Sparen für die Pflegecreme

Der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen hat im Jahr 2004 die erste Fassung einer neuen Ausnahmeliste beschlossen – eine Liste, auf der steht, welche Dinge die Krankenkasse noch bezahlt, obwohl sie nicht rezeptpflichtig sind. Für Menschen mit Schuppenflechte sind seither vor allem Pflegecremes und -salben ein zweifelhaftes Privatvergnügen.

Auf der Liste taucht nur noch Salicylsäure auf, die der Hautarzt in Cremes zum Entschuppen mixen lassen darf. Salicylsäure ist nicht jedermanns Sache. Mancher mag sie nicht, mancher verträgt sie schlicht nicht.

Vorher hatten auf der vorläufigen Liste noch Präparate mit Harnstoff gestanden, wenn dessen Anteil über zehn Prozent betrug. Diese Pflegecremes muss nun jeder selbst bezahlen.

Konkret schätzte Dr. Matthias Augustin, damals noch an der Freiburger Universität beschäftigt, dass jeder Hautkranke Belastungen „im vierstelligen Euro-Bereich“ auf sich nehmen müsse.

„Damit scheint eine Behandlung der Patienten gemäß unseren Leitlinien nicht mehr möglich“, hieß es aus dem Vorstand des Berufsverbandes Deutscher Dermatologen. Dr. Erich Schubert, damals Chef der Ärzte-Vereinigung, wundert sich: Im Dezember 2003 standen die Basis-Medikamente der Hautärzte für die Intervall-Therapie sowie harnstoffhaltige Mittel oder Balneo-Therapeutika noch in den Plänen für die Ausnahmeregelung. Außerdem hätte der Bundesausschuss für sich den Anspruch erhoben, nach „evidencebasierten Gesichtspunkten“ zu urteilen, also nach wissenschaftlich fundierten und bewiesenen Aspekten. Diesen Anspruch sieht Dr. Schubert nicht erfüllt. „Die Pflegepräparate sind eindeutig Therapiestandard“, bestätigte Dr. Marlies Volkmer, Hautärztin und damals Bundestagsabgeordnete. Sie wollte dann das Gespräch mit der damaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt suchen. 

Auch für Menschen mit Psoriasis arthritis sieht es in der Regelung nicht besser aus: Für sie bezahlen die Krankenkassen nur noch synthetischen Speichel zur Behandlung der Mundtrockenheit und synthetische Tränenflüssigkeit.

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3 Kommentare

  1. Im Stich lassen
    Was ist los mit den Krankenkassen und unserem Gesetz? Schuppenflechte als solches ist furchtbar lästig. Bei nicht fachgerechter Behandlung wird es für die Betroffenen sogar lebensgefährlich. Nur eine alberne Salbe und irgendein Wässerchen gesteht uns die Krankenkasse zu? Ich habe keine Lust, über menschliche Hilfe zu diskutieren. Schon gar nicht bei einer Gesetzlage, die Kranke begünstigt, hervorruft, im Stich lässt und offenbar nichts zu tun gedenkt, um dem geplagten chronischen Psoriatiker zu helfen. Das heißt doch im Grunde genommen: „Dass, mein Lieber, ist dein Problem, bitte verrecke endlich und nerve nicht.“ Vielen Dank auch…

  2. 😉
    Ist doch immer wieder schoen zu sehen, wie besorgt der Staat um seine Buerger ist. Ist ja kein Problem, wenn der Psoriasis-Patient leiden muss, nicht wahr. Wie lebt er eigentlich bei all den Beschwerden? Wie funktioniert sein soziales Umfeld, wenn er wie ein Aussaetziger aussieht? Ich bin siche,r der Lebensmittelmarkt ist begeistert, wenn so ein Mensch da einkaufen geht. Ich hoffe, daran aendert sich mal was.

  3. Krank zu sein ist eben ein Luxus, den sich nicht jeder leisten kann. Ich bin Student, der mangels Unterstützung durch die Eltern nebenher arbeiten muss (und zwar wirklich muss), um über die Runden zu kommen. Wenn dann auch noch ein Teil des in Knebelverträgen verdienten Geldes – bei denen man für 400 Euro im Monat 20 Stunden und mehr in der Woche (!) schufften darf und sein Studium dafür vernachlässigen muss – für vergleichsweise hohe Krankenkassenbeiträge, Arztkosten und Medikamente draufgehen, kommt man schnell auch in einen Teufelskreis aus Zeitdruck, Stress, neuen Krankheitsschüben und stetig steigendem Behandlungsbedarf, der wiederum mehr Geld kostet und mehr Arbeit erfordert. Im Nu ist man dann 30 bis man mit seinem Studium fertig ist und wird dann auch noch ständig gefragt, was man so lange gemacht habe. Das aber natürlich nur von Leuten, die weder Psoriasis haben noch besonders viel arbeiten mussten.

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