#xFC;r ihre Studie sehen



	Die Studie k&#xF6;nnte durch einen sogenannten Selektionsbias beeinflusst sein. Das bedeutet, dass die Studienteilnehmer nicht repr&#xE4;sentativ f&#xFC;r diejenigen sind, f&#xFC;r die die Ergebnisse eigentlich gelten sollen.
 


	Au&#xDF;erdem wurden nicht alle m&#xF6;glichen genetischen Varianten ber&#xFC;cksichtigt. Und: Die Ergebnisse sind haupts&#xE4;chlich auf wei&#xDF;e Europ&#xE4;er beschr&#xE4;nkt.
 


	Wo die Studie stattfand



	Die Studie wurde in Gro&#xDF;britannien durchgef&#xFC;hrt.
 


	Best&#xE4;tigen oder widerlegen die Ergebnisse fr&#xFC;here Studien?



	Die Ergebnisse best&#xE4;tigen fr&#xFC;here Studien, die einen Zusammenhang zwischen kurzfristiger Luftverschmutzung und Psoriasis zeigen, und erweitern diese Erkenntnisse auf langfristige Exposition und genetische Faktoren.
 


	Wer die Studie finanziert hat



	Die Studie wurde von der China Postdoctoral Science Foundation finanziert.
 


	Fachbegriffe erkl&#xE4;rt



	
		Feinstaub (PM2.5 und PM10): Feinstaub sind winzige Partikel in der Luft, die kleiner als 2,5 Mikrometer (PM2.5) bzw. 10 Mikrometer (PM10) sind. Sie entstehen durch Verkehr, Industrie und andere menschliche Aktivit&#xE4;ten und k&#xF6;nnen tief in die Lunge eindringen und gesundheitliche Probleme verursachen.
	
	
		Cox-Modell: Ein statistisches Modell, das verwendet wird, um die Zeit bis zum Eintreten eines bestimmten Ereignisses (z.B. Psoriasis) zu analysieren. Es ber&#xFC;cksichtigt verschiedene Einflussfaktoren und erm&#xF6;glicht es, deren Effekt auf das Risiko zu sch&#xE4;tzen.
	
	
		UK Biobank: Die UK Biobank ist eine gro&#xDF; angelegte biomedizinische Datenbank und Forschungsquelle im Vereinigten K&#xF6;nigreich. Sie zielt darauf ab, den Einfluss genetischer Veranlagungen und Umweltfaktoren auf die Entstehung von Krankheiten zu untersuchen. Die UK Biobank sammelt umfangreiche genetische, gesundheitliche und lebensstilbezogene Informationen von etwa 500.000 Teilnehmern. Diese Daten werden anonymisiert, um die Privatsph&#xE4;re der Teilnehmer zu sch&#xFC;tzen. Die UK Biobank bietet Forschern Zugang zu einer F&#xFC;lle von Daten, die f&#xFC;r eine Vielzahl von Studien genutzt werden k&#xF6;nnen, darunter solche zur Untersuchung von Krankheitsursachen und zur Entwicklung neuer Behandlungsans&#xE4;tze.</description><enclosure url="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2024_09/studie-luftverschmutzung-psoriasis.jpg.0a71862c0e7e5430732c90582c724775.jpg" length="134818" type="image/jpeg"/><pubDate>Tue, 01 Oct 2024 04:37:00 +0000</pubDate></item><item><title>Neues und Bew&#xE4;hrtes zur Psoriasis 2024</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/forschung/neues-und-bewaehrtes-zur-psoriasis-2024-r1305/</link><description><![CDATA[Im Juli waren wir bei der FOBI 2024 in München – einem Fortbildungskongress für Hautärzte. Vieles, was wir in „Neues und Bewährtes zur Psoriasis im Jahre 2023“ berichtet haben, wurde aufgegriffen und vertieft. Einige Neuigkeiten für uns Menschen mit Schuppenflechte gab es aber doch.
 


	Als zukunftsweisende Neuentwicklung gelten die Janus-Kinase-Hemmer. In nächster Zeit werden mehrere äußerlich und innerlich anzuwendende JAK-Präparate verfügbar sein. Es wird außerdem Tabletten mit Biologika-Wirkstoffen geben.
 


	Ein Schwerpunkt waren die Psoriasis-Gedächtniszellen, die durch frühzeitige Behandlung zurückgedrängt werden können. Ein anderer Schwerpunkt waren die Ausnahmefälle, in denen Biologika verschrieben werden dürfen, obwohl die Zulassung das nicht vorsieht.
 


	Vereinzelt wurde bezweifelt, ob „altehrwürdige“ Wirkstoffe wie MTX und Fumarsäure oder Bestrahlung noch geltender Stand der Wissenschaft seien.
 


	Psoriasis war weniger Thema bei den wissenschaftlichen Vorträgen, dafür umso häufiger bei den Veranstaltungen der Pharmafirmen. Vor allem auf diesen "Industriesymposien" werden Studien vorgestellt und von Experten interpretiert. 
 


	Ja, der Artikel ist lang! Aber Ihr könnt in der Übersicht die Themen anklicken, die Euch interessieren.
 


	Für schnelle Leser



	
		Der TYK-2 Hemmer Deucravacitinib (Sotyktu) verliert auch nach vier Jahren nicht an Wirkung; die Nebenwirkungen gehen um die Hälfte zurück, schwere Nebenwirkungen bleiben gleich hoch.
	
	
		Wessen Psoriasis erst zwei Jahre andauert, sollte gleich mit einem IL-23-Hemmer behandelt werden. Damit können Gedächtniszellen zurückgedrängt und langfristig eine schwere Psoriasis vermieden werden. Möglicherweise auch eine Psoriasis Arthritis.
	
	
		Damit Betroffene sofort mit einem Biologikum behandelt werden dürfen, sollten sie bei der Untersuchung alle (auch schambehaftete) Stellen zeigen und alle (auch peinlichen) Probleme erwähnen. Gehören die zu den „Upgrade-Kriterien“, reicht eines davon aus.
	
	
		Konventionelle Therapien (v.a. MTX, Fumarate, Bestrahlung) geraten in Verruf, weil sie im Vergleich zu neuen Wirkstoffen deutlich schlechter wirken und Begleiterkrankungen nicht beeinflussen.
	
	
		Methotrexat (MTX) hält Gelenkzerstörungen bei der Psoriasis Arthritis (PsA) nicht besser auf als ein Placebo. Alle vorgelegten Studien dazu entsprechen nicht dem aktuellen wissenschaftliche Standard. 
	
	
		Es ist noch unklar, wann die Tacrolimus-Emulsion Sumilo auf den Markt kommt.
	



	Die Einzelheiten



	Vierjahres-Ergebnisse für TYK2-Hemmer



	Von den TYK-2-Hemmern ist bisher nur Deucravacitinib (Sotyktu) für die Behandlung der Schuppenflechte zugelassen. Darüber haben wir ausführlich berichtet ("Tablette statt Spritze"). Die Professoren Astrid Schmieder (Würzburg) und Andreas Pinter (Frankfurt) legten aktuelle Daten von Patienten vor. Die wurden vier Jahre lang mit dem Wirkstoff behandelt. Das ist natürlich aussagekräftiger als die Ergebnisse der Zulassungsstudien. Die haben nur 16 Wochen gedauert.
 


	Es zeigte sich, dass die Wirkung von Deucravacitinib auch nach über vier Jahren nicht nachlässt. Im Vergleich zum Beginn der Therapie ist die Schuppenflechte dauerhaft zurückgegangen: Bei über 70 Prozent der Patienten um 75 Prozent (PASI 75). Knapp 50 Prozent erreichten sogar einen PASI 90.
 


	Die Zahl schwerer Nebenwirkungen ist nur leicht zurückgegangen. Sie betrug fünf Fälle pro 100 Patientenjahre. Alle anderen Nebenwirkungen gingen nach vier Jahren durchgängig um die Hälfte zurück. Das sind vor allem Nasen-/Rachenentzündungen, Atemwegsinfektionen, Kopfschmerzen, Durchfall und Gelenkschmerzen. Die Laborwerte blieben weiterhin unauffällig.
 


	Deucravacitinib darf grundsätzlich nur dann verschrieben werden, wenn vorher andere Medikamente nicht gewirkt haben ("second line label“). Professor Pinter wies darauf hin, dass es aber möglich sei, es sofort zu verschreiben: wenn im konkreten Fall die Psoriasis derart schwer ist, dass konventionelle Wirkstoffe nicht helfen würden.
 


	
 


	Und die Nebenwirkungen?
 


	
		Es traten im Laufe der 4 Jahre keine neuen Nebenwirkungen auf. Das Sicherheitsprofil blieb gleich.
	
	
		Die Rate der Nebenwirkungen sank von 229,2 pro 100 Patientenjahre im 1. Jahr auf 131,7 im 4. Jahr.
	
	
		Schwere Nebenwirkungen und Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen nahmen ebenfalls ab.
	
	
		Die Häufigkeit von Gürtelrose, Krebs, schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen, Venenthrombosen und Todesfällen ging zurück oder blieb stabil.
	



	Psoriasis nicht chronisch werden lassen



	Erst seit einigen Jahren weiß man, dass es Gedächtniszellen gibt, die ins Spiel kommen, wenn eine Schuppenflechte reaktiviert wird. Sie bilden sich als „immunologisches Gedächtnis“ an den Hautstellen, an denen Psoriasis-Läsionen entstehen. Wenn dann die Entzündung durch die Behandlung zurückgeht, bleiben diese Zellen weiterhin dort im Gewebe. Deshalb bildet sich die Schuppenflechte immer wieder an den gleichen Stellen.
 


	Das ergab die GUIDE-Studie, die deshalb in der Fachwelt für erhebliche Furore gesorgt habe, so Professor Pinter. Es wurde untersucht, wie der Interleukin-23-Hemmer Guselkumab (Tremfya) bei Patienten mit unterschiedlich langer Krankheitsdauer wirkt. Es zeigte sich, dass diejenigen am besten und schnellsten auf den Wirkstoff reagierten, die nicht länger als zwei Jahre an Psoriasis erkrankt waren. Nach 68 Wochen hatten 93 Prozent der Kurzzeit-Erkrankten einen absoluten PASI&lt; 3, sind also nur noch minimal beeinträchtig. Der PASI misst den Schweregrad (Hautrötung, Plaque-Dicke, betroffene Körperoberfläche) auf einer Scala von 0-72.  Aus dieser Gruppe waren sogar 81,1 Prozent komplett erscheinungsfrei. Dieses Ergebnis hielt noch 18 Monate nach Absetzen des Biologikums an. Von den Langzeit-Erkrankten erreichten dagegen nur 38,1 Prozent eine völlige Abheilung (absoluter PASI =0). Patienten, die derart gut auf den Wirkstoff reagieren, werden „Super-Responder“ genannt. Wird ihnen das Medikament nach einer Pause wieder gegeben, wirkt es so gut wie vorher.
 


	Die GUIDE-Studie hat gezeigt, dass die Zahl der Gedächtniszellen in der Haut kontinuierlich zurückgeht, wenn das IL- 23 blockiert wird. Nach wenigen Wochen gleicht das Hautgewebe an den Psoriasis-Stellen dem einer normalen Haut. Es gebe aber nur ein kurzes Zeitfenster, in dem man eingreifen könne, damit eine Psoriasis nicht chronisch wird, so Professorin Petra Staubach (Mainz). Seit man das weiß, wird empfohlen, bei kurzzeitig Erkrankten nicht lange mit anderen Therapien herumzuprobieren, sondern gleich mit einem IL-23-Hemmer zu behandeln. Professor Khusru Asadullah (Potsdam) spricht vom Therapie-Prinzip „smart and early“ – rät also, klug und frühzeitig zu behandeln.
 


	Damit werde eine Schuppenflechte zwar nicht völlig verhindert, aber man habe sie unter Langzeitkontrolle, so Dr. Ralph von Kiedrowski (Selters). Vermutlich könne man durch frühzeitige Behandlung auch einer Psoriasis Arthritis entgegenwirken: Denn das IL-23 ist wesentlich an der Entstehung der PsA beteiligt. Professor Pinter vermutet, dass die frühzeitige Behandlung mit allen IL-Blockern wirkt, weil das Interleukin 23 die Gruppe der IL-17 aktiviert.
 


	Professor Ulrich Mrowietz (Kiel) wies darauf hin, dass Kurzzeit-Erkrankte nicht nur frühzeitig behandelt werden sollten. Sie müssten von Anfang an in ein Netzwerk aus Arztpraxis, Familie und anderen eingebunden werden, das sie unterstützt, um die Belastungen möglichst gering zu halten.
 


	Biologika wenn’s besonders schlimm ist



	Die Psoriasis-Leitlinie nennt Fälle, in denen sofort mit einem Biologikum behandelt werden darf. Konventionelle Therapien (Bestrahlung, Fumarate, Methotrexat) müssen dann nicht vorher ausprobiert werden. (Therapie-Empfehlungen und Ausnahmen). Es reicht aus, dass eines dieser „Upgrade-Kriterien“ vorliegt. Dr. Nina Magnolo (Münster) plädierte dafür, in diesen Fällen auch Kinder gleich mit einem für sie zugelassenen Biologikum zu behandeln. Nicht aufgenommen sei eine schwere Fußnagel-Beteiligung, so Professor Johannes Wohlrab (Halle). Professor Pinter geht davon aus, dass diese Upgrade-Kriterien nicht nur für Biologika gelten. Wenn eine Psoriasis derart schwer ist, dass konventionelle Wirkstoffe erfahrungsgemäß nicht helfen, dürfte auch Deucravacitinib (Sotyktu) sofort verschrieben werden.
 


	Es wurde allgemein beklagt, dass Psoriasis-Patienten eher zurückhaltend seien. Bei der Untersuchung würden oft nicht alle Stellen gezeigt werden. Niemand sollte sich scheuen, die Hautärztin darauf hinzuweisen, wenn eines dieser Upgrade-Kriterien vorliegt. Vor allem wenn es um schambesetzte Bereiche geht, wie z.B. die Genitalien oder den Po. Aber auch eher peinliche Probleme, die man im Alltag mit seiner Umwelt oder in der Partnerschaft hat (Stigmatisierung, Diskriminierung, gestörtes Liebesleben u.m.). Die Dermatologen sollen eigentlich bei der Untersuchung danach fragen!
 


	Eigentlich darf ein Biologikum nur für die Fälle verschrieben werden, für die es zugelassen ist. Die Upgrade-Kriterien gehören nicht dazu. Sie stehen zwar in der Leitlinie, gelten aber lediglich als Empfehlungen. Allerdings spiegeln die Leitlinien den aktuellen „allgemein anerkannten fachlichen Standard“ wider. Solche Upgrade-Kriterien für die Behandlung mit Biologika gibt es nur in Deutschland. Sie werden grundsätzlich von den Krankenkassen anerkannt.
 


	Konventionelle Therapien wirken schlecht



	Professor Sascha Gerdes (Kiel) bezeichnete die klassischen („konventionellen“) Psoriasis-Therapien als „nicht mehr state of the art“.
 


	
		Sie würden bei zu wenig Patienten zu langsam wirken. So werde z.B. der PASI 75 bei Methotrexat (MTX) bei nur 45 Prozent nach 52 Wochen erreicht. Mit einem Biologikum sei es zehnmal so wahrscheinlich, einen PASI 75 zu erreichen wie mit einem Fumarat. Standard sei aber heutzutage PASI 90, den man mit neuen Medikamenten bei über 70 Prozent der Patienten erreicht.
	
	
		Sie würden nicht das Risiko für Begleiterkrankungen senken, z.B. Herz-/Kreislauferkrankungen, chronische, Darmentzündung aber auch Gelenke, sondern nur auf die Haut wirken.
	
	
		Britische Registerdaten zeigen, dass zum Beispiel 50 Prozent der MTX-Patienten die Therapie wechseln.
	



	Er plädierte dafür, diese Therapien aus den Leitlinien zu streichen. Man vergeude wichtige Zeit, weil man mit "schlechten Medikamenten herumdoktere". Selbst finanziell würde sich die Behandlung mit den preiswerteren Präparaten nicht lohnen, wenn man alles mit einberechne.
 


	Nach wie vor seien Fumarsäure und MTX die bei uns am meisten verschriebenen Wirkstoffe, so Professor Pinter. Er finde es in Ordnung, eines von beiden zu verschreiben, bevor man auf die neuen wechsele.
 


	Tabletten oder Pen?



	Die besten Ergebnisse erzielen zur Zeit Psoriasis-Wirkstoffe, die gespritzt werden. Trotzdem bevorzugen viele Tabletten o.ä. (Tablette statt Spritze). Apremilast (Otezla) und Deucravacitinib (Sotyktu) wirken gut, aber etwas schwächer als die Biologika. In Zukunft werden auch Interleukin-Hemmer, die bisher injiziert wurden (IL-17i + IL23i), als Tabletten zur Verfügung stehen.
 


	Professorin Schmieder gab zu Bedenken, dass man eher vergesse, täglich eine Tablette einzunehmen als in größeren Abständen einen Wirkstoff zu spritzen. Anders bei Patienten, die sowieso schon täglich Pillen einnehmen müssen. Ratsam ist, eine sichere Möglichkeit zu finden, wie man täglich an die Einnahme erinnert wird. So kann man die Tabletten so auffällig deponieren, dass man sie nicht übersehen kann. Oder man hat auf dem Smartphone eine Erinnerungs-App.  
 


	Tacrolimus bei Kopf-Psoriasis



	Im Februar 2024 wurde die Tacrolimus-Emulsion Sumilor zur Behandlung der Schuppenflechte auf der Kopfhaut zugelassen. Wir haben ausführlich über das neue Medikament berichtet (siehe Sumilor, eine tacrolimushaltige Emulsion - die kortisonfreie Alternative). Es gibt technische Probleme mit der Verpackung, so dass der Hersteller noch nicht absehen kann, wann das Produkt ausgeliefert und verschrieben werden kann. Wir werden melden, wenn es soweit ist.
 


	Der Wirkstoff Tacrolimus gehört zur Gruppe der Calcineurin-Inhibitoren. Dazu zählen auch Pimecrolimus und Ciclosporin. Alle hemmen das Enzym Calcineurin. Das benutzt Zytokine, um Entzündungssignale ans Immunsystem weiterzugeben. Dieser Signalweg wird unterbrochen. Calcineurin-Hemmer werden seit langem bei der Neurodermitis eingesetzt. Sie gelten als nebenwirkungsarme Alternative zu kortisonhaltigen Salben, Cremes oder Emulsionen.
 


	Aufgeschnappt



	
		Es gibt Fälle, bei denen die gute Behandlung der Psoriasis dazu führt, dass danach eine verborgene Neurodermitis aktiv, d.h. "demaskiert" wird. In 10% der Fälle läuft es umgekehrt (Prof. Diamant Thaci, Lübeck).
	
	
		Es gibt keine prospektiv-randomisierte Studie, die nachweist, das Methotrexat die Gelenkzerstörung bei der Psoriasis arthritis besser aufhält als ein Placebo (Dr. Philipp Sewerin aus Herne).
	
	
		95 Prozent der Psoriasis-Patienten kommen nicht darauf, dass ihre anderen Krankheiten etwas mit Psoriasis zu tun haben könnten und umgekehrt (Professor Johannes Wohlrab aus Halle).
	
	
		Tägliches Baden verschlechtert eine Neurodermitis nicht, wenn man sich hinterher die Haut eincremt (Professor Thomas Werfel aus Hannover).
	



	Frei verkäufliche Produkte, die uns aufgefallen sind



	
		Alnovat zur äußerlichen Behandlung einer leichten Psoriasis mit Ölextrakten aus Haselnüssen, Kokosnüssen, Mandeln, Brennnessel und Bittermandel. Dessen Wirkung wurde verglichen mit Calcipotriol (Firma: AlnaPharm)
	
	
		Kertyol P.S.O. für die Kopfhaut als Shampoo (mit Ichtyol 0,3%, Salicylsäure 2%) oder als Konzentrat (Ichthyol 0,5 %, Polidocanol 1%). (Firma: DUCRAY)
	
	
		Mediderm Shampoo für die Anwendung bei Psoriasis mit weißem Ichthyol. (Firma: Spreewälder Arzneimittel)
	
	
		natuur+ - breite Palette von therapiebegleitenden Produkten mit Blätterextrakt des Neembaums (Pflegecreme und -salbe, Kopfhautöl und -tonic, Nagelbalsam, Body Lotion, Shampoo.) (Firma: Azadivine)
	
	
		Norsan-Omega-3-Fettsäuren mit hohem EPA- und DHA-Anteilen in Kapseln und Fläschchen mit natürlichem Fischöl und für Vegetarier mit Algenöl. (Firma: Norsan)
	
	
		PsoriBene-Gel zur Schuppenentfernung bei Psoriasis mit Fettsäuren, Glyzerin, Jojoba- und Olivenöl. (wurde verglichen mit Loyon, Transkript 94) (Firma: InfectoPharm)
	
	
		Sebexol entzündungsvorbeugendes Haarwasser bei Juckreiz und Spannungsgefühl der Kopfhaut aus Meersalz, Natrium und Milchsäure. (Firma: DEVESA Dr. Reingraber)]]></description><enclosure url="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2024_07/fobi2024.jpg.a082d7515191952fe57ef32efef156eb.jpg" length="184407" type="image/jpeg"/><pubDate>Fri, 26 Jul 2024 10:45:00 +0000</pubDate></item><item><title>Vitamin D und Psoriasis: Studie findet m&#xF6;glichen Zusammenhang bei bestimmten Patienten</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/forschung/vitamin-d-und-psoriasis-studie-findet-moeglichen-zusammenhang-bei-bestimmten-patienten-r1302/</link><description>Fr&#xFC;here Studien deuteten bereits auf einen Zusammenhang zwischen niedrigem Vitamin-D-Spiegel und Schuppenflechte hin, allerdings meist nur bei schwer betroffenen Patienten in Kliniken. Eine aktuelle Studie best&#xE4;tigt diesen Zusammenhang f&#xFC;r die Allgemeinbev&#xF6;lkerung nicht. Aber: Sie zeigt, dass die Kombination aus &#xDC;bergewicht und Vitamin-D-Mangel daf&#xFC;r sorgen k&#xF6;nnte, dass eine Schuppenflechte aktiver ist.
 


	Warum die Forscher die Studie gemacht haben



	Forscher wollten herausfinden, ob ein niedriger Vitamin-D-Spiegel im Blut mit einem erh&#xF6;hten Risiko f&#xFC;r Schuppenflechte einhergeht. In fr&#xFC;heren Studien sprach einiges daf&#xFC;r &#x2013; doch es fehlten noch Daten aus gr&#xF6;&#xDF;eren Studien mit mehr Teilnehmern vor allem auch mit leichterer Psoriasis.
 


	Welches Ziel die Studie hatte



	In der Studie wurde der Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Spiegel und Schuppenflechte in einer gro&#xDF;en bev&#xF6;lkerungsbasierten Kohorte untersucht. Au&#xDF;erdem wollten die Forscher pr&#xFC;fen, ob &#xDC;bergewicht den Zusammenhang beeinflusst. Der Vitamin-D-Spiegel wurde als 25-Hydroxy-Vitamin-D (25[OH]D) gemessen.
 


	Wie die Studienautoren vorgegangen sind



	Die Forscher nutzten Daten der sogenannten Troms&#xF8;-Studie aus den Jahren 2015-2016. Daran nahmen 19.520 Personen im Alter von 40 bis 79 Jahren aus der Allgemeinbev&#xF6;lkerung teil.
 


	Die Experten analysierten, wie die Beziehung zwischen 25(OH)D und Schuppenflechte verl&#xE4;uft. Das Risiko f&#xFC;r eine Schuppenflechte in der Vergangenheit oder aktuell sch&#xE4;tzten sie mittels logistischer Regression (Erkl&#xE4;rung unten). In den Analysen ber&#xFC;cksichtigten sie Faktoren wie den Monat der Blutabnahme, den Body-Mass-Index (BMI), das Alter und das Geschlecht. Sie untersuchten auch die Wechselwirkung zwischen BMI und 25(OH)D.
 


	
		
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	Welche Ergebnisse die Forscher fanden



	Von den 19.520 Teilnehmern (52,3 Prozent Frauen, Durchschnittsalter 56,3 Jahre) berichteten 10,7 Prozent von einer Schuppenflechte in der Vergangenheit und 6 Prozent von einer aktiven Schuppenflechte in den letzten 12 Monaten. Es zeigte sich kein Zusammenhang zwischen dem 25(OH)D-Spiegel und einer Schuppenflechte in der Vergangenheit.
 


	Bei den Leuten mit der aktuellen Schuppenflechte sah es so aus, als ob ein Zusammenhang da sein k&#xF6;nnte. Aber so richtig sicher waren sich die Forscher nicht. Was sie aber rausgefunden haben: Wenn jemand &#xFC;bergewichtig ist und gleichzeitig zu wenig Vitamin D hat, dann ist die Gefahr f&#xFC;r eine aktive Schuppenflechte fast doppelt so hoch wie bei Leuten mit normalem Gewicht und genug Vitamin D.
 


	Zu welcher Schlussfolgerung die Forscher kommen



	Die gro&#xDF;e bev&#xF6;lkerungsbasierte Studie fand keinen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Spiegel und Schuppenflechte. M&#xF6;glicherweise war die Studie nicht gro&#xDF; genug, um einen Schwellenwert-Effekt im niedrigen Vitamin-D-Bereich zu entdecken.
 


	Die Interaktionsanalyse deutet aber darauf hin, dass die Kombination aus hohem BMI und Vitamin-D-Mangel das Risiko f&#xFC;r eine aktive Schuppenflechte st&#xE4;rker erh&#xF6;ht als die Summe der Einzelfaktoren. Bei &#xFC;bergewichtigen Schuppenflechte-Patienten k&#xF6;nnte es daher sinnvoll sein, einen Vitamin-D-Mangel zu vermeiden.
 


	Welche Einschr&#xE4;nkungen die Forscher f&#xFC;r ihre Studie sehen



	Die Studie basiert auf Selbstangaben der Teilnehmer zu ihrer Schuppenflechte. Dabei kann es zu Erinnerungsfehlern und Fehlklassifikationen gekommen sein. Au&#xDF;erdem l&#xE4;sst das Design der Studie keine R&#xFC;ckschl&#xFC;sse auf Ursache-Wirkungs-Beziehungen zu.
 


	Wo die Studie stattfand



	Die Studie fand in Norwegen statt.
 


	Wer die Studie finanziert hat



	Informationen zur Finanzierung der Studie wurden nicht angegeben.
 


	Fachbegriffe erkl&#xE4;rt



	Body-Mass-Index (BMI): Der BMI ist ein Ma&#xDF; zur Bewertung des K&#xF6;rpergewichts in Relation zur K&#xF6;rpergr&#xF6;&#xDF;e. Er wird berechnet, indem man das K&#xF6;rpergewicht in Kilogramm durch die K&#xF6;rpergr&#xF6;&#xDF;e in Metern zum Quadrat teilt. Ein BMI &#xFC;ber 25 gilt als &#xDC;bergewicht, &#xFC;ber 30 spricht man von Adipositas (Fettleibigkeit).
 


	25-Hydroxy-Vitamin-D (25[OH]D): 25(OH)D ist die Form von Vitamin D, die im Blut gemessen wird, um den Vitamin-D-Status einer Person zu bestimmen. Vitamin D wird zum einen durch Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet, zum anderen &#xFC;ber die Nahrung aufgenommen bzw. aus ihr verstoffwechselt. Es ist wichtig f&#xFC;r viele Funktionen im K&#xF6;rper, unter anderem f&#xFC;r ein gesundes Immunsystem und den Knochenstoffwechsel.
 


	Logistische Regression: Die logistische Regression ist ein statistisches Verfahren, mit dem man den Einfluss verschiedener Faktoren auf ein bin&#xE4;res Ereignis (das nur zwei m&#xF6;gliche Auspr&#xE4;gungen hat, z.B. krank vs. nicht krank) untersuchen kann. Sie erlaubt Aussagen dar&#xFC;ber, um wie viel sich das Risiko f&#xFC;r das Ereignis &#xE4;ndert, wenn sich ein Einflussfaktor um eine Einheit erh&#xF6;ht.
 


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	&#x279C; Artikel: Brauchen wir wirklich Vitamin-D-Tabletten?
 


	&#x279C; Blog: Vitamin D - &#xE4;u&#xDF;erlich und innerlich &#x2013; "Altes", Neues und Anwendungserfahrungen
 


	&#x279C; Forum: Erfahrungen mit Vitamin-D-Tabletten bei Psoriasis und Psoriasis arthritis
 


	 
 


	Quelle: "The association between serum 25-hydroxyvitamin D levels and psoriasis in a large population-based cohort: a cross-sectional analysis of The Troms&#xF8; Study 2015&#x2013;16" in: British Journal of Dermatology, November 2023</description><enclosure url="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2024_07/VitaminDbergewicht.jpg.cdb75ca425fdeb18cde7128a2459701b.jpg" length="135736" type="image/jpeg"/><pubDate>Wed, 03 Jul 2024 20:50:00 +0000</pubDate></item><item><title>Forscher wollen Psoriasis aus der Ferne ertasten &#x2013; und suchen Patienten daf&#xFC;r</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/forschung/forscher-wollen-psoriasis-aus-der-ferne-ertasten-%E2%80%93-und-suchen-patienten-dafuer-r1288/</link><description>K&#xF6;nnen &#xC4;rzte anhand von Fotos ertasten, wie stark eine Psoriasis ist? Die Frage klingt seltsam, doch sie ist Thema eines Forschungsprojektes: Mediziner und Informatiker testen, ob sich so die Therapie der Schuppenflechte verbessern l&#xE4;sst.
 


	Im Projekt HybridVITA treten zwei Ger&#xE4;te zum Test an: eine Platte und ein Handschuh. Die Platte ist ein Ultraschall-Board, durchzogen von vielen Kristallen, der Handschuh ist aus vielen elektronischen Bauteilen zusammengesetzt. Mit beiden wollen die Forscher die Psoriasis erf&#xFC;hlen und ertasten k&#xF6;nnen &#x2013; ohne dass der Patient vor Ort sein muss.
 


	Die Patienten nehmen zuhause Fotos von ihren Psoriasis-Stellen auf und schicken sie an die Forscher. Ein Computer generiert daraus 3D-Bilder, Signale werden an das Ultraschall-Board geschickt, das Bild wird in akustische Signale umgewandelt. Board und Software zeigen den Forschern auch, ob sich die Psoriasis ausgebreitet hat, ob sie entz&#xFC;ndeter ist oder die Stellen dicker geworden sind. Die &#xC4;rzte k&#xF6;nnen reagieren und eine Therapie starten oder anpassen.
 


	"Wir trainieren mit den Fotos unsere K&#xFC;nstliche Intelligenz", erkl&#xE4;rt Professorin Astrid Schmieder vom Universit&#xE4;tsklinikum W&#xFC;rzburg. Das sollen eben nicht Profi-Fotos vom Klinikfotografen sein, sondern Bilder, die von Betroffenen im Alltag aufgenommen werden &#x2013; auch mal unscharf, schlecht ausgeleuchtet oder automatisch vom Smartphone mit Weichzeichner versehen.
 


	Das zweite Ger&#xE4;t im Projekt-Test &#x2013; der Handschuh &#x2013; dient virtuellen Visiten. Dabei k&#xF6;nnen &#xC4;rzte mit einer Virtual-Reality-Brille und eben jenem Sensorhandschuh die Hautver&#xE4;nderungen in 3D sehen und f&#xFC;hlen.
 


	
		
			
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	Und was haben die Patienten davon? Eine App, eine Verlaufskontrolle, mehr Wissen und &#x2013; wenn n&#xF6;tig &#x2013; eine Therapie.
 


	Wenn die Patienten mit einem Arzt &#xFC;ber ihre Psoriasis oder deren Behandlung sprechen wollen, k&#xF6;nnen sie in dem Programm einen Termin f&#xFC;r eine Video-Visite vereinbaren. Die App versorgt sie au&#xDF;erdem mit einer kurzen Psoriasis-Schulung &#x2013; Videos, die die Mediziner in der Uniklinik f&#xFC;r die Patienten erstellt haben. Und weil viele Menschen mit Psoriasis auch psychologischen Beratungsbedarf haben, sind zwei Psychiater vom Zentralinstitut f&#xFC;r Seelische Gesundheit in Mannheim im Projekt an Bord. Sie helfen bei der Problemfindung und -l&#xF6;sung, sie verstehen sich aber auch als Lotsen, die den Betroffenen zeigen, wo sie Hilfe finden. Sie entwickelten auch Videos mit Anleitungen zur Bew&#xE4;ltigung von Stress oder Angst sowie zur Meditation.
 


	Im Laufe der Studie werden die Patienten in der App auch immer wieder nach ihren Symptomen und Lebensumst&#xE4;nden gefragt &#x2013; nach ihrer Lebensqualit&#xE4;t. Aktivit&#xE4;ten, Stimmung, Schmerzen oder Therapie. Und so kommen die Patienten im Laufe des Projekts zu einem Psoriasis-Tagebuch. "Nebenbei" kommen die Teilnehmer so auch zu einer Behandlung ihrer Psoriasis in der Uni-Klinik.
 


	Zun&#xE4;chst werden 100 Patienten mit Psoriasis f&#xFC;r eine Machbarkeitsstudie gesucht. Wenn die erfolgreich ist, plant das Team, die App und die digitale Diagnostik in einer gr&#xF6;&#xDF;eren klinischen Studie zu testen. Das ist wichtig, weil immer mehr Patienten den Rat von &#xC4;rzten suchen und die Wartezeiten f&#xFC;r Behandlungstermine l&#xE4;nger werden.
 


	Wer Psoriasis hat, mit den Forschern ein Jahr lang seine Erkrankung dokumentieren will und Lust hat, mit seiner Teilnahme bei der technischen Entwicklung zu helfen, kann sich bei Professorin Astrid Schmieder per E-Mail an schmieder_a@ukw.de melden:.
 


	F&#xFC;r drei Untersuchungen ist ein Besuch in W&#xFC;rzburg oder Mannheim n&#xF6;tig, alle weiteren Kontakte laufen virtuell. Mehr &#xFC;ber den Ablauf haben die Forscher auf der Internetseite zur Studie aufgeschrieben.
 


	
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		&#x2794; Lexikon: Fachbegriffe von A bis Z</description><enclosure url="https://www.psoriasis-netz.de/cms-app/monthly_2024_03/vrbrille-sensorhandschuh.jpg.754affe4cb5bfcaa4dfa6505adb84189.jpg" length="108727" type="image/jpeg"/><pubDate>Fri, 22 Mar 2024 19:08:00 +0000</pubDate></item><item><title>Von Spritzen zur Tablette: Neues Psoriasis-Medikament in der Entwicklung</title><link>https://www.psoriasis-netz.de/magazin/forschung/von-spritzen-zur-tablette-neues-psoriasis-medikament-in-der-entwicklung-r1283/</link><description>Medikamente, die das Zytokin IL-23 blockieren, gibt es bislang nur in Spritzenform. Forscher haben die Wirkstoff-Art in Tablettenform gebracht. Ein Team, unter anderem aus Kiel, hat nun gezeigt: Auch in Tablettenform ist das Medikament wirksam.
 


	IL-23 spielt eine Schl&#xFC;sselrolle im Entz&#xFC;ndungsprozess der Schuppenflechte. Durch die gezielte Blockade dieses Zytokins kann die &#xFC;beraktive Immunreaktion, die f&#xFC;r die Entz&#xFC;ndung der Haut verantwortlich ist, effektiv einged&#xE4;mmt werden. Die bisherigen Therapien basierten auf komplexen Molek&#xFC;len, die nicht als Tablette oder Kapsel aufgenommen werden konnten, weil sie im Verdauungstrakt zerkleinert w&#xFC;rden. Der neue Wirkstoff hingegen ist klein genug, um den Weg durch den Verdauungstrakt unbeschadet zu &#xFC;berstehen und so die Entz&#xFC;ndungszellen effektiv zu erreichen. Die neue Therapie erm&#xF6;glicht es den Patienten also, ihre Medikation einfach zu schlucken &#x2013; f&#xFC;r viele eine erhebliche Erleichterung im Alltag. Und: Sie muss nicht wie die Biologika gek&#xFC;hlt werden.
 


	Professor Sascha Gerdes vom Exzellenzcluster &#x201E;Precision Medicine in Chronic Inflammation&#x201C; (PMI) in Kiel war an der Studie beteiligt. Er berichtete von Ergebnissen einer Studie: Die Symptome der Schuppenflechte, wie Hautr&#xF6;tungen, Verdickungen, Schuppung und Juckreiz, gingen innerhalb weniger Wochen deutlich zur&#xFC;ck oder verschwanden sogar komplett.
 


	In der Studie nahmen die Teilnehmer ein- oder zweimal am Tag eine Tablette ein. Nach 16 Wochen wurde ein Fazit gezogen:
 


	
		
			
				Dosierung von JNJ-77242113
			
			
				Verbesserung der Psoriasis nach 16 Wochen um...
			
		
		
			
				25 mg einmal t&#xE4;glich
			
			
				37%
			
		
		
			
				25 mg zweimal t&#xE4;glich
			
			
				51%
			
		
		
			
				50 mg einmal t&#xE4;glich
			
			
				58%
			
		
		
			
				100 mg einmal t&#xE4;glich
			
			
				65%
			
		
		
			
				100 mg zweimal t&#xE4;glich
			
			
				79%
			
		
		
			
				Placebo
			
			
				9%
			
		
	



	Weil die Corona-Pandemie in die Studienzeit fiel, z&#xE4;hlte auch Covid-19 zu den Nebenwirkungen. Die Zahl derer, die daran erkrankten, war in beiden Gruppen &#xE4;hnlich &#x2013; also bei denen, die eine Tablette mit Wirkstoff erhalten hatten oder ohne. Die zweith&#xE4;ufigste Nebenwirkung war eine Nasopharyngitis &#x2013; eine Nasenrachenentz&#xFC;ndung. Die bekamen f&#xFC;nf Prozent der Placebo- und sieben Prozent der anderen Teilnehmer.
 


	Diese Medikamenten-Entwicklung ist nicht nur f&#xFC;r Menschen mit Schuppenflechte ein Grund zur Hoffnung. Da IL-23 auch bei anderen chronischen Entz&#xFC;ndungserkrankungen eine Rolle spielt, k&#xF6;nnte die neue Therapieform potenziell auch bei der Behandlung von Krankheiten wie chronischen Darmentz&#xFC;ndungen und rheumatischen Erkrankungen zum Einsatz kommen.
 


	
		
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	Nach den Ergebnissen der Phase-2-Studie steht nun eine umfangreichere und l&#xE4;nger angelegte Phase-3-Studie bevor. In dieser letzten klinischen Studienphase vor einer m&#xF6;glichen Zulassung des Medikaments soll die Wirksamkeit und Vertr&#xE4;glichkeit an mehr als 1500 Patienten weltweit &#xFC;ber mehrere Jahre hinweg getestet werden.
 


	Am Campus Kiel des Universit&#xE4;tsklinikums Schleswig-Holstein wurden bereits erste Patienten in diese neue Studienphase aufgenommen. Auch die Uni-Hautkliniken in M&#xFC;nster und T&#xFC;bingen suchen bereits Patienten ab einem Alter ab 12 Jahren f&#xFC;r das Studienprogramm.
 


	Zugelassene Wirkstoffe, die auch IL-23 blockieren, sind zum Beispiel:
 


	
		Ustekinumab: Dieses Medikament blockiert die Wirkung von IL-12 und IL-23 und wird unter dem Handelsnamen Stelara vermarktet.
	
	
		Guselkumab: Verkauft als Tremfya, zielt dieses Medikament spezifisch auf IL-23 ab.
	
	
		Tildrakizumab: Auch dieses Medikament, bekannt unter dem Namen Ilumya, blockiert IL-23.
	
	
		Risankizumab: Handelsname Skyrizi, ist ebenfalls ein IL-23-Inhibitor.
	



	Der neue Wirkstoff in Tablettenform hat noch keinen sinnvollen Namen, sondern tr&#xE4;gt noch das K&#xFC;rzel JNJ-77242113 oder JNJ-2113 oder PN-235. Hersteller ist die Firma Janssen. Bis der Wirkstoff auf den Markt kommt, werden noch einige Jahre vergehen:F&#xFC;r gew&#xF6;hnlich dauern Phase-III-Studien mehrere Jahre.
 


	Studien haben seit einigen Jahren immer mehr oder weniger fantasievolle Bezeichnungen. Die f&#xFC;r JNJ-77242113 hei&#xDF;en Frontier. In Frontier-1 wurde untersucht, wie das Medikament bis zu Woche 16 wirkt. In Frontier-2 ging es dann um die Wirkung von Woche 16 bis 52.
 


	



	Upate November 2024: Der. Wirkstoff hei&#xDF;t Icotrokinra. Mehr &#xFC;ber Studienergebnisse (und um wieviel Geld es dabei auch geht) ergibt sich aus dieser Ver&#xF6;ffentlichung.
 


	
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